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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing UNEARTH, JOB FOR A COWBOY, DESPISED ICON, DAATH
Ort Kln, Underground
Datum 03.04.2007
Autor David Lang
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Monate habe ich mich auf dieses Package gefreut und meine Vorfreude sollte nicht umsonst gewesen sein. Die Tot-Metaller von DAATH (OK, die kannte ich bis dato nicht), meine Helden der Death Core Combo DESPISED ICON, die Hopefuls von JOB FOR A COWBOY und last but not least Massuchusetts Metalknige: UNEARTH.
Erwartungsgem war das Underground restlos ausverkauft und genauso vorhersehbar war die Parkplatzsituation im Umkreis des Klner Clubs. Hinzu kam noch eine Show in der benachbarten Live Music Hall. Daath Geschtzte 20 (und gefhlte 200) Minuten fuhren Silent Bob und ich also zunchst einmal durch smtliche Nebenstraen, die Vogelsangstrae und Lichtstrae zu bieten hatten, bis wir schlussendlich in den sauren Apfel bissen und auf einem gebhrenpflichtigen Platz parkten. Eine mehr als unzufrieden stellende Situation, an der die Leute vom Underground endlich mal etwas ndern knnten.
Dachte ich zunchst noch, der vllig ausverkaufte Club wre das nchste rgernis, so muss ich hier vershnlich werden. Scheinbar haben die Betreiber aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und die tatschlichen Kapazitten noch einmal berdacht. So kam es dann auch, dass man sich trotz voller Htte noch verhltnismig gut bewegen konnte. Fr Pitkmpfer und Rucksacktrger kann ich schlielich keine Veranstalter verantwortlich machen.

Daath

Die waren es dann auch, die meinen Spa, wenn auch nur minimal, trbten. Als ich mich schlielich, zwecks besserer Fotos, bis zur ersten Reihe durchgekmpft hatte, belief sich die restliche Spielzeit von DAATH schon nur noch auf ca. 10 Minuten. Keine guten Voraussetzungen also, um sich ein halbwegs vernnftiges Bild von den Livequalitten der Amis zu machen. Ich hatte hohe Erwartungen an die Band, denn ihr neues Album wurde von Seiten der Presse schon mit massig Lob versehen. Mehr als ganz netten, groovigen Death Metal mit gelegentlichen Keyboard- und Black Metal Versatzstcken gab es jedoch nicht zu hren. Posen konnten die Herren um Schlagzeug-Prinz Kevin Talley aber allemal und so sah das Gesamtbild das DAATH hinterlieen, fr einen ersten Eindruck dann gar nicht mal schlecht aus. Beim nchsten mal hoffentlich mehr.

DESPISED ICON waren mit der Hauptgrund meines Kommens. Seitdem ich im Frhjahr 2005 "The Healing Process" hren durfte, zhlen die Kanadier zu meinen Lieblingsbands. Und ich sollte nicht enttuscht werden. Das Inferno, das die sechs Jungs entfachten, war vor allem eins: intensiv.
Druckvoll und brutal ballerte der Sound aus den Boxen. berhaupt muss man sagen, dass der Sound ber den gesamten Abend doch verdammt ordentlich krachte und kaum Schwchen aufwies. Auch die Lautstrke war OK. Das nur am Rande. DESPISED ICON jedenfalls bretterten ihren halsbrecherischen Mix aus Death/Grind und beatdownlastigem Moshcore ins vllig ausrastende Volk. Ich muss zugeben, ich war von den enthusiastischen Reaktionen des Publikums doch sehr berrascht. Dies war zwar der erste Auftritt der Kannucks in unseren Breitengraden, doch dass sie im deutschen Underground eine solche Popularitt genieen, blieb mir bis dato verborgen.

Despised Icon Despised Icon

Vom durchdrehenden Mob angestachelt lief das Sextett zu absoluter Hchstform auf und haute einen Hit nach dem anderen aus dem rmel. Ob nun ltere Kracher vom Debt "Consumed By Your Poison" ("Compelled To Copulate"), oder Brecher wie "The Sunset Will Never Charm Us" und "Bulletproof Scales" vom 05er Meisterwerk "The Healing Process"; Band und Publikum schaukelten sich gegenseitig immer wieder hoch. Selbst das brandneue "In The Arms Of Perdition" vom im Mai erscheinenden, neuen Album "The Ills Of Modern Man" wurde aufgenommen wie ein alter Bekannter. Ein Bilderbuch-Auftritt! Aber mit Animal aus der Muppet-Show am Schlagzeug kann ja auch nix mehr schief gehen.

Ich wrde fast wetten, dass ich nicht der einzige bin, der JOB FOR A COWBOY durch ein unglaublich geiles Video auf "YouTube" kennen lernen durfte. Ob mehr dahinter steckte, sollte sich zeigen. Das schwindelerregend hohe Niveau von DESPISED ICON konnte die Combo mit dem coolen Namen jedenfalls halten. War mir von dieser Band bis jetzt noch nicht allzu viel Liedgut bekannt, so fixten mich die brtigen Burschen (bis auf den Wirbelwind von Drummer trugen alle mehr oder weniger ordentliche Gesichtspullis) recht schnell mit ihrem brutalen Gemisch aus Death, ordentlichem Gefrickel und ein wenig Hardcore an. Also stilistisch hnlich wie DESPISED ICON, nur mehr Metal, weniger Core und ein Snger, der einem, im positiven Sinne, smtliche Plomben zieht. Was fr ein Monster... Doch die Instrumentalfraktion braucht sich zu keinem Zeitpunkt hinter dem Brllwrfel zu verstecken, spielt sie doch przise und anspruchsvoll wie Sau. Witzig fand ich auch die beiden Gitarristen, die jeweils ein "Nile" und ein "Vile" Shirt trugen. Wieso gehen die zwei Bands eigentlich nicht gemeinsam mit "Bile" auf Tour?! Wre doch ein witziges Package. Knnte dann die "Blo keine (E)Ile"-Tour heien.

Job For A Cowboy Job For A Cowboy

Apropos Shirts: ich habe in den letzten Jahren kaum noch Band-Merch gesehen, das mehr als drei Farben aufwies. JOB FOR A COWBOY sei Dank darf man aber nun wieder in unglaublich bunten Leibchen herumlaufen. Jedenfalls lassen all die bunten, langhaarigen im Underground darauf schlieen, dass die Amis ne Menge Shirts verkauft haben. Gut so, solche Bands mssen untersttzt werden. Unearth Auch bei den Arizona-Boys dreht die Menge am Rad und ich verdanke es lediglich dem entgegenkommenden Verhalten eines Fans in den vorderen Reihen, dass mein (geliehenes) 600 Flocken teures Diktiergert nicht in die Brche gegangen ist und ich wenigstens das ein oder andere brauchbare Foto machen konnte. Als die Band dann zu guter letzt noch ihren Quasi-Spongebob-Soundtrack "Knee Deep" (jetz aber: www.youtube.com/watch?v=4p6_WZJJNBw) spielte, gabs auch fr mich kein Halten mehr und die Rbe wurde fleiig geschttelt. Well done, boys!

Nachdem ich ein feines Interview mit DESPISED ICON machen durfte und Snger Steve noch ein paar Fetzen Deutsch beigebracht habe ("in den Arsch" und "immer weiter" in dieser Kombination einen Kanadier durch den Backstage-Bereich rufen zu hren, hatte etwas sehr unterhaltsames), ging es flugs zum Headliner. Und der machte recht schnell klar, wer hier Chef im Ring war. Musikalisch, im Vergleich zum Vorprogramm, einige Hrtegrade heruntergeschraubt, gaben UNEARTH von Anfang an Vollgas. Das Publikum ebenso, doch diesmal etwas gemigter und mit weniger Kampfsport als zuvor, der kleinen Kurskorrektur der Amis sei Dank. Denn in erster Linie spielen UNEARTH einfach Metal. Der "Core"-Anteil wurde auf ein geringes Ma runter gefahren und bis auf die typischen Moshparts war das eine Lehrstunde in Sachen modernen, melodischen, aber stets aggressiven Metals. Dank der bandeigenen Harmonien und Strukturen wirkten selbst die Beatdowns nicht nervig und riefen auch kein "schon 1000 mal gehrt"-Gefhl hervor.

Unearth Unearth

Ob nun "Giles", "This Glorious Nightmare" oder "March Of The Mutes", smtliche Knaller des (nicht mehr ganz so) neuen Albums wurden aufgenommen wie gute Bekannte und fgten sich hervorragend ins restlich Programm ein. UNEARTH haben ihren Stil ganz einfach gefunden; lassen sich unter hunderten von Bands wiedererkennen und genau das macht sie so wertvoll. Denn neben all ihren Fhig- und Fertigkeiten hat die Band vor allem einen riesigen Vorteil gegenber all den anderen NWOAHM-Bands, mit denen sie gerne in einen Topf geworfen wird und das ist das Talent, Songwriting zu beherrschen und oberamtliche Hits zu schreiben. Neben den bereits erwhnten, bekam das Kln an diesem Abend auch anhand von "The Great Dividers", "Zombie Autopilot" und dem krnenden Abschluss "Black Hearts Now Reign" prsentiert. Unearth Doch UNEARTH verlieen sich nicht nur auf ihr musikalisches Knnen und ihre Hits, sondern zeigten eine Spielfreude auf der Bhne, die manch eine andere Newcomerband doch arg vermissen lsst. Besonders das Gitarrenduo Buz McGrath/Ken Susi lie keinen Quadratmillimeter der kleinen Bhne ungenutzt und stahl mitunter Snger Trevor Phipps die Show. Der hatte soviel Entertainment-Qualitten wenig entgegen zu setzen und lie seine beiden Saitenhexer ihren Spa haben.
Was Killswitch Engage ihr Adam, ist UNEARTH ihr Ken. Der kleine aufgedrehte Spavogel lie keine Chance aus, mit dem Publikum zu flirten, eine "Pinkelpause" einzulegen (nach einem halben Liter Wasser neben die Effektgerte, wurde der Stagetech doch etwas nervs) oder sonstigen Bldsinn anzustellen. So muss das sein! Hier bekam man was fr alle Sinne.

Als schlussendlich um kurz nach elf die Lichter auf der Bhne angingen und die Zugabe rufe unerwidert verhallten, machten wir uns auch auf den Heimweg, denn eins konnte ich mit Sicherheit sagen: besser htte es nicht werden knnen!
PS: solltet ihr auch mal auf die Idee kommen, auf dem gebhrenpflichtigen Parkplatz neben dem Underground zu parken, bedenkt, dass dieser um 23 Uhr schliet. Das Kassenhuschen wird dann komplett verrammelt. Nicht dass ihr noch um eine Schranke herumfahren msst...

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