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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing WETO, ALLE IM SCHRANK
Ort Bonn, Klangstation
Datum 05.12.2006
Autor Roland Wohde
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Bei Discoveranstaltungen finde ich den Namen "Klangstation" der Location in Bonn immer etwas fehl am Platz, da mir gerade der Sound dort nicht gefllt. Glcklicherweise war meine diesbezgliche Skepsis beim Konzert von WETO jedoch unbegrndet. Schon die Vorgruppe, die auf den gewhnungsbedrftigen Namen ALLE IM SCHRANK hrt, konnte ihre Darbietung bei ordentlichem Sound prsentieren.

Alle Im Schrank Alle Im Schrank

Wie der Name schon vermuten lsst handelte es sich beim Supportact nicht gerade um eine Horde griesgrmig dreinblickender Miesepeter und stellte einen krassen Gegensatz zur spter folgenden Show von WETO dar.
Dabei gelang es den fnf in Outfit, Auftreten und Art scheinbar bunt zusammen gewrfelten Jungs mit ihrem trocken albernen Humor und ihren angepunkten, verrockten Cover(per)versionen, nicht nur mich angenehm zu berraschen. Hierbei wurde, angefangen von Aha und Britney Spears, ber Kim Wilde und Wham bis zu den Beatles und Elvis (die Gang Shouts bei "In The Ghetto" allein waren die Anreise wert), alles nur Erdenkliche aus dem Hut gezaubert. Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wer ein wenig Spa inne Backen hat und tolerant genug ist, drfte bei der ebenfalls handwerklich soliden Show (kleinere Fehler wurden kurzerhand zum Showteil gemacht) auf seine Kosten gekommen sein. Das Entertainmentwunder am Mikro, das mich an eine Mischung aus Hugh Grant und Shane MacGowan von den Pogues erinnerte, war mit seiner Performance und Mimik ein weiterer dicker Pluspunkt des Auftritts. Lustige Sache das!

Weto Weto

Zumindest show- und inhaltsmig viel weniger lustig ging es danach mit WETO weiter. Die von Thomas Lidner und Martin Duckstein (SCHANDMAUL) bereits 1993 gegrndete Band hat es sich ja bekanntermaen auf die Fahnen geschrieben, einen Blick auf die Rckseite der Medaille zu werfen. Dementsprechend wurden die ca. 50 anwesenden Fans (die brigens zum Groteil aus recht jungen Mdels bestand) im Folgenden mit textlich schwerer Kost im Gewand von Rock und "Neuer Deutscher Hrte" konfrontiert, was von der sich nahtlos ins Programm einfgenden MEGAHERZ-Coverversion "Miststck" unterstrichen wurde. Hier wurde jedoch nicht die Intensitt des Originals erreicht, was in meinen Augen brigens ein Problem der ganzen Show war. Spielerisch zwar einwandfrei (was bei der Besetzung auch nicht verwundert) verloren die mitunter etwas zu gleichfrmigen Songs im Laufe der Zeit an Reiz. Dies lag wohl nicht zuletzt an dem Umstand, dass das Drumherum auf mich irgendwie berambitioniert und damit zu verkrampft wirkte, um wirklich unter die Haut zu gehen. Angefangen bei den Ansagen, die unntig oft auf die Ernsthaftigkeit der Inhalte hinwiesen, der recht steifen Performance der Mannschaft (ausgenommen Thomas am Mikro) bis hin zu einer sehr sprlichen Lightshow.
90% der Anwesenden sahen diesen Umstand aber wohl anders und feierten die Band bei aktuellen Songs wie "Tief", "Das Zweite Ich", "Das Tier", "Wolfsherz" oder "Ein Lcheln Lang" ordentlich ab (inklusive Wunderkerzen bei "In Unserer Mitte", das einem verstorbenen Freund der Band gewidmet ist). Dennoch wrde ich mir fr die Zukunft wnschen, dass WETO nicht so krampfhaft versuchen, sich von ihrem erfolgreichen "Nebenprojekt" SCHANDMAUL abzugrenzen, und ihre Botschaft ohne Holzhammermethode unters Volk bringen. Nichts desto trotz aber ein solider Auftritt.

Fotos: Roland Wohde

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