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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ZWISCHENWELTEN V
Ort Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
Datum 09.09.2006
Autor Pierre Lorenz & Marek Schoppa
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Am 09.09.06 ging das Koblenzer ZwischenWelten Event in die fnfte Runde. Zu einem ansehnlichen Festival herangewachsen, startete es vor fnf Jahren noch als kleine Insiderveranstaltung in einem schmalen Seitenarm, der Felsentorwache, der Festung Ehrenbreitstein und wuchs mit den Jahren stets weiter und weiter, bis man letztes Jahr schlielich den groen Sprung wagte und mit einer handvoll bekannter Bands, grerem Platz (Hauptgraben der Anlage) und fetter Bhne das Geschehen auf ein neues Level hob. Und die Rechnung ging auf, denn es zog nicht mehr einige wenige Koblenzer auf die Festung sondern auch Gothic und Metal Fans aus fernerer Umgebung. Um die 1700 Gste feierten gemeinsam das Geschehen inmitten der einzigartigen Atmosphre der alten Festungsmauern.
So schaffte man es dieses Jahr erneut eine annhernd gleiche Besucherzahl auf das mystische Gelnde zu locken und mit einer starken Bandauswahl, gnstigen Getrnkepreisen (z.B. 0,2l Bier/Cola 1,-), zahlreichen (glcklicher Weise hat man aus dem letzten Jahr gelernt) kulinarischen Finessen, Stnden mit Merchandise und allerlei mittelalterlichen Accessiores bei Laune zu halten.
Einem entspannten Abend stand demnach nichts im Wege. Lediglich die Getrnkebecher waren mit ihrem schmalen Ihnalt von 0,2l etwas knapp bemessen. Nchstes Mal lieber 0,4er fr 2 Euro anbieten; der Bequemlichkeit wegen. Doch nun zum eigentlichen Ordnungspunkt des Tages, den Bands:(Marek)

MERLONS LICHTER
Pnktlich um 16:30 Uhr betraten MERLONS LICHTER die stilvoll geschmckte Bhne. Stilvoll, denn an Amps und Mikrostndern hingen weie Blten en masse. Mit Titeln vom aktuellen Album "Lust" aber auch einem bisher unverffentlichten Song konnte die Band um den etwas tuckerigen Frontmann und seine hftenschwingende Kollegin das Publikum ganz gut bei der Stange halten, wenn man Uhrzeit und Startposition bedenkt. Mehr als interessiertes Zuhren und verhaltener Applaus in den Pausen war vorerst jedoch nicht drin. Erst als gegen Ende des Sets neben der Drehleier des glatzkpfigen Romantikers am Mikro verstrkt Schalmei und E-Geige zum Einsatz kamen, sah man in den ersten Reihen auch mal das ein oder andere Tanzbein schwingen. (Pierre)

KORPIKLAANI
Nach nur wenigen Minuten Umbaupause ging's dann gleich weiter mit KORPIKLAANI aus Finnland. Von Anfang an wurde eifrig mitgeklatscht zum bierseligen Humppa Metal der 6 urigen Nordmnner. Einzig Basser und Violinist passten eventuell nicht so ganz in's Bild: Jarkko am Tieftner ist ein 1A Grinsegesicht Marke Dave Murray (Maiden) und Hittavainen hat das mit dem Bangen wohl noch nicht so ganz raus. Dafr kippte Snger Jonne sich ein Bier nach dem anderen in den Rachen, reichte von seinem Geweihmikrostnder aus sogar die ein oder andere Pulle in die Meute. Mit Geige, Akkordeon, 2 Gitarren, Bass und Drums sorgten KORPIKLAANI fr reichlich Partystimmung am spten Nachmittag. Es wurde gehpft, gebangt, gepogt - das volle Programm eben. Nach etwa 40 Minuten ging die Band umjubelt von der Bhne um kurz darauf fr 2 Zugaben zurckzukehren, darunter das hymnische "Midsummernight" von der aktuellen Scheibe. Um kurz nach halb 7 hatte das Trinkgelage dann ein Ende, zumindest auf der Bhne. Am T-Shirt Stand sah man einige Bandmitglieder noch bis tief in die Nacht saufen und baggern: uerst sympathische Menschen diese Finnen! (Pierre)

LETZTE INSTANZ
So langsam wurde es dunkel und auch ein wenig khl auf der Festung. Gewisse Tastendrcker heimischer Power-Progger hatten schon mchtig einen im Tee und wuselten ziellos auf dem Gelnde herum als die LETZTE INSTANZ loslegte. Manch ein alter Fan hat ja so seine Probleme mit dem "neuen" Snger. Ich, als jemand der den alten nicht kannte, muss sagen, dass er seine Sache mehr als gut macht. Er hat eine wirklich angenehme Stimme und ist live die Melancholie in Person, dabei trotzdem agil. berhaupt gefielen mir die Songs der fiedelfreudigen Gothic Metaller live richtig gut, whrend ich die Studiosachen im Vorfeld eher kritisch beugt hatte. Die Band tnte auch mit nur einer Gitarre (Holly D lag mit Fieber zu Hause im Bett) schn fett aus der Anlage und zog die Menge mit. Benni Cellini, seines Zeichens Cellist der Instanz, lie die roten Dreadlocks wirbeln dass es eine Freude war, und da die Jungs das Publikum mit Call And Response Spielchen zum Teil ihrer Show machten, strte es auch niemanden als Frontmann Holly gestand:"Ihr trinkt Bier, wir trinken Wasser!" Hhepunkte waren fr mich "Kalter Glanz", "Das schnste Lied der Welt" und "Rapunzel". Im Herbst wird die Instanz fr einige Gigs zusammen mit SCHANDMAUL auf Tour gehen und im Frhjahr 2007 soll es dann wieder ein neues Album geben. (Pierre)

ASP
Zum Auftritt von ASP fllt mir spontan nur eines ein: sie kamen, sahen bzw. spielten und siegten! Definitiv der Abrumer und heimliche Headliner des Abends. Nach dem bereits passablen Zuschauerandrang bei LETZTE INSTANZ setzte die Band um Frontmann, Mastermind und Namensgeber von ASP, Alexander Frank Spreng, noch einen drauf. Mit aufkommender Dunkelheit, einer ansehnlichen Light- und Feuershow zog es mehr und mehr Menschen vor die Bhne um dem eingngigen Gothic-"Metal" des Quartetts beizuwohnen, der erstaunlich rockig, pathetisch und mit prchtigem Sound dargeboten wurde. Die Band spielte absolut tight, Fronter Asp fegte ber die Bhne wie ein Berserker und scheute zu keiner Zeit den Kontakt mit dem Publikum. Zwar wirkten Gitarrist Matthias und Basser Tossi etwas unbeweglich und abseits stehend im Vergleich zu ihrem "Boss", doch eben jener zog mit seinem schrgen Outfit und Auftreten eh alle Blicke auf sich. Leider konnte ich keine Setlist der Jungs ergattern um sie hier offenzulegen und da mir die Band bis dato lediglich durch den Song "Ich will brennen" bekannt war, welcher, von den enthusiastischen Fans mitsingender Weise, als Ausklang des gelungenen Sets fungierte, kann ich diesbezglich keine nheren Infos geben.
Mein Fazit zu ASP: Ein sehr berzeugender und hochgradig professioneller Auftritt einer Band, die nicht nur alteingesessene Fans zu berzeugen wusste sondern auch Neulinge wie mich begeistern konnte und perfekt in das Billing des ZwischenWelten passte. (Marek)

TIAMAT
Von dem Goth-Metal Urgestein um Szeneikone Johan Edlund htte ich wahrhaftig mehr erwartet. Denn nach ASP wirkten die Schweden reichlich blass um die Nase, was Performance, Enthusiasmus und Publikumskommunikation anbelangt. Die Lustlosigkeit, mit der die Combo ihre Setlist runterzockte, sprang nmlich recht schnell auf das anwesende Volk ber und nach wenigen Stcken klafften bereits ansehnliche Lcken im Publikum. An der Musik kann es wohl nicht gelegen haben denn TIAMAT boten einen schnen Querschnitt durch ihre bisherige Schaffensphase und insbesondere ltere Stcke der "Wildhoney"-Platte wurden von den verbliebenen Fans mit einem Funkeln in den Augen aufgenommen. Ebenso war auch der Sound wieder allererste Sahne, merklich lauter zwar, doch immernoch glockenklar und differenziert. Ein Ohrenschmaus, doch frs Auge leider mehr als trge. Mge man mir nicht von allen Seiten zustimmen, aber der Headliner-Slot war jener farblosen Truppe definitiv nicht gerecht. Verglichen mit SCHANDMAUL, die das Zwischen Welten im letzten Jahr ausklingen lassen durften, war dieser "einzige TIAMAT-Gig in Deutschland 2006" irgendwie unbefriedigend.

Setlist TIAMAT:
1. Whatever That Hurts
2. I Am In Love With Myself
3. Children Of The Underworld
4. In A Dream
5. As Long As You Are Mine
6. Clovenhoof
7. Cold Seed
8. Vote For Love
9. Brighter Than The Sun
10. Cain
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11. Phantasma De Luxe
12. To Have And Have Not
13. Love Is As Good As Soma
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14. The Sleeping Beauty
15. Wings of Heaven
16. Gaia

(Marek) Wie dem auch sei, ein schnes Fest war es alle Mal. Zum finalen Abschluss gab es natrlich noch die obligatorische Aftershow Party mit Mucke aus der Konserve, zu der man sich noch das ein oder andere Gute-Nacht-Met genehmigen und noch ein wenig abfeiern konnte. Auf die sympathischen Jungs von KORPIKLAANI war zu fortgeschrittener Stunde immer noch Verlass, fr ein Foto hier, ein Schwtzchen da, bereit zu stehen. Wobei wir das mit dem Stehen nicht allzu wrtlich nehmen sollten. Saufen, dass knnen die Finnen nmlich gut und so manch einer der Recken hat dem guten deutschen Bier nicht minder zugesprochen an diesem Abend. Sehr lustig war es! Alles in Allem hielt das fnfte ZwischenWelten wieder mal (fast) alles, was es versprach und bot den zahlreichen Anhngern dstere Klnge ein atmosphrisches Ausnahmekonzert der ganz besonderen Art.

Man darf gespannt sein, was das nchste ZwischenWelten bringen wird.
Vielen Dank und macht weiter so! (Marek)

Bilder: Marek Schoppa

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