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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing WITH FULL FORCE XIII
Ort Roitzschjora
Datum 30. Juni - 02. Juli 2006
Autor David Lang & Ralf Dietzler
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4 Tage Festivalstimmung in Vollendung

Heidiho, liebe Freunde der stromgitarren-verstrkten Unterhaltung. Das With Full Force Festival feierte in 2006 bereits seinen dreizehnten Geburtstag. Anfangs noch in Leipzig beheimatet zog man 1999 dann um auf den Flugplatz Roitzschjora. Auf eben jener 99er Ausgabe dieses Events traf man dann auch den Rezensenten eurer Wahl zum Ersten mal an und ab da war es dann auch schon um mich geschehen. Dieses verhltnismig kleine Festival (im direkten Vergleich zu dem W:O:A oder noch schlimmer Rock am Ring) mit seinen kurzen Fuwegen zu seinen zwei Bhnen (statt 3, 4 oder mehr), seinen, fr Festivalverhltnisse dieser Grenordnung, fairen Preisen (sei es Essen, Trinken oder auch Merchandising) und vor allem seinem Line-Up, das im Grunde keinen Fan der bereits oben erwhnten Musik kalt lassen wird.
War ich in den letzten zwei Jahren berufsbedingt verhindert und konnte an diesem, "meinem" Festival nicht teilnehmen, so war es mir dieses Jahr endlich noch einmal vergnnt. Mit meiner liebreizenden Freundin Steffi, meinem Vermieter (gleichzeitig auch Freund und Vorzeige-Metalhead) Chrissie und nem weiteren Automobil voller Freunde im Schlepptau gings mittwochs nachts um 3 auch los. Fr gewhnlich wrde es geschtzte 5-6 Stunden dauern, diese Strecke zu meistern... fr gewhnlich. Nun gut, es waren 7 Stunden bis nach Roitzschjora, was angesichts der recht chaotischen "Rasselbande" noch wahnsinnig schnell war. rgerlich war dann jedoch die gut zweistndige Wartezeit vor den "Toren". Ich kann mich erinnern, dass wir bei unserem ersten WFF ('99) wesentlich schneller auf das Gelnde gelassen wurden. Doch auch diese Zeit wurde von uns geduldig ertragen, man wusste ja, was folgen sollte. Unser Platz in der Schlange war fantastisch; relativ weit vorne und nicht in der prallen Sonne.
Als dem Mob um kurz nach 12 der Einlass gewhrt wurde machten unsere Mundwinkel einen strammen Satz nach oben... der jh wie von 16-Tonnen-Gewichten wieder nach unten gezogen wurde. Unsere VIP / Presse-Bndchen mussten in einem kleinen Container vor dem Eingang abgeholt werden. Das Problem war nur: da war niemand drin! Doch halt... natrlich war da jemand drin und zwar die zustndigen Leute fr die Gsteliste, fr die Veganer, fr die, die im Stehen pinkeln und noch jemand anderes, also msste es genau genommen heien: die (einzige) Person, die nicht anwesend war, war die die uns zu unserem Glck gefehlt hat. So sahen wir ein ums andere Auto an uns vorbeifahren, schickten letztlich die anderen in einem Auto vor und warteten erneut. ber eine ganze Stunde langweilten wir uns nun durch die Gegend und wurden zusehends gereizter. Wie "important" sind denn bitte die Personen, die u.a. dafr zustndig sind, dass so ein Festival in Berichten gut abschneidet, dass man sie so im Regen, vielmehr der Sonne stehen lsst??? Die Stimmung wurde nicht besser, als es dann um kurz nach eins hie, dass unsere Akkreditierung weder campen noch parken vorsah. Also zhneknirschend auch das noch bezahlt und dann nix wie los Richtung Gelnde. Auf dem Weg dorthin war kein Auto zu sehen und unsere Stimmung stieg wieder in der Hoffnung auf einen schnellen Einlass. Auch als wir in einer von 4 Spuren an geschtzten 60% der Karren vorbeizogen, die eine Stunde zuvor uns berholt hatten hielt sich unser Grinsen noch unverschmt starr. Als wir dann jedoch pltzlich die andern 40% (O.K., nicht ganz) vor uns hatten, war es wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Gott sei Dank war die Toleranzgrenze meiner Mitfahrer, der Poser-Princess und Silent Bob, weitaus grer als die meine und so lie ich mich wenigstens von der Ruhe und der vorgetuschten (?) Gelassenheit meiner Mitstreiter ein wenig anstecken (vielen Dank an dieser Stelle; auch fr's spritsparende Schieben Chris). Nach einer semi-korrekten und doch Stasi-artigen Durchsuchung meiner Karre ging es dann endlich Richtung Zeltplatz und - Halleluja- ab hier verlief der restliche Tag doch noch ordentlich. Ein sehr netter Ordner wies uns sogar zu unseren vorgereisten Freunden. Das Vorreservierungs-System hatte sich als erfolgreich erwiesen.
Es war mittlerweile 15:00 Uhr, sprich wir waren gute 12 Stunden unterwegs und wollten einfach nur noch entspannen. Schnell unser Zelt aufgebaut und dann etwas kalte Gerstenschale genehmigt. Nach dieser Odyssee und nur knapp 1 1/2 Stunden Schlaf in der Nacht zuvor ging es am ersten Abend bereits um 22:00 in die Koje.
Dafr heits aber auch am nchsten Tag bereits um 8:00: aufstehen, Zhne putzen und was Nahrhaftes essen gehen. Nahrhaft war in diesem Fall ein Frhstck bestehend aus zwei Brtchen, Mini-Hotelportionen Marmelade, Nutella + Wurst und Kse inklusive einem Getrnk (meiner einer nahm Kakao) fr sagenhafte 4 Euronen. Ob das jetzt sonderlich gnstig ist, sei mal dahingestellt, aber der Hunger und die, mit dem Betreten des Gelndes einsetzende, Begabung nicht ganz so konomisch zu haushalten brachten mich zum Frhstckskauf. Das Frhstck wre aber nur halb so cool gewesen, htten mein Hase und ich nicht einen Promi der etwas anderen Art getroffen. Kennt ihr diese ganz besonderen Spezies Konzertgnger, die man immer und immer wieder auf Konzerten sieht? Frank aus Essen ist solch ein Fall. Seit ich Metal-Konzerte besuche (und das tue ich jetzt gewiss schon weit ber 10 Jahre) begegnet mir immer wieder Frank; vielmehr begegnete mir bis zu diesem Morgen immer wieder der kleine, krftige, einsame (immer alleine, wei der Geier...) Metaller. Erst jetzt, nach all den Jahren sprach ich ihn an. Viel mehr als "Frank" und "Essen" bekam ich auch nicht aus ihm heraus, aber das war mir egal. Ich wusste jetzt genug. Natrlich lief mir Frank im Laufe der nchsten Tage auch wieder stndig ber den Weg und (JUBEL!) lie sich sogar mit uns fotografieren (an dieser Stelle: Danke, Frank!)
Irgendwas fehlte in 2006, und als wir zum ersten mal dieses Jahr in der Schlange vorm Einlass zum Festivalgelnde standen fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. Der Countdown! Diese Pappnasen hatten tatschlich den Countdown vergessen, der uns in den ersten Jahren immer wieder das Warten verste... "10! Only 10 Minutes to Full Force"... oder so, hie es da immer mit herunter-gepitchter Stimme. Verdammt... beim nchsten mal aber bitte wieder!

Die erste Band des Festivals, The Anti Doctrine aus Dsseldorf, wurde im Programmheft vollmundig als eigenstndig, brutal und wasweiich angekndigt. Was kam enttuschte dann doch ziemlich. Mosh- und Melodieparts gaben sich die Klinke in die Hand, das jedoch ohne groen Wiedererkennungswert. Posen konnten die Herren ganz gut und selbst den ersten (kleinen) Circle-Pit konnte man starten, aber furchtbar toll war diese Vorstellung hier nicht. Sorry, boys.

So konnte ich also ruhigen Gewissens 5 Minuten vor Ende der Doctrine-Darbietung rber zum Zelt gehen, um den gewaltigen Klngen der Metalcore-Recken von Deadsoil zu lauschen. Die sind zwar nicht so furchtbar crazy, eigenstndig und innovativ, haben aber Power im Arsch und schafften es, durch solide bis richtig geile Songs und eine gute Show das Publikum zu begeistern. Schlagzeug und Bass erzeugten einen Wahnsinns-Groove und Snger Friedrich Weber kreischte sich durch das, von heftigst riffenden Gitarren walzende Mosh-Inferno. Der Mob dankte es mit kollektivem Ausrasten und mehreren (!) Circle-Pits. Nicht schlecht, nicht schlecht...

Anschlieend wurde gleich der Backstage-Bereich erkundet. Hier lie sich euer werter (und zu diesem Zeitpunkt bereits angenehm alkoholisierte) Berichterstatter mit einigen uerst illustren Personen fotografieren. Sowohl The Black Dahlia Murder, als auch Mr. Rock 'n' Roll persnlich, Danko Jones, zeigten sich sehr fannah, wenngleich Danko auch permanent seine Augen-OP verfluchte. Sehr nette Menschen, die Herren. Im Pressezelt, um noch ein wenig zu stnkern, konnte ich leider keine einzige Steckdose entdecken. Die htte uns nmlich hervorragend helfen knnen, das Akku der Digi-Cam aufzuladen. So mussten unsere Nachbarn aus Hannover ran, die glcklicherweise ein leistungsstarkes Aggregat im Gepck hatten (schnen Gru und vielen Dank an dieser Stelle auch an Suppe, Ingo, Stefan und Co.!).

Weiter mit Musik, und schon wieder wurden meine Ohren verwhnt. Trivium waren bereit das WFF im Sturm zu nehmen und an den Reaktionen der Zuschauer konnte man erkennen, dass dieses Vorhaben durchaus als gelungen bezeichnet werden kann. Die klatschten, hpften und feierten nmlich jeden Song nach allen Regeln der Kunst ab. Die Band ist auf der Bhne eine wahre Einheit und gibt alles. Snger Matt Heafy zeigt sich als souverner Frontmann und wird der Doppelbelastung Gesang / Gitarre scheinbar mhelos gerecht. Es wird gepost wie Hlle und bis auf "If I Could Collapse The Masses" vom Debut ist jeder Hit am Start. Sogar ein neuer Song wird dem Mob prsentiert, der stark an Metallica in ihren Metalzeiten erinnert. Gute Sache, das. Nach einer kurzen Verschnaufpause gab es dermaen heftig eins (akustisch) in die Schnauze, dass man sich allen Ernstes danach fragen durfte, wie so etwas machbar ist. The Black Dahlia Murder baten zum Tanz und das, wie Trivium zuvor ebenso, zu einem denkbar ungnstigen Zeitpunkt; spielten doch "unsere Jungs" gerade um den Einzug ins Viertelfinale. Dennoch konnten die 5 Amis eine beachtliche Menge an Leuten vor die Zeltbhne ziehen und denen, die Knig Fuball vorzogen, oder die aus sonstigen Grnden nicht anwesend waren, sei gesagt: ihr habt einen der energiegeladensten Auftritte verpasst, die ich je erleben durfte. Die Band gab permanent Vollgas, ganz besonders Snger Trevor schoss, wie von der Tarantel gestochen ber die Bretter (fotografieren impossible). Ein Circle-Pit jagte den nchsten und die Band machte den Eindruck, als wolle sie am liebsten gleich mit rein. Nochmal zum Mitschreiben: das ist KEIN Metalcore! Das ist bsester Death Metal direkt aus der Hlle. Mein persnlicher Oberkracher "A Vulgar Picture" kam so dermaen fett und przise aus den Boxen geschreddert, dass man nur noch unglubig den Kopf schtteln konnte ob dieser Leistung. Ganz klar ein Highlight des gesamten Wochenendes. (DL)

NYHC ist Programm. Madball knppeln sich mit fetter Soundmauer durch ihr Set, welches jedem "Tough Guy" die Freudentrnen ins Gesicht laufen lsst. Gespielt werden neben den Stcken der aktuellen Scheibe natrlich auch die ganzen Hits von ihrem Knalleralbum "Set it off", inklusive dem Brecher "Look my way". Die Hartgesottenen konnten sich an dem Gewusel aus fliegenden Armen und anderen Extremitten erfreuen, und sich schon mal fr den Auftritt der groen Brder Agnostic Front warm boxen und treten. Jaaa, auch fr Fitness und Kampfsport ist auf dem WFF bestens gesorgt... Einziges Manko war die Absage von Slapshot, die sich aufgelst haben, da deren Choke und Madballs Freddy noch ne offene Rechnung haben. (RD)

Danko Jones IST Rock 'n' Roll, soviel steht fest. Dank Augen-OP darf der Gute eine Augenklappe tragen, doch auch dies tut dem Elan des Mr. Jones keinen Abbruch und so rockt er sich durch ein oberamtliches Brett. Immer wieder gibt es uerst unterhaltsame Ansagen zwischen den Songs, so wissen wir beispielsweise jetzt, dass es herzlich wenig mit Rock 'n' Roll zu tun hat, wenn man sich whrend einer Danko Jones Show Softeis kauft. Danko gratuliert noch hflich zum Sieg im Viertelfinale, jedoch lediglich "um seinen Arsch zu retten, nicht um unsern zu kssen". Groes Entertainment. Gar grausames Entertainment dagegen sind die Spezialisten, die auf Rock und / oder Metal-Shows immer noch meinen, mitklatschen zu mssen. Vllig neben dem Takt versteht sich. Das Taktverstndnis des Deutschen an sich wre definitiv ein Fall fr Dankos Rock Hard-Kolumne... furchtbar.

Anschlieend suchen wir erst einmal einen Fressstand auf, um unsere Batterien wieder aufzuladen. Wir landen bei einem gewissen Hhnchen Krause aus Doberschtz und Hlle... ich habe in meinem Leben schon viele Brathhnchen gegessen, aber dass ich ausgerechnet das (bis jetzt) beste meines Lebens an einem mobilen Hhnchenstand auf einem Festivalgelnde verputze... damit htte ich ja mal grad nicht gerechnet. Ich bertreibe nicht, wenn ich sage, dass ihr nchstes Jahr unbedingt Ausschau nach eben jenem Wagen halten und dort ohne wenn und aber ein halbes Hhnchen zu euch nehmen msst (zumal dieses mit 3 Euro noch beraus erschwinglich war).

Im Grunde htten meine bessere Hlfte und ich den halben Anhnger leer essen knnen, denn Max Cavalera und seine Soulfly Mannschaft brauchten erbrmlich lange fr ihren Soundcheck. Doch der fulminante Einstieg mit "Babylon" und "Prophecy" entschdigt fr einiges. Die Band scheint in guter Form zu sein und rockt den Mob. Der Sound ist Bombe und bei "Roots Bloody Roots" hrt man das Publikum im Chor mitbrllen. Max zeigt sich einmal mehr als erfahrener Frontmann, der es einfach versteht, die Massen zu mobilisieren. Ist halt ein alter Hase. Umso unverstndlicher, dass er den Set urpltzlich seiner Energie beraubt, indem er einen viel zu langen Tribal / World Music / hau-mich-tot - Jam einbaut. Zudem spricht es nicht fr die Band, bei fnf guten bis sehr guten eigenen Alben und einer Spielzeit von nicht mal einer Stunde gleich mehrere Songs von Sepultura zu spielen (und dann noch nicht einmal "Arise"). Natrlich kommt das beim Publikum an und auch die Idee Slayers "Angel Of Death" anzuspielen kann gerade auf dem WFF nie falsch sein, aber all das zugunsten eigener Songs?? Haben wir etwa so wenig Selbstvertrauen ins eigene Material Herr Cavalera? Das Publikum jedenfalls scheint den Musikern aus der Hand zu fressen. Ein Pit jagt den nchsten und man sieht nicht gerade wenig Menschen, die nach dem Auftritt selig lchelnd den Platz verlassen.

Mit Celtic Frost konnte der Verfasser dieser Zeilen noch nie etwas anfangen und so begaben auch wir uns Richtung Zelt, um Kraft zu tanken fr die Knppelnacht.
Prinzipiell finde ich die Idee mit der Knppelnacht richtig geil, aber in der Praxis sieht das dann doch nie so prall aus, wie man es geplant hatte. Im Grunde schauts doch so aus: man kommt donnerstags an, erduldet die ganze Warterei und den Stasi-Check, baut sein Zelt auf, lehnt sich zurck und trinkt Bier. Viel Bier! Soviel Bier, dass der Donnerstag schnell gelaufen ist. Dementsprechend frh ist man freitags wieder fit und gibt sich, ohne Rcksicht auf Verluste (sprich ohne nennenswerte Pausen) erneut dem Alkohol hin. Weil man ja Metal und tough und so'n Kram ist zieht man sich natrlich auch alles an Bands rein, was geht. Naja und abends will man dann meist schon gar nicht mehr so viel vom eigenen "Knppelnacht wird sich komplett reingezogen"-Geschwafel vom Vorabend wissen. (DL)

Doch nun hie es anschnallen fr das Event mit etwa 12 verkauften T-Shirts pro Anwesendem. Erffnet wurde dieser Todesreigen durch die schwedische Old-School Death Metal Legende Dismember. Fette Groovegranaten wurden ins Publikum geworfen darunter auch viele Stcke aus alten Zeiten. Das Publikum dankte es der Band mit einem groen Moshpit, der einem brodelndem Kessel kochenden Eisens glich, und "Gott sei Dank" von den Sparringskmpfen und Trittbungen veganer Metalcore Kids weitestgehend verschont blieb. Wie immer, die Band stellt das Publikum und hier war es ein Heer von bangenden Matten und versifften Kutten mit nichts anderem als Aufnhern zu erkennen - Metal at ist Best!!! Da sich mein Promillespiegel nicht so schnell neutralisiert, wie ich ihn mit Nahrung versorge, war es dieses Jahr (wie jedes andere vorher auch) mein Part dem Namen Knppelnacht alle Ehre zu erbieten und auch knppelvoll zu sein, weshalb ich 1. nicht mehr in der Lage war, vernnftige Fotos zu schieen, und 2. (viel schlimmer) mein Krper sich fr die Misshandlung rchte, und es mir nicht mehr gestattete Napalm Death zu erleben. Welch Glck, dass mein Zeltnachbar und Co-Bericherstatter Dave diesen Pflichttermin rot im Kalender stehen hatte, und nicht ganz so verantwortungslos zur Sache ging. (RD)

Joa, denn dieses Jahr sollte es anders laufen. Ich nahm mir von vornherein vor, nur die Bands zu sehen, denen ich auch noch ohne Streichhlzer zwischen den Lidern beiwohnen konnte. Die Ausbeute sollte mehr als erbrmlich sein. Lediglich Napalm Death sollten meine geschundenen Ohren massieren drfen. Das taten sie allerdings auch nach allen Regeln der Kunst. Ich vermisse zwar nach wie vor Zweitgitarrist Jesse Pintado (mittlerweile R.I.P.), der whrend der Groove-Phase der Band noch mit an Bord war, aber auch zu viert funktioniert die Grindmaschine noch exzellent. Snger Barney wird allem Anschein nach noch immer pro gelaufenen Kilometer bezahlt. Der Mensch ist pure Energie, wenn man ihn auf der Bhne seine politischen Ansichten heraus brllen hrt. Doch auch Gitarrist Danny kommt mittlerweile bei vielen Background-Gesngen verstrkt zum Einsatz. Macht er ebenfalls verdammt gut. Die Band liefert einen groartigen Querschnitt smtlicher Schaffensphasen und das Publikum dankt es ihr mit jeder Menge Action im Pit. Neben Knallern, wie "Suffer The Children", "Scum" und "Breed To Breathe" gesellt sich noch ein neuer Song vom im September erscheinenden "Smear Campaign" in die Setlist. "Fatalist" heit das gute Stck und es bndelt smtliche Strken der Band. Applaus! Nach "Silence Is Deafening" und dem Raw Power Cover "Politicians" werden wir mit dem obligatorischen "Nazi Punks Fuck Off" in die Nacht entlassen. Ich realisiere zwar noch einige Songs von Mystic Circle (welche gar nicht mal so schlecht klangen), bin aber letzten Endes zu geschafft um hier noch eine halbwegs kompetente Berichterstattung leisten zu knnen. Gute Nacht!

Samstagmorgen: die Sonne scheint. Wunderbar, das Wetter spielt dieses Jahr richtig schn mit. War es donnerstags teils noch bewlkt, aber schon warm, verschwanden freitags auch noch die letzten Wolken. Tja, und jetzt war es sogar hei. Was will man mehr?! O.K., spter am Tag erfuhren wir, dass am anderen Ende des Campingplatzes eine ganze Reihe Zelte und Pavillons durch Windhosen an die 20 Meter durch die Luft geschleudert wurden. Das verwundert dann doch schon, wie sehr unser Wetter hier spinnt, wenn nicht mal ein Kilometer weiter kleine Unwetter die Zeltpltze verwsten. Wo ich schon bei Unwettern und anderen Plagen bin: wie schon vor drei Jahren, so wurde das gesamte Areal auch dieses Jahr wieder von diesen unheimlich lstigen Juni-Kfern heimgesucht. Nicht, dass die Viecher in irgendeiner Form eine Gefahr fr den Menschen darstellen, aber der Nervfaktor war auch dieses Jahr wieder enorm hoch. Haben diese Biester sich erst mal irgendwo fest geklammert, lassen die so schnell nicht mehr los. tzende Scheierchen.

Bei allem Gemecker ber eine Band wie A.O.K. muss man den Frankfurter Jungs doch eins zugestehen: wenn Jochen Graf, Peter Bernd und Konsorten die Bhne betreten gibt es nur noch Entertainment pur. Natrlich wird man die Chaoten niemals auf den Titelseiten angesehener Musik / Technikmagazine bewundern drfen, soviel ist klar, aber den Samstagmittag drfen sie mir gerne versen. Ganz offensichtlich denken einige Leute genauso wie ich und so drfen sich die Genrevter des Nothingcore bereits um 14:00 ber die ersten (groen!) Pits freuen. Neuere "Knaller" wie "Sind wir Rockstars oder Motrboot" aber auch "Klassiker", wie "Baguette Attack" (natrlich mit Baguette als Plektrum) oder Lambada-Rausch verzckten die Massen. Witzigerweise entstand der grte Moshpit beim, mit "hier kommt der sound of silence" angekndigtem, "Stromausfall". Peter Bernd lie es sich bei dieser Nummer nicht nehmen, eine Gitarre ins Publikum zu werfen. Das htte ins Auge gehen knnen. Sowieso fanden auch diesmal wieder einige Dinge ihre neuen Besitzer im Publikum. Neben den Baguettes und der Gitarre waren das natrlich wieder Kopfsalat, eine riesige Gummipuppe und eine gestreifte Zipfelmtze (ich wei wer sie hat, ich wei wer sie hat). Und natrlich gabs wieder den Arschmosh, den Einbeingnter und das Solo auf der Cornflakes-Packung. Nach einer guten halben Stunde endete das ganze Debakel in einer Dreckschlacht. Fazit: A.O.K. Sollte man definitiv GESEHEN haben.

Der ein oder andere wird sich jetzt darber aufregen, dass eine Band wie A.O.K. von mir dermaen viele Zeilen gewidmet bekommt. Womglich werden sich jetzt noch ein paar Nasen mehr darber aufregen, dass Raunchy im Gegenzug quasi ein Nichts von einer Rezension erhalten. Im Gegensatz zu denen haben die Chaoten aus Frankfurt aber wenigstens live gespielt. O.K., die Synthies htte ich verschmerzen knnen, wer aber glaubt er knne mir auf einem Konzert auch noch Gesang vom Band vorspielen, der hat sich stark verkalkuliert. So nicht!

Gegen halb vier am Nachmittag standen viele Besucher des WFF vor einer groen Frage: The Haunted oder Evergreen Terrace? Fr mich war das keine groe Frage. The Haunted hatte ich bereits ein paar mal gesehen und gerade bei den letzten Konzerten der Schweden hatte ich doch stark den Eindruck, dass man zwar routiniert aber teils eben auch entsprechend gelangweilt an die Sache ging. Der berhmte Funke wollte nicht mehr berspringen. Von Evergreen Terrace waren mir zwar nur einige Songs der Coverplatte "Writers Block" und das groartige neue Studioalbum "Sincerity is an easy disguise in this business" (unbedingt anchecken!) bekannt, jedoch wusste ich von der letztjhrigen Hell on Earth Tour, was die Jungs auf der Bhne so reien. So war es dann auch keine schlechte Entscheidung, zum Zelt zu gehen und mich von den Klngen der Amis umpusten zu lassen. Die Mischung aus Hardcore, Emo und Punk ist einfach dermaen mitreiend, dass es eine wahre Freude ist. Hervorheben muss ich hier besonders Snger Andrew, der sowohl stimmlich als auch bhnenshowtechnisch vollends zu berzeugen wusste. Auch die (Background-)Gesangsleistung von Gitarrist Craig war absolute spitze. Zweitgitarrist Joshua wurde dem Posing nach ganz offensichtlich nur fr die Zeit bezahlt, die er in der Luft war und auch die anderen Musiker waren alles andere als faul. Die Band gab bis zum Schluss gnadenlos Vollgas, ebenso das Publikum, dass der Band einen, fr Zeltverhltnisse, gigantischen Circlepit kredenzte. Wie bei Soulfly am Abend zuvor stellte sich auch hier lediglich die Frage, warum man sich bei einer kurzen Spielzeit (hier waren es gerade einmal 35 Minuten) nicht aufs eigene Material beschrnkt, sondern gleich zwei Coversongs spielen muss (O.K., die waren gut, aber trotzdem...).

Heaven Shall Burn erffnen ihr Set auf der Hauptbhne mit "The weapon they fear" und mehr Metalcore geht nicht. Mit diesem Monster von Song ist es dem Quintett ein leichtes das Volk auf seine Seite zu ziehen. Gefllt mir auf Platte noch lngst nicht alles von den Jungs, so ist es doch erstaunlich, wie es ihnen live immer wieder gelingt mich scheinbar mhelos von Hocker zu reien. Snger Marcus, Sympathietrger Nummer 1, geht wie immer vllig klischeefrei auf sein Publikum zu (nix Bollo-Ansagen), Gitarrist Maik bangt um sein Leben, Bassist Eric post um sein Leben und auch der Rest der Band steht ihnen in nichts nach. Die obligatorische Wall of Death wird zu einem absoluten Hhepunkt des Wochenendes und sogar ein neuer Song vom Ende August erscheinenden Album "Deaf to our prayers" wird der hungrigen Meute zum Fra vorgeworfen. Ganz groes Kino! (DL)

"Hi, wir sind Toxoplasma aus Neuwied", mit diesen Worten erffnete Deutschpunk Mitbegrnder und Toxoplasma-Snger Wally die Show. Und sie knnen es immer noch!!! Knppeliger, rudiger Deutschpunk aus unserer Heimat, dessen Texte immer noch nichts an Aktualitt verloren haben. Leider hat das Schicksal es nicht gut mit ihnen gemeint, und so waren sie in erster Linie dazu verdammt den Soundtrack fr den Fuball-Thriller England-Portugal zu spielen. Es kam zu einem kleinen bis mittelgroen Pogopit, welcher weniger von alten Fans der Band als von Jungspunden und (Mchtegern) Strassenkter-Punks popularisiert war. Trotz allem gehren die Jungs immer noch zum Besten, was aus Deutschland die Fahne des Punk nach oben hlt.

Zur zweiten Halbzeit des Spiels lieferten Shelter den Soundtrack, und diese wirkten alleine aufgrund des Outfits von Snger und ehemaligem "Youth of Today" Frontmann Ray Cappo schon fast surreal. Schnrkellos sauberer, politisch und gesundheitlich korrekter Posi-core aus dem Big Apple. Bin selbst groer Fan der Combo, welche mich voll und ganz berzeugen konnte, auch aufgrund der Chuck Norris' hnlichen Fitnessbungen von Sir Cappo. Einzig und allein sein erhobener Zeigefinger in Bezug auf korrektes Verhalten seinen Mitmenschen und seines Krpers gegenber kamen mir ein wenig platt daher, und waren nicht wirklich berzeugend, was die HC-Kids jedoch nicht davon abhielt ihre Band mit einem sehr energiegeladenen Moshpit abzufeiern. Zum Schluss gab es noch Gre an die Kollegen von Agnostic Front und Leeway. (RD)

Nach einer lngeren Pause meinerseits (man knnte es auch Flucht vor der Sonne nennen) ging es Punkt 20:00 wieder ins Zelt um der Show von Ignite beizuwohnen. Wenn man Snger Zoli sieht, sollte man nicht meinen, dass aus diesem durchtrainierten Schrank derlei Tne herauskommen. Doch auch wenn die Kombination Stiernacken + hohe Stimme nicht schlssig klingt; die Rechnung geht auf. Der Ruf einer absoluten Kultband eilt den Hardcore-Recken voraus, das Zelt ist proppenvoll und die Menge sollte nicht enttuscht werden. Mit ihrem Mix aus "Auffe-Fresse-Hardcore", Westksten-Punk und guter Laune inklusive einer ganzen Ladung an wahren Mitsing-Hits ist es Ignite ein Leichtes die Menge auf ihre Seite zu ziehen. Sowohl auf, als auch vor der Bhne ist alles in Bewegung und beim U2-Cover "Sunday Bloody Sunday" bebt das Zelt frmlich. Ein wenig nervig war lediglich das ganze politische Gelaber. Ist ja fein, dass die Band sich fr untersttzenswerte politische Ziele einsetzt, aber irgendwann sollte es auch mal reichen die Musik sprechen zu lassen. Die Texte sprechen ja immerhin auch eine deutliche Sprache. (DL)

Nun kommen wir zu einem der Headliner: Agnostic Front. Neben Madball, ein strammes Urgestein des NYHC, kein Wunder Madball Snger Freddy ist der kleine Bruder von Agnostic Front Frontshouter Roger Miret. Die Setlist von AF zieht sich durch smtliche Schaffensperioden, angefangen bei dem Urknall "Victim in Pain" ber die metallische Phase zu "One Voice" Zeiten und heute und ihren fast schon Sing-a-long migen Songs aus der Oi!-lastigen Zeit. Oberhit des Sets war, wie ist es auch anders zu denken "Gotta Go", die Hymne vom gleichnamigen Album, welche auch auf dem Campingplatz aus allen Zelten drhnte, sowie im "Discozelt". Da der Sound der Band sich genau mit der Schnittmenge des Publikums abdeckt, und die Band neben ihren groen Hits aus allen Alben ber einen charismatischen Frontmann verfgt, konnte hier nicht mehr sehr viel falsch laufen. (RD)

Was folgte war so etwas, wie das perfekte Metal-Konzert. In Flames kamen, sahen und legten alles in Schutt und Asche. Auf CD finde ich die Band gut, manchmal sogar richtig geil, aber was mich heute Abend erwarten sollte war einfach phnomenal. Ich hatte die Band zuletzt auf der Gods of Darkness Tour im Frhjahr 97 mit Dimmu Borgir, Dissection und Cradle Of Filth gesehen (*proll*), hatte also keinen Schimmer, was da auf mich zukam. Es war eine Show der Superlative. Der Sound war Bombe, die Lightshow berwltigend und die Pyros waren so was von Metal... hach, ich werde sentimental. Die Band schien hochmotiviert und spielte nahe an der Grenze zur Perfektion. Ich jedenfalls konnte keinen grberen Schnitzer heraushren. "The Quiet Place" sollte sich als formidabler Opener erweisen. "Behind Space" ist der einzige wirklich alte Song und auch auf diesen steppt die Menge im Kreis; wenn Snger Anders selbst ihn, laut eigener Aussage, auch nicht mehr hren kann. Soweit ich mich erinnern kann, gibt es weder Songs von "The Jester Race", noch von "Colony", noch von "Whoracle" (nicht einmal "Episode 666), was letzten Endes aber auch mit der einzige Kritikpunkt sein sollte. Kracher wie "Take This Life", "Trigger", "Reroute To Remain" oder "Touch Of Red" berzeugten dafr auch auf ganzer Linie. Bei "Only For The Weak" sah man nur noch eine gewaltige Menschenmasse auf und ab springen. Beeindruckend. Anders scheint immer noch der kleine Junge von nebenan zu sein, so verschchtert wirkt er teils auf der riesigen Bhne, aber auch das macht die Truppe nur noch sympathischer. Doch auch er kann sich, neben der Gratulation zum Sieg unserer Mannschaft, eine kleine Stichelei in Richtung Fuball-Team nicht verkneifen. "My Sweet Shadow" (mit Luftschlangen-Regen) schlielich beendet dann ein Konzert, das besser kaum htte sein knnen.
Wir haben uns danach nur noch ins Zelt verzogen und konnten mit einem Lcheln auf den Lippen (und Volbeat im Ohr, verdammt, die klangen gut) einschlafen.
Erwhnen sollte ich noch die Security, die dieses Jahr eigentlich (fast) im Kollektiv einen Arschloch-Orden verdient htte. Es hat nun mal nicht jeder Presse-Fuzzi eine Spiegel-Reflexkamera von den Ausmaen eines Kleinwagens in seiner Tasche. Gleich handgreiflich zu werden, wenn man die einfache Digi-Cam nicht sofort im Fotograben erkennt ist vollkommen unangebracht. Die haben mich, vor nicht einmal 10 Minuten, als Fotograf identifiziert, doch selbst noch rein gelassen. Auch freundliche Worte oder ein Lcheln (das ich selbst am letzten Tag noch fr sie brig hatte; wei selber nicht warum) nderten nichts am vllig berheblichen Verhalten der "kings for a day". Natrlich sollten die Fotografen nach den ersten drei Songs das Feld, sprich den Fotograben, rumen (zu dem Quatsch komm ich spter noch), doch muss man auch da gleich Hand anlegen? Damit wir uns verstehen: Ich rede hier lediglich von der Security im Fotograben. Der Rest schien mir O.K. bis nett zu sein. Ich will mich auch hier gar nicht weiter aufregen; das wrs nicht wert. (DL)

VolBeat waren in meinen Augen DIE berraschung des Festivals schlechthin. Im Programmheft als Mischung zwischen Danzig und Life of Agony angekndigt, war ich mir nicht ganz sicher, ob die Band ein dicker Schuss in den Ofen wird, oder sie wirklich die in der Info aufgezhlten Qualitten vorweisen kann. Sptestens nachdem Snger Michael Poulsen mit Johnny Cash !!!!! T-Shirt auf die Bhne kam, war klar, wir werden hier Teil von etwas ganz groem sein. Oder lag es einfach nur an der fortgeschrittenen Uhrzeit und dem ber den Tag verteilt kontinuierlich ausgebauten Alkoholpegel? Wie dem auch sei, ich und alle Verdchtigen in meiner unmittelbaren Umgebung waren sptestens nach dem zweiten Song der einhelligen Meinung: Diese Band ist in der Lage das Vermchtnis (sorry Glenn ^^) der oben genannten Bands weiterzufhren. Werden im November mit Hatespehere zusammen auch in unserer Gegend (M-Box) sein, und sind jedem nur ans Herz zu legen. (RD)

Auf dem WFF hat man nicht wirklich viele Optionen sonntags geweckt zu werden. A.O.K. wurden bereits samstags verheizt, also musste der Mann mit der Hammond-Orgel ran. Mambo Kurt und die Bossa Babes kamen rechtzeitig zu Kaffee und Kuchen (www.colostomizer.de, hehe) und lieen den ein oder anderen Gast fragenden Blickes zurck. Man kann sich an den Gesichtern derer die Kommandante Mambo zuvor noch nie gesehen haben ergtzen oder einfach der fantastischen Show des Orgel-Gotts beiwohnen. Europes "Final Countdown" war der furiose Auftakt einer guten halben Stunde Frohsinn und gleich hier schnappte sich Monsieur eine Dame, die ursprnglich wohl nur vom Bhnenrand aus zusehen wollte und legte eine heie Sohle aufs Parkett. "Engel" und "Enter Sandman" wurden wie auch "Highway To Hell" vom Publikum wohlwollend aufgenommen. Bei "Musik ist Trumpf" gab's die obligatorische Polonaise und selbst ein Orgel-Schlagzeug-Solo aus der "Special-Effects"-Section seiner "Yamaha Electone D-85" lie reihenweise die Mnder offen stehen. Vielen Dank, Mambo! (DL)

Angefhrt von Biertrinker-Ikone und Snger Paul McKenzie spielten nun die Folkpunk Helden und kanadischen Exilschotten von den Real McKenzies zum Tanze auf. Gespielt wurden die obligatorischen Hits wie "Scots wa hae" und "Nessie" welche den sengend heien Sonntagnachmittag auf dem Acker vom Gefhl her in einen feucht-frhlichen Abend in einem stinkenden Pub verwandelten. Paul McKenzie, wie immer guter Laune, demonstrierte den Besuchern, was sich wirklich unter einem Schottenrock zu verbergen hat, und Dudelsackler Matt MacNasty brachte den Beweis, dass es auch mit etwa 4,0 Promille nicht unmglich ist, einen Dudelsack zu spielen. Einziges Manko des Auftritts war lediglich die Uhrzeit, da der Sound der McKenzies zur abendlichen Stunde mit Alkohol im Blut um Lngen besser aufgehoben ist. (RD)

Als nchstes standen Soilwork auf meiner To-Do-Liste, doch die hatten, was das WFF-Team uns konsequent verschwieg, bereits vor Wochen abgesagt. Diese Geheimhaltungs-Politik ist alles andere als fanfreundlich und fair, nur leider hat man natrlich wenige Mglichkeiten, daran etwas zu ndern. Naja, c'est la vie, kannst du machen nix. Als Ersatz sprangen freundlicherweise Holy Moses ein, die mehr oder weniger zufllig auf dem Gelnde waren. Nun kann ich aber, freundliche Geste der Band hin oder her, wenig bis gar nichts mit dem Sound der Band und insbesondere der Stimme von Sabina Classen anfangen, und so konnte ich erneut das Gelnde inspizieren. (DL)

Rawside aus Coburg sind Stammgste auf dem WFF und lieferten mal wieder eine souverne Show. Hier gab es knochenharten Hardcore mit Attitde und politischer Aussage ohne jedoch platt zu wirken. In meinen Augen ist dies die einzige Band, welche das Erbe der Kasseler Ryker's und Brightside weiterfhren kann. Ausserdem mit einem neuen Gitarristen an Bord, welcher in nur wenigen Tagen das Set eingeprobt und erstklassig gespielt hat. Bester Song des Sets: "Sag nein!" (RD)

Arch Enemy gingen ab wie Katze. Wenn Frontfrau Angela zwischen den Ansagen, hnlich wie In Flames Snger Anders, auch wirkt, wie das schchterne, nette Mdel von nebenan (die "bsen" Ansagen nimmt man ihr einfach nicht ab), sollte man sich davon nicht tuschen lassen. Diese Frau ist Metal pur. Hier sitzt jede Pose und vor allem jeder Ton. Angela grhlt und schreit als htte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht (O.K., vor Arch Enemy gab's ja noch Asmodina und Mistress, mit denen ich allerdings nicht allzu viel anfangen konnte). Mit wilder Kriegsbemalung (siehe "bse" Ansagen) stapft Miss Gossow ber die Bhne und feuert die hungernde Meute nach allen Regeln der Kunst an. Ihre Mitstreiter stehen ihr jedoch in nichts nach. Michael Amott und Sharlee D'Angelo zeigten das volle "Metal-Posen fr Voll-Profis"- Repertoire und selbst (nicht mehr ganz so-) Neueinsteiger Fredrik Akesson wirkt nicht mehr wirklich zurckhaltend. Allein Posen bringt auf Dauer natrlich nix, doch dafr haben Arch Enemy auch gleich sckeweise Hits im Gepck. "Nemesis", "Dead eyes see no future", "My apocalypse" (ich liebe dieses Echolot!) oder "We will rise" sind stets Garanten fr fliegende Haare und ein dickes, fettes Metallergrinsen. Seeeeeeeehr schn!

Bei Bullet for my valentine konnte man schnell den Eindruck gewinnen, dass jetzt Tokio Hotel die Bhne entern sollten, sank der Altersdurchschnitt doch immens. Das soll keine Kritik darstellen, schlielich muss der Nachwuchs gesichert sein, nur wenn der Nachwuchs Bands wie BFMV fr Metal hlt und abfeiert als gb's kein morgen mehr (Kreisch!), dann... puh. Wir jedenfalls zogen es vor, nach ca. 3 Songs erneut "unseren" Hhnchen Krause aufzusuchen, denn in meinen Ohren klang das Material der Sunny Boys null berzeugend und wurde mal grade gar nicht dem Hype gerecht, der um sie gemacht wird. Posen knnen die Buben schon wie die Groen, aber ansonsten war das viel heie Luft. Ach ja... der Ersatz-Bassist sah ziemlich knorke aus. Und Tschss! (DL)

Deadline hatten ein schweres Los gezogen, und mussten zeitgleich gegen Sick of it All antreten. Da ich Sick of it all schon mehrmals gesehen hab, und ich Deadline Vorzeige Skingirl Liz live erleben wollte, scheute ich die Massen der Hauptbhne, und es zog mich in die Hardbowl. Deadlines catchy Oi!/Streetpunk Sound mit der zuckersen Stimme der ttowierten Frontfrau wussten zu berzeugen, und zwar nicht nur mich, da es wieder Erwarten doch recht voll war im Zelt. (RD)

Fast zeitgleich stellten Sick Of It All den Soundtrack zum Massenpogo und wahrscheinlich streiten sich noch heute etliche Festivalbesucher darber, ob nun die Heaven Shall Burn- Wall of Death grer war, oder die der New Yorker Hardcore-Legende. Jedenfalls kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass Lou Koller und Co. mchtigst Popo getreten haben. Knaller wie "Scratch the surface", "Step Down" (mit Spaeinlage der Herren Dmpelmann und Lang) und "Take the night off" sind aber auch einfach bestens dazu geeignet seinen Nebenmann mal nebenbei umzuschubsen. Auch hier waren wieder alle in Bewegung, Publikum und Band hpften um die Wette und allerorts war ein einziges Grinsen zu sehen. (DL)

Ich glaube vorzustellen braucht man Motrhead nicht mehr, sie selber tun es aber, wie bei fast jedem Auftritt mit dem Satz: "Hi, we are Motrhead and we play Rock and Roll" Mit dieser Begrssung enterte Rock'n Roll Urgestein und Motrhead Frontwarze Lemmy die Bhne. Aufgrund des letztjhrigen, selbstverschuldeten Ausfalls der Band, aufgrund des Konsums von (zu??) viel Jack Daniels, hatte Lemmy noch einiges gut zu machen beim Publikum. Als Mister Kilmister jedoch mit Kippe im Mundwinkel auf die Bhne trat, waren alle Trnen vom Vorjahr vergessen. Die Setlist zog sich durch das gesamte Schaffen der Band, und konnte keine Lcken aufweisen. Sehr souvern spielte sich die Combo um den mittlerweile 60-jhrigen ehemaligen Roadie von Jimi Hendrix durch ihr knapp 2-stndiges Programm. Das einzig nervige an dem Auftritt war das obligatorische Schlagzeugsolo in "Sacrifice", welches der Rest der Band nutzte um sich eine Pause zu genehmigen.

Setlist: (unvollstndig)
Rock'n Roll
Killers
Metropolis
Over the Top
I got mine
Dance on your grave
Fast and loose
R.A.M.O.N.E.S.
Sacrifice
Power
Killed by Death
Ace of Spades
Overkill (RD)

Die letzte Nacht des letzten Tags stellt dann noch einmal die ultimative Herausforderung dar. Opeth waren mir natrlich schon lange ein Begriff, doch wirklich bekannt war mir von den Schweden nichts. Auch auf die Gefahr hin jetzt die Lieblingsband vieler (so hrt man allerorten) zu kritisieren: ich fand es strunzlangweilig. O.K., ich war nicht mehr der fitteste, aber zuvor hatte ich es noch nie geschafft auf einem Live-Konzert einzuschlafen. Soviel zur Rezi...

Graveworm waren anschlieend die absolute berraschung fr mich. Als ich die Band vor Jahren zum ersten mal auf irgendeinem Sampler hrte, sortierte ich sie sofort in die, fr mich irrelevante, Gothic Metal Schublade. Auf das Drngen meiner Liebsten hin, nahm ich mir ein Herz (war eh noch nicht ganz wach von der Opeth Attacke und musste mich nicht groartig bewegen) und blieb im Zelt. Gothic Metal, oder was immer das nun war, darf fr meine Begriffe ab jetzt immer so klingen. Vorteil 1: Graveworm haben keine Frau an Bord, die glaubt singen zu knnen. Graveworm haben lediglich eine Keyboarderin, die (whrend des Sets) keinen Ton von sich gibt. Ihr Keyboard allerdings auch (leider?) nicht. Anscheinend mochte der Soundmann so was nicht. Vorteil 2: Graveworm haben einen Snger, der kann. Der Kerl hat gepost und vor allem gebrllt... es war eine Pracht. Vorteil 3: Graveworm rocken! Auch die Saitenfront kann posen und auch hier nicht zu vergessen zocken. Kraftvolle Riffs, die die Band mehr als angenehm aus dem Einheitsbrei der Dark Metal Szene hervorheben, animieren den tapferen Rest des Zelts zu amtlichen Moshpits. Sonntagnacht nach 1 Uhr wohlgemerkt. Hut ab!

Ein Hhepunkt sollte es werden, doch nach der berraschung des Wochenendes kam zu guter (?) letzt die Enttuschung des Wochenendes. Amorphis enterten die Bhne. Vielmehr schleppten sie sich auf selbige und taten kurz darauf fast dasselbe, was meiner einer bei Opeth getan hat: schlafen. Einzig Bassist Niclas lie den Rocker von der Leine. Esa und Tomi zogen es vor den kompletten Set ber wie angewurzelt an ein und derselben Stelle zu verharren. Neu-Snger Tomi machte eher den Eindruck eines zugedrogten Althippies, so unkoordiniert wirkten seine Bewegungen. So lustlos dargeboten wollten Knallersongs wie "House of sleep", "Alone" oder "The way" einfach nicht funktionieren, auch wenn sie technisch noch so souvern vorgetragen wurden. Ich wollte ein Metal- oder von mir aus auch Rockkonzert; was ich bekam glich eher dem jhrlich stattfindenden Treffen der Sittich-Freunde Kln-Nippes (nix gegen euch, Leute).

So endete das diesjhrige With Full Force nicht ganz so prall, wie ich mir das erhofft hatte. Spa hatten wir allerdings alle und wenn nicht irgendwas furchtbar wichtiges dazwischen kommt, sind wir nchstes Jahr auch wieder dabei.

Eins noch den Veranstaltern mit auf den Weg: ihr wrdet den "Pressefuzzis" unheimlich entgegen kommen, wenn ihr die Eingnge zu den Fotogrben genau anders herum legen wrdet. Das viele Laufen bedeutet nur unntigen Stress. Ebenfalls seltsam finde ich die Fotograben-Regelung, die besagt, dass nur whrend der ersten drei Songs geknipst werden darf. Haaaaaaaaaallo!!! Whrend der ersten drei Songs sind 99% aller Musiker noch total schnieke (also noch viel zu fotogen, haha) und meist passiert hier auch nicht soviel furchtbar Aufregendes. Wie wre es mit mittendrin oder am Schluss (oder permanent, hehe)???

Auf dem WFF lauschten, schrieben und soffen fr euch David Lang (DL) und Ralf "Gastschreiber from hell" Dietzler

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