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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing HELLS KITCHEN FESTIVAL
Ort Gttelborn, Mehrzweckhalle
Datum 15.07.2006
Autor Rafael Hofmann
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"Gttelborn, du schne Perle des Saarlandes......wo sind wir denn hier gelandet?", so oder so hnlich muss es geklungen haben, als die 11 Bands - vor allem die aus dem Aus(serhalb Saar)land angereisten - des "HELLS KITCHEN Festivals" 2006 in der Mehrzweckhalle in Gttelborn ankamen. Der MACHINE MADE GOD-Snger Flow fasste das ganz treffen auf der Bhne zusammen: "Ich glaube wir sind heute Tausende von Kilometer hierher gefahren...."! Nun ja, dieser kleine, beschaulich Ort liegt halt mitten im berschaubaren Saarland, was mit seiner geographischen "Halb-Frankreich-Lage" erst mal erfahren werden mchte. Nun aber ran an das Geschehen: Zusammen mit meiner Gefolgschaft betrat ich gegen 17Uhr gut vorgeglht die sprichwrtliche Mehrzweckhalle von Gttelborn, um den wohltuenden Klngen von CRASH MY DEVILLE zu lauschen. Also, nix wie ab an die Theke, kurz noch den Linecheck mitbekommen und ab ging die wilde Fahrt durch den Emo-Core-Himmel. Die Playliste umfasste Songs wie "Warm Tasete", I wish", Your Seduction" und "Sorry"! Besagtes "sorry" htte uns auch der unfrmige Snger (Daniel)der bsen Buben mal sagen sollen, der beim Song "Prince Charming" wie ein gestrandeter Wal auf dem Bhnenrand lag. Nicht schn anzusehen. (Anmerkung der Redaktion: Dieses optische Lowlight brauchen Konzertbesucher nicht!) Ganz im Gegenteil dazu stand die Musik, die zwar spielerisch noch Verbesserungen zulie, jedoch gut Stimmung machte, berzeugend dargeboten wurde und dank melodisch singendem Frontmann Christian showtechnisch aufgewertet wurde. Bei den Gitarreros gab's wohl zuvor eine Absprache: "Der eine bewegt sich kaum und der andere hpft ber die Bhne wie ein Flummi und guckt dabei ganz wirr." Zumindest lie die Bhnenperformance dieser beiden Zeitgenossen diese Vermutung an jenem Samstagabend zu.

Kurze Pause, Bier, Klo, Kuss bei der Frau abholen und weiter ging's mit der lokalen Band EPILOGUE. Nun will ich ja eine wertfreie Berichterstattung hier abliefern und lasse mich in diesem Kontext nicht ber die privaten Konzert-Vorlieben des Sngers aus...aber nun wei ich wenigstens, dass der Kerl wegen dem in Trier mal ein CATARACT-Konzert abgebrochen wurde, weil er unfhig war seine Gliedmaen zu beherrschen, aus dem Saarland kommt, Markus heit und in ner Band spielt. Danke fr den Konzertabbruch noch mal an dieser Stelle!
Die Band wartete mit ungewhnlich vielen Gitarristen (drei Stck an der Zahl) auf, was sich im Folgenden aber mit groem Schalldruck und einem stets vorhandenen Rhythmusfundament legitimieren sollte. Ein Lob hierbei an den uerst fhigen Gitarre spielenden, zweiten Snger Chris, der die Band mit seinen Melodie-Ideen aufwertete. Die Musikrichtung dieser Truppe aus dem Saarland ist einfach mit Hardcore abgetan, der sich zumindest live aber wirklich berzeugend anhrt. Mit Songs wie "Weapon", "Fireplace" und "Beyond The Light" in dem ein kleines Intermezzo von SLAYERs "Reign In Blood" eingebaut war konnten sich die sechs "Gttelborner Dorfmusikanten" in der Arena der Gladiatoren respektabel beweisen.
Noch ein Tipp am Rande: Jungs, zieht diese dmlich ausschauenden Dreiecktcher aus euren hbschen Gesichtern. Das sieht ziemlich affig aus und macht euch unglaubwrdig! ...wir haben uns zumindest kstlich amsiert ber so viel eigenntziges Selbstvertrauen.

Ihr kennt das, nchste Band nchstes Bier: Diesmal eine Leihgabe aus einem unserer sdlichen Nachbarlnder. ESTATE aus good old Austria standen in den Startlchern, um den Saarlndern wahre, genrebliche Schmerzeshymnen um die Ohren zu feuern. Mit dieser Band war dann auch das absolute Maximum an Spielerbewegung auf der Bhne erreicht, denn ich habe mich permanent gefragt: "Wie kann man bei der Beinarbeit, die die Jungs dort oben leisten, trotzdem so gut spielen?" Also: Beide Daumen hoch fr einen guten, wohlklingenden Gig, wenngleich mich die Musik von meinen persnlichen Musikgeschmack nicht berzeugt hat. Die Performance war gaaaaaanz prima!

Hier kommt nun wieder die Stelle mit dem Bier! Jedoch erblickte ich zu meiner Verwunderung nach dem Zapfhahn-Gang eine nicht im Programm gefhrte Band, die mir von diversen Co-HATEDRIVE-Gigs noch all zu gut im Gedchtnis geblieben ist: MACHINEMADE GOD! Was soll ich viel Sagen, die Leute wissen, wie man nen Plattenvertrag einspielt, die Jungs haben ihr Handwerk drauf und knnen damit rocken wie die Groen. Einen kleinen Vorgeschmack auf den nchsten Akteur des Abends gab Labelkollege NEAREA-Gitarrist Stefan, der whrend des Gigs mit seiner sunburst-farbenen Ibanez auf die Bhne flitzte und mit dem MMG-Gitarristen Holger eine waschechte Posing-Show abzog. Leider konnte ich hier keine Setlist ergattern, aber der Gig war auch mit einem sehr jung erscheinenden Tourbassisten einwandfrei gespielt!

Nchste Runde zum Zapfhahn...! Im bunten Band Karussell der Metalbands dieses Abends erffneten die eben genannten Mnsteraner von NEAREA ihre Vorstellung mit dem Nackenbrecher "Mechanism Of Standstill". Ich kannte die Kerle bislang nur von CD und war vollends begeistert, dass der bullig anmutende Snger die Schrei-Growl-Wechsel, die in NEAREA-Songs nun mal vorkommen so einwandfrei und ohne jegliche Effektuntersttzung ber die PA brllte. Diese Band transportierte live wirklich das wovon man auf der CD den ersten Vorgeschmack bekam. Auf den Punkt gespielte, knackige Gitarren und eine kraftvolle Dynamik sonders gleichen. Weitere Songs auf dem Programm der Cowboyz form hell waren "Paradigm Lost", "Let Tempest Come" und "I Love The World", die alle vom aktuellen Album stammen. Da ich das Debt der Band nicht besitze, kann ich leider die Abkrzungen der Setlist nicht in volle Titel bersetzen.

It's the final countdown, so langsam weicht die Vorfreude bloer Begeisterung, als FEAR MY THOUGHTS die Bhne der MZH Gtteborn kaperten. Zuvor jedoch...genau...Bier! Bereits beim Aufbau des recht berschaubaren Equipment der Band war ich froh den Weg in's Saarland gemacht zu haben. Hatten mich FMT doch auf dem With Full Force-Festival 2005 unbekannterweise sehr berzeugt. Lange Rede kurzer Sinn, die Jungs haben einfach alles weggeprgelt, was zuvor auf die Bretter, die nicht nur in Gttelborn die Welt bedeuten, betreten hatte. Wenngelich die Ansagen des adeligen Frontshouter Mathias Benedikt von Ockl nach dem Motto "very unmetal" ankamen, so hatten doch einige Angehrige des Auditoriums Spa an der ironisch frechen Art der altbackenen Ansagen ("Nun, liebe Freunde der Volksmusik" oder "Tut es ihnen gleich"). Apropos "Tut es ihnen gleich": das war das erste Mal, wo ein Snger speziell eine Gruppe um meine Person herum angesprochen hat, denn beim Song "Hell Sweet Hell" flog bei unserem Herrenclub vorne in den ersten Reihen so dermaen die Kuh, dass wir nach Ablauf der FMT-Superhymne als Exempel herhalten mussten, um den restlichen Anwesenden mal zu zeigen, wie man auch ohne Haare so richtig headbangen kann. Das Set von FMT war auf alle Flle supergenial, wenngleich auch etwas kurz geraten. Hatte man sich doch zeitweise im Spiel-Zeit-Plan, der bei dieser Menge an Bands eh schon schwierig genug einzuhalten ist, um eine gute halbe Stunde nach hinten bewegt. Um so mehr war ich verwundert, dass FMT pnktlich nach der Vorgabe des Ortsvorstehers um 23:30Uhr die letzte Saite verklingen lieen. Resmee: Die Veranstaltung wurde zum ersten Mal in dieser Form durchgefhrt und auch, wenn das Bier zur Finanzierung des Security- Services, der von der OG Gttelborn gefordert wurde, um 50Cent erhht werden musste, so war's der Spa doch wert. Ich hoffe die Veranstalter von CHANTZ OF NOISE, die ich leider in ihrer musikalischen Darbietung verpasst habe, haben ein positives Einkommen bei diesem Festival erzielt und lassen sich durch den groen Zuspruch des Publikums dazu hinreien eine derartige Veranstaltung mit einer Mischung aus lokalen und Bands, die bei Major- Labels unter Vertrag stehen, im kommenden Jahr erneut zu machen. Beide Daumen hoch fr die reibungslose Durchfhrung eines super Konzertes.

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