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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing W:O:A METAL BATTLE LANDESENTSCHEID
Ort JuZ Andernach
Datum 18.02.2006
Autor David Lang
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Liebe Metalgemeinde, es war angerichtet. Zum zweiten mal fand im JUZ Andernach der Landesentscheid fr Rheinland-Pfalz zum "W:O:A Metal Battle" statt. (Werde jetzt nicht ber die Qualitt des Events im letzten Jahr berichten, wre nicht wirklich objektiv)
Als ich kurz nach 20 Uhr dort eintreffe, haben FLESH DIVINE gerade angefangen dem Volke ihre Version von knackigem, groovendem ( @ Bernd & Steff) Death Metal feilzubieten. Das machen die Jungs auch eigentlich sehr gut. Der Snger hat eine sehr coole, kraftvolle Stimme, die Gitarrenfront rifft sich souvern durchs Set und die Rhythmusfraktion pumpt die Grooves ins Publikum, welches noch eher teilnahmslos zusieht und die Band gewhren lsst. Hier liegt auch schon der Hund begraben, denn mehr als gut waren die Jungs leider nicht. Wirklich zwingend war keines der Stcke. Sollte man jedoch in Zukunft das Augenmerk innerhalb der Band vermehrt aufs Songwriting lenken, denke ich schon, dass die Jungs dann mehr reien werden.
Definitiv mehr als TORMENT OF SOULS, denn was diese 5 blutverschmierten Gestalten da auf der Bhne zelebrierten war ja mal so ein Rotz Da knnen die Herren Old School brllen, wie sie wollen, in meinen Ohren (und in den Ohren vieler anderer Gste) war das einfach nur schlecht. Habe selten so ein uninspiriertes Gerdel gehrt. Sorry, Leutz, aber das ging gar nicht. Will den Jungs an dieser Stelle gar nicht mal unterstellen, dass sie nicht spielen knnen, aber Songwriting ist ihnen definitiv so fremd wie Oma Gertrud die neueste Computertechnik. Positiv zu bewerten war vielleicht noch ansatzweise die (quasi "Splatter-")Show der Jungs und die Tatsache, dass man schlau genug war, nen Sack Hardcore-Fans gleich mit anzukarren. So entstand wenigstens schon mal der erste (beachtliche!) Pit vor der Bhne.(msste es eigentlich nicht DIE Pit heien???)
Allerdings hoffte ich schon nach dem dritten Song instndig, dass sich irgendwer hergeben und die Wand anscheien wrde. (Im Gstebuch der Jungs kam ich mir direkt vor, wie auffe Arbeit. Hab dort auch zwischen den Zeilen lesen knnen, dass man mit Kritik wohl besser vorsichtig umgehen sollte. Also bitte Jungs, wenn ihr das hier lest, nicht beim nchsten Gig euren Teddy gegen mich eintauschen!!!)
EDGE OF THORNS dagegen waren danach richtiggehend erfrischend. Der mit Keyboards aufgepeppte Power Metal der 5 Recken verfgte ber ein enormes Hitpotential. Generell kann ich mit dieser Sorte von Schwermetall ja mal grad gar nix anfangen, aber das hier war richtig gut und mitreiend inszeniert. Die Riffs kamen druckvoll aus den Boxen geschossen und die Melodien waren auch nicht von schlechten Eltern. Dazu kam ein Snger, der sich wirklich als solcher bezeichnen darf. Erwhnenswert wre noch die Tatsache, dass der eigentliche Drummer der Jungs verletzt war und der Ersatztrommler seine Sache uerst gut machte (bedenkt man die Tatsache, dass er dafr nur wenige Tage Zeit hatte verdient das gleich dreimal soviel Respekt!). Der "wahre" Drummer stand jedoch auch auf der Bhne und untersttzte die Jungs mit (ebenfalls) gutem Background-Gesang (und ich dachte erst, der ist nur da, um das Mikro festzuhalten..) Power Metal mit Eiern geht alles!
Dann betraten SYSTEM FAILED die Bhne und "Dschieses!", haben die Arsch getreten! Hatte die Jungs kurz zuvor (zum ersten mal) beim Emergenza Wettbewerb in Koblenz gesehn und war auf Anhieb begeistert. Dort haben sie es zwar nicht in die nchste Runde geschafft (Schiebung!!!) aber schon da war mir klar, dass man mit den Jungs in Zukunft rechnen muss. Heftigst groovender Thrash Metal der moderneren Art mit einigen Beat- und Breakdowns der live so dermaen geil rberkommt, dass man einfach moshen muss. Hier lag auch leider der Hund begraben. Die Fangemeinde der 5 Buben war recht berschaulich (der Metal Battle war der dritte Gig der Jungs!) und so steppte vor der Bhne auch nicht gerade der Br.
Die Band rockte trotzdem drauf los, als gbs kein morgen mehr. Allen voran Shouter Andi (unter Schreihlsen das war super, Hase ;-)) und Bassmonster Achim posten ordentlich drauf los und auch der Rest stand nicht trge in der Gegend umher. Sehr, sehr geiler Gig!!!
Auch die folgende Band verlangte dem Rezensenten eures Vertrauens einen Heidenrespekt ab! ENRAGED BY BEAUTY aus Pirmasens ballerten ihre Version von Metalcore ins Auditorium. "Pfui", hre ich jetzt wieder die ganz Tollen rufen. "Entwarnung", sage ich euch da drauen. Denn ENRAGED BY BEAUTY setzen weniger auf (zugegebenermaen ausgelutschte) Mosh/Melodien-Wechsel, als auf hartes UND gleichzeitig melodises Songwriting und diese Kunst beherrschen sie schon ziemlich gut. Der Snger brllt streckenweise erfreulich brutal, die Riffs sitzen und auch die Rhythmussektion knallt dick auffe Mtze. Jetzt fehlen nur noch ein paar potentielle "Hits" und das wrs dann auch. Macht hinne, Jungs!
Der Auftritt von RA'S DAWN bleibt den Besuchern des JUZ' heute leider vorenthalten, da die Band anderweitig beschftigt war (fragt mich nicht, ich wei nicht mehr, was es genau war). Schade! Htte dem Power Metal (mit Eiern J) der Jungs gerne noch mal gelauscht. Wenn ich das jetzt richtig zusammen gepuzzelt habe, waren sogar TORMENT OF SOULS der hochoffizielle Ersatz fr die 6 Eiermetaller (das lass ich mir patentieren, hehe). Strange World
Als letztes mussten dann SCARS COME CLEAN ran und hui, machten die Alarm. Zwei Snger (Pumuckl und Mark Hunter) die, untersttzt von einem Krawallkommando, dermaen los trmmerten, dass es eine Freude war. O.K., das Songwriting bedarf noch einiges an Arbeit, aber die Frische und die Energie mit der SCARS COME CLEAN losrockten war schon beeindruckend. Fragt sich nur, warum die Jungs (inkl. Mdel) ihren Sound als Screamo/Hardcore bezeichnen. Was ich da zu Ohren bekam, war eindeutig Grindcore mit einigen Punk Versatzstcken. Lediglich den melodischen Gesang der Gitarristin htte man sich schenken knnen. Der Groteil des anwesenden Publikums konnte meinen Spa an dieser Band nicht wirklich teilen, was aber auch eindeutig daran gelegen hat, dass SCARS COME CLEAN mit ihrem Geballer fast schon etwas deplaziert wirkten. Auf dem "Fuck The Commerce" wrt ihr aber super aufgehoben! Leutz, weiterknppeln!
Als sich anschlieend die Jury zur Beratung zurckgezogen hatte, sorgten GORILLA MONSOON, die Gewinnerband des letztjhrigen Metal Battle, dafr, dass die Menge bei Laune blieb. Und wie sie das taten Ich habe selten eine Band dermaen als Einheit auftreten sehn. Snger Jack Sabbath (sehr geiles Pseudonym auch, harhar) poste um sein Leben und der Rest der 4-6 Saiten Fraktion tat's ihm gleich. Hatte die Jungs, obwohl man "Metal-Battle"-bedingt schon zweimal zusammen gezockt hatte, noch nicht live erleben drfen. Mit ihrer Mischung aus zhflssigem Doom, hllisch groovendem Stoner-Rock und diversen Neo-Thrash Versatzstcken splitteten die 4 Schweinerocker das noch anwesende Volk. Die einen konnten mit dem lavahnlich dahin wlzenden "Lrm" nichts anfangen und die andern suhlten sich geradezu darin. Ich zhlte mich zu letzterer Gruppe und muss doch mal sagen, dass es KEINE Schande war letztes Jahr gegen die Jungs verloren zu haben (nicht, dass sie besser wren, harhar).
Nun war es dann auch an der Zeit die Gewinner des "W:O:A Metal Battle" 2006 fr Rheinland Pfalz bekannt zu geben. Enno Heymann entpuppte sich als geschickterer Redner als Thomas Jensen im Jahr zuvor und fasste sich angenehm kurz. Ohne groes Geschisse wurden die Gewinner verkndet, die da hieen: SYSTEM FAILED! Gratulation, Jungs und noch mal Respekt vor den Leistungen der (meisten) anderen Musiker an diesem Abend. Solange der Underground weiterhin seine Suppen auf diesem Niveau kocht, mssen wir uns um den Hunger keine Sorgen mehr machen.
Generell bleibt noch zu sagen, dass ich gleich von mehreren Bands die Rckmeldung bezglich eines grauenhaften Monitorsounds bekommen habe. Also das gleiche Problem, das bereits im letzten Jahr Streitpunkt Nummer 1 war (sowohl beim Landesentscheid, als auch beim Semifinale UND beim Finale!!!). Es klingt unglaublich, aber ganz offensichtlich war das Team eines der grten Metal-Festivals weltweit, nicht in der Lage einen fhigen Mischer fr sich zu gewinnen. Gute Nacht zusammen!

Fotos: Thorsten Dietrich



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