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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PERSISTENCE TOUR 2005
Ort Wiesbaden, Schlachthof
Datum 01.12.2005
Autor Thomas Roos
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Die ehemalige "Eastpack Resistance Tour" musste wegen dem Ausstieg des Sponsors umbenannt werden. Aber auch unter ihrem alten Namen habe ich sie schon sehr skeptisch betrachtet. Hier wird versucht, die Gren des Geschfts zusammen und noch ein paar kleinere Acts mit dazu zu packen, um ein richtig dickes Package los schicken zu knnen. Das Dumme an der Sache ist zum Einen, dass es nicht so sehr viele HC-Bands gibt, die wirklichen kommerziellen Erfolg haben, zumal viele es gar nicht unbedingt drauf anlegen. So waren drei der Bands, darunter sogar die beiden Headliner, bereits auf einer der letzten Tours zusammen unterwegs. Wirkliche Variationsmglichkeiten fr diese Tour hat man auf Dauer offensichtlich nur im Kleinen. Da es sich bei dieser Tour in meinen Augen aber ohnehin nur um ein kommerzielles Konstrukt handelt, spielt das sicher keine groe Rolle. Sie ist wohl ein Produkt unserer Zeit, in der alles immer grer, hher und weiter sein muss. Aber gerade eine solch unntige Sache macht deutlich, wie wertvoll der Underground eigentlich ist, der einen Platz abseits all dieser verkommenen Auswchse bietet. Abgesehen davon finde ich es einfach viel zu viel, sieben Bands auf Tour zu schicken und auf den einzelnen Shows noch mindestens eine weitere Band mit auf das Billing zu setzen. An einem Samstag kann man so was machen, meinetwegen dann auch sogar noch mit ein paar mehr Bands. Aber whrend der Woche ist das echt asozial. Nicht nur das die Shows natrlich erst sehr spt enden, sie fangen natrlich auch viel zu frh an. In Wiesbaden zeigte sich das ganz deutlich, denn die erste Band fing schon an zu spielen als die Abendkasse noch gar nicht geffnet war. Was fr eine Frechheit. Ich hab mich auf den ersten europischen Auftritt von Full Blown Chaos aus NYC wirklich gefreut, aber auer "Wake The Demon" am Ende hab ich leider nur zwei weitere Songs mitbekommen. Was ich gesehen habe war super, aber was soll ich dazu schreiben? Hat mich schon gergert. Abgehakt.
Danach folgten Bleed The Sky, die absolut gar nicht in diese Tour rein passen. Eigentlich passen die nirgendwo rein, denn was Brauchbares kriegen die anscheinend gar nicht komponiert. Auf diese Tour hat sie mit Sicherheit ihr Label Nuclear Blast gebracht, die ja auch Agnostic Front unter Vertrag haben. Daran sieht man, dass solche Tours von den Labels auch gerne genutzt werden, um neben ihren Zugpferden auch noch die Ausschussware unter zu bringen, was ein solches Unterfangen erneut zweifelhaft macht. Ich frag mich immer noch, was die bei NB berhaupt geritten hat, BTS fr "Paradigm In Entropy" zu signen. Vom ueren Erscheinungsbild her wrden sie am besten auf irgendein New Metal Konzert passen, aber selbst da noch untergehen. Zugegeben, ihr Auftritt an sich war schon nicht ohne. Das synchrone Headbangen machte zu Beginn schon Eindruck, aber das alleine reicht eben nicht aus. Auerdem scheint ihnen der Deal zu Kopf gestiegen zu sein, denn sie schienen sich wirklich schon wie Rockstars vorzukommen. Der erste Schritt zum Fall. Auf Wiedersehen!
Auch bei The Red Chord hatte wohl das Label seine Finger im Spiel, indem Metal Blade sie vermutlich noch neben Born From Pain mit rein gebracht hat. In diesem Fall war das aber weit weniger verheerend, denn The Red Chord wissen was sie machen wollen. Fr mich war das Gewitter aus Death Metal mit dezenten HC-Elementen auf Dauer zwar zu heftig, aber ihr Knnen kann man ihnen auf keinen Fall absprechen.
Born From Pain machen genau da weiter, wo sie gerade erst auf ihrer Tour mit Six Feet Under aufgehrt haben. Der Deal mit Metal Blade hat sie einen weiten Schritt nach vorne machen lassen. Im Gegensatz zu Bleed The Sky steigt denen so was aber nicht in den Kopf, denn sie haben ihn nicht in den Arsch geschoben bekommen, sondern sich diesen ber Jahre hinweg aufgerissen. Die Jungs, die ich in den 90ern noch zum Spa in kleinen Clubs und Jugendzentren hab spielen sehen, sind verdammt professionell geworden und haben zudem auch noch was zu sagen. Die bis dahin beste Band des Abends prsentierte Songs der drei Alben mit einem kleinen Schwerpunkt auf ihrem MB-Debt "In Love With The End". Von "Reclaiming The Crown" spielten sie neben dem Titelsong noch "Final Nail". Auer auf "Immortality" musste man heute also noch auf "When We Were Kings" verzichten.
Weil die folgende Band erst so spt auftrat, dachte ich schon sie wrde mir erspart bleiben. Das beziehe ich aber gar nicht auf ihre Qualitt, sondern auf die an sich zu groe Anzahl an Bands. Spa gemacht haben The Bones auf jeden Fall. Mit ihrem Punk Rock brachten die Schweden ein wenig Abwechslung rein und lockerten die ganze Sache etwas auf.
Das war vor Napalm Death auch gar nicht so verkehrt, denn deren Geballer war mir wieder zu heftig. Ist natrlich Geschmackssache. Mein Kumpel stand dagegen mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht neben mir. Lustig anzusehen waren sie jedenfalls, denn Snger Mark "Barney" Greenway machte zeitweilig den Eindruck als wrde er unter einem epileptischen Anfall leiden. Gewundert hat mich allerdings, dass sie den Titelsong ihres vor einem halben Jahr auf Century Media erschienenen Albums "The Code Is Red...Long Live The Code" nicht gespielt haben.
Agnostic Front schickten mich dann fast wieder nach 1993. Gleich zu Beginn knallte der "Eliminator". Gefolgt von "New Jack" wurde die "One Voice" ansonsten zwar leider nicht mehr weiter beachtet, mit Ausnahme von natrlich "Gotta Go" die ersten drei Alben nach der Reunion aber auch nicht, wenn man mal von der 1998 erneut aufgenommenen Coverversion "Crucified" absieht. Stattdessen wurde sich mit unter anderem "Peace", "Pride, Faith, Respect" oder auch "I Live It" mehr auf das aktuelle Album "Another Voice" konzentriert. Daneben gab es aber auch reichlich weitere Klassiker wie "Victim In Pain", "Friend Or Foe", "United Blood" und "Anthem".
Hatebreed hatten das, was ihren Vorbands grtenteils abging, nmlich einen guten Sound. Sie kamen verdammt druckvoll rber. Sie wussten auch wie keine andere Band dieses Abends das Publikum mitzuziehen. Sei es eine Wall Of Death oder ein paar Circle Pits, die Leute spielten immer zuhauf mit. Da ging schon gut was ab. Ziemlich beeindruckend. Neben Songs ihrer drei Alben spielten sie auch "Under The Knife" von der EP, was wirklich cool war. Zudem konnte man sich auch bereits einen neuen Song, des im nchsten Jahr erscheinenden Albums anhren. Am berraschendsten kam aber sicherlich das Cover von Sepulturas "Refuse/Resist". Irgendwie war das cool, gerade diesen Song zu covern halte ich jedoch auch fr sehr kalkuliert, um dadurch noch mehr Metalheads anzusprechen. Abgesehen von den bereits erwhnten Negativaspekten gingen die zunehmend lnger werdenden Umbaupausen auf die Eier. Gerade der Beginn des Hatebreed-Sets wurde noch unntig hinaus gezgert. Die Absperrungen vor der Bhne im Schlachthof kotzen mich eh an und was bei solch groen Veranstaltungen sowieso immer nervt sind die ganzen Trendopfer und, vor allem in Wiesbaden, das besoffene Pack. Es sind ja schon ein paar geile Bands vertreten, aber wenn ich nicht dienstlich auf einem solchen Konzert wre und noch dafr lhnen msste, dann wrde ich mir lieber zuhause die CDs anhren und mich auf die nchste Underground-Show freuen.
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