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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing GRAVE, THE FORSAKEN, DISINTER
Ort Wermelskirchen, AJZ Bahndamm
Datum 29.05.2002
Autor Andre Kreuz
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Wow, geiler Laden! Das war mein erster Gedanke beim Betreten des eigentlich ziemlich kleinen Schuppens. Gerade mal 10 Euro waren an der Kasse zu latzen, bevor man ins Innere eingelassen wurde, so könnte das preislich öfter sein, wie ich finde! Drinnen fiel dann erstmal auf, dass wohl einige Jungs von Morbid Records zugegen waren. Ich vermute zumindest, dass die daher sind, denn viele Gesichter hat man schon des öfteren auf dem "Fuck the Commerce" sehen können, allen voran der etwas ältere Herr, der dort immer für die Ansagen auf der Bühne zuständig ist. Und wenn wir schon bei alten Bekannten sind, darf einer natürlich nicht fehlen, und zwar wer?? Jepp, der Turbanbanger war natürlich auch wieder extra aus Offenbach angereist, um diesem Abend im Zeichen des Death Metals beizuwohnen!
Death Metal, ja... Das war die erste Band des Abends sicher nicht, die Belgier, deren seltsamen Namen ich leider vergessen habe, spielten ziemlich schurstracksgeraden Grindcore ohne Wenn und Aber. Dreißig-Sekunden-Kracher vom Fließband. Und doch fand ich die Truppe, bei denen einer wohl auch bei den schon etwas bekannteren ABORTED zockt ziemlich amüsant! Vor allem der mit Sturmhaube vor der Bühne rumfliegende Sänger wusste durch seine mit extremen Akzent behafteten, englischen Ansprachen das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Und das, obwohl er eigentlich nur Blödsinn verzapft hat, aber das mit voller Absicht. Lustigen Typen.
Nach kurzer Pause wechselten DISINTER auf die Bühne und bretterten ihren technischen Death Metal unters Volk. Dies zählte an dem Abend vielleicht hundert Köpfe, also nicht gerade üppig. Für den Laden aber auf jeden Fall ausreichend genug, nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig. Gespielt haben die Amis eine Mischung aus allen ihren bisherigen Veröffentlichungen, drei an der Zahl. Der Schwerpunkt lag hier logischerweise auf dem erst kürzlich bei Morbid erschienenen Werk "Demonic Portraiture". Und just beim Titelstück musste der gar garstige Gitarrist sein Instrument wechseln, so dass einem erstmals auffiel, wie stark die Mucke von DISINTER von beiden Gitarren profitiert. Und sie profitieren auch gewaltig vom Sänger, ein Meister-Poser sondergleichen! Was der für Fratzen gezogen hat, hammerhart! Aber nicht nur böse aussehen und sich in einen Haufen Altmetall kleiden kann der Mann, sondern auch "singen" wie bekloppt. Selten geiles Organ, deckt vom tiefsten Gegrunze bis hin zu den hasserfülltesten Schreien so ziemlich alles ab, Respekt! Dem Publikum schien es ebenfalls zu gefallen, so dass einiges an Headbangern auszumachen war.
Jetzt wurde es schwedisch, THE FORSAKEN standen auf dem Plan. Einfach nur geil, wie die Jungs ihren oldschooligen Death Metal zelebrieren. Was Neues kann man da zwar kaum erwarten, aber wer will das schon? Sagt was ihr wollt, aber schwedisches Todesmetall sollte man auch einfach den Schweden überlassen! So überzeugte die tödliche Mischung aus Melodie, fetten Riffs und Doublebass-Geballer auf ganzer Linie, nicht zuletzt durch den echt fetten Sound! Kompliment an die Technik!! Auffällig bei THE FORSAKEN auch der Frontmann, der wie der kleine (?) Bruder von AMON AMARTH Shouter Johan Hegg aussieht. Dessen Klasse und Ausstrahlung bleibt aber dennoch unerreicht.
So gut die Band auch war, jetzt konnte es eigentlich nur noch besser kommen: GRAVE! Kaum zwei Wochen ist es her, dass ich die Jungs auf dem "Fuck the Commerce" bewundern durfte und jetzt schon wieder, geil!!!!! Und wer denkt, dass sich die Combo ob des wesentlich kleineren Publikums weniger anstrengen würde, der irrt gewaltig, GANZ gewaltig! Einen so dermaßen intensiven und abgefeierten Gig hab ich schon lange nicht mehr erlebt. Wieder zu Beginn, als Song zwei und drei, dröhnte "Soulless" und "You will never see..." aus den Boxen, dass es krachte. Headbangen bis die Wirbelsäule knackt! Das ist echt fast so, als würde man einen guten alten Bekannten treffen, man kennt jedes Riff, jeden Break und kann den Refrain mitgrölen, Stimmung ohne Ende! Das "Soulless" Album wurde im weiteren Verlauf immer wieder in die Mangel genommen, so mit "Rain", "Bullets are mine" und dem Opener "Turning Black". Dann war da natürlich noch der "Morbid way to die" und bei der mittlerweile zweiten Zugabe der Klassiker vom gleichbetitelten Debüt "Into the Grave". Das Lied ist einfach nur genial, Mörderriffs bis zum Anschlag! Weiterhin gab es bei Zugabe II "Obscure Infinity" und noch ein Song vom Demo, das hat man lange nicht mehr gehört!
Tja, jede andere Band hätte jetzt Feierabend gemacht und sich unter die Dusche oder sonst wohin geschmissen, nicht so GRAVE! Da wurde so lange gefeiert, gebrüllt und gefordert, dass der Dreier gar keine andere Wahl hatte, als noch mal zurückzukommen. Und zwar sichtlich erstaunt, das sah man sogar dem anfangs obercoolen Ole an! Der entschuldigte sich nun, dass der Drummer neu in der Band sei und noch nicht alles drauf hätte, aber scheiß drauf! Spielt man eben noch mal Lieder von vorhin: "Soulless", "You will never see..." und weiß der Geier was noch. Supergeil, ich bin absolut begeistert und extrem froh, dass die Truppe wieder da ist! Das sind die selber sicher auch, denn mit so einem gigantischen Feedback und einer solchen ehrlichen Begeisterung hatten die sicher nicht gerechnet!
Wenn ihr also noch irgendwie die Chance habt, GRAVE live zu erleben, dann macht euch da hin, das ist Party ohne Ende! Da juckt einen auch eine samt Mikro runtergefallene Monitorbox nicht, hehe! Und man erlebt, wie man rasende Doublebass-Attacken barfuss (!!!!!) zu Wege bekommt, das hab ich bis vorgestern auch noch nicht gesehen!

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