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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing RUNNING WILD, SNAKE RIDE RODEO
Ort Bonn, Brckenforum
Datum 30.09.2005
Autor Thorsten Dietrich
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Ende der 80er und in den 90er Jahren waren RUNNING WILD Konzerte richtige Events! Fette Gimmicks wie einen Schiffrumpf(!) fr das Schlagzeug, verschiedene Stoffbanner und Aufbauten auf der Bhne, sowie 'ne fette Pyroshow waren immer Pflicht. Nun sind wir im 21. Jahrhundert angekommen. Wir schreiben das Jahr 2005. Die Leute haben immer weniger Kohle und es gibt immer mehr Bands und Mglichkeiten sein Geld zu verjubeln. Eine Metallegende wie RUNNING WILD muss nun auch kleinere Brtchen backen und spielte im Bonner Brckenforum.

Die Konzertpreise sind seit Jahren am Steigen und Dinos wie MAIDEN oder METALLICA verlangen Unsummen als Eintritt. Dafr bekommen sie doch glatt proppenvolle Hallen. RUNNING WILD forderten berraschend 30 € an der Abendkasse und 28,50 im VVK. Fairerweise muss ich erwhnen, dass es die verschiedenen T-Shirts fr korrekte 15 € gab. In dem gemtlichen und freundlichen Brckenforum waren vielleicht 400 bis 500 Fans - hchstens! Dabei war der Alteisenanteil deutlich hher als bei SAXON oder MAIDEN. Sterben die Nachwuchsfreibeuter aus? Ich hoffe nicht. Diese Zuschauerzahl drfte nicht nur im Preis der Band zu suchen sein, die Tatsache, dass nur eine lokale(?) Vorband statt den sonst auf der Tour spielenden Underground-Metallern STORMWARRIOR noch aufspielten, hat bestimmt auch einige Metalheads davon abgehalten bei den Piraten anzuheuern. Ein oder zwei zugkrftige, stilistisch leicht hnliche Vorbands und ein Eintrittspreis von 23-25 € htte in meinen unbedarften Augen mehr gebracht. Auerdem muss man sich vor Auge halten, dass RUNNING WILD seit Jahren kein konstantes Lineup mehr haben und es im Moment endlich wieder nach einer Konstante am Bass (Peter Pichl) und Schlagzeug (Matthias Liebetruth) aussieht.

Snake Ride Rodeo

Besagte Vorband namens SNAKE RIDE RODEO durften erst - wenn ich mich nicht tusche - eine Stunde lang ihre rock'n'rollige Mischung aus Hard Rock und Metal zum Besten geben. Interessiert hat es nur wenige, mich jedoch gar nicht. Die Band wre wirklich gut auf einer Bikerparty oder in einer Rockkneipe aufgehoben gewesen.

Running Wild  Running Wild

Schon kurz nach 21.00 Uhr startete das Intro fr unsere aller Lieblingsfreibeuter und ich dachte bis zu dem Zeitpunkt immer noch, dass STORMWARRIOR kommen. Die Bhne zeigte ein Standard-Backdrop sowie eine Marshallwand a la MANOWAR, whrend eine bescheidene Lightshow flackerte, die wie bei einem Gig im Jugendzentrum ablief. Davon lieen sich die vier Freibeuter um Kapitn Rock'n'Rolf nicht abhalten und besonders Frontmann und Snger Rolf Kasparek war neben dem neuen Tourgitarristen Peter Jordan der Aktivpol der Band, sprintete viel und gerne ber die Bhne und schttelte die Mhne. Dabei war sein aus 1000 Bands herausstechender Gesang immer noch so wie frher, was leider auch auf die Ansagen zutraf.. Laut meinem Kumpel Uli sagt der Rolf seit 20 Jahren schon Standards wie "Ich kann euch nicht hren!", "Wie geht es euch?" oder "Das nchste Lied ist ein etwas schnelleres Stck!". Kennt ihr etwa viele langsame RUNNING WILD Songs? Die zocken doch live immer nur die flotten Feger und so kommen Perlen wie "Treasure Island" oder andere Monumentalstcke niemals ins Programm. Das wre mal eine geile berraschung. So bekam der treue Fan nur drei Songs des neuen Albums "Rogues En Vogue" kredenzt, welche mit knackigem Livesound 100 Mal besser als auf CD tnen, trotzdem war bei diesen Songs das Gedrnge auf dem Herren WC gro... Das hatte aber den Vorteil, dass man mehr das "Greatest Hits"-Programm genieen konnte, was fr die Stimmung vorteilhaft war. So was sollten andere "alte" Bands ruhig nachahmen und nicht 3/4 des neuen Albums runterzocken. Dieses reicht sicherlich nicht aus, wissen wir doch alle, dass Rennendes Wild ganze Flotten von Hits verbrochen haben und so manches Album deshalb zu wenig bercksichtig wurde. Gerade die von mir vergtterten Alben "Black Hand Inn" und "Blazon Stone" kamen eindeutig zu kurz.

Running Wild  Running Wild

So hat aber wohl jeder seine Lieblinge und einige Herrschaften vermissten schmerzlich die alten Scheiben, von denen nur das obergeile "Prisoner Of Our Time" gezockt wurde, wo Rolf netterweise erwhnte, dass der Autor des Songs, der lange von Bord gegangen Gitarrist Gerald "Preacher" Warnecke, im Publikum wre. Nette Geste! Dieser ist brigens mittlerweile Priester in Kln. Nach den genialen Zugaben, den frenetisch abgefeierten Klassikern "Conquistadores" und "Under Jolly Roger" war dann nach gut 100 Minuten leider schon Schluss um 22.45. Das war definitiv das frheste Konzertende meines Lebens, ehrlich. Trotzdem ein toller Gig an den ich mich auch wegen anderer Ereignisse wohl lnger erinnern werde.

Mein Tipp fr die Band: Mal paar Gigs mit alten Klassikern machen und bissel Showelemente, dann wird es auch wieder voller, bei SAXON klappt das doch auch!

Setlist:

  1. Intro
  2. Draw The Line
  3. Raise Your Fist
  4. Riding The Storm
  5. Black Wings Of Death
  6. Skeleton Dance
  7. Black Gold
  8. Bad To The Bone
  9. Welcome To Hell
  10. Drumsolo
  11. Soulless
  12. Little Big Horn
  13. Rogues En Vogue
  14. Prisoner Of Our Time
  • Conquistadores
  • Under Jolly Roger

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