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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing FUCK THE COMMERCE V
Ort Neiden/Torgau
Datum 09.-11.05.2002
Autor Andre Kreuz
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Junge, Junge, was ein Trip… Dass auf den gesamten Autobahnen Richtung Osten wieder Stau herrschen würde war klar, das war die letzten beiden Jahre nicht anders gewesen, aber dass das so ein Chaos werden würde, hätte wohl keiner von uns gedacht. Zu sechst zockelten wir mittwochabends im Bus der Ochtendunger Katholischen Jugend (!) los, nur um kurze Zeit später von einem Stau in den nächsten zu fallen. Die Krönung gab es dabei auf der A4, irgendwann mitten in der Nacht. Vollstopp. Ein Löschzug nach dem anderen. Notärzte bis zum Horizont. Das kann dauern. Anfangs war es ja noch ganz lustig, mit Dosenbier bewaffnet über die Autobahn zu schwanken, aber das hatte sich ziemlich schnell erledigt. Kaputt wie wir alle waren, lagen die meisten recht flott kreuz und quer im ganzen Bus verteilt, um sich eine Prise Schlaf reinzupfeifen. Ich hab's mir derweil mit Isomatte und Schlafsack auf dem Randstreifen bequem gemacht, auch mal eine neue Erfahrung... Nach ca. fünf (!!!) Stunden ging's dann endlich mal weiter, so dass wir uns weiter durch den zähflüssigen Verkehr quälen konnten und gegen morgen, nach fast 15-stündiger (!) Fahrt am Ziel angekommen waren.


NDK bei der Arbeit... 

Also Zeltplatz suchen, aufbauen und erstmal was gegessen und ein Bier gekippt. Für pennen war da kaum Zeit, um 16:15 stand schon das erste Freitags-Highlight auf den Brettern: HARMONY DIES!! "Heavy Meddel, nix im Schäddel." So die Devise der Rabauken, die mich und alle anderen mit ihrem fetten Geschrubbe wieder mal zu begeistern wussten. "Living Corpses" hatte dabei natürlich erneut den Vogel abgeschossen, yes!! Und schon war man mitten im Geschehen, der Hals warmgebangt und der Magen voller Gerstensaft. Genau deswegen könnte meine Berichterstattung jetzt etwas diffus werden, da es wirklich nicht einfach ist, drei Tage Metal und Bier in eine halbwegs nachvollziehbare Reihenfolge zu bringen... Egal, NECROPHAGIST hab ich danach noch kurz gesehen, nicht schlecht, vor allem vom technischen Standpunkt her. Kam mir aber im Endeffekt doch etwas zu frickelig rüber, deswegen zurück zum Zelt, um Bier zu tanken. Das haben wir denn auch recht ausführlich getan, so dass wir die Österreicher DISASTROUS MURMUR, MALIGNACY und RETALIATION verpasst haben, nun ja... Dafür war der Fun bei den beiden letzten Bands umso größer, da gibt es nix!!!!! Um 22:15 begannen ILLDISPOSED ihr Set, und zwar supergeil!!! Ich kam aus dem bangen gar nicht mehr raus! Einige sagen zwar, dass die Gesangesleistung nicht so der Brüller gewesen sein soll, ich fand da allerdings nichts dran zu meckern. Gespielt wurden die Hits von den Alben "Submit", "There's sth. rotten..." und "Kokaiinum". Ob auch "Four depressive Seasons" zum Einsatz kam, kann ich nicht sagen. Da schon eher, dass diese faszinierenden "Lolita-Schaf-Samples" auch live zum Einsatz kamen, lustig! Einige Nackenumdrehungen später war der Spaß aber auch schon vorbei, nur um nach einer kurzen Verschnaufpause mit noch viel mehr Macht zurückzukehren: GRAVE! Uaaaaahhh, war das geil!!!! Und fett! Und laut! Und brutal! Und old-schoolig! Hammer! Vor allem, weil die "Hating Life"-Mißgeburt, wenn ich nix verpasst hab, komplett ausgelassen wurde! Nur alte Kracher, die beiden besten direkt zu Beginn: "Soulless" und "You will never see...". Ausrastende Fans allerorten! Was ein Wunder... Im weitern Programm gab's logischerweise keinen einzigen Ausfall, "Into the Grave" setzte dem ganzen eher noch die Krone auf. Durchgeschwitzt, aber glücklich! Ich freu mich jetzt schon auf das Video!
Und es wurde Nacht und es wurde Morgen, der zweite Tag.
Hier muss ich gestehen, dass die meisten von uns ganz gewaltige Faulenzer sind, und ich bilde da keine Ausnahme, hehe! Aber was willste machen? Geiles Wetter, Pavillon, Bier in Strömen... Also war ich, glaub ich jedenfalls, um acht oder neun Uhr erstmals vor der Stage. Ärgert mich aber eigentlich nur wegen SEIRIM, die ich schon gerne gesehen hätte. Aber da war ich vermutlich grade mit Klopapier bewaffnet den Wald beglücken... Jedenfalls kloppten uns BEHEADED übel auf die Mütze, aber ich kann mich an den Auftritt keinen Schlag erinnern, komisch... Hab ich die überhaupt gesehen...? Oje, Alohol du böser Geist... Haha!! Dass BENEDICTION abgesagt hatten, war im Vorhinein längst bekannt, also wunderte sich auch keiner, die Holländer GOD DETHRONED auf der Bühne stehen zu sehen. Ich für meinen Teil fand den Tausch jedenfalls mehr als ok! Die Jungs haben ihr Set absolut FTC-tauglich aufgebaut, sprich alles Langsame und atmosphärische wurde mal eben zu Hause gelassen. Gut so! "The Art of Immolation", "Firebreath", "The Poison Apple", um nur einige zu nennen, machten den Gig zu einer wahren Knüppelorgie, natürlich nicht ohne das gewissen Quäntchen Melodie. Chuck wurde mit "Evil Dead" gehuldigt und "Boiling Blood" kam sogar zweimal zum Einsatz, da der neue Gitarrist erst kürzlich in die Band integriert wurde. Kam aber trotzdem geil und wurde auch entsprechend aufgenommen. Eher BEnommen war ich nach der Show, aber viel Zeit zum Ausruhen war nicht, DISGORGE, der Freitags-Headliner standen bevor. Ich hab zwar vorher nur einige Stücke der Amis gekannt, aber das war nicht weiter wichtig, da deren Mucke einfach richtig geil und vor allem live-kompatibel ist! Dickfett, Gurgel, schrubb und mosh, FTC in Reinkultur! Also hab ich mir dann die letzten Kraftreserven des Tages aus dem Leib gedroschen und diese Selbstgeißelung in vollen Zügen genossen! Während der ganzen Chose ist uns übrigens ein alter Bekannter aufgefallen, der Turbanbanger aus der Hafenbahn! Dem Kerl ist auch kein Weg zu weit, cool!


No Comment. 

Und es wurde Abend und es wurde... Moment, so schnell nun auch wieder nicht. Erstmal wurde noch kräftig gezecht, dem Andreas W. von unseren Zeltnachbarn Dreadlocks (?) verpasst und NAPALM ENTCHEN gehört. Die Band von eben jenem Friseur, nun ja. Vom Wodka hätte ich jedenfalls die Finger lassen sollen, dann wäre ich sicher nicht mit allen Vieren von mir gestreckt im nassen Gras liegen geblieben... Da hab ich mir dann dankenswerterweise dermaßen die Freck geholt, dass ich vom Samstag quasi fast gar nix mitbekommen habe, so eine verdammte Scheiße!!!!!!! In den vielleicht drei Stunden, die ich nicht pennend im Zelt verbracht habe, hab ich nur DRILLER KILLER gesehen, und das auch nur kurz. "Crust" schimpft sich das wohl, klingt jedenfalls ziemlich rotzig und dreckig. Da hat der Regen, der uns im Übrigen meist verschont hatte, den Punks und den andren Fans den Spaß jedenfalls nicht verderben können. Junge, was könnt ich mich aufregen!!!!! Was ich alles verpasst hab!! JACK SLATER hätte ich gerne mal gesehen, THE FORSAKEN müssen fett gewesen sein, PYAEMIA und SEVERE TORTURE. Zu allem Überfluss müssen die sowohl CANNIBAL CORPSE, als auch DYING FETUS gecovert haben, oh Mann... Dann noch DISINTER und als Absch(l)uss DEEDS OF FLESH... Beide laut Zeugenaussagen wahre Granaten, super...
Sonntag war dann heimfahren angesagt, Probleme gab es hier nur mit den anfangs ausgeteilten Müllbeuteln. 2,50 Euro Pfand bekam man gegen einen vollen zurück. An sich eine gute Idee, aber man hätte eventuell möglicherweise vielleicht VORHER klarmachen sollen, dass man dazu noch das Bändchen an seinem Arm braucht. Na ja, freundlich, wie ich manchmal bin, hab ich meine Kohle aber auch trotz kurz vorher entferntem Band bekommen!
Fazit: Was dieses Festival Jahr für Jahr zu einem unangefochtenen Highlight werden lässt, ist vor allem die geniale, lockere Atmosphäre, die dort herrscht. Dazu noch geile Bands, die für den tiefsten Underground stehen, super korrekte Preise und lockeres Personal! Das war jetzt mein drittes Jahr in Folge und wird mit Sicherheit nicht das letzte gewesen sein, das steht mal fest! Da hindern mich weder 15h Anfahrtszeit (Rückfahrt ca. 10h) noch Stress mit Müllbeuteln dran.

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WIZARD, CHIMAERA, DEATH TERROR, EDGE OF THORNS, SLAVERY - Koblenz, Kurt-Esser-Haus
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GRAVE, THE FORSAKEN, DISINTER - Wermelskirchen, AJZ Bahndamm


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