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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ZWISCHENWELTEN IV
Ort Koblenz, Festung Ehrenbreitstein
Datum 03.09.2005
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Was die letzten Jahre als Geheimtipp fr Mittelalter- und Metalfans auf der Festung Ehrenbreitstein veranstaltet wurde, gab sich dieses Jahr in einem fast vollkommen neuem Gewand. Als Livemusik-Festival mit fnf Bands, darunter SCHANDMAUL als Headliner, sowie einem greren Gelnde auf der Festung. Man konnte nur hoffen, dass die Rechnung aufgeht, denn statt 300 Besuchern im letzten Jahr, wurden dieses Jahr ber 1600 Gste aus fast ganz Deutschland erwartet. Somit ein richtiges Highlight in der Festival-Saison und das ausgerechnet in unserem kleinen Stdtchen Koblenz. Schon zu Beginn war viel los auf dem Gelnde, und zahlreiche Stnde boten genug Mglichkeit sich einmal nicht der Musik sondern der Entspannung zu widmen. (Phil)

Flyer

NOCTE OBDUCTA
Den Anfang des Festivals machten die Mainzer Dstermetaller von NOCTE OBDUCTA. Die kurze Versptung wegen Umbau und Soundcheck nahm niemand bel, da es ja das erste Mal war, dass ZWISCHENWELTEN in dieser Grenordnung statt fand. Vor rund 400 Zuschauern prgelte sich das Quintett durch ihr Programm und konnte ihre Fans auf alle Flle begeistern. Direkt vor der Bhne sah man einige Mhnen fliegen, whrend weiter hinten nur betrachtet wurde. Showtechnisch muss ich sagen, dass die Band nicht gerade begeistern konnte. Bis auf den Snger standen die anderen Mitglieder meist nur rum und spielten ihr Set runter. Dieses bestand interessanterweise aus einigen Liedern vom bernchsten Album, und kaum vom nchsten, sowie einiger alter Titel. Problematisch ist bei NOCTE OBDUCTA, dass, wenn man die Lieder nicht kennt, es schwer ist die Titel auseinander zu halten, da einem doch sehr, sehr viele Riffs um die Ohren geschlagen werden, die sich teilweise nicht groartig unterscheiden. Der Sound vor der Bhne war anfangs nicht gerade berauschend, besserte sich aber im Laufe des Gigs. Gegen Ende musste die Band wegen der leichten Verzgerung am Anfang ihr Set krzen, lie aber das Publikum entscheiden, welcher Titel gespielt werden sollte. Alles in allem ein netter Opener, wenn auch etwas unspektakulr. (Phil)

CHAMBER
Nach den doch leicht deplazierten NOCTE OBDUCTA stieg nun die erste Band des Abends auf die Bhne, die das Mittelalter-Image von ZWISCHENWELTEN vollends bediente. Zwar dauerte der Soundcheck eine gewisse Zeit, doch bei der Instrumentenvielfalt sei dies durchaus zu verkraften. Violinen, Cello, Kontrabass und Akustikgitarren sorgten neben dem blichen Rock-Lineup fr eine interessante Note in der Musik der Deutschen. War mir die Band im Vorfeld gnzlich unbekannt, so muss ich gestehen, dass die Damen und Herren einen beraus positiven Eindruck hinterlassen haben. Spielerische Leistungen, Ausstrahlung und Performance sollten so ziemlich jeden Anwesenden berzeugt haben, trotz gewisser Anlaufschwierigkeiten zu Beginn des Sets. Nach zwei Songs lsten sich jedoch die Spannungen innerhalb der Band und die Musiker wirkten weniger verkrampft. Allen voran machte der Snger/Gitarrist jener Musikanten eine gute Figur. Zwar sprachen mir seine hohen Stimmlagen bei weitem mehr zu, als die tief gesungenen Passagen, doch ist das Geschmackssache. Auerdem war es, nach dem Opening-Act, sehr erfrischend anzusehen, dass die Songs mittels Charisma und Elan dargeboten wurden. Fr mich definitiv einer der Hhepunkte des Abends.
Ach ja, als Zugabe gab es dann noch eine sehr gelungene, mittelalterliche Version von RAMMSTEINs "Engel". Den Namen CHAMBER muss ich mir auf jeden Fall merken! (Marek)

JANUS
Richtig da war ich erst als JANUS spielten, deren Snger Rig mit Glatze und Bart von weitem an Devon Graves von DEAD SOUL TRIBE erinnerte, aber mit dem deutschen Un-Gesang leider in die RAMMSTEIN-Ecke tendierte. Er und Keyboarder Tobias Hahn sind die Band, welche sich live immer mit Gastmusikern verstrkt. Allgemein fand ich die Performance zum Weglaufen, so dass ich mir nach einigen Songs die Festung anschauen musste, wobei mir die Songs immer noch im Ohr waren, da alles gut wiederhallte. Ich fand das stumpf und recht de, da Texte und Musik stumpf waren. Fairerweise muss ich sagen, dass das Publikum es teilweise anders sah und die Band schon Applaus bekommen hat. (Thor)

THE VISION BLEAK
Nach einer relativ kurzen Umbaupause betraten dann THE VISION BLEAK die Bhne. Ich hatte mich schon wochenlang auf diesen Gig gefreut, nicht zuletzt weil ich hoffte, dass die Band ein paar Klopfer von ihrem geilen Debtalbum "The Deathship Has A New Captain" spielen wrden. Dann endlich, war es soweit:
Nach einem kurzen Intro ging die Band mit "The Drama Of The Wicked" vom neuen Album "Carpathia - A Dramatic Poem" gleich in die vollen und zeigte den Anwesenden, dass hier eine Metalband am Start war. Fette Riffs und fliegende Matten dominierten das Bhnenbild. Weiter ging es mit dem Gnsehaut-Midtempo-Stampfer "Carpathia", der in der Dunkelheit, die inzwischen das Festivalgelnde berschattet hatte, sehr geil rberkam. Mit dem anschlieenden "Wolfmoon" kam dann der erste Song vom Debtalbum zum Zuge, der aber zusammen mit "Horror Of Antartica" der einzige Ausflug in "frhere" Tage war. Schade eigentlich - ich hatte zumindest auf "The Night Of The Living Dead", das obergeile "Elisabeth Dane" oder "Deathship Symphony" gehofft. Aber man war natrlich in erster Linie hier, um das neue Album zu promoten, ist klar. Mit "Carpathia - A Dramatic Poem" bin ich bislang noch nicht richtig warm geworden, da es mir bei den ersten Malen bis auf wenige Ausnahmen etwas monoton daherkam. Live war es zumindest fr mich auch eine eher zwiespltige Angelegenheit, da bis auf zwei bis drei Songs alle Tracks mehr oder weniger im gleichen Tempo gehalten sind. Entsprechend ermdend war auch die Wirkung, als jene Songs live prsentiert wurden. Dies hat mich ein ums andere Mal zu inbrnstig vorgetragenen "Slayer, Slayer"-Rufen verleitet. So stimmungsvoll die neuen Songs auch sind, live schienen sie, zumindest heute abend, nicht zu funktionieren. Zu Hause unterm Kopfhrer - geil, aber live zum Abschdeln - doch eher ungeeignet mangels Rock'n Roll-Faktor. Die meisten Fans sahen das anders und feierten die Band regelrecht ab und Fronter Konstanz kam trotz allem sehr sympathisch rber, war gut bei Stimme und konnte auch seine Entertainer-Qualitten unter Beweis stellen. Nach einer knappen Stunde war dann mit dem fetten "Kutulu!" und "The Curse Of Arabia" (glaub ich zumindest) die Show vorbei und THE VISION BLEAK hinterlieen einen leicht enttuschten Rezensenten, der sich eigentlich auf eine schmissige Metal-Show gefreut hat. Zwiespltige Sache! (Andreas Kaffka)

SCHANDMAUL
SCHANDMAUL waren die diesjhrigen Headliner des ZWISCHENWELTEN Festivals. Und dieser Rolle wurden sie wie zu erwarten absolut gerecht. Auch wenn ein Teil der Besucher das Gelnde bereits verlie, weil ihnen das Sechstett zu wenig dster bzw. zu frhlich war, blieb es vor der Bhne doch gemtlich voll. Und die Songs der Band bildeten im Ambiente der alten Festung fr mich den perfekten Soundtrack, um diese herrliche, sternenklare Nacht feucht frhlich und tanzend zu genieen. Somit sei es mir an dieser Stelle verziehen, wenn ich nicht allzu genau auf die Setlist oder das Geschehen auf der Bhne eingehe.
Wer die Schandmuler schon einmal gesehen hat wei ohnehin, dass die Truppe ihr Handwerk versteht und es im Handumdrehen schafft, ihre gute Laune von der Bhne auf das Publikum zu bertragen. Und da es sich bei diesem Auftritt um das letzte Festival der Band fr dieses Jahr handelte, war auch die Stimmung der Band von Anfang an sehr gelst. Gewohnt bewegungsfreudig tanzten die Musiker/innen ber die Bretter und hatten sichtlich Spa, ihre Songs an diesem Abend zwischen den vergangenen und auch noch folgenden Akkustik-Gigs mal wieder stromverstrkt ins Publikum zu bringen. Zwar waren nicht alle Anwesenden so gut mit dem Material der Band vertraut, so dass z.B. das von Thomas geforderte Meer bei "Seemannsgrab" oder der Publikumsgesang bei "Dein Anblick" auf der Festung natrlich nicht mit der Intensitt der jngsten DVD aus dem Circus Krone mithalten konnte. Fr eine amtliche Gnsehaut und eine Menge Spa langte es aber allemal, und zu Songs wie "Tyrann", "Walpurgisnacht", "Letzter Tanz" und "Herren der Winde" gingen die Leute gut mit. Leider musste ich, um meine Mitfahrgelegenheit nutzen zu knnen, vor dem Ende des Auftritts die Festung verlassen. Doch so kam ich wenigstens in den Genuss, noch bis zum Auto musikalisch von den Schandmulern begleitet zu werden. Erneut ein gelungener Gig der sympathischen Band. (Roland)

Fazit: Ein etwas anderes Festival, das super friedlich war und im Gegensatz zu anderen Events ohne Dutzende Alkoholleichen auskam. Lediglich zu wenig Essenstnde und das Hndlerangebot (Bootlegshirts sollten nicht sein, keine CDs etc.) war etwas einseitig und drftig. Wir finden ZWISCHENWELTEN sollte und wird bestimmt auch in diesem Rahmen weitergehen! (Thor)

Fotos: Roland Wohde



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