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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SUMMER BREEZE OPEN AIR 2005
Ort Abtsgmnd
Datum 18.-20.08.2005
Autor Philipp Nrtersheuser
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Summer Breeze Logo

Auf in den Sden Richtung gute Musik hie es fr mich; das erste Mal zum SUMMER BREEZE nach Abtsgmnd. Nach dreieinhalb Stunden Fahrt durch die Sonne hoffte ich, dass sich dieses Wetter auch halten wrde. Viele hatten, wie auch ich, schon Mittwochs die Anreise unternommen, auch wenn das Festival erst Donnerstags beginnen sollte. So war der Zeltplatz schon Nachmittags gut voll und es wurde Festivaltypisch viel gefeiert. Der Ort Abtsgmnd war an allen Ecken und Enden abgesperrt, wohl um die "Verwstung" in Grenzen zu halten.

Donnerstag

Das erste kleinere rgerniss des Festivals bescherte der Zoll, der die Merchandise-Stnde auf Schwarzarbeit berprfte, wodurch sich die ffnung des Gelndes von 11 auf 12:40 verzgerte. In dieser Zeit vertrieben sich die meisten die Stunde mit sonnen, trinken oder mit den netten alten Damen vom Christenverein, die wohl vor hatten, einige der schwarzen Gestalten zu bekehren.

Pnktlich um 13 Uhr erffneten MIDNATTSOL das SUMMER BREEZE und zwar mit "In Der Halle Des Bergknigs" von Edvard Grieg. Danach war es mit spektakulren Ereignissen rar gest. Die Combo um Liv Kristines Schwester Carmen spielte Nordic Folk Pagan Metal, zumindest laut Band-Banner. Fr mich wirkte es mehr wie ein weiterer NIGHTWISH-Klon, nur manchmal etwas folklorischer. Der Sound vor der Bhne war auch nicht gerade berauschend. Die Stimmung im Publikum war Anfangs noch etwas verhalten, besserte sich aber im Laufe des Gigs. Die schnelleren Titel kamen meiner Meinung nach am besten an, whrend man sich die Balladen htte schenken knnen. Alles in allem nicht wirklich herausragend.

Weiter ging es mit den Thrashern von FINAL BREATH und einem sehr viel besseren Gig. Mit guten Sound, viel Publikum und dem, trotz Restalkohol, voll berzeugenden Frontmann Eumel lieferte das Quintett wieder eine gelungene Show. Von Anfang bis Ende gingen alle Songs voll auf die 12 und so war es nicht verwunderlich, dass sowohl vor als auch auf der Bhne viel gebangt wurde und die halbe Stunde Gig viel zu schnell vorberging. Alles richtig gemacht, und mit Sicherheit einige neue Fans gewonnen; mehr kann ich dazu nicht sagen!

Die erste berraschung fr mich waren die Franzosen von ANOREXIA NERVOSA. Ich stand nur durch Zufall bei der Bhne, glcklicherweise, denn was musikalisch hier vorgetragen wurde war absolut genial. Epischer, orchestraler Black Metal, der ein wenig an DIMMU BORGIR oder BAL-SAGOTH erinnerte aber durchweg eigenstndig ber das Publikum tnte. Meist sehr schnell und melodisch, wobei die Blast-Passagen manchmal etwas unsauber klangen und ihr Einsatz ruhig etwas verringert werden knnte. Ansonsten war es ziemlich geil, da die Songs sehr viel Abwechslung boten. Die Bhnenshow htte etwas agiler sein knnen, aber das war auch der einzige Kritikpunkt.

GOD DETHRONED hatten mich schon auf dem Zabbaduschder Open Air sehr positiv berrascht, weshalb ich sie mir nochmals ansehen wollte. Und auch diesmal war es nicht anders. Der Platz war voll, die Band motiviert und auch ansonsten stimmte einfach alles. In den vorderen Reihen wurde mitgebangt was nur ging, ab und an gab es auch mal einen Moshpit oder einige wenige Stagediver. Der Sound war sehr fett, so dass die Musik treffend untermalt wurde. Insbesondere die akzentuierten Parts von Drummer Arien kamen einfach nur fett rber.

Auf THERION war ich ebenfalls sehr gespannt. Die Enttuschung war dann, dass man ohne Orchester auftrat und nur einen vierkpfigen Chor auffuhr; zwar verstndlich aber schade. Fr die Band war es eine Premiere, da sie zum ersten Mal auf dem SUMMER BREEZE spielten und es dazu noch das erste Festival ohne Regen war. Besonders beeindruckt war ich vom cleanen Snger, der wirklich eine Wahnsinnsstimme bot. Auch der Rest der Band war sehr aktiv und die Songauswahl abwechslungsreich. Sowohl ltere Stcke ohne Chor und Orchester, wie auch neuere Werke wurden vorgetragen und mit einer passenden Lightshow untermalt. Somit wurde dem zahlreichen Publikum wirklich etwas Besonderes geboten.

THERION waren auf der Main Stage kaum fertig da begannen schon lautstark die "EKTOMORF"-Rufe vor der Pain Stage; und diese Wahnsinnsstimmung hielt sich ber den gesamten Gig. Der Sound war fett, aber etwas matschig, besonders aufgrund der Gitarren. Dem Publikum gefiel es auf alle Flle sehr gut, bei kaum einer anderen Band auf der kleinen Bhne war so viel los wie hier. Musikalisch fand ich es allerdings nicht so berauschend; fr Fans von SOULFLY oder SEPULTURA okay, allerdings wre ab und an etwas mehr Abwechslung ansprechend gewesen.

Es blieb bei vollem Platz und Party mit den Death-Metal-Wikingern von AMON AMARTH. Was kann man zum Quintett um Snger Johann Hegg schon viel sagen? Der Platz war voll, die Songauswahl erstreckte sich ber alle Alben, allerdings war der Klang vor der Bhne sehr grausam. Ich habe eigentlich nur die Bass Drum gehrt, und das in einer Lautstrke, die nicht wirklich angenehm war. Ansonsten lieferten die Nordmann einen soliden Gig, ohne Ausrutscher, wobei ich mir doch irgend einen Hhepunkt gewnscht htte.

Zum Ausklang des Abends gaben sich HAGGARD die Ehre. Somit war auf der Pain Stage schonmal kein Platz mehr. Davor auch nicht, und so war es ein wirklich schner Gig. Dank der vielen ruhigeren Passagen konnte man getrost mal ein wenig entspannt zuhren und die wirklich beeindruckende Musik auf sich wirken lassen. Schade nur, dass aufgrund der spten Uhrzeit mitten bei "Awaking The Centuries" die Anlage abgedreht werden musste. Die Fans forderten lautstark eine Zugabe, und die Band dankte dafr, konnte aber leider nicht mehr weiterspielen.
So endete ein gelungener Festival Tag, der besonders vom durchgngig guten Wetter profitiert hatte.

Freitag

Nach einem gelungenen Start ins Festival hoffte ich weiterhin auf gutes Wetter und gute Bands. Die erste Formation, die ich Freitags zu Gesicht bekam waren die Dstermetaller von NOCTE OBDUCTA. Vor einem schon recht groen Publikum spielten sie ihren komplexen Black Metal, der aufgrund der vielen Riffs und vieler Tempowechsel wahrlich nicht einfach zu hren ist. Dem Publikum gefiel es auf alle Flle gut. Auch wurden einige neue Stcke prsentiert, welche auf der nchsten CD zu finden sein werden.

Danach waren KRISIUN auf der Main Stage an der Reihe. Flott und brutal war hier die Devise. Das Trio zeigte auf alle Flle beeindruckende technische Fhigkeiten, insbesondere Schlagzeuger Max gefiel mir wahnsinnig gut. Allerdings war die Musik nicht so meins, insbesondere deshalb, da vor der Bhne der Sound ziemlich mies war und man kaum Feinheiten erkennen konnte. Dies besserte sich erst gegen Ende des Gigs. Sehr sympathisch war auch Snger Alex, der fters die Fans lobte und betonte, dass ohne sie alles nicht mglich wre, wofr er auch dementsprechend Beifall erntete.

Summer Breeze

Nach diesem Gig kam die wohl schlechteste Nachricht des Festivals. Es wurde Sturm und schwere Niederschlge angekndigt.

EMIL BULLS hatten noch Glck im Unglck und nur wenig Regen. Dafr wurde ordentlich gefeiert. Die Musik der Band zu beschreiben finde ich sehr schwer, da sie aus verschiedenen Metal- und Rock-Sparten alles miteinander vermischen und somit dem Zuhrer eine wirklich abwechslungsreiche Mischung bieten, die mir sehr gut gefallen hat. Dazu kam noch, dass alle Mitglieder auf der Bhne herumturnten und das Publikum animierten. Eine wirklich tolle Liveband, die sich mit dem Cover von "Symphony Of Destruction" und einigen kurz eingespielten Metallicariffs selbst krnten.

Mit NORTHER betrat die meiner Meinung nach schwchste Band, die ich auf dem Festival gesehen habe, die Bhne. CHILDREN OF BODOM fr Arme. Nach einem dmlich Intro ging es ohne jegliche Power weiter. Der Snger hatte scheinbar noch mit seinem Hangover zu kmpfen, whrend der Mann hinter den Tasten aussah als wrde er gleich einschlafen. Muss man nicht wirklich gesehen haben.

Weiter ging es mit einer Steigerung vom Glhwrmchen zum Blitz. Ich denke nicht, dass man zu den APOKALYPTISCHEN REITERN mehr als absolut genial sagen muss! Eine gut gelaunte, spielfreudige Band und Fans, die in der Hpfburg auf der Bhne rumturnten; also Party Pur mit der entsprechend dazugehrigen Mischung aus Death Metal mit Folk und einer riesen Portion Spa. Da die Musiker sich scheinbar sehr mit ihrer Setlist beeilten, blieb sogar die Zeit fr eine Zugabe. Das war fr mich der erste Gig der Reiter, aber ich bin sicher nicht der letzte!

Eine der Bands, auf die ich sehr gespannt war, waren BEHEMOTH aus Polen. Ihr letztes Album "Demigod" hatte mich ziemlich umgehauen, und so freute es mich, dass die Mannen, neben dem entsprechenden Bhnenbild, heute einige der neuen Lieder zum besten gaben. Und auch wenn ich es nicht fr mglich gehalten habe klangen die Songs wie von CD. Super Zusammenspiel und der Einsatz von drei Sngern lieferten genug Power, um das Publikum wegzublasen. Das war wohl zuviel des Guten, denn gegen Ende ihres Gigs kam der befrchtete Platztregen, weshalb ich mich ins Trockene flchtete, leider ohne alles gesehen zu haben. Dennoch Daumen Hoch fr diesen Gig!

Samstag

Nach eineinhalb Tagen mit super Wetter war nun Sparflamme bei Sonnenschein angesagt. Es regnete den gesamten Vormittag, weshalb ich mich nicht wirklich aufraffen konnte ein paar der frheren Bands anzuschauen. Das erste was ich mitbekam waren die letzten Lieder von ENDSTILLE. Old School Black Metal mit Genre-typischem Sound, nmlich total mieserabel. Nicht gerade der beste Start in meinen Festivaltag.

Auch ORPHANED LAND konnten mich nicht gerade begeistern. Die Israelis spielten einen sehr gemischten Heavy Metal, der mit Death-Grunts, cleanen Vocals und einigen orientalischen Passagen gespickt war, aber so richtig wollte der Funke nicht berspringen. Zwar sind viele der Lieder sehr melodisch, aber es fehlte irgendwie das gewisse Etwas. Nervig fand ich einige der Gesangseinlagen; das stndige "Nanana" in orientalischen Skalen muss nicht wirklich sein.

Mit DISBELIEF blieb es weiterhin nicht berauschend. Ihr grooviger und sehr Heavy vorgebrachter Death Metal tnte zwar fett aus den Boxen, nur waren die Lieder fr meinen Geschmack zu lang und musikalisch viel zu eintnig. Die Stimmung vor der Bhne war allerdings gut, auch wenn der Snger bei manchen Ansagen schwer gelangweilt klang, und mittlerweile hatten viele Besucher trotz Regen den Weg auf das Gelnde unternommen.

Danach enterten CALIBAN die Main Stage. Nach einem dsteren Intro gab es dann ihre ultra aggressive Mischung aus Death, Thrash und Hardcore, der einfach nur genial rberkam. Viel Publikum und eine super Arbeit von Frontrhre Andy, so dass von Moshpit ber Wall Of Death und Circle Pit alles in der Menge passierte. Der Band sah man richtig an wie viel Spass sie hatten, und vor der Bhne tobte alles. Auch soundtechnisch stimmte es und die Songauswahl war sehr gelungen; kann mich nicht wirklich an eine schwache Nummer erinnern. Einziges Manko war meiner Meinung nach die cleane Stimme des Gitarristen, die irgendwie etwas fehl am Platze klang. Das tat dem super Gig aber keinen Abbruch.

END OF GREEN waren eine weitere Band, die mich nicht vom Hocker hauen konnte. Viele Fans vor der Bhne, ein guter Sound und eine motivierte Band, aber eine nicht gerade aufsehenerregende Musik. Sehr melancholisch und ruhig, zwar schn anzuhren, aber das eher in Ruhe zu Hause und nicht auf eine Festival.

Spter am Abend war es dann soweit, JBO, die "Verteidiger Des Wahren Bldsinns", mit dem entsprechenden Titel, gaben sich die Ehre. Nach diesem Song war ich etwas skeptisch, glcklicherweise blieb es nicht dabei denn es ging sehr viel besser mit "Bolle" weiter, und danach kann ich mich an keinen langweiligen Augenblick mehr erinnern. Obwohl Vito und Hannes sich zwischen und whrend den Liedern den Mund fusselig redeten kam keine Langweile auf; es blieb auch kein Auge trocken, denn dafr waren die zwei einfach zu gut ("Mensch Vito, was hat denn der Papst mit Liebe zu tun? Da passt das eine nicht zum anderen!"). Auch die Songauswahl war Klasse! Sei es nun "Roots" in der Pavarotti-Version oder der erste RAMMSTEIN-Hit "Ein bisschen Frieden", es passte wie die Faust aufs Auge! Dazu kam die tolle Bhnenshow mit jeder Menge Kostme und ein Publikum, das einfach bei allem dabei war. Beim Liebeslied der neuen Platte "Gnseblmchen" waren wahrlich viele Feuerzeuge im Himmel und beim All Time Classic "Ein guter Tag zum Sterben" sparte Vito sich die erste Strophe und lie sie von den Fans singen. Obwohl das Lied heute mit Sicherheit acht Minuten dauerte hatten alle ihren Spass dabei. Ich muss sagen, Hut ab vor JBO, mit so einem super Gig habe ich wirklich nicht gerechnet; und soviel Spa und gelacht habe ich selten auf einem Metalkonzert!

Die nachfolgenden Bands hatten es dann wirklich schwer. Bei TRISTANIA nervte die Frauenstimme so dermaen, dass ich schon nach dem dritten Lied verschwand, um mich mal ein wenig zu erholen und zu vorgerckter Stunde wieder bei PAIN zu erscheinen. Altmeister Tgtgren hatte, wie auch andere, wohl mit einem Hangover zu kmpfen. Er und seine Mitstreiterinnen spielten ein solides Set, der etwas gewhnungsbedrftigen Musik, allerdings fand ich htten sie auf der Bhne gerne etwas aktiver seine knnen. Die Fans waren motiviert, der Platz immer noch voll, und da das Quartett vor ein Uhr fertig war durften auch sie noch eine Zugabe spielen, bevor der musikalische Teil des SUMMER BREEZE 2005 sein Ende fand.

Ein wirklich gelungenes Festival, viele Bands und was ich gut fand, quer durch alle Stilrichtungen gemischt. Hier in diesem Bericht sind nicht annhernd alle Combos vertreten, die gespielt haben, da das zeitlich leider nicht schaffbar war. Dennoch muss ich abschlieend ein wenig Kritik uern. Warum gab es zum Beispiel auf dem gesamten Festivalgelnde keine Sitzmglichkeiten? An den Tagen, an denen die Sonne schien fiel das ja nicht weiter auf, aber Freitags abends und insbesondere Samstags htten sich viele ein paar Bnke oder ein Bierzelt mit ein paar Sitzpltzen gewnscht, denn der Boden war ja nun mal vollkommen durchnsst. Auerdem war es direkt vor der Main Stage unertrglich. Zum einen war es wahnsinnig laut, zum anderen hrte man wegen der berdimensionierten Bassanlage fast nur Bassdrum. Im Fotograben und direkt davor hatte man auf alle Flle keinen Spa am Zuhren. Hier wre weniger vielleicht mehr. Sehr positiv dagegen war die sanitre Versorgung. Die Dixis (hier hieen sie Klobold) wurden mindestens zweimal tglich geleert und gengend davon gab es auch.
Schade, dass das Wetter nicht ganz mitgespielt war, aber auch so waren es vier lohnenswerte Tage mit guter Musik und viel Spa ohne grere Zwischenflle.



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