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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing KRAKFEST 2005
Ort Trier, Exhaus
Datum 22. & 23.04.2005
Autor siehe Text
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Freitag

Das Exzellenzhaus in Trier ist einigen Mitgliedern unserer Redaktion ja schon fast zu einer zweiten Heimat geworden und so wurde ich auch zum heurigen KRAKFEST in die Mosella-Metropole gezogen. Aufgrund meiner Arbeit (auf dass der Rubel rolle) muss ich wohl zunchst mal die Bands aufzhlen, zu denen ich leider nichts sagen kann, da ich sie verpasst habe: TOTAL JAVLA MRKER (swe), MALKOVICH (nl), JAPANISCHE KAMPFHRSPIELE (ger) und - welch' Schande - die genialen LENG TCH'E (bel).

Um genau zu sein starten meine Aufzeichnungen ab Mitte des Auftritts der belgischen Band DEAD STOP, deren Style mit schnellem, old-school Core schnell kategorisiert ist. Hierbei lie sich schon sehr gut erahnen, welchem Genre die Bands angehrten und wie viel musikalisches Aggressionspotential in der Luft lag. Aber dazu spter mehr!

Nach den Kumpels aus dem Nachbarland zog eine einheimische "Old School Hardcore-Band" aus dem Ruhrpott in den Kampf. Die Blas(t)kapelle hie BLACK FRIDAY 29 und war erst kurz zuvor in Vertretung gebucht worden. Somit erschien es unmglich auf lange Sicht hin den Besuch fr ambitionierte Fans zu organisieren und folglich ging ich auch davon aus, dass kaum Fans dieser Truppe im Gepck mitgekommen sind. Nicht weniger berrascht war ich daher ber die "gute Leistung" die Band mit der bunt gewrfelten Truppe aus punkigem, toupiertem Snger, hungrigem Death-Metal-Gitarrist und einer unwillkrlich zusammengewrfelten Collage aus Tnen. Meinem Ermessen nach, was scheinbar deckungsgleich mit dem des Publikums war.

Einen unerhofften, aber wohl bekannten Vertreter des belgischen Death-Metal stellte ABORTED dar. Diese Rasselbande war mir von vorausgegangenen Festivals und Konzerten bekannt, jedoch hatte ich diese "Death-Hymnen-Thrower" nicht so gut in Erinnerung, wie sie sich in Trier prsentierten. Absolut starker Sound, sehr przises Drumming in einem Monstertempo, was ein Bangen auerhalb von Grooveparts nahezu unmglich machte und eine super Bhnenprsenz des Sngers verhalfen diesem Auftritt zu einem begeisterten Publikum. Ein kleiner Witz des Sngers, der in zynischer Art und Weise die sehr aggressiven "Kinder", die primr dem Hardcore frnten und sich via "Violent Dancing" im Mosh-Pit Platz verschafften, diskriminierte lautete folgendermaen: "This song is for all the hardcorekids in tha house!" So weit noch nicht lustig, aber wenn man bedenkt, dass 0,5 Sekunden nach diesem Spruch eine Basswand mit Hyperspeed den alten Gewlbekeller des Exils erschtterte und alle HC-Freunde sich mit grimmiger Mine gen Rand bewegten, um von langhaarigen Metallern abgelst zu werden, gewinnt dieser Satz doch einen hohen Grad an Amsement. Das ganze war LIVE und in Farbe noch besser, jedoch mchte ich mich nun meiner Schilderung von Situationskomik entziehen und komme zur nchsten, hei ersehnten Band: CATARACT aus der Schweiz.

Die Herren aus dem Alpenlande waren im Bezug auf Trier vom letzten Male etwas vorbelastet (wir haben darber berichtet), da damals das aufgrund von Ausschreitungen im Publikum das Konzert abgebrochen wurde. Naja, so verwunderlich ist das in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um "One of the most brutal bands of our time" handelt, nicht! Aber in Trier waren eben diese "Idioten" (mit Verlaub) erneut zu gegen und wie beim letzten Mal hatte der Veranstalter nichts aus den Vorfllen gelernt und war nicht auf Ausschreitungen vorbereitet! Diese bleiben jedoch nahezu aus, allerdings ist es offensichtlich auch naiv von mir Lernfhigkeit von dmlichen Besoffenen zu erwarten; ein Optimismus, den ich mir in Zukunft wohl abgewhnen muss :) Aber zurck zum Auftritt der besten HC-Band neben HATEBREED: Eine Killer-Setliste erwartete die Trierer Metalbewegung, die keinem Fan Wnsche unerfllt lies. Primr wurden Songs vom aktuellen Album "With Triumph Comes Loss" gespielt, mit Ausnahme des "betagten" Titels "Devon". Aber seht selbst:

  1. Killing Tool
  2. As We Speak
  3. Skies Grow Black
  4. Fuel
  5. Reborn From Fire
  6. Devon
  7. Vanished In The Dark
  8. Nothing's Left
Ohne Zugabe verlieen die fnf Vollprofis die Bhne und waren sichtlich erleichtert, dass diesmal der Gig zum Ende gebracht werden konnte.

Als nchstes auf dem Speiseplan fanden sich die Ammis von MODERN LIFE IS WAR. Dieser Band lauschte ich nur mit gemindertem Interesse, da ich erstens noch begeistert von den Vorgngern war und zweitens mit deren - sehr wenig druckvollen - Musik nicht sehr viel anfangen kann. Da ich nichts Schlechtes schreiben mchte, erwhne ich lediglich, dass der 3-Zentner-Mann vom MLIW-Merch-Stand im Publikum richtig fiese Schlge austeilte, um die Zuschauer-Masse in Wallung zu bringen, was jedoch misslang und das besagte empfindlich gewaltbereite Auditorium wenig begeisterte.

Meine Lieblinge aus "Beinahe-Skandinavien" enterten aufgrund von unorganisiertem Umbau etc. mit groer Versptung die Bhne. HATESPHERE hatten jedoch zuvor mit ihrem Merch-Stand den gesamten Flur am Treppenabgang des Exzellenzhauses unterhalten, da der Backstagebereich einfach dort hin verlegt wurde. Auch war der ein oder andere Musiker des fteren im "gemeinen Publikum" zu sehen. So stellt man sich echte Fannhe vor! Die Dnen, die normalerweise mit MORBID ANGEL und KREATOR auf Tour waren, machten hier einen kleinen Abstecher nach Trier, der sich bei ihrem Day-Off anbot. Der Gig wurde rein instrumental erffnet, ohne groes Intro, einfach angezhlt und vom Frontmann Jacob Brehdal keine Spur. Doch pltzlich stand der Riese vor der Bhne im Zuschauerraum und betrat daher die Bhne. Danach wurde getanzt, gepogt, gebangt und genossen, weil die Dnen ein einwandfreies Set mit einwandfreiem Sound und perfekter Musikalitt auf die Bretter zimmerten. Da hatte man tatschlich das Gefhl die CD angemacht zu haben (und das soll ein Kompliment sein). Beachtlich und sicherlich auch dafr verantwortlich war die Tatsache, dass auer dem Snger kein einziges Bandmitglied vor dem Auftritt am betrenden Gerstensaft oder hnlich bewusstseinsverndernden Drogen genippt hatte. Finde ich gut so was, gerade wenn man bedenkt, dass dieses Verhalten vollkommen dem gngigen Metal-Klischee widerspricht.

Nach HATESPHERE verlie ich staunend ber die Tatsache, dass es bereits 02:10 Uhr war den aufgeheizten Gewlbekeller und machte mich auf den Heimweg. Daher konnte ich leider nicht mehr den schwedischen Tnen von THE GREAT DECEIVER, die den ehemaligen Snger von AT THE GATES Tompa Lindberg in ihren Reihen zhlen, lauschen. Aber, wie das im Leben so ist, ich musste am folgenden Tag arbeiten und war daher froh um 3:20 Uhr geduscht in meinem Bett gelegen zu haben.

Samstag

Noch schwer von den Strapazen des Vortages gekennzeichnet fuhren wir schon gegen kurz nach 13 Uhr nach Trier. Unsere berpnktlichkeit sollte sich jedoch als groer Fehler erweisen. Bei unserer Ankunft waren vor dem Exhaus mehr Musiker als Zuhrer.
Die lange Wartezeit im Hof des Exhaus wurde durch einige 10-jhrige Kinder verkrzt, die die Wartenden aus einem hher gelegenen Fenster mit Mll bewarfen. Danach funktionierten sie einen Zylinder als Mikrofon um und pbelten noch etwas herum. Als wir genug gelacht hatten betraten wir dann endlich die Arena. Doch anstatt der von uns hei ersehnten SINCE THE DAY stand eine uns vllig unbekannte Schnulli-Emo-Band auf der Bhne, weshalb wir es vorzogen erst mal zu dinieren.

Die nchste Band war uns auch gnzlich unbekannt, doch konnte man schon eher beim Publikum landen. Die Jungs aus der Aachener Ecke spielten Grindcore mit deutschen Texten, bei dem auch Melodie nicht zu kurz kam. Songtitel wie "20 Liter Wasser" oder "Problemkinder auf der Piste" lieen Zeit zum Schmunzeln und die Zeit verging wie im Fluge.

BRIDGE TO SOLACE waren die erste Band des Tages, bei der das Publikum ein wenig mehr in Bewegung geriet. Die Ungarn bestachen durch ihren solide gespielten "Old School Hardcore Meets 80s Metal". Dass dabei schweres Posen angesagt war, verstand sich von selbst. Einige Jumpparts der Marke Biohazard durften auch nicht fehlen. Die Mischung kam beim Publikum gut an und man konnte den ersten kleinen Pit des Tages sehen.

Nach Bridge To Solace sollten dann die Ramones, pardon TUMULT folgen. Die fnf Rheinlnder begannen ihr Set anstatt der von ihnen gewohnten Power Violence Mucke mit einem reinen Ramones-Programm. Wie beim Original gab es keine groartigen Ansagen, nur der Bass-Mann war mit seinem "1,2,3,4"-Rufen zu Hren. Einige der Zuschauer vertrieben sich die Zeit mit Bockspringen im Pit.
Der grte Teil des Publikums hatte sich bereits damit abgefunden mit diesen Klngen beschallt zu werden, da schlugen Tumult wieder ihre gewohnten Tne an. Die anfnglich doch eher zurckhaltende Stimmung war somit auch gebrochen und Tumult wussten durchaus mit ihrer Power Violence das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

THE NOW DENIAL waren die nchste Band des Abends. Die norddeutschen Jungs waren nun schon zum dritten Mal im Exhaus und hatten das Publikum direkt im Griff. (Was auch an ihrem mitgebrachten Phillip Fan Club liegen knnte.) Ihr leicht crustiger Hardcore ballerte verdammt gut rein. Weil dies aber schon der dritte Auftritt war kndigten The Now Denial an, dass dies ihr letzter Auftritt hier sein werde, womit sich Wehmut breit machte.

Die nchste Band des Abends waren die mir gnzlich unbekannten THE PLOT TO BLOW UP THE EIFFEL TOWER. Zwar ein cooler Bandname, doch die Musik lie eher zu wnschen brig. Ihr was-wei-ich-Core meets Jazz lud zum Verweilen auf dem Parkplatz ein. Selbiges galt auch fr CHILDREN OF FALL.

Nach einem endlos langem Verweilen auf dem Parkplatz wagten wir uns wieder in die Hhle des Lwen. Was dann unter dem Namen SONS OF TARANTULA die Bhne erklimmen sollte, war die Krnung des Abends. Schon im Laufe des Tages konnte man Leute mit deren T-Shirts herum laufen sehen, aber niemand konnte erahnen was darauf folgen sollte. Charles Bronson erachte ich seit diesem Abend als hchst versierte Musiker und der Kindergeburtstag von Slipknot kann mich mit seiner Maskerade auch nicht mehr schocken. Teils mit Schweinenase, wahlweise Kuhschdel oder gigantischem Vollbart, Pinoccionase und Stahlhelm verkleidet betraten die Jungs die Bhne, um das Publikum zu amsieren (schockieren)? Die Auswahl der Kostme lie zwischen beidem die Wahl. Man hatte sich dem Grindcore verschrieben, und zwar der derberen Sorte. SOT prgelten sich um den Verstand und brachten dazu Knaller wie "Wir schieen um zu Tten" oder sonst irgendeinen Unverstndlichen Mist zum Besten. Weil ein Sger allein gar nicht so schlecht sein kann, wurde sich noch mit dem Schlagzeugspielen abgewechselt, damit Mr. Schweinenase auch sein gesangliches Talent unter Beweis stellen konnte.
Anfnglich war das Ganze ja noch amsant, aber irgendwann verging einem der Spa.

FEAR MY THOUGHTS, THE OCEAN und UNDYING sollten noch folgen, doch Sons of Tarantula hatten uns den letzten Nerv geraubt, so dass wir gegen 23 Uhr reichlich ermdet und genervt die Heimreise antraten.

Freitag: Rafael Hofmann
Samstag: Markus Sausen

Fotos: Rafael Hofmann



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