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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing METAL BATTLE SEMIFINALE
Ort Wacken, Hall Of Metal
Datum 28.05.2005
Autor Rafael Hofmann
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Nun, da der Tag gekommen war, rotteten sich die Krieger aus 16 "Staaten" der Republik zusammen, um gemeinsam zum letzten Maiwochenende in Wacken in der "Hall Of Metal" eine unerbittliche Schlacht zu schlagen, die an Qualitt und Vielfalt seinesgleichen sucht. Es ertnten die Hrner und die Trommeln erschallten mit donnerndem Tosen, denn es war Zeit DEN deutschen Vertreter fr den internationalen "Metalfight" in Wacken zu bestimmen... und so sollte es sein.

BRAINDEADZ (Hessen)
Nachmittags, pnktlich um 16:30Uhr erffneten die Hessen von BRAINDEADZ das Schlachtfest im Kuhstall. Die vierkpfige Truppe bot eine Mischung aus Heavy Metal und einem deutlichen Thrash-Anteil. Der bezeichnende Part der Band kam wohl dem Snger zu, der mit sehr aggressiven Vocals um sich schmiss und ihm den Arbeitstitel "King Diamond 2005" in unseren Reihen einbrachte. Dabei war er derjenige, an dem man festellen konnte, dass die Musik nicht vom Band sonsern LIVE gespielt wurde. Er war als einziger sehr aktiv auf der Bhne, fast schon etwas hektisch, was man von seinen statisch darstehenden Bandkollegen nicht sagen konnte. Hier htten auch Pappausteller den Job der Bhnenshow bernehmen knnen.
Der Opener glnzte also leider nicht durch musikalisches Geschick und die schwache Performance tat ihr briges dazu, dass die Band mit dem Prdikat "Nicht sehr kmpferisch" abgestempelt werden durfte bzw. musste.
Homepage: www.braindeadz.com

PEQUOD (Bayern)
Anders verhielt sich die ganze Geschichte bei dem sddeutschen Beitrag aus Bayern, der in Person der Band PEQUOD angereist war. Hier wurde mit zwei sehr unterschiedlichen Sngern (Schreien vs. Growls) auf die Menge eingebrllt. Die Musik von PEQUOD ist von uerst melodischen Gitarren geprgt und somit ist - meines Erachtens - ein Vergleich zur Szenegre KILLSWITCH ENGAGE nicht weit. Fette Musik mit einem wahnsinnig przisen und recht flotten Schlagzeuger ist genau das, worauf die heutige Metalmucke ausgelegt sein muss, um bei einem breiten Publikum anzukommen. Eben diese Kerbe haben die Mnchner voll getroffen. Die Aktion auf der Bhne htte den unbedarften Zuschauer direkt ergreiffen mssen, jedoch blieb diese Reaktion der sehr flegmatischen Meute leider aus... dazu aber spter mehr! In meinen Augen haben wir hier am spten Nachmittag einen heien Favoriten auf den Platz im W:O:A-Billing gehrt. Alles in allem ein sehr guter Auftritt, ihr macht sicher euren eigenen Weg!
Homepage: www.pequod-music.de

DEFLORATION (Thringen)
Mit der Vater-Sohn-Company von DEFLORATION stand die erste Death-Metal-Band des Tages auf der Bhne. Die Band stammte aus Thringen, wie man unschwer am "akzentuierten" Deutsch des Sngers Uwe feststellen konnte. Apropos Uwe: Er ist der Vater (kein Witz) des einen der beiden permanent bangenden Gitarristen, der auf den echt zum Death-Metal passenden Namen Bertram hrt. Uwe hingegen berzeugte durch eine unglaublich tiefe Stimme, die zum einen mit sehr viel Druck durch die berlastete PA drang, zum anderen ohne jegliches Effektgert erzeugt wurde. RESPEKT!
Obwohl das nicht unbedingt etwas zum Auftritt der Truppe aus Mitteldeutschland zu sagen hat, so muss ich in eigener Regie noch erwhnen, dass bei DEFLORATION der absolut unbertroffene "Mr. Evil-Face" alias Uwe gekrt werden konnte.
Nun zum weniger erfreulichen Teil des Gigs: Meines Erachtens hat die Band hat nicht besonders gut zusammen gespielt. Die Gitarren waren zwar sehr anspruchsvoll und technisch einwandfrei, jedoch in Zusammenhang waren die einzelnen Instrumentalisten nicht. Dafr ist es zu sehr geschwommen.

Setlist:

  1. Xtreme Blowjob
  2. Wrapped Accouchment
  3. Personal Vendetta
  4. Cannibalistic Terror
  5. Humanity vs. Paranoia
  6. Misanthropic Instinct
  7. A.C.S.
  8. Nostradamus
Homepage: www.defloration-deathmetal.de

SINNERS BLEED (Berlin)
Mit dem Beitrag aus der Hauptstadt erhielten wir den direkten Death-Metal-Anschluss an die vorausgegangenen Thringer. Bei SINNERS BLEED dominiert ultraschneller Death-Metal, der uerst przise dargeboten wurde. Wie sich nachher herausstellen sollte, haben die Jungs aus Berlin ihren Gig so gut gespielt, dass ich nach dem Download des Songs "The Ludo Game" den Eindruck hatte mich erneut in Wacken zu befinden. Die doch sehr erfahren wirkende Truppe bot eine deutliche, starke Bhnenprsenz und machte dabei auch eine starke Show. Einziges Manko in meinen Augen: Die Songs sind relativ eintnig gestaltet. Gleichwohl muss ich den jungen Wilden auch zu Gute halten, dass die einzelnen Liedern vor Riffvielfalt nur so protzten. Auf alle Flle war ich nach dem Gig von SINNERS BLEED so begeistert und gleichermaen gebgelt, dass ich mir einen zweiten W:O:A-Favoriten in meinem Kopf notierte.

Setlist:

  1. From Womb To Tomb
  2. Deamons
  3. Behind The Veil
  4. Culture...
  5. Bound
  6. Injected Lies
Homepage: www.sinners-bleed.de

EVIL UWE (Brandenburg)
Nach der superbsen Death-Metal-Packung hatte ich keine Ausdauer, um mir noch einen bsen Uwe anzusehen und verdnnisierte mich daher in Richtung Campingplatz... neue Kraftreserven auftanken, um den Rest des Abends noch erleben zu knnen. Daher - sorry - es gibt von meiner Seite aus keinen Kommentar zum Auftritt von EVIL UWE.

Metal Battle

PARITY BOOT (Niedersachsen)
Nun kommen wir zur augenscheinlich jngsten Band im Starterfeld. Nach meiner Einschtzung war keiner der vier Musikanten ber das zarte Alter von 23 Jahren hinausgewachsen, was jedoch der Musikalitt und der Erfahrenheit der Band keinen Abbruch tat. Aus Niedersachsen bekamen wir Musik im Stile von SYL / Devin Townsend auf die Ohren, die wohl den Hirngespinsten des Sngers und Gitarristen der Band entstammten. Er machte auf alle Flle den Eindruck, dass es sich hier um den uerst fhigen Kopf der Band handelte. Dieser Eindruck besttigte sich mir, als ich auf der Homepage der Band nachsah und zu meiner Verwunderung ersehen konnte, dass eben dieser Snger namens Matthias momentan Komposition und Musikproduktion am Konservatorium in Groningen (NL) studiert. Zum gitarrenlastigen Fundament wurden Samples aus der Konserve serviert, die dem Tingle-Tangle-Bob am Schlagzeug eine hohe Przision abverlangten. Sehr guter Mann, der hat's echt drauf! Aber auch hier htte ich ein bisschen was zu meckern: Mit "Popko" haben sich die vier einen Gitarristen in's Boot geholt, der - zumindest auf dem Metal Battle - unfhig zur Bedienung seines Gitarrenamps war. Zum einen war's viel zu laut, was sich nachher rchte, als er die Gitarre gegen eine Fender Strat (real Metal-Guitar) austauschen musst und diese dann den restlichen Auftritt ber das Auditorium mit fiesem Pfeifen belstigte.
Meine Meinung: Die Jungs haben deutliches Potential und machen ganz sicher ihren Weg, aber bitte ohne diesen Amateur Popko!
Homepage: www.parity-boot.de

CYNICAL BASTARD (Saarland)
Aus dem direkten Umland unserer Redaktion stammten CYNICAL BASTARD, die insgeheim meine persnlichen Favoriten des Abends waren. Geiles Brutalo-Gebolze mit Anleihen aus Grind und deftigem Death-Metal. Snger Gerrit berzeugte durch brachial brutalen und vielseitigen Gesang, der als solcher eigentlich nicht bezeichnet werden kann. Ich denke mal ich tue keinem Unrecht, wenn ich sage, dass hier der Gesang als drittes Melodieinstrument neben den messerscharfen Gitarren zu sehen ist. Die Band machte auf mich trotz der hasserfllten Musik einen sehr freundlichen Eindruck, der sie Sympathie zwischen Publikum und Band in der Form spren lie, als dass bei CYNICAL BASTARD zum ersten Mal im Zuschauerraum gebangt wurde und sich Bewegung in den Gliedmaen der zuvor zu Salzsulen erstarrten Gste schoss. Ein besonders hervorzuhebender Punkt fr mich, den ich zudem schn frech finde ist, dass alle Ansagen in saarlndischer Mundart gettigt wurden.
Mein Fazit zu CYNICAL BASTARD, die im Nachhinein leider leer ausgingen: Geile Performance, geile Mucke und eine supergeniale Truppe!

Setlist:

  1. Kill You // Fuck You
  2. T.S
  3. Burn Me Down
  4. Pure Hate
  5. Lakritze ist die Hostie des Satans
  6. The Bullet
  7. Brutal Junkies
  8. Lost In Nowhere
  9. I Play God
Homepage: www.cynicalbastard.de

HATEDRIVE (Rheinland-Pfalz)
HATEDRIVE wurde im W:O:A-Team schon im Vorfeld als einer der Favoriten des Abends gehandelt, weil die Jungs einfach sehr gute Musik machen. Frontmann Dave begrte das von CYNICAL BASTARD vorgewrmte Publikum wie schon beim Vorentscheid mit den Worten: "Wir sind HATEDRIVE und fr die nchsten 20 Minuten gehrt euer Arsch uns!" Wie recht er damit hatte, denn 1 Sekunde danach krachte die Knppelbande aus dem Rheinland ber das Wackener Raiffeisenlager herein. Nun was soll ich sagen; die Jungs gaben, wie gewohnt alles, standen dabei souvern auf der Bhne und spielten trotz schlechter Bedingungen einen perfekten Auftritt, der nach ihrem geplanten Set noch fnf Minuten Zeit lie, um auch noch den Brecher "Amen" zu prsentieren. Eine mehr als respektable Leistung!

Setliste:

  1. Hooked
  2. Not My Business
  3. ... For Those About To Rot!
  4. Secrets
  5. Population: 0
  6. Amen
Homepage: www.hatedrive.com

BLOODSHED (Sachsen-Anhalt)
Nach dem Killerset der letzten Bands war der Auftritt von BLOODSHED kaum noch interessant, jedoch wurde erneut eine Musikkapelle im Stil von DYING FETUS zur Belustigung der sprlichen Masse bemht. Wenn man die Musik der Jungs aus Sachsen-Anhalt beschreiben wollte, musste man lediglich auf die T-Shirts der beiden Snger schauen, um zu wissen, an welche Band das dort Gehrte gerade erinnert. Zum einen wurde der Hauptteil des Gegrowles von Snger Todd Weigt, der mit einem HYPOCRISY-Shirt bewaffnet war erledigt. Was danach noch unglubig zu Bhne emporschaute, der wurde von den scharfkantigen Vocals von Helge Langer zur Demut gezwungen. Das musikalische Fundament war okay, bot aber wenig Abwechslung und war alles in allem betrachtet keine wirkliche Offenbarung. Wohl gemerkt handelte es sich - um Verwechslungen auszuschlieen - bei meinen Ausfhrungen nicht um die schwedische Band BLOODSHED.
Homepage: www.bloodshed-home.de

RECKLESS TIDE (Gewinner des Metal Battle 2004)
Den letzten Auftritt des Abends bestritten die Gewinner des letzten Metal Battles: RECKLESS TIDE! Hier konnte sich dann jede Band ansehen, wie man sich auf der Bhne richtig bewegt, eine fette Performance bei gleichzeitig gutem Instrumenteneinsatz und Zusammenspiel bietet. Die Bhnenprsenz der beiden Frontmnner war frmlich sprbar. Besser konnte man den Zeitraum, den die Fachjury, die aus Musikern, Musikjournalisten und dem W:O:A-Team bestand, zur Ernennung der drei Gewinnerbands bentigte, kaum berbrcken.

Auf die Bekanntgabe der Gewinner um 00:45 Uhr, hatten natrlich alle 16 Bands dieses Wochenende hin gefiebert und nun sollte der Moment der Wahrheit kommen an dem eben dieser "Knig der harten Zunft" benannt werden sollte.
Aufgrund einer gewissen Unruhe, die auf der Bhne und im Publikum herrschte, konnte man im Zuschauerraum die erste Bekanntgabe der drei Finalisten kaum verstehen, aber nach eienm Dezenten Hinweis an den Sprecher durch die Jury wurde auch dem letzten im "Metal-Stall" klar: Deutschland wird vertreten von SINNERS BLEED (Berlin), HATEDRIVE (Rheinland-Pfalz) und GORILLA MONSOON (Sachsen).
An dieser Stelle beleibt nur zu hoffen, dass das Wacken Open-Air eine fette Party fr alle beteiligten wird und, wer wei, vielleicht siegreich fr eine der drei deutschen Reprsentanten ausgeht... Herzlichen Glckwunsch Jungs!

Zur Veranstaltung selber kann ich Folgendes sagen: Die Organisation war okay, aber generell nicht so sehr gut organisiert, wie ich das fr eine Veranstaltung im Vorfeld eines der grten Metal-Events in Europa erwartet htte. Die Besucherzahlen blieben trotz blendendem Wetter sehr gering. Man hatte das Gefhl, dass nur Bands und deren Mitbringsel die ca. 200 bis 250 Leute ausmachten. Daher wrden sich auch die wenigen Reaktionen im Publikum erklren, denn lediglich bei CYNICAL BASTARD gab es ein kleines bisschen Bewegung unter den Leuten.
Ein Wort zur PA und Beschallung generell: Der Sound auf der Front war vollkommen fr'n Arsch! Die gesamte PA war eine Zumutung. Der Bassbereich war vollkommen unterbesetzt und die Hhen wurden nur durch mittelmige bis schlechte Hochtonboxen in die schalllllende Halllllle geworfen. Die vorher als "Hall of Metal" titulierte Halle stellte sich als ausrangierte Lagerhalle des Raiffeisenmarktes in Wacken heraus, die eine Akustik hatte, wie eine frisch geputzte Kloschssel beim Kotzen. Laut Angaben der Bands war der Monitorsound auf der Bhne schlecht abgemischt und dazu warf die Halle wohl einen sehr stark verzgerten Hall des Gespielten zurck. Dadurch muss wohl ein starker Frequenzmatsch auf den Ohren der Musikanten vorgeherrscht haben. Mein Tipp fr das nchste Metal Battle, den mir sicherlich alle Bands besttigen werden: Bitte vergebt den Auftrag an einen anderen Beschaller.



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