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Eine Fahrt nach Gelsenkirchen lohnte sich an diesem Pfingstwochenende
ganz besonders. Sei es nun als BVB-Fan (Borussia Dortmund gewann gegen
Schalke 04) oder als Anhänger der härteren Musikgangart. Das dritte
Rock Hard Festival lud zum einmaligen Musikgenuss ins herrliche
Amphitheater. Aber auch die Wasserscheuen hatten an diesem Wochenende
ihre helle Freude, denn Gelsenkirchen muss der einzige Ort in ganz
Deutschland gewesen sein, an dem es nicht regnete! Somit stand einer
ordentlichen Heavy Metal Party nichts im Wege. Und nicht wenige nutzen
die optimalen Bedingungen, das alleine zeigten die immer recht
gefüllten Ränge an beiden Festivaltagen. Das Rock Hard Team hat mal
wieder beste Leistungen in jeder Hinsicht gebracht. Einzelne
Mitarbeiter des Redaktionsteams um Götz Kühnemund boten allerdings
auch herausragende Leistungen in der Disziplin Alkoholkonsum. Im
Presse-Zelt konnte sich beispielsweise ein bestimmter Herr selbst mit
Hilfe von zwei menschlichen Stützen nicht mehr auf den Beinen halten.
Überhaupt war ein Besuch im Presse-Bereich des Festivals jederzeit eine
willkommene Abwechslung mit netten Gesprächspartnern. Es gäbe sicher
jede Menge kleiner Anekdoten rund ums diesjährige Rock Hard Festival
zu erzählen, aber beschränken wir uns auf die Überlieferung der
Geschehnisse auf der Bühne. Los geht's: (Olaf)
Freitag
Schon der Warm-Up-Abend am Freitag zeigte, dass es beim Rock Hard
Festival wieder etwas für jeden gab. Vier Bands, deren musikalische
Ausrichtung kaum verschiedener sein konnte, teilten sich an diesem
Abend die kleine Bühne, die am oberen Rand des Amphitheaters aufgebaut
war.
REGICIDE
Die aus Norddeutschland stammenden REGICIDE machten um kurz vor 19.00
Uhr den Anfang. Bei gutem Wetter und ebensolchem Sound waren die mal
getragenen, mal rockigen, aber stets kraftvollen Songs des Septetts
genau der richtige Einstieg in ein Festivalwochenende. Die
sympathische Band wirkte sehr natürlich und war sichtlich erfreut, auf
dem Festival spielen zu dürfen. Neben dem sowohl musikalischen als
auch visuellen Dreh- und Angelpunkt in Form des Gesangsduos wurde bei
diesem Auftritt erfreulicher Weise auch die stille, aber soundprägende
Violistin öfter ins Geschehen mit eingebunden. Aber auch sämtliche
anderen Musiker zeigten sich in bester Spiellaune, und so dürfte es
Regicide gelungen sein, außer den anwesenden alten Fans wieder einige
neue Leute für sich zu begeistern. Schöner Einstieg! (Roland)
SUNRIDE
Anschließend enterten SUNRIDE aus Finnland die Bühne und sorgten mit
ihrem vom Metal angehauchtem Rotzrock für ordentlich Stimmung vor der
Bühne. Es wurde in kleinerer Runde gepogt, und auch sonst ging das
Publikum ordentlich mit den Jungs mit. Kein Wunder, denn die Finnen
rockten authentisch und selbstsicher drauf los, wobei besonders die
Gitarrenfraktion für reichlich Bewegung sorgte. Und dass bei dieser
Musik die Bierlaune von Song zu Song zunimmt, ist eigentlich auch
logisch. Also Becher hoch für einen gelungenen Gig. (Roland)
ABANDONED
Asche auf mein Haupt, dass ich die nun folgende Band ABANDONED quasi
komplett verpasst habe. Dabei wäre es sicher besonders interessant
gewesen, den Gewinner des SIMeVIL Bandcontests auf der Bühne zu sehen.
Aber besagte Bierlaune und das Treffen unzähliger Bekannter am
Bierbrunnen machten dieses Vorhaben leider zunichte. So ein Festival
hat nun mal seine eigenen Gesetze. (Roland)
GIRLSCHOOL
Ebenfalls in amtlicher Partylaune waren GIRLSCHOOL, die als letzte
Band des Abends ihre alten und neuen Gassenhauer durch die PA
pusteten. Ob Sängerin Kim McAuliffe nun wirklich Geburtstag hatte oder ob die
Girls einfach nur einen Grund zum feiern brauchten (beim Auftritt auf
dem Raise Your Fist Festival war nämlich mit Jackie Chambers ebenfalls
ein Geburtstagskind in der Band), entzieht sich meiner Kenntnis. Fest
steht jedoch, dass die vier Frauen auch in vorangeschrittenem Alter
immer noch ordentlich Feuer im Hintern haben und dem Publikum kräftig
einheizten. Am agilsten präsentierte sich wieder einmal Bassistin Enid Williams. Im Laufe des Sets enterten einige Fans die Bühne, um kurz mit den
Mädels abzurocken oder einfach mit einem beherzten Sprung wieder in
der Menge vor der Bühne zu verschwinden. Auch wenn sie in meinen Ohren
ein wenig schwächer waren als auf besagtem Festival in Holland,
dennoch ein ordentlicher Headliner für den ersten Abend. (Roland)
Samstag
COMMUNIC
COMMUNIC fiel die Rolle des
Openers zu und dementsprechend motiviert betraten die drei Jungs nebst
Gastkeyboarder die Bühne. COMMUNIC nutzten die ihnen zugestandene
Spielzeit und gaben ohne viel Schnick-Schnack umgehend Gas. Bei der
Auswahl der Setlist hätte ich mir vielleicht die ein oder andere
Überraschung gewünscht, denn die Nordmänner wagten keine Experimente,
etwa in Form eines Covers, und gaben alle Titel (mit Ausnahme von "The
Distance") ihres Debüts "Conspiracy In Mind" zum Besten. Leider war
der Sound nicht optimal, denn die Gitarre konnte sich nicht wirklich
durchsetzen und die Drums, insbesondere die Bass, waren zu laut. Da
Mr. Oddleif ans Mikro gebunden war, wirkte zudem die Performance etwas
statisch. Im Zusammenspiel mit den langen Songs, bei denen viele Riffs
oft wiederholt werden, wirkte die Show auf mich somit etwas träge. Das
Publikum schien jedenfalls recht zweigeteilt, denn während vor der
Bühne die Leute Stimmung machten, wirkte der große Rest auf der
Tribüne eher reserviert. Dennoch boten COMMUNIC einen guten Gig und
stellten einen guten Opener dar. (John)
HEAVEN SHALL BURN
Nach den für mein Befinden doch etwas langatmigen Kommunisten von COMMUNIC war jetzt an der Zeit, Dampf abzulassen. HEAVEN SHALL BURN enterten nach kurzer Anmoderation die Bühne und es fiel auf, dass da nicht Original-Sänger Marcus mit von der Partie war. Das ist echt wie verhext! Jetzt hab ich die Mannen zweimal gesehen und beide Male war am Mikro ein Ersatz am werkeln... Jedenfalls entpuppte sich der kleine Wüterich, der sich im Verlauf des Sets mindestens tausendmal entschuldigte und bedankte, als der eigentliche Sänger der Kollegas von MAROON.
Wenn man sich die Fan-Beteiligung im letzten Jahr zu dieser frühen Stunde vergegenwärtigte, so war das Getose vor der Bühne inklusive dem ersten Pit des Tages doch mehr als beachtlich. Die aggressiv-moshigen Songs der Truppe quirlten das Amphietheater ordentlich durch und trieben auch der letzten Saufnase den Schlaf aus den Augen. Dabei gab neben dem hektisch Sänger, der immer mal wieder typisches Unity- und Tribute-Gelaber einstreute und ordentlich Stimmung gegen Rechts machte, vor allem die breitbeinig posierende Bass- und Gitarrenfront ein cooles Bild ab. Besonders Maik an der Gitarre gab mehr als alles und bangte sich durch das komplette Set weg die Matte filzig.
Definitiv ein gelungener Gig, bei dem man auch das Rock Hard Team loben muss, da sie aus der überhand nehmenden Masse der Metalcore-Combos eine wahre Perle ausgewählt haben. (Andreas)
ENSIFERUM
Die Finnen von ENSIFERUM waren als nächstes an der Reihe, sich in die Herzen der werten Metallerschaft zu spielen. Bei mir ist ihnen das nicht zu 100% gelungen, da ich mit dem hochmelodischen und teils verspielten Liedgut der angepinselten Recken nicht allzu viel anfangen kann. Das sah aber der größte Teil des in beachtlicher Menge vertretenen Publikums anscheinend völlig anders, denn im Amphietheater und speziell vor der Stage ging die Post ab. Stimmung bis der Arzt kommt wurde von dem sympathischen Haufen erzeugt, so dass die Fans voll auf ihrer Kosten gekommen sein dürften. Selbst die Keyboarderin am Bühnenrand war sich für fleißiges Dauerbangen nicht zu schade. (Andreas)
THE HAUNTED
Auf THE HAUNTED war ich wirklich gespannt. Werden sie doch immer mal
wieder als die einzig möglichen Nachfolger von Slayer gehandelt,
stellte sich mir natürlich die Frage ob sie es schaffen würden, auf
der Bühne ähnlich intensiv rüberzukommen wie aus der Konserve. Diese
Frage konnte ich nach dem Gig mit einem ganz fetten JA beantworten.
Die Schweden fuhren ein dermaßen heftiges Brett, dass es eine wahre
Pracht war. Ohne viel Schnick-Schnack ballerten die Jungs eine derbe
Thrashattacke nach der anderen raus. Die Band spielte hierbei verdammt
tight, und alt/neu Sänger Peter Dolving zeigte eindrucksvoll, dass er
nicht umsonst in kurzen Hosen und Turnschuhen auf der Bühne stand.
Rennend, springend und rollend tobte er über die Bretter und machte
den Fotografen ihren Job wirklich schwer. Von seiner sportlichen
Leistung scheinbar völlig unbeeinflusst brüllte er sich obendrein zu
den Songs die Seele aus dem Leib, zeigte aber auch, dass er richtig
singen kann. Verdammt heftig und richtig gut! (Roland)
SAMAEL
Nach THE HAUNTED konnte es eigentlich erst mal nur bergab gehen, ganz egal wer die Bühne betreten hätte. Umso krasser war der Stil- und Stimmungsumbruch dann, als die Eidgenossen von SAMAEL sich anschickten, in Gelsenkirchen loszulegen. Begeistert nahm ich zur Kenntnis, dass gleich die ersten beiden Songs vom tollen "Passage"-Album genommen wurden. "Rain" und im direkten Anschluss "Shining Kingdom" schienen darauf hinzudeuten, dass sich die Mannen einem eher metallischen Set verschrieben hätten. Aber nix da. Nach der gelungenen Gig-Eröffnung folgten unsäglich technoide Songs von den Spätwerken SAMAELs, um die ich wohlweißlich immer einen großen Bogen gemacht habe. Dazu kam dann das seltsame Gehabe der Band auf der Bühne, wobei besonders der Synthie-Zauberer und Percussion-Vollzugsbeamte hinten auf der Bühne und das Hüpf-Männchen am Bass für hochgezogene Augenbrauen sorgten. So fielen denn die Reaktionen auch im Publikum eher durchwachsen aus, da mit der fortschrittlichen Düster-Mucke der Schweizer eben nicht jeder klar kommt, auch wenn das in keinster Weise die künsterlische Begabung der Truppe in Frage stellen soll. Immerhin gab es im Verlauf des Sets doch noch einige alte Schoten zu hören, so z.B. den Klassiker "Baphomet's Throne", bei dem es dummerweise zu Problemen am Bass kam, die aber schnell wieder behoben wurden. Wenn das nicht mal von der vielen Rumhüpferei war, hehe!
Abgerundet wurde der Auftritt von SAMAEL mit einem gekonnten Brückenschlag zum Beginn des Auftritts, da es als erste (die zweite hab ich vergessen) Zugabe das obergeniale "Jupiterian Vibe" ebenfalls von der "Passage" gab. (Andreas)
SONATA ARCTICA
Wegen unumgänglichen Fachgesprächen mit Kollegen der Zunft habe ich
leider den Gig verpasst. Sorry! (Olaf)
AMON AMARTH
Nach der wohlverdienten und taktisch klug platzierten Ruhepause während SONATA ARCTICA kam mit AMON AMARTH mein persönliches Festival-Highlight auf mich zugerollt. Was war das ein Fest! Unterm begeistertem Jubel betraten die Neuzeit-Wikinger aus Schweden die Bretter und legten dann mit einem Programm los, dass sich wahrlich gewaschen hatte. Pure Euphorie brach aus, als solche Killer wie "For The Stabwounds In Our Backs", "Bloodshed", "Masters Of War" oder "Bleed For Ancient Gods" auf die schwitzende, tobende und dauerbangende Meute losgelassen wurden. Sänger Johan führte dabei sowohl routiniert als auch symphatisch und anspornend durch den Auftritt und schmiedete die Fans zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen. Klar, dass auch ein Oberstampfer wie "Victorious March" nicht fehlen durfte. Da ich AMON AMARTH mittlerweile schon recht oft gesehen habe, kann ich guten Gewissens behaupten, dass die Band mit ihrem Gig auf dem Rock Hard Festival den besten abgeliefert hat, dem ich bisher beiwohnen durfte. Und im Vergleich zu vor einigen Jahren präsentierte sich der Trupp deutlich reifer und erfahrenen, ohne dabei aber auch nur im geringsten den Spaßfaktor missen zu lassen. Spaß hatte definitiv auch das Amphietheater und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich AMON AMARTH an diesem Tage mehr als nur einen neuen Fan erspielt haben! (Andreas)
CHILDREN OF BODOM
Bei den Finnen CHILDREN OF BODOM kam endlich das erstemal die
Lightshow wirklich zum Einsatz, denn es wurde langsam dunkel in
Gelsenkirchen. Mit mittlerweile vier starken Alben im Rücken konnten
die Kinder des Bodom-Sees aus dem Vollen schöpfen und spielten neben
Krachern des letzten Albums natürlich auch älteres Material wie
"Everytime I Die" vom Vorgänger oder den Opener ihres Debüts
"Deadnight Warrior". Die Fans nahmen diese Mischung gut auf, und die
Security hatte alle Hände voll zu tun, denn man konnte mehr
Crowdsurfer als bei allen anderen Bands auf ihrem Weg in Richtung
Bühne beobachten. Dennoch war es insgesamt im Amphitheater etwas
leerer geworden, was wohl zum einen daran lag, dass COB einigen
Metalheads trotz ihrer heftigen Ausrichtung zu frickelig sind. Zum
anderen passt das böse Image, das Bandkopf Alexi rüberzubringen
versuchte irgendwie nicht zu den Jungs, grade in Verbindung mit dem
bandtypischen Synthiesound. Und die Ansagen des Mr. Laiho, in denen
eigentlich nur Fuck zu verstehen war, und seine permanente Rumrotzerei
gingen wohl nicht nur mir im Laufe der Zeit wirklich auf den Geist.
Kein schlechter Gig, aber nach dem alles niederwalzenden Auftritt von
Amon Amarth etwas dünn. Da hätte man mit einem Positionstausch wohl
beiden Bands einen Gefallen getan. (Roland)
JON OLIVA
Ich glaube dieses Festival hatte zwei große Gewinner. In der Kategorie
Stageacting dürften eindeutig OVERKILL den Thron bestiegen haben und
in der Kategorie Songauswahl hat für mich eindeutig Jon "Mountain
King" Oliva gewonnen. Beweise gefällig? Hier kommt die Setlist:
- Gutter Ballet
- Time
- Jesus Saves
- Hounds
- Tonight He Grins Again
- The Dark
- Ghost In The Ruins
- Thorazine Shuffle
- Believe
- City Beneath The Surface
- The Dungeons Are Calling
- Sirens
- Power Of The Night
- The Hall Of The Mountain King
Außerdem konnte Mister Oliva die OVERKILL-Kategorie gar nicht gewinnen
- dazu brauche ich sicher nicht mehr zu sagen. Aber trotz seiner
Unbeweglichkeit auf der Bühne hat der Mann ein Flair versprüht, dass
es einem eiskalt den Rücken runter lief. Selbst einige flapsige
Bemerkungen und "Stimmungslied-Einlagen" konnten an diesem Zustand
nichts ändern.
Nicht viel weniger trug dazu auch Jon's Band bei, die ihren Job
löblich absolvierte. Aber ehrlich gesagt hat die Arbeit der Band
wahrscheinlich ein Großteil der völlig begeisterten Menge nur gehört,
denn alle Augen dürften auf den Mountain King gerichtet gewesen sein,
der natürlich vor allem die balladesken Nummern wie beispielsweise
"Believe" geradezu zelebriert hat (inklusive Widmung an seinen
Bruder). Umso erstaunlicher, dass den Headliner des zweiten Tages,
ACCEPT, meiner Meinung nach einige Leute mehr gesehen haben. Das mag
am Angebot der Tagestickets gelegen haben, das sicher viele für den
zweiten Festivaltag genutzt haben; es kann aber auch daran gelegen
haben, dass mancher schon den Schlaf der Gerechten schlief (gell,
John?)!
Beide Daumen nach oben für einen grandiosen Gig!
Übrigens: Dass Jon Oliva eine unumstößliche (im wahrsten Sinne des
Wortes!) Größe im Business ist, beweist folgendes: am Mittag des
zweiten Festivaltages wollte sich Mister Oliva von der Tribüne aus die
ein oder andere Band anschauen, dürfte aber nicht viel mitbekommen
haben weil sich in Windeseile die Fans die Klinke in die Hand gaben, um
ihrem Helden die Hand zu schütteln und/oder von ihm ein Foto zu
schießen. So musste der Mountain King nach kurzer Zeit den Rückzug
antreten. (Olaf)
Sonntag
HELLFUELED
HELLFUELED läuteten den Festivalsonntag ein. Die Band, die vergangenes
Jahr von den Lesern des Rock Hard zum Newcomer des Jahres gewählt
wurde, konnte den hohen Vorschusslorbeeren nicht wirklich gerecht
werden. Natürlich gab es vor der Bühne eine kleine Schar an Fans die
mitgingen, aber den größten Teil des immerhin schon anwesenden
Publikums konnten die Schweden nicht wirklich wach rütteln. Die Band
selbst wirkte recht steif und müde, was gerade weil es sich um ihren
ersten Gig in Good Old Germany handelte, enttäuschend war. Der Funke
wollte nicht richtig überspringen und für die Nörglerfraktion, die in
Hellfueled ohnehin nur eine musikalische Ozzykopie sehen, schüttete
Gitarrist Jocke Lundgren mit seinen vielen bei Zakk Wylde ausgeliehenen Posen
zusätzliches Öl ins Feuer. Schade. Da hätte ich mehr erwartet. (Roland)
WOLF
Die in meinen Augen größte Überraschung des Festivals boten gleich im
Anschluss WOLF. Sicher ist ihr Oldschool Heavy Metal nicht jedermanns
Sache und es tummelten sich auch hier keine Massen vor der Bühne. Dies
änderte jedoch nichts an dem Spaß den die Jungs hatten und der
absoluten Authentizität, mit der sie ihren klassischen Bangerstoff
darboten. In kultigem Jeans- und Nietenoutfit waren sie die absoluten
Poserkings des gesamten Wochenendes und somit die perfekte visuelle
Umsetzung zu Granaten wie "Evil Star". Lediglich die ausgelutschten
Floskeln, dass das heutige das bisher beste Publikum überhaupt sei,
hätte man sich sparen können. Denn selbst wenn es die Band auch
hiermit ehrlich gemeint haben sollte, klingt es doch immer irgendwie
unglaubwürdig. Trotzdem beide Daumen hoch für die Wölfe! (Roland)
THRESHOLD
Mitten in meine wohlverdiente Mittagspause am Jim Beam-Stand tönten
plötzlich die ersten Töne von "Mission Profile", dem tollen Opener von
"Subsurface", der aktuellen Platte der Engländer THRESHOLD. Bestens
gelaunt peitschten die Proggies ihre Hits ins Publikum, das zu meiner
Verwunderung unheimlich begeistert mitfeierte. Rund um mich herum
(mittlerweile vor der Bühne angelangt) sang jeder enthusiastisch die
Texte der Subsurface-Knaller "Ground Control" oder "Pressure" mit.
Hätte gar nicht gedacht, dass THRESHOLD so gut bekannt sind (wobei die
vordere Platzierung in den Rock-Hard-Charts mir das eigentlich hätte
zeigen müssen). Jedenfalls stimmte es mich fröhlich, so viele
Gleichgesinnte um sich zu haben. Diese Freude versuchten mein
Begleiter (MoM) und ich dem Gitarristen Karl Groom aus dem Gemenge vor
der Bühne mitzuteilen. Dieser wollte uns aber kein Gehör schenken
(unsere Mittagspause war wohl etwas zu lang!). Sänger Mac überzeugte
nicht nur durch seinen markanten Gesang sondern durchaus auch durch
seine Performance, inklusive ekstatischem Mikrokabel-Lassoschwingen a
la Sebastian Bach. Drummer Johanne James sollte man mal einen
kompletten Gig ausschließlich beobachten. Der Mann ist eine reine
Beatmaschine.
Mit einem Querschnitt aus fast allen Alben zeigten die Engländer alles
in allem eine sehr gelungene Show, die auf jeden Fall zu den positiven
Eindrücken des Festivals zählt. (Olaf)
UNLEASHED
Und ein zweites Mal kamen an diesem Wochenende die Wikinger den Rhein-Herne-Kanal hochgesegelt, um mit Feuer und Schwert über Gelsenkirchen herzufallen. Und endlich sollte ich auch mal UNLEASHED zu Gesicht und zu Gehör bekommen, ein Privilig, das mir bisher leider verwehrt blieb.
Unter stürmischem Applaus betraten die Berserker die Bühne und nachdem die ersten Beigeisterungswogen abgeebbt waren, stiegen die Mannen kompromisslos und ohne zu zaudern hochbrutal mit "Legal Rapes" ein. Es folgte ein Set der Extraklasse, bei dem die Band stets darauf bedacht war, die perfekte Mischung aus hektischem Gebolze und groovigen Bang-alongs zu finden. Die vor der Bühne versammelten Death Metal-Anhängerschaft sog jeden Ton der Legende begierig in sich auf und konnte von Basser/Sänger Johnny und seinen Recken nicht genug bekommen. Aber wen wundert das bei Songs wie "Before The Creation Of Time", "Shadows In The Deep", "To Asgard We Fly", "Berserk", "Don't Want To Be Born", "Hell's Unleashed", "Winterland" und "Destruction (Of The Race Of Men)" schon? Nachdem Johnny zwischenzeitlich ordentlich mit seinem Trinkhorn posiert und die Reste des Inhalts ins Publikum verteilt hatte, ging mit "Death Metal Victory" ein einmalig kultiges Singspielchen los, das gerade im Death Metal vergeblich seinesgleichen suchen dürfte. Was ein Spaß!
Auch UNLEASHED ließen sich letztendlich zu einer Zugabe zurück zitieren, die dann leider nicht aus dem monsterfettem "The Longships Are Coming" vom jüngsten Release bestand (vielleicht war auch der Kanal für die Langboote zu klein), sondern aus dem endderben "Never Ending Hate" von der "Shadows In The Deep". Trotz dieser kleinen Enttäuschung und etlicher weiterer aufgrund der begrenzten Spieldauer nicht gespielten Hits ein einmaliger Gig, der nur ganz knapp hinter dem von AMON AMARTH stand! (Andreas)
PRETTY MAIDS
Gute Güte, Ronnie Atkins ist alt geworden. Der Mann hat Furchen im
Gesicht so tief wie der Mariannengraben. Da so was im Metal
bekanntlich keine Rolle spielt (es geht ja schließlich nicht um
Britney Spears) und die Dänen den Rock in ihrer Seele haben, ging's
amtlich mit "Sin Decade" los. Ken Hammer hatte zu Beginn mit
technischen Problem zu kämpfen und ich mit der Setlist. Wo blieben die
richtigen Granaten! "Destination Paradiese" ist ja nicht schlecht,
aber wir befanden uns auf einem Festival und da will man die Hits
hören. Stattdessen stellten die Dänen einen neuen Song vor. Gott sei
Dank bekamen die Herren dann doch noch die Kurve, denn nach dem
fünften Stück ging es richtig los. Es folgten das geniale "Yellow
Rain" und "Love Games" vom "Future World"-Album und nach "Back To
Back", als die Leute gerade richtig in Fahrt waren, gingen PRETTY
MAIDS dann von der Bühne. Ts, ts, ts - muss doch nicht sein. Also
okay, "Zugabe, Zugabe, Zugabe" und da kamen sie wieder. Als
Hammerschlag gab's dann noch die erwarteten "Future World" und "Red,
Hot And Heavy".
Fazit: Der Auftritt war verdammt durchwachsen. Die Songauswahl der
zweiten Hälfte war klasse, so wie man es erwartet hatte. Der Anfang
jedoch war zäh und die ewigen Singspielchen und Publikumsanimationen
haben mich echt genervt. Ich hab die Dänen schon besser erlebt. (John)
MASTERPLAN
Leute Leute, ich kann mir nicht helfen. Irgendwie kommen mir die Shows
der Nordlichter MASTERPLAN immer etwas konstruiert vor. In erster
Linie Frontmann Jorn Lande und Gitarrist Roland Grapow kann ich
einfach nicht abnehmen, dass sie in diesem Moment nichts lieber tun
würden, als auf der Bühne zu stehen und zu rocken. Selbst Spaßgarant
Jan S. Eckert am Bass hielt sich in Gelsenkirchen eher bedeckt,
trotzdem wurde der Auftritt vom Publikum begeistert gefeiert.
Zugegebenermaßen reicht aber auch das wirklich starke Songmaterial vor
allem vom ersten Album fast alleine aus, um für Stimmung zu sorgen. So
waren es dann auch "Crystal Night", "Enlighten Me" und "Soulburn", die
bei mir am besten ankamen. Ansonsten gibt es keine Besonderheiten zu
verkünden - Business as usual! (Olaf)
Setlist Masterplan:
- Crimson Rider
- Crystal Night
- Wounds
- Kind Hearted Light
- I'm Not Afraid
- When Love Comes Close
- Enlighten Me
- Soulburn
- Heroes
- Back For My Life
- Spirit Never Dies
- Crawling From Hell
OVERKILL
Um es vorweg zu nehmen: OVERKILL waren die Band des Festivals! Ohne
Schnörkel ging's voller Energie los und bereits nach dem ersten Song
kam überraschenderweise "Rotten To The Core". Das Publikum ging voll
ab und grölte den Chorus lautstark mit. Danach die zweite
Überraschung: Der "Skullcrusher-Fanclub" überreichte der Band eine
Trophäe zum Bandgeburtstag. Einer der Fanclubleute schrie "We Don't
Care What You Say" ins Mikro und ganz Gelsenkirchen brüllte zurück:
"Fuck You". Darauf der Typ vom Fanclub "Danke!" und die Leute "Bitte!"
Mann, das war geil. Von diesem Intermezzo waren Band und Fans voll
drauf und OVERKILL packten zum Dank eine Menge Klassiker aus. Wir
bekamen "Wrecking Crew", "Blood And Iron", "Hello From The Gutter" und
"Elimination" zu hören. Zwischendurch baute die Band Stücke neueren
Datums ein (z.B. "Necroshine") und konnte die Spannung auch dann
halten. Ein sehr gutes Bild gab der neue Drummer (dessen Namen ich mir
nicht merken konnte) ab, der wie ein Tier über die Kessel wirbelte und
sich prima in die Band einfügte. Als schließlich noch "Old School",
das bekanntermaßen eine Partynummer vor dem Herrn ist, vom aktuellen
Album angestimmt wurde, waren mein Wünsche erhört wurden. Das
abschließende "Fuck You!", bei dem noch mal alles mobilisiert wurde,
beendete den viel zu kurzen Gig. Killer! (John)
SENTENCED
Es war einer ihrer Abschiedsgigs, den SENTENCED hier in Gelsenkirchen
spielten. Und mit dem Wissen im Hinterkopf dass sich die Band auflösen
wird, gingen einem die melancholisch düsteren Rocker wie z.B. "Cross
My Heart", die die Finnen zum Besten gaben, natürlich noch mehr unter
die Haut als sonst. Die nun auch wieder voll zur Geltung kommende
Lightshow, die die Bühne oft in nur spärliches Licht tauchte,
unterstrich diese Atmosphäre perfekt. Trotzdem ließen es sich die
Anwesenden natürlich nicht nehmen, die Jungs noch einmal ordentlich
abzufeiern. So trennten sich Fans und Band nach diesem gelungenen
Auftritt wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Was blieb
war der Respekt vor dieser schweren Entscheidung der Band, gepaart mit
dem trüben Beigeschmack des endgültigen Abschieds. Und ich persönlich
war froh drum, danach noch ein Portion amtlichen Teutonenstahl von
Accept um die Ohren gehauen zu bekommen, um nicht in Grübeleien zu
versinken, sondern Sentenced einfach nur in guter Erinnerung zu
behalten. RIP boys! (Roland)
ACCEPT
Kein Band wurde wohl verständlicherweise so gespannt erwartet wie
ACCEPT. Die einen, weil sie sich an die genialen Shows vergangener
Tage erinnerten und die anderen, weil sie ACCEPT noch nie live gesehen
hatten. Es sollen sogar Leute da gewesen sein, die ACCEPT gar nicht
kannten... Wie auch immer, hoch die Pyros und ab dafür. "Starlight"
war der Opener, den ich nicht ganz so gelungen fand. Aber egal, der
Zauber hatte begonnen und die Musiker zeigten sich von Beginn an agil
und spielfreudig. Allen voran Wolf Hoffmann und Peter Baltes, diese
beide wirbelten den gesamten Gig über die Bretter und posten was das
Zeug hielt. Natürlich wurden auch schön viele choreographierte
Einlagen kredenzt. Es macht halt immer wieder Spaß gemeinsames
Gitarrengeschunkel zu betrachten. Nach "Living For Tonight" und dem
umjubelten "London Leatherboys" kam mit "Metal Heart" der erste Hammer
vor dem Herren. ACCEPT spielten eine Gänsehautversion des Klassikers
und vor allem Wolf Hoffmann drückte dem Song seinen Stempel auf. Es
folgten "Love Child", "Breaker" und das von Peter Baltes eingeleitete
"Head Over Heels" - ja, der alte Sack hat's noch drauf! Nach "Neon
Nights" folgte dann das Unvermeidliche - ein langer Solopart. Hoffman
spielte ein Medley aus seinem Soloalbum "Classical", das ja wirklich
eine gelungene Platte ist, aber dennoch nicht hätte sein müssen.
Stattdessen hätte ich lieber "Up To The Limit" oder "Midnight Mover"
gehört. Was soll ich sagen? Ist halt Geschmackssache. Was jedoch
völlig unverständlich war, war die Entscheidung "Restless And Wild"
nur zusammen mit "Son Of A Bitch" als Medley zu zocken. So einen
Klassiker muss man doch ausspielen. Es folgten "Turn Me On", "TV War",
"Monsterman" und "Flash Rockin' Man" bevor Udo verkündete, dass man
jetzt einen Song spielen würde, denn ACCEPT noch nie zuvor gespielt
hätten. Alles klar - denn Udo sang "Heidi-heido-heida" und ganz
Gelsenkirch stimmte ein. Nach mehrminütigem Singsang ging's dann
richtig los und "Fast As A Shark" walzte alles nieder. Danach war der
reguläre Set beendet und als Zugabe erklangen die Töne von "Princess
Of The Dawn" inklusive Singspielchen. Alle erwarteten nun "Balls To
The Wall", aber was machten ACCEPT? Sie spielten die Ballade "Winter
dreams" - eine dicke Überraschung, denn für den Zugabeblock hätte ich
den Titel nicht erwartet. Und zur Freude aller verabschiedeten sich
die Herren Musiker mit einer fetten Version von "Balls To The Wall",
dessen Klänge noch die ganze Nacht in meinem Schädel widerhallten.
Muss man erlebt haben... (John)
Somit bleibt unterm Strich nun bereits zum dritten Male festzuhalten, dass es das Rock-Hard-Team einfach drauf hat, ein kleines aber verdammt feines Festival zu organisieren. Die geniale Atmosphäre im kultigen Amphitheater, die sehr abwechslungsreiche Auswahl an Bands und natürlich das unerhörte Glück mit dem Wetter trugen ihr übriges zum Gelingen des Wochenendes bei.
Zu kritisieren gibt es nicht viel, höchstens den Anstieg der Bierpreise und die zwei Deppen, die zwischen den Bands für Stimmung sorgen sollten, aber schlicht und einfach nur genervt haben. Und zwar gewaltig.
Ansonsten aber Zeige- und kleiner Finger hoch für ein cooles Event! \m/
Und jetzt viel Spaß mit der Bildergallerie! (Andreas)
Fotos: Roland Wohde
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