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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing KEEP IT TRUE IV
Ort Lauda-Knigshofen
Datum 02.04.2005
Autor Volker Raabe
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Da ich ja quasi Fremdschreiber hier bin... wie fngt man diesen Festivalbericht eigentlich genau an, wenn man das Gesehene als Live-Review fr ein Magazin macht, wovon niemand vor Ort war. Ehrlich Leute... ich gehe seit 20 Jahren auf Konzerte, aber am Samstag ist mir der wahre METALGOD erschienen. (Diesen Platz hatte bis Samstag eigentlich unumstlich Harry Conklin inne, zumindest was die Live-Qualitten betrifft.)
Dazu aber spter etwas mehr.
Lblich war vor allem der wesentlich bessere Sound als bei allen anderen Vorgngerveranstaltungen des KIT. rgerlich vielleicht fr viele sicherlich die Absage von SATAN, da deren Basser am Tag zuvor bei einer anderen Show angeblich von der Bhne gefallen ist und sich das Bein gebrochen hat. Na ja, wer es glaubt! Aber fr solche Zwischenflle kann ja von Seiten der Organisation niemand verantwortlich gemacht werden. Ansonsten aber war es wie immer uerst fanfreundlich, faire Preise, gutes Essen und ein weitgefchertes Angebot von Tontrgern/Merchandiseartikeln aller Art.
Allerdings gab es wohl auch eine grere Schlgerei, was ich im Nachhinein als sehr bedenklich empfinde. Besonders auf einer so einer geilen Metalparty. Vielleicht sollte man den Martjo-Special-Mix einfach mal von der Karte streichen!
Das KIT IV konnte also endlich losgehen...

INSANE (I)

Kann es sein, dass ich die Zeitumstellung letzte Woche verpennt habe?
Als ich in der Tauberfrankenhalle eintraf, spielten die Italiener INSANE gerade ihren zweiten Song. Das reichte mir dann aber auch schon, denn Thrash-Metal ist nicht unbedingt mein Seelenheil und so zog ich es vor, erstmal die vielen bekannten Gesichter zu begren und etwas in eigener Sache zu tun. Die Italiener kamen aber auch ohne mich gut durch ihren Set und wurden schlussendlich mit dem Hflichkeitsapplaus eines Openers belohnt. Mehr aber auch nicht...

Paragon

PARAGON(D)

Es gibt ja gespaltene Meinungen zu dieser Band, ich persnlich finde die Hamburger PARAGON richtig geil. Routiniert spielten sich die Jungs dann auch durch ihren Set auf dem KIT IV, vergasen dabei natrlich auch nicht einige Songs des im April erscheinenden neuen Album vom Leder zu ziehen. Am besten kam allerdings bei den Metalheads das Riffmonster "Armies of The Tyrant" an, was dementsprechend enthusiastisch abgefeiert wurde. Mann, dieser Track hat aber auch wirklich Ohrwurmcharakter! Buschi war stndig in Bewegung und Martin stand wie immer cool posend und bse schauend auf der Bhne herum. Fr diese Uhrzeit eine mehr als ansprechende Vorstellung der Waterkantjungs.

THUNDER RIDER (CAN)

Eigentlich sollte ich diese Band ja gar nicht kommentieren, da ich mit ihr um das "KIT" herum auf Mini-Tour unterwegs war und dementsprechend befangen bin. Also mache ich es kurz.
Die Kanadier sprhten nicht gerade vor Bewegungsdrang auf der Bhne, dafr waren die Songs doch zu enorm episch und erhaben gestaltet, was fr einige der Anwesenden durchaus als zu langatmig gewesen sein mag. Das waren die Holzfller aber auf keinen Fall. THUNDER RIDER glnzten mit tightem Zusammenspiel und vor allem mit der starken Personality und Ausstrahlungskraft ihres Magiers John Blackwing. Songs der Marke "Blackwing" und "Death to Death" drfen jedenfalls in keiner gutsortierten Sammlung fehlen, denn diese Band hat trotz defensivem Stageacting einfach zu berragendes Songmaterial im Repertoire. Apropos Holzfller... Neu-Drummer Jonny bearbeitete sein Arbeitsmaterial nach allen Regeln der Kunst. Ein wahres Arbeitstier an seinem Gert, obwohl der Gute sich in wenig Vorbereitungszeit kurz vor dem Trip erst ein Vielzahl der Tracks aneignen musste. Dafr war es aber absolut gelungen.
Und unsere immer anwesende griechische Fankolonie ging vor der Bhne ab wie ein Zpfchen. Diese Band hat definitiv zu frh ran gemusst!

Overlorde

OVERLORDE (USA)

Fr mich persnlich hat OVERLORDE's Debt ber die Zeit seit der Verffentlichung an ihrem Reiz verloren. Nun war ich aber gespannt wie ein Flitzebogen, ob OVERLORDE die guten Pressekritiken auf ihr "Return of the Snowgiant"-Album live auch halten konnten. In typischem 80er-Outfit auftretend, spielten OVERLORDE auch die erwartet gute, aber nicht besonderlich spektakulre Show, allerdings schwachte der Begeisterungseffekt zum Ende, zumindest bei mir, auch vom Songmaterial erheblich ab.
"Starcastle" und "Snowgigant" stachen aus dieser Performance eindeutig heraus, weshalb ich der Band einen guten vierten Platz auf meiner Favoritenliste zugestehe.
Ansonsten wirkte die Band - was das Auftreten betrifft - extrem cool, was besonders auf Bassmonster John Kong Benucci zutraf, welcher mit Sonnenbrille und dicker Zigarre rauchend den ganzen Tag lssig durch die Halle stapfte. Very cool, indeed!!

Torch

TORCH (SWE)

In einem Punkt sind wir uns doch wohl alle einig!! Wenn Musiker in Kopfsocke auf der Bhne stehen erwartet man nicht unbedingt musikalisch Ausgefallenes als eingefleischter True Metal Maniac! Habe ich recht?
Wenn dann noch ein Snger in knallrotem Lackhschen und passendem knallengen Korsett und hyperblond gefrbten kurzen Haaren auf die Bhne schneit, hrt der Spa dann aber endgltig auf. Das soll Dan Dark sein? Verdammt... er war es. Drei aus Schweden angereiste Metalheads toppten dieses Outfit aber noch um Lngen. Man beachte hier vor allem die Bilder. Das ist ja wohl der Megakult schlechthin! Fans Was uns dann aber musikalisch aus der PA entgegen kam, blies bis dahin alles je auf dem KIT gesehene mit einem Mal frmlich weg! Mann war die Band geil! TORCH waren ein echte berraschung, was gingen die Jungs ab... Gnadenlos peitschten die Skandinavier ihre knackigen Songs in die Menge. Kurze prgnante Riffs, extrem tight und gut aufeinander eingespielt prsentierten sich hier in erster Linie "Warlock" sowie "Elektriciss" als echte Metalgranaten. Und Altmeister Dark wirbelte wie ein nicht einzufangender kleiner Irrwisch ber die Stage!
Was eine kultige Truppe, wobei das Aussehen dann aber doch letztendlich extrem vom musikalischen Auftreten Torch abweicht. Egal, die Band war bis dahin absoluter Gewinner des Tages. Aber auch das sollte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Vorerst musste man aber den Selbstverherrlichungsauftritt der Veranstalterband ber sich ergehen lassen. Oder auch nicht... es sei denn man geniest ein paar Sonnenstrahlen in Verbindung mit metallischen Austauschgesprchen vor der Tr oder auf dem Parkplatz.

MAJESTY (D)

True, fucking, German Heavy Metal war nun angesagt. Aber sptestens als Bandleader und KIT-Mitveranstalter Tarek mit Sonnenbrille die Bhne betrat, zog ich Letzteres in Betracht.
Bevor diese Abflligkeitserklrung jetzt jemand falsch versteht, ich finde MAJESTY wirklich nicht schlecht und bin gerne zu Konzerten mit ihnen auf dem Billing anderer Festivals gefahren, allerdings wenn sich die Band des Mitveranstalters drei mal von vier eigenen Veranstaltungen auf das Billing setzt, riecht das in meiner Nase nach extremster Selbstverherrlichung. Der zweite Auftritt war schon zu viel... allerdings verstehe ich, dass die Band sich bestens promoten will und diese Gunst der Stunde nutzt. Anderseits kennen die wohl meisten der KIT-Besucher die Band bestens genug und an Fans sollte es ihnen ja auch nicht mangeln, immerhin waren MAJESTY schon mit U.D.O. ausfhrlich auf Tour. Deshalb kann ich auch wirklich nichts ber den Auftritt der Jungs sagen. Sei es drum, so hatte ich Zeit mit ein paar alten Kumpels zu schwtzen.
Und bevor mir jemand jetzt sagt: Ist immerhin eine billige und gute Band mit auf dem Billing, sage ich nur: Psst... Nachtigal ick hr dir trapsen!!! Allerdings hatte ich schon direkt nach dem bekannt werden des Billings beschlossen, MAJESTY dieses mal visuell zu boykottieren!! Man kann es wirklich bertreiben.

DEADLY BLESSING (USA)

Tja und nur ereignete sich schier Unglaubliches!
Was geht wohl in jemand vor, wenn sich etwas nie zuvor Erlebtes vor einem auftut. Diese Umschreibung sollte fr das reichen, was nun ihren unglaublichen Lauf nahm. Konnte Ski die Performance der DEADLY BLESSING-Songs nach all den Jahren auch noch umsetzen knnen. Als die Band die Stage enterte, glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen. Was ein Metal-Inferno! Und was ich hier von mir gebe, habe ich schon in vielen Foren gelesen, dass ich nicht getrumt und es sich alles wirklich genau so abgespielt hat. Ich bin nicht besonders glubig, aber am 02.04.2005 ist mir der METALGOTT erschienen! Er trug ein Flammenkopftuch, einen knappen Vollbart und eine pechschwarze Sonnenbrille. Und seine Botschaft kam an, er sprach sie laut, klar, unvergleichlich und przise aus, ohne sich auch nur einmal im Ton zu vergreifen.
Deadly Blessing Mann Alter, schrei mich nicht an... Aber Ski schrie, mehr als das, nein er screamte was das Zeug hielt - unvergleichlich, unverkennbar, einfach nur obergeil!! Mein Krper berzog sich mit einer Gnsehaut als Ski "Demise of Faust" begann und in meiner Hose erhob sich ein imaginrer Stnder wie ich ihn noch nie bekommen durfte! Was fr eine Stimme dieser Kerl doch hat.
Die Rhythmusfraktion, angefhrt von einem gewisse Nick Douglas (ja richtig der DORO-Basser), da sa jedes Riff, jeder Break auf den Punkt genau! Dann immer wieder diese brillanten, glasklaren Screams dieses Mannes, der gar nicht so nach Gott aussah, aber nach diesem Auftritt es definitiv fr viele Anwesenden war.
Und so stand ich whrend des Sets Arm in Arm mit einem Kumpel in den ersten Reihen und als die Band die Bhne verlie, hatten wir wahre Freudentrnen in den Augen. Dass wir das noch erleben durften!! Irgendwer schrieb in einem Forum etwas von der geilsten Band, welche je eine deutsche Bhne gesehen hat und das kann ich blind so unterschreiben. Leute, wir haben definitiv GOTT mit seinen Jngern gesehen. Er ist in Lauda-Knigshofen erschienen! Allerdings waren die Jnger nur zu Viert. Egal, DEADLY BLESSING waren Der Oberhammer, das ging gar nicht!! (Passend dazu, die Performance eines Fans, welcher direkt nach dem Gig Backstage vor Ski auf die Knie fiel und dem Mann fast die Fe ksste. Sagt das alles aus??)
Und vor allem wer sollte das noch toppen??? COUNT RAVEN?

COUNT RAVEN (SWE)

Rtselraten in der Halle. Die Antwort war schnell gegeben.
Wohl kaum, dafr war die Band zu monoton und eintnig! Quasi die Schnecke des KIT IV. Und je lnger der Set der Schweden-Doomer dauerte, umso langweiliger wurde die Performance und das Bedrfnis mir die leicht abgewrackt aussehenden Jungs weiter zu geben schwand dahin. Bei dem Depressiv-Sound hatte man durchaus das stille Verlangen, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Ich musste wieder mal raus ins Freie sonst wre ich eingeschlafen!
Aber nun sollte es ja noch mal spektakulr werden! AGENT STEEL, die auf dem "Raise Your Fist" richtig geil rber kamen, waren an der Reihe!

AGENT STEEL (USA)

Und wie! Viel Tam-Tam, Schlagzeugumbau etc. Und dann doch nicht den erwarteten Erfolg. Als Bruce Hall und seine Mannen das angekndigte Spektakel begannen und die ersten Tne der "Skepsis Apocalypse"-Klassiker von der Bhne schallten, drehte sich vielen der Magen um. Was ein Soundbrei, schluck. Die Songs der Marke "Agents of Steel" ,"Bleed For The Godz", "Taken By Force" waren kaum wahrnehmbar und viel zu schnell runtergeknppelt. Dabei hatten die US-Boys eigens einen Soundmann mit nach Europa gebracht, aber anscheinend haben die Mischpultfreaks auch in Amiland oftmals Bohnen in den Ohren. Letzte Woche in Hardenberg (NL) auf dem" Raise Your Fist"-Festival waren AGENT STEEL noch wrdiger und abgefeierter Headliner. Mit dieser Performance aber nicht! Die Band war definitiv die Enttuschung des "Keep-It-True Festivals".
Aber was war das...urpltzlich standen ein paar andere Typen auf der Bhne und schmetterten den Metalheads noch ein paar thrashige Songs um die Ohren.

AFTER ALL

AFTER ALL aus Belgien standen auf der Bhne. Ah ja, die Belgier waren ja schon die ganze Zeit mit AGENT STEEL auf Tour und durften jetzt ein paar Songs auf Grund des Ausfalls von SATAN zum Besten geben.
Diese Zeit htte man besser DEADLY BLESSING oder TORCH mehr zugestanden, mit AFTER ALL konnte ich rein gar nicht anfangen. Immerhin sagte die Band ja auch kurzfristig wegen der Tour mit den Amis ihren Warmup Show Auftritt auf dem "KIT" ab, demnach fand ich den Kurzeinsatz auf der Hauptbhne auch definitiv fehl am Platze.

VORTEX (NL)

Ende der Fahnenstange, sprich Festivalbeendigungstruppe und wrdiger Festivalrausschmeier waren dann unsere nordhollndischen Freunde von VORTEX. Was soll man noch gro zu dieser J.D. Fraktion aus Holland sagen? VORTEX sind einfach KULT! Und so lieen es sich die Gronninger nicht nehmen die letzten verbliebenen Tapferen in der Halle mit knackigen Rhythmen a la "Riptor", "Hammer of the North" und "Metal Bats" zu unterhalten. Snger Jurjen war wie immer total geschminkt und mit Steinzeit-Percke gekleidet und fuchtelte mit einer berdimensionalen doppelseitigen Streitaxt auf der Bhne herum. Mann sind die Jungs abgedreht! Als bei "Open The Gates" dann ca. 40 Leute die Bhne betraten (u.a. beide Veranstalter Oli und Tarek, Bruder Cle etc.), um den Refrain lauthals mitzusingen brachen noch mal alle Dmme in der Halle. Die VORTEX-Jungs holten nochmals die letzten Reserven aus den Fans und urpltzlich war es dann auch schon wieder vorber, das beste "Keep It True" aller Zeiten!! Mit der Erkenntnis dass ich an diesem Tag dem Metal-Messias begegnet bin und mit der sicherlichen Garantie auch im November wieder zu SKULLVIEW und SOLITUDE AETURNUS vor Ort in Lauda-Knigshofen zu sein machte ich mich auf den Weg in meine Schlafgemcher.
Ach ja... Besucherzahlen? Ich schtze mal, dass ca. 700 Metalheads vor Ort waren.

Update: Von offizieller Seite aus waren wohl insgesamt 1100 zahlende Gste plus Presse anwesend!

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