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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing RAISE YOUR FIST FESTIVAL 2005
Ort Hardenberg, Podium
Datum 26.03.2005
Autor Roland Wohde
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Raise Your Fist Logo

Es ist wirklich immer das Gleiche. Da kann man planen wie man will und trotzdem luft etwas schief. Durch Murphy's Law kam ich auch diesem Ostersamstag erst um 16.00 statt wie geplant um 14.00 Uhr ins hollndische Hardenberg eingetrudelt. Die Macher des Headache Magazins und die H.M. Maniacs aus Hoorn hatten ins Podium geladen, um den Gsten mit einem kleinen, aber feinen Metalfestival die Feiertage zu verschnern. Eine klasse Wahl des Veranstaltungsortes, denn zum einen bietet das Podium nicht nur gengend Parkpltze und Platz fr Publikum und Backstagebereiche (hnlich der Bochumer Matrix gibt es hier mehrere Discorume innerhalb des Gebudes), sondern ist obendrein sehr gemtlich. So konnte man je nach Laune die Musik von einer der urigen Theken aus, gemtlich an einem der Stehtische, von diversen Treppen oder natrlich direkt im Getmmel vor der Bhne genieen. Obendrein rundete ein kleiner Metalmarkt und der ebenfalls direkt im Gebude befindliche Imbiss mit hollndischen Leckereien das Drumherum perfekt ab. Neben vielen hollndischen Metalfans fand sich natrlich auch ein beachtlicher Teil des harten Kerns aus Deutschland ein, so dass man viele bekannte Gesichter sah und einen, wie bei Events dieser Art blich, das schne Gefhl berkam, einer groen Familie anzugehren.

Den letzten Funken Frust der vertrackten Anreise bliesen mir schlielich Jaguar aus dem Schdel. Das 1998 wieder belebte britische Urgestein der NWOBHM verbreitete eine unglaubliche Energie, und der Spa, den die Jungs auf der Bhne hatten griff direkt aufs Publikum ber. Besonders Snger Jamie Menton war dermaen aufgedreht, dass er ber die Bhne sprang, rannte und sich wlzte als gbe es kein Morgen. Und da Jaguar ohnehin nichts vom Bse-Buben-Image halten war es auch absolut kein Problem fr den Fronter, seinen ebenfalls sehr agilen Basser Darren mit Fingerhrnern ber die Bhne zu jagen oder mit einem Laserschwert zu posen. Als er dann schlielich auch noch die Fans auf die Bhne einlud, um mitzufeiern, war die Metalparty perfekt. Beide Daumen hoch fr Jaguar, die neben all der Show auch musikalisch einen guten Gig lieferten und die Anwesenden vorwiegend mit Klassikern der ersten Scheibe beglckten.

Setlist Jaguar:

  1. Run Ragged
  2. Back Street Woman
  3. Prisoner
  4. Scrap Metal
  5. Out Of Luck
  6. War Machine
  7. Gulf War Syndrome
  8. Run For Your Life
  9. Master Game
  10. Stormchild
  11. The Fox
  12. Axe Crazy
  13. Dutch Connection
  14. Ain't No Fantasy
  15. Eighties

Im Anschluss bestiegen die UK-Thrasher Atomkraft die Bhne. Die ebenfalls in den Anfangstagen der NWOBHM gegrndete und krzlich reaktivierte Band bot einen soliden Gig, konnte aber stimmungsmig nicht an den vorgelegten Pegel heran reichen. Irgendwie schien ein Teil des Publikums mit dem Material der Band nicht richtig warm zu werden, und im Laufe des Auftritts nutzten einige Kuttentrger (inkl. dem Verf.) die Zeit, um sich mit flssiger und/oder fester Nahrung zu strken, dabei ein Schwtzchen zu halten oder durch den Metalmarkt zu stbern.

Bei Girlschool wurde es nun richtig gemtlich voll vor der Bhne. Teilte sich das Publikum bei anderen Bands noch eher ein wenig auf (wobei wohl jeder seine eigenen Faves auf dem Billing stehen hatte), wollte sich kaum jemand die britische All-Woman-Formation entgehen lassen. Und das zu Recht. Denn auch wenn uns die Damen auf ihrem letzten Longplayer schon gezeigt haben, dass sie noch amtlich rocken knnen, taten sie es in Hardenberg doppelt. Unverkrampft und mit jeder Menge natrlichem Charme spielten die Ladys eine Menge Hits ihrer beiden legendren ersten Alben, und auch die hin und wieder eingestreuten Songs neueren Datums passten sich prima in den Set ein. Dass sie nicht nur optisch noch ein Hingucker, sondern auch krperlich noch fit sind, zeigte besonders Enid Williams, die am Bass ordentlich Gas gab und sich auch immer mal wieder zum bangen hinreien lie. So hatten Girlschool die Fans auf ihrer Seite, Stagediven wurde zum Volkssport Nummer eins und auch auf der Bhne bangende Fans brachten das souverne Quartett nicht aus der Ruhe. Respekt fr diesen sehr gelungenen Gig!

Setlist Girlschool:

  1. C'mon Let's Go
  2. Not 4 Sale
  3. Hit 'n' Run
  4. Never Say Never
  5. Rock 'n' Roll
  6. Screaming Blue Murder
  7. Future Flash
  8. Coming Your Way
  9. Yeah Right
  10. New Beginning
  11. Race With The Devil
  12. Demolition Boys
  13. Emergency

Nachdem durch den Veranstalter darum gebeten wurde, bei den beiden letzten Acts das Diven aus Sicherheitsgrnden zu unterlassen, wurde es bei den Italienern Death SS ein ganzes Stck ruhiger vor der Bhne. Dazu kam natrlich auch, dass die kultige Gothic/Horror/Metal-Formation, die auch gerne Elektrosounds in ihre Songs einbindet, natrlich nicht jedermanns Sache war. Doch musikalischer Geschmack hin oder her boten die Italiener um Bandkopf Steve Sylvester auf jeden Fall etwas fr's Auge. Die ureigene Stimmung der Songs wurde durch die Kostme und Outfits der Musiker und die meist spartanische Lightshow klasse umgesetzt. Dass S. Sylvester ein Meister der Theatralik ist und er dster-okkulte Shows gekonnt an den Mann bringen kann, wei wohl jeder, der die Band mal live erleben durfte. Und natrlich gab es je nach Songs passende Showeinlagen in Form von brennenden Kreuzen, blutgefllten Kelchen, leicht bekleidet tanzenden Mdels in verschiedensten Varianten und Kleinigkeiten wie den schmucken Mikrostnder. Und mal ehrlich: welcher mnnliche Banger wird denn nicht weich, wenn er von einer aufreizenden Lack-und-Leder-Domina die unheilige Kommunion von Mund zu Mund gereicht bekommt! Coole Show!

Setlist Death SS:

  1. Chains Of Death
  2. Baphomet
  3. Let The Sabbath Begin
  4. Baron Samedi
  5. Terror
  6. Horrible Eyes
  7. Lilith
  8. Family Vault
  9. Vampire
  10. Scarlet Woman
  11. Heavy Demons

Nachdem Metal Church ihren geplanten Auftritt leider absagen mussten waren es also Agent Steele, die das erste Raise Your Fist Festival beschlieen sollten. Die US Speed Metal Legende mit Hang zu Science Fiction Themen und UFO-Theorien feiert dieses Frhjahr mit einigen Auftritten ihren 20th year anniversary of "Skeptics Apocalypse". Dementsprechend durften sich Fans der Band auf eine ganz besondere Setlist freuen. Bestens gelaunt zockten die Amis nach drei Songs zum aufwrmen die gesamte erste LP herunter und sorgten dabei fr mchtig Stimmung. Diese wurde leider durch die recht strenge Unterbindung fast smtlicher Stagedive-Manver etwas gebremst. Nach einem Block neuer Songs vom letzten Output der Band ging es bei der Zugabe dann noch einmal zurck zu alten Tagen, und die Band beschloss mit "Mad Locust Rising" ihren Gig. Amtlicher Auftritt, bei dem vor allem der symphatische und im Laufe des Abends immer besser posende Basser Karlos Medina im Gegensatz zur recht blass wirkenden Gitarrenfraktion, punkten konnte. Mir persnlich waren die ewig nach vorn preschenden Drums und die zwar guten, aber zu sehr in den Mittelpunkt gerckten extremen Screams von Bruce Hall im Laufe der Zeit etwas zu eintnig. Aber das ist ja Geschmacksache.

Setlist Agent Steele:

  1. Unstoppable Force
  2. Rager
  3. Illuminati Is Machine
  4. Agents Of Steel
  5. Taken By Force
  6. Evil Eye / Evil Minds
  7. Bleed For Godz
  8. Children Of The Sun
  9. 144,000 Gone
  10. Guilty As Charged
  11. Back In Reign
  12. Avenger
  13. 10 Fists Of Nations
  14. Earth Under Lucifer
  15. Forever Black
  16. Dead Eyes
  17. Nothin Left
  18. Know Your Master
  19. Mad Locust Rising

Nachdem das Live-Spektakel beendet war, wurde zur Aftershowparty im Bikerclub zwei Etagen hher eingeladen. Und endlich hatte dieser Ausklang seinen Namen mal verdient. So traf man hier im Laufe des Abends (bzw. der Nacht) bei ein paar Drinks nicht nur viele der angereisten Banger, sondern tatschlich auch etliche Musiker der zuvor gesehenen Bands, Hndler sowie die verantwortlichen Veranstalter. Jeder hatte ein offenes Ohr und allgemein freute man sich ber das gelungene Event. Obendrein gab es mit Jackie Chambers von Girlschool noch ein Geburtstagskind, das es zu feiern galt, auch wenn die Girls gut angeheitert schon um 2.00 Uhr den Club verlieen, um nach drei Tagen ohne Schlaf (!!!) ein wenig zu entspannen (ich mchte nicht wissen, wie sie zu ihrer Sturm-und-Drang-Zeit drauf waren...). Zu allerlei witzigen Szenen kam es ebenfalls durch das aufeinandertreffen zweier Welten. Denn nach dem Festival hatte der Club auch wieder seinen normalen Discobetrieb aufgenommen, und so konnte man manch einen gut abgefllter Banger in den Beatclub wanken sehen, und auf dem Weg zur Toilette standen schon mal ein paar kleine rausgeputzte Discomuse mit unglubigen Blicken inmitten von debil grinsenden und verschwitzten langhaarigen Bombenlegern.

Fazit: Schon wieder ein neugeborenes, cooles Underground-Festival, auf dessen Fortsetzung ich mich jetzt schon freue! Man sieht sich!

www.raise-your-fist.nl



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