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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing JUDAS PRIEST, IN FLAMES
Ort Essen
Datum 10.03.2005
Autor Roland Wohde
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Am zehnten Mrz war es also soweit. Einmal mehr hie es in Essen "The Priest is back!".
Nach einigen Reunionkonzerten im vergangenen Sommer war der Auftritt in der Grugahalle nun der erste Deutschlandgig auf der Worldtour mit neuem Album im Gepck. Als Supportact wurde den Schweden von In Flames die Ehre zuteil, die Priester auf einem Teil ihrer Tour zu begleiten. Wegen der blichen Schwierigkeiten, die mit so einer Konzertanreise und einem Event dieser Grenordnung verbunden sind (Stau auf der Autobahn, fetter Andrang am Parkplatz und vor der Halle, riesige Schlangen vor den Toiletten und am Bierstand etc.) verpasste ich leider einen Groteil des Auftritts des nordischen Quintetts.

In einheitlicher Kluft (schwarze Cargohosen und In Flames Hemden) und vor einem riesigem Backdrop mit dem Motiv ihres letzten Longplayers ("Soundtrack To Your Escape") stellten sich die Truppe dem Publikum vor. Denn scheinbar kannte nur ein kleiner, recht junger Teil der Zuschauer die Schweden richtig und ging dementsprechend auch ordentlich mit. Der Groteil wartete natrlich auf die Metalgtter und interessierte sich nur mig fr In Flames. Im bunt gemischten Publikum, bei dem ich mit Anfang 30 locker unterm Durchschnittsalter gelegen haben drfte, war brigens vom Jugendlichen ber den Kuttentrger, "Normalos" und "Promis" (wie Gtz und Jenny vom Rock Hard und Doro Pesch) bis hin zu alt gedienten Rockern in Halford-Outfit und Frhrentnern im Strickpulli alles zu finden. Nichts desto trotz zeigten die Band zu allerlei Gassenhauern lteren und neueren Datums (u.a. "Episode 666", "Embody The Invisible", "Trigger", "Only For The Weak", "Cloud Connected" und "My Sweet Shadow") eine energiereiche Show und bangte auf der Bhne was das Zeug hielt. So ernteten die Jungs zumindest zwischen den Songs ordentlichen Applaus und zu manch einem melodischen Brecher konnte man auch einige ltere Semester beim mitwippen entdecken. (Homepage: www.inflames.com)

Nach einer moderaten Umbaupause ging es dann um kurz vor halb zehn endlich los.
Zum Intro "The Hellion" wurde die Bhne enthllt. Passend zum bevorstehenden Opener schmckte ein riesiges Electric Eye Backdrop den Bhnenhintergrund. Die Drums waren in eine Treppenkonstruktion im hinteren Teil der Bhne integriert und zu beiden Seiten befanden sich Laufstege in gut zwei bis drei Metern Hhe, die von je drei Priestkreuzen gesttzt wurden. Diese Stege waren ber die Treppen oder durch Aufzugsplattformen am hinteren Ende erreichbar. Nachdem unter Jubel Scott, Ian, KK und Glenn die Bhne in relativ schlichtem Outfit (Lederhosen und Shirts) die Bhne geentert hatten, erschien Mr. Halford mit Sonnenbrille und in gewohnt fettem Lederoutfit (mit Unmengen von Nieten und Beschlgen) ber einen der besagten Aufzge. Wirkte er bei den ersten Songs noch recht steif und distanziert, so legte er danach mit seiner Sonnenbrille auch die Unsicherheit ab. Und so blitze bei den beiden folgenden alten Gassenhauern immer wieder die Magie vergangener Jahre auf. Das Dreigestirn KK, Glenn und Rob poste wie frher (die Solos oft von Rob "dirigiert") whrend Ian und Scott alleine auf ihren Posten ihre ureigene Show lieferten. Zu "Touch Of Evil" erschien der Metalgod das erste von vielen Malen mit neuer Jacke. Bei diversen Screams im Song zeigten sich einige Schwchen in seiner Stimme, doch seien wir mal ehrlich: fnfzehn Jahre gehen wohl an keinem von uns spurlos vorbei. Zum Einstieg in das brandneue Material gab es logischerweise das aktuelle Albumcover als neues Backdrop und Rob erschien zu "Judas Rising" per Aufzug hinter den Drums in genau der Pose des Engels auf dem Cover! Hammer! Hier merkte man auch (wie bei allen neuen Songs), dass Halford sich stimmlich wesentlich sicherer und wohler fhlte. Whrend dem ebenfalls neuen "Revolution" wurden zwei Fahnen (ein mit einem Tribal unterlegtem Priestkreuz) auf den beiden Laufstegen positioniert. Dadurch erinnerte mich der Song irgendwie noch strker als ohnehin schon irgendwie an Marilyn Manson. Aber egal. Nachdem mit dem Gute-Laune-Tripple (siehe Setlist) die alten Zeiten erneut aufblhten, gab es mit der Akkustikversion von "Diamonds and Rust" Gnsehaut pur. Hier bewies Rob erneut eindruckvoll wie gut er (bis auf besagte Screams) noch bzw wieder bei Stimme ist.
Verwundert war ich brigens whrend der gesamten Show vom Publikum. Zum Ende der Songs gab es zwar immer brav Applaus und immer wieder auch die typischen "Priest, Priest, Priest" Chre, die der Band und insbesondere Mr. Halford sichtlich runter gingen wie l. Aber bei den Songs selbst gab es bei groen Teilen des Publikums kaum Bewegung oder irgendwelche anderen Regungen, die auf wirkliche Begeisterung htten schlieen lassen knnen. Aber vielleicht lag es ja auch daran, dass die meisten Zuschauer ebenfalls 15 Jahre lter geworden waren.
Der nchste Block der Show wurde mit erneutem Backdropwechsel eingeleitet und enthielt eine bunte Songmischung aus der gesamten Bandhistory. Erstaunlich war, dass das wuchtige "Hellrider" live relativ schlecht zndete. Ein Highlight dagegen war "Victim Of Changes", bei dem die Show allein KK und Glenn gehrte. Zwar verhunzten die Herren ausgerechnet das Intro, zogen dafr bei den Solos aber richtig gut vom Leder, posten was das Zeug hielt und zeigten sich auf den Laufstegen auch mal den hinteren Rngen. Bei "Turbo Lover" gab es wieder was zum Schmunzeln, als just zur Textzeile "in perfect synchronicity" die Herren Hill und Tipton beim gemeinsamen Bangen nicht in den gleichen Rhythmus fanden und daherkamen wie ein unrund laufender Motor. Bei Painkiller variierte Mr. Halford die Gesangslinien und umging so die extremen Passagen. Dadurch ging zwar ein Teil der Atmosphre des Songs verloren, wurde aber auch kein Desaster. Danach verschwand die Band, um nach kurzer Pause und bei neuem Backdrop (Schriftzug) standesgem mit der Harley und dem dazu gehrigen Outfit zur unsterblichen Hymne "Hell Bent For Leather" auf die Bhne zu knattern. "Living After Midnight" machte auch um kurz nach elf schon mchtig Spa und nach ausgiebigen Singspielchen, die dem Metalgod wie auch den Zuschauern einen riesen Spa bereiteten, gab es schlielich das finale "You've Got Another Thing Coming".
(Homepage: www.judaspriest.com)

Fazit: Judas Priest boten eine gute Show mit einer beachtlichen Lnge von knapp zwei Stunden, in der kleine Patzer und Schwierigkeiten durch ehrliche Spielfreude locker wieder Wett gemacht wurden. Fr mich ist es also wahr geworden: "The Priest is back!"
Bleibt nur der fade Beigeschmack der ewigen Geldmacherei. Denn ob bei ohnehin schon recht heftigen Ticketpreisen von 42 Euro zustzlich noch eine Parkgebhr von 3 Euro verlangt werden muss, finde ich mehr als fraglich. Und obendrein waren die Merchandise-Preise mal wieder ein Witz. Ich sage nur 70 Euro (!!!) fr einen Kaputzenpulli!

Setlist Judas Priest:
  1. Electric Eye
  2. Metal Gods
  3. Heading Out To The Highway
  4. The Ripper
  5. A Touch Of Evil
  6. Judas Rising
  7. Revolution
  8. Hot Rockin'
  9. Breaking The Law
  10. I'm A Rocker
  11. Diamonds And Rust (akustik)
  12. Deal With The Devil
  13. Verpasst!!!
  14. Turbo Lover
  15. Hellrider
  16. Victim Of Changes
  17. The Green Manalishi
  18. Painkiller
  19. Hell Bent For Leather
  20. Living After Midnight
  21. You've Got Another Thing Coming
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