Verdammt dick im Geschäft sind die Finnen Nightwish, die an einem Dienstag Abend in der Trierer Arena, direkt am Ende der Autobahn spielten. Als wir dort ankamen, bot sich uns ein Verkehrschaos wegen der vielen Parkplatzsuchenden. Nach wenigen Minuten des Herumfahrens fanden wir aber vor der großen Halle, die oft für Sportveranstaltungen genutzt wird, einen schönen Parkplatz. Geht doch!
Die beiden Eingänge waren vollgestopft, aber Frechheit und Größe siegten. Also schnell freundlich an der Schlange vorbeigeschlichen und ab in die Halle. Tribünen, Treppen und Menschenmassen bestimmten das Bild, welches nur von gelegentlichen Bier- und Futtertheken unterbrochen wurde. Der Laden war echt riesig und jede Menge Leute saßen auf den Rängen, wo viele auch während des ganzen Konzertes sitzen blieben. That's Metal!
Um 8 Uhr starteten Tristania ihren gut 45 Minuten langen Gig, der mir aber wie eine Ewigkeit vorkam. Eingetaucht in blaues und braunes Licht, was sich (Achtung Ironie) für Bilder toll eignete, bestritten die Norweger um Frontkehlchen Vibeke die Show. Das Septett zeigte sich engagiert, aber der Sound war nicht der Beste. Ich fand die Situation mit drei Sänger/innen etwas albern, da einer oder zwei immer wie bestellt und nicht abgeholt herum standen, wenn nichts zu tun war. Vibeke machte in so Zeiten auch mal gerne ein Schlangentänzchen, während der eine oder andere männliche Kollege schon mal versuchte das Publikum zu animieren, welches sich aber wenig regte und wohl nur auf Nightwish wartete. Ist etwas härter, düsterer und grunziger die Mucke der Norweger! Tristania sind nicht schlecht und auf CD wirklich gut, aber als Liveband in diesem Rahmen vielleicht nicht die beste Wahl. Ich glaube in einem Club würde das Ganze auch anders rüberkommen.
Nach einer stattlichen Umbaupause, in der wir uns über die Merchandise-Preise mokierten, wo ein Shirt 25 und ein LS satte 30 Euro kosteten, begannen die Headliner Nightwish mit schöner Lightshow. Nach dem Intro krachten Pyros, welche das Tristania-Backdrop runterrissen und ein riesiges Nigtwish-Backdrop erschienen ließen. Riesiger Jubel im Publikum und die Band stieg mit "Dark Chest Of Wonders" vom Goldalbum "Once" ein. Alle in der Band und auch die gern mal zurückhaltend wirkendende Tarja waren wirklich gut gelaunt und mal ehrlich, bei so viel Publikum muss man ein Grinsen im Gesicht einzementiert haben! Mein Kumpel meinte dann bei manchen Teenies, die an uns vorbeiliefen: "Ich weiß, warum es hier so voll ist, die eine Hälfte kennt die Band von der "Mc Chart Show" und die andere von "Top Of The Pops!"
Nun ja, ganz so war es nicht, aber schon arg gemischt: Normalos, Pornobalken, ältere Leute, auch Eltern genannt, Metaller, Kuttenträger, Gothics; alle kamen und es war so friedlich und gesittet wie auf einem Pfarrfest in einem Provinzdorf um die Ecke. Es wurde geklatscht und geschaut, das war es aber auch. Die Ränge waren immer noch voll besetzt!
Direkt fiel mir der fette Sound auf, der auch leider teilweise keine Kunst war, wenn man ihn auf die orchestralen Parts und Chöre bezieht, die natürlich vom Band kamen, was auch nicht anders geht bzw. eine Kostenfrage ist.
Nightwish boten den Fans ein buntes Programm, dessen Hauptanteil logischerweise die Songs der letzten beiden Alben "Once" und "Century Child" darstellten. Obwohl unter uns gesagt hätten es nicht direkt sieben Songs von "Once" sein müssen! Spielfreudig und agil wurde mit Feuerfontänen und Pyros um sich geballert, dass es ein Augenschmaus war. Deshalb durfte man auch nur für einen Song in den Fotograben, wo das grelle Licht meine Bilder so scheiße werden ließen, so dass ich sie zu 99% in die Tonne gekloppt habe. Nach ein paar Songs brauchte Tarja, deren Gesang ja auch nicht einfach ist, eine Pause, was eingefleischte Fans kennen. Dann zockt der Rest der Band immer eine Coverversion zur Überbrückung, welche Bassist Marco Hietala immer singt. Ich fand die Songs früher ("Wild Child" z.B.) nie so passend und war mit dem Song in Trier "High Hopes" (Pink Floyd) etwas zufriedener, da er besser zu Marco passte. Tarja kam mit neuem Oufit wieder und es folgten erneut eine Menge Hits, wo die Adaption von "The Beauty And The Beast" mir wirklich eine Gänsehaut verpasste, was auch das finnisch gesungene Lied, die Ballade "Kuolema Tekee Taiteilijan" schaffte, die ganz allein von Tarja (diesmal in einem Kleid) und Tuomas am Keyboard intoniert wurde.
Am Ende gab es dann natürlich noch "Nemo" sowie "Wish I Had An Angel" und nach ca. 90 Minuten war der Spaß leider vorbei. Das war schade, da Nightwish kein Lied vom Debüt außer der Killerballade "Sleeping Sun" gespielt haben, aber man kann ja nicht alles haben und die Band hat ja auch vier Alben auf dem Markt. Cool war der Konfettiregen und dieser Regenvorhang, bei dem wir uns in bester "Galileo"-Manier fragten, wie der wohl funktioniert. War ja nicht echt. Wer was weiß: Bitte Melden!
Fazit: Tolles Konzert, hohe Preise, viele Leute und etwas kurze Spielzeit, wobei das natürlich Ansichtssache ist, zumal ich nicht weiß, wie lange Tarja so singen kann/darf/soll.