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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing HELLBANGERS FESTIVAL I
Ort Andernach, JuZ
Datum 23.03.2002
Autor Andre Kreuz
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Ich hab ja mit einigem gerechnet, aber sicher nicht damit, dass das JuZ am 23.03. so dermaßen voll sein würde!! Nach der mühsamen Parkplatzsuche am matschigen Straßenrand machten wir uns forschen Schrittes Richtung Eingang, schließlich waren wir etwas spät dran. Schnell die (schwer korrekten!) 10€ Eintritt hingeblättert und rein ins Vergnügen. Doch ach, welch Jammer! Die erste Band (SECRETS OF THE MOON) haben wir ob unserer gnadenlosen Unpünktlichkeit leider verpasst, so ein Ärgernis!! Und Band Nummer zwei war auch schon fleißig am zocken, verdammt! Trotzdem haben wir den Auftritt von PAGAN RITES noch größtenteils mitbekommen, zu unserem Glück kann ich nur sagen! Schande über mein Haupt, denn das war mein erster Kontakt mit den Haudegen aus dem sonnigen Schweden... Und ich war absolut positiv überrascht! Catchige, energische Songs wurden den Zuschauern geboten, mit einem charismatischen Frontmann am Mikro. Dieser hatte die hungrige Meute (400 oder 500 Leute, ich kann schlecht schätzen) dann auch fest im Griff und im weiten Rund vor der Bühne sah man haufenweise Matten durch die rauchigen Lüfte fliegen. Zwischendurch kam mein werter Kollege Thorsten, übers ganze Gesicht strahlend wie ein Honigkuchenpferd, an und faselte ganz happy irgendwas von wegen SACRED STEEL und "die sind hier" und "haben Poser-Fotos gemacht!!". Mal gespannt, wie die werden!


Thosten mit Gerrit Mutz (SACRED STEEL)                       






 v.l.n.r. NDK, Götz Kühnemünd ( ROCK FART!!!), Thörsten, werweiswer


Überhaupt war einiges an "Prominenz" in der Halle auszumachen, doch dazu gleich mehr. In der Pause nach PAGAN RITES mussten dann erstmal meine beiden leeren Bierbecher gegen zwei volle umgetauscht werden, klare Sache. Und hier zeigte sich wieder der so ziemliche einzige Nachteil des neuen JuZ Andernach: die viel zu kurze Theke! Absolute Fehlplanung, auch wenn man dem Personal keinen Vorwurf machen kann, im Gegenteil, dickes Lob!! Als denn, frisch mit neuem Gerstensaft gewappnet wieder zurück in die eigentliche Halle und zu den zahlreichen Merchandise-Ständen. Alle Achtung, was da aufgefahren wurde konnte sich echt sehen lassen: Shirts, Platten, CDs etc. Keine Standart-NB Ware, sondern auch echtes Underground-Zeux, da hätte man einiges an Geld lassen können! Aber kaum das erste Bierchen geleert standen schon die Gastgeber den Abends, DESASTER auf der Bühne und legten mit "Nekropolis Karthago" direkt einen Opener nach Maß vor, geil! Positiv fiel von der ersten Sekunde an auch der neue Sänger der Blackthrasher auf, der seine Sache mehr als gut machte. Ich für meinen Teil vermisse den alten Schreihals jedenfalls nicht, auch wenn es qualitativ zwischen den beiden keinen allzu großen Unterschied geben mag. Auffallend auch, dass "der Neue" auf Corpsepaint verzichtete, ein weiterer Unterschied zu seinem Vorgänger. Und plötzlich steht der Basser allein auf weiter Flur mit angepinseltem Gesicht da. Passt zwar nicht (mehr) in das Gesamtbild der Band, aber ich hab trotzdem Respekt vor Leuten, die ihr eigenes Ding durchziehen, so what... An dem Auftritt selber gab es logischerweise nix zu meckern, die DESASTERoids sind live einfach Stimmung pur! Neben einigen alten Bekannten, kamen auch zwei neue Stücke zum Einsatz, die auf der ganzen Linie zu begeistern wussten. Der Höhepunkt des Auftritts war aber zweifellos "Metalized Blood"! Eigentlich ist der Song an sich ja schon die Krönung eines jeden DESASTER-Gigs, nur dass an diesem heiligen Abend zusätzlich noch Wannes von PENTACLE die Bühne enterte um, genau wie bei der Studioversion des Songs, eine Strophe ins arg geschundene Mikro zu grunzen! Klar, dass er dabei die Fans auf seiner Seite hatte!! Schade nur, dass der Auftritt ob der 12Uhr-Grenze des Schuppens viel zu kurz ausfiel, sehr zu meinem Leidwesen... Also kein "Profanation", kein "Teutonic Steel" und noch nicht mal das grandiose KREATOR-Cover "Tormentor", das sonst immer das Sahnehäubchen zum Schluss darstellt. Ich denk da nur ans letztjährige FUCK THE COMMERCE, war das geil...! Nun ja, auf zur Theke, bangen ist schließlich anstrengend und der Nacken will gut geölt sein. Aber nix da, vorher musste noch ein Foto mit dem wohl prominentesten Gast des Abend her, Götz Kühnemund vom ROCK HARD!

     

Thorsten links, ich rechts und fertig. Das Ergebnis kann man in Kürze hier bewundern. Mr. "Skalplocke" zeigte sich übrigens gehörig begeistert von dem fetten Sound im Jugendzentrum, das nenn ich mal ein Kompliment, oder!? So, jetzt aber flott Bier tanken! Diesmal hatte man dazu etwas mehr Zeit, da der Umbau nicht ganz so zügig voran ging. Trotzdem stand schon recht bald die australische Killermaschine DESTRÖYER 666 auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und legten direkt mit "Rise of the Predator" vom letzten Album ohne Gefangene zu machen los. Kontrolliertes Prügeln mit schier wahnwitzigen Gitarrenläufen heißt die Devise der Totschläger. Ich find die Jungs einfach nur gut und damit stand ich wohl kaum alleine da. Stimmungsmäßig war hier meiner Meinung nach am meisten gebacken, auch wenn DESASTER dem kaum nachstanden. Gespielt wurde eine Mischung der Platten "Unchain the Wolves" und "Phoenix rising", wobei besonders zwei Stücke hervorstachen. Zum einen "Lone Wolf Winter", bei dem ein Gastsänger kurzerhand die Bühne stürmte, um die klaren Vocals am Ende des Songs einzusingen, und das erstaunlich gut! Klang fast exakt so, wie auf der CD selber, war das am Ende gar derselbe Mensch, der auch da zu hören ist? Keine Ahnung. Zum anderen gab's zum Schluss noch die Band-Hymne "The eternal Glory of War", bei der man sich beim Chorus noch mal so richtig die letzten Fetzen seiner Stimmbänder rausbrüllen konnte. Das war's dann von Down Under, wer (wie ich) DESTRÖYER 666 dieses Jahr noch mal live bewundern will, sollte sich tunlichst auf die No Mercy Festivals schwingen! In der dringend nötigen Pause begaben wir uns dann mal kurz ans Auto, um mittels Cola wieder wenigstens etwas Farbe in mein (angeblich) ziemlich fahles Gesicht zu bringen. Ob das gelang kann ich nicht so recht sagen. Jedenfalls ist eine lauwarme Coke nur einen Dreck gegen ein kühles Bier wert, also zurück ins JuZ, hehe! Gerade noch just in time um den Einmarsch einer, hm, nennen wir's "eigenwilligen" Band zu erleben. ROOT, der Headliner des Festivals breiteten sich da vor meinen erstaunten Augen auf der Bühne aus. Auch hier muss ich zugeben bis auf einen einzigen Song noch nichts von den Typen gehört zu haben. Allein das Aussehen der Formation war indes wirklich sehenswert. Von fünf Musikanten hatten drei eine spiegelglatte Glatze und der Sänger setzte dem ganzen noch die Krone auf: Mit einem Riesenvollbart, Schlabber-Umhang und einer ständig nervös zuckenden Zunge erinnerte mich der Mensch irgendwie unausweichlich an solche Märchen-Recken wie Rübezahl oder auch ans giftige Rumpelstilzchen. Musikalisch ging's ähnlich seltsam zur Sache, fällt mir wirklich schwer, Parallelen zu ziehen. Stellenweise hat mich die Chose etwas an BLACK SABBATH erinnert, auch wenn dieser Vergleich ziemlich hinkt... Wie gesagt, ich weiß nicht so recht, was ich von den Tschechen halten soll. Einigen schien es ähnlich zu gehen, insgesamt kam der bunte Haufen aber ganz gut an. So viel Bewegung vor der Bühne wie noch bei DESASTER und DESTRÖYER 666 war aber lange nicht auszumachen. Mitten im Auftritt kam dann irgendein Mensch auf die Bühne und verlangte, dass derjenige welche, der draußen jemanden zusammengeschlagen hat, sich doch bitte vor die Tür begeben sollte, um sich in die warmen Arme der bereits wartenden Ordnungshüter in Grün zu begeben. Sonst kämen die nämlich rein und würden dem Konzert ein jähes Ende bereiten. Aha. Unnötig zu erwähnen, dass nix von beidem eintraf, sprich keiner bekannte sich schuldig und unser aller Freund und Helfer, der übrigens mit nicht weniger als drei (!) Streifenwagen angerückt war, kam auch nicht rein und machte Ende. Wer hätte das gedacht...
Bis auf diesen dummen Zwischenfall war der Abend ohne Frage absolut gelungen, Kompliment an die HELLBANGERS!!!! Ich hoffe wirklich, dass das nicht das letzte Event dieser Art gewesen war, zumal der Zulauf mehr als ordentlich war! Wenn dann noch DESASTER den Headliner machen würden, wär's kaum noch zu toppen.

         
Chefposer Thor bei der Arbeit
mit Wannes (PENTACLE)
  
   

DESTRÖYER 666

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