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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing EARTHSHAKER FEST 2004
Ort Geiselwind
Datum 23.-24.07.2004
Autor Thorsten Dietrich
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Die zweite Ausgabe des Earthshaker Fests wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, zu mal ich schon das erste Fest mit einem hochkartigen Billing verpennt habe!
Leider war die Anfahrt eine Tortur! Die ca. 320km sind ja keine Entfernung, aber da die Ferien begannen, fuhr jeder Arsch nach Sden im armen Deutschland und die Lkws und auslndischen Touris erledigten den Rest. STAU! Zwei Stunden Stop And Go! Reichlich genervt, kamen wir um 19.30 auf dem Festival an, nachdem uns die bayerische Polizeikontrolle den Weg wies und uns sonst in Ruhe lies. Direkt bei der Raststtte nach der Ausfahrt lag das Festival idyllisch in der Nhe von Mc Doof und Wrger King!
Nach Zeltaufbau, Umziehen und Feststellen, dass meine Scheibe 'nen mittelgroen Riss wegen LKW-Steinschlag hatte (Aaaargh!), klemmte auch der Kofferraumdeckel, den mir der ADAC mit Klebeband flickte!!! (Scheeeeiiiie!)

Verpasst wurden deshalb: 16 HELL VENTILATOR, THE TRACEELORDS, DISBELIEF!

MNEMIC
Wegen Autoproblemen und Zeltaufbau, konnte ich die Songs nur mithren und der Snger war recht gesprchig. Sogar Burton C. Bell kam auf die Bhne, um mit den Dnen eine Fear Factory-Coverversion zu spielen. Da wre ich gerne dabei gewesen! Schade!

Earthshaker

PRIMAL FEAR
Das schwbische Metalcommando zog einen routinierten Gig durch! Mit dem nicht mehr ganz so neuen Drummer Randy Black (ex Annihilator, ex Rebellion) sah ich die Jungs zu ersten Mal. Auffallend war nur, dass Ralf Scheepers fr meinen Geschmack zu sehr die Ansagen recycelt und da wohl wenig spontan ist. Der Sound war nicht der Brller (wie fter noch auf dem Festival), aber die Band zeigte sich engagiert, auch wenn ich das Gefhl hatte, dass Mat Sinner von den Kameramnnern etwas genervt war. Natrlich bleibt bei fnf Alben und einer Stunde Spielzeit der ein oder andere Hit auf der Strecke, aber die Fearer versuchten eine gesunde Mischung zu schaffen und das noch neue Album zu promoten.

FEAR FACTORY
Endlich nach vielen Jahren sollte ich die Cyber-Metaller aus den USA noch mal sehen! Ich war total gespannt auf die vernderte Besetzung mit Byron Stroud am Bass und Christian Olde Wolbers an der Gitarre. Leider goss es pltzlich wie so oft diesen Sommer aus Kbeln und wir gingen zum VIP-Campingplatz ins Auto um dies abzuwarten, aber es wurde immer schlimmer. Blitze und Donner lieen den Regen zu einem richtigen Unwetter anschwillen. Drei Songs hrte ich noch von Fear Factory aus der Ferne und dann wurde der Gig aus verstndlichen Sicherheitsgrnden abgebrochen!

ROSE TATTOO
Unter den Umstnden wurde der Gig der Australier auf Samstag verschoben!

Randnotizen

  • Laut Byron Stroud (Fear Factory-Bassist) und der Crew vom Earthshaker musste die Band am Samstag ihren Flieger noch bekommen und konnten deshalb nicht mehr spielen.
  • Atrocity sagten aus sehr ominsen Grnden ab. Alex Krull erzhlte mir eine Art Akte X-Story von ominsen Leuten, die sie nicht sehen wollten, aber da die ganze Band doch bei Leaves' Eyes zockt, welche am Samstag spielten, war das doch mehr als seltsam! Fortsetzung folgt angeblich irgendwann auf der Atrocity-HP.
  • Bier (2,50 Euro) und Essenspreise waren recht moderat, was beim Essen (Dner fr 3,50 Euro) natrlich auch an dem nahem MC Doof und Wrgerking liegen konnte...
  • Das Gelnde war mit seinem Rundaufbau verdammt bersichtlich und hatte mit verschiedenen T-Shirt-, CD- und Merchandise-Buden sowie Piercing-, Tattoo- und Futter-/Trinkstnden eine Menge Abwechslung zu bieten. Leider hatten manche Stnde echt miese Bootlegshirts (z.B. Bolt Thrower) und waren fr die Qualitt recht teuer
  • Genug Dixies waren da und an der nahen Raststtte oder am Mc Doof konnte man duschen und richtig kacken.
  • Die Polizei fuhr zwar in groer Zahl umtriebig mit verschiedenen Bussen um das weitrumige Gelnde, aber hatte nix zu tun bzw. keine Vorkommnisse zu vermelden, was sie mir selber sagten. Sie hrten sogar teilweise der Musik zu! Tja die kriminellen Metaller...
  • Laut Veranstalter waren ca. 3600 zahlende Gste da, die sich aber teilweise in den frhen Samstagmorgenstunden berall, aber nicht vor der Bhne suhlten.
  • Der Autogrammstand war eine feine Sache, wo viele Bands auch fleiig schrieben.

PSYCHOPUNCH
Der Samstag begann recht frh mit den schwedischen Rotzrockern von Psychopunch, die gegen Sonne und ein sitzendes, mdes Publikum ankmpfen mussten. Das Quartett schien an die Instrumente gefesselt, was auch an den zu leistenden Backings und der Uhrzeit gelegen haben konnte. Schlecht war die Band nicht, nur nicht meine Baustelle. Konnte man sich ganz gut anschauen, aber der Snger hatte mir nicht genug Rotzigkeit fr die Musik.

DREAM EVIL
Was habe ich mich auf die Schweden gefreut, deren prollig betiteltes Werk "The Book of Heavy Metal" dauerrotiert in meiner Anlage. Gitarrist Gus G. war mal wieder mit einer seiner anderen Bands (glaub Firewind) am Aufnehmen, weshalb ein mir unbekannter Mann den Griechen vertrat. Mit dem "Book Of Heavy Metal" und miesem Sound stiegen die Power Metaller gut ein, aber gerade im Fotograben fand ich den Sound wie in den ersten Reihen wirklich mies. Da ntzten auch nicht die vielen Songs des neuen Albums, sowie das abschlieende "Made Of Metal". Die Show war o.k. fr die Uhrzeit, aber in einer Halle wirken die Evils besser. Die kurze Spielzeit war dann auch noch ein bel fr mich!

LEAVES' EYES
Leaves' Eyes sind ja Liv Kristine (ex Theatre Of Tragedy) und Atrocity als Instrumentalisten. Man kann die Band als Fortfhrung des dritten Theatre-Albums sehen. Gothic Metal um die Mittagszeit war zwar etwas seltsam, aber die Band und die gut gelaunt-sympathisch wirkende Frontfrau machten das beste aus der Sache und spielten einen guten Gig mit freundlichen Ansagen, der leider vom pltzlichen Regen getrbt wurde, was mich Weichei ins Warme drngte, aber spter hrte es wieder auf. Mit Ehemann Alex Krull als Verstrkung bei Songs wie "Ocean's Way" wurde auch etwas fr Abwechslung gesorgt. Die Band lie die Matten kreisen und berlie der Frontfrau klar die Bhne, was legitim war! Die grten Resonanzen erlangte aber die Ohrwurmsingle "Into Your Light". Guter Auftritt. Schade, dass ein paar Mal die zweite Gitarre ausfiel.

JUSTICE
Die Lokalmatadore von Justice standen zum Festivalzeitpunkt gerade kurz nach der Verffentlichung ihrer zweiten Scheibe und sind in Sddeutschland als Metal-Coverband sehr bekannt, was man auch an den Resonanzen im Publikum sehen konnte. Das Quintett bestach durch eigenstndigen Thrash Metal, der mit kleinen Ausflgen in Power und Death Metal aufgelockert wurde. Groer Pluspunkt ist die Labertasche von Snger (Michael Schmitt), sowie die Spiel- und Bewegungsfreude des ganzen Haufens. Krass, dass die sonst Cover-Metal machen und dauernd auftreten, aber bei uns daheim an der Mosel nur scheie spielt. Miese Welt! Die Resonanzen waren jedenfalls bis dato am grten und wurden meiner Meinung nach nur noch von U.D.O. bertroffen!

DEW SCENTED
Die Abrissbirnen von Dew Scented legten mal wieder ein Thrash-Feuerwerk hin, wie ich es von den Norddeutschen gewohnt bin. Fnf-Tage-Bart-Snger Leif Jensen machte seine gewohnt augezwinkernden Ansagen und sah aus als wre er gerade aus dem Bett gekrabbelt, also wie immer. Im Gegensatz zu den manchmal abgedrehteren Justice ballern Dew Scented fr meine Begriffe straighten Thrash Metal, der viel von der Brutalitt Slayers und des HC besitzt, gleichzeitig aber anspruchsvolles Gitarrenspiel bzw. Solis beinhaltet. Permanentes Vier-Personen-Mattenschwingen, fette Riffs und dazu Abrissbirnen wie "One by One" oder "Cities Of The Dead" machten mich froh, whrend ich aber auch etwas berraschungsmomente vermisste. Trotzdem: Solide und gut. Warte auf ein neues Album!

MANTAS
Leichte Mdigkeit machte sich bei mir breit. Nach dem Auseinanderbrechen von Venom macht Gitarrist Mantas mit Ex Venom und Ex Atomkraft Bassist/Snger "Demolition Man" (aka Tony D.) seine eigene Combo Mantas. Eingeweihte drfen schon skeptisch sein, da Venom mit Tony schon richtig miese Leichenfledderei waren. Mantas als Band ist aber nicht viel besser. Der mir unbekannte Dreadlocksnger brllt den billen Neo Thrash in Grund und Boden, whrend Mantas mit frischem Pseudo-Iro zweitklassige Riffs schrubbt. Ich will heim! Diese Trendanbiederung ist so widerlich und langweilig, was auch das Publikum merkte, welches recht gelangweilt dasa, stand oder wegging. Am Ende des viel zu lange Sets wurden noch die Venom-Klassiker "In League With Satan" und "Warhead" vergewaltigt. Furchtbar!
Mantas waren die berflssigste Band des Festivals und machten den Samstag eher zum Thrash-Tag, da ja noch Justice, Dew Scented, Sodom und Destruction hintereinander spielten. Eine reine Metalband dazischen gebaut htte mehr Stimmung gemacht und die ganze Sache eindeutig aufgelockert. Obwohl Mantas waren doch eher TRASH.

Earthshaker

ROSE TATTOO
Ja, die Australier! Rock'n'Roll war echt mal was anderes! Der sympathische Haufen (Backstage erlebt!) um den Overall tragenden Saufzwerg Angry Anderson rockte locker durch alte Hits wie "R'n'R Outlaw", "The Butcher and Fast Eddie" oder dem genialen "Nice Boys...", konnten bei mir aber nicht sehr punkten. Ich mag das viele Geschwtz des Angry ("lall lall Brothers And Sister blabla" usw.) nicht und fand auch, dass er sich ruhig htte was bewegen knnen. Das Publikum feierte die Meute aber ab. Not my cup.

SODOM
Onkel Tom, Bernemann und Bobby sind live immer eine sichere Bank! So auch auf dem Earthshaker, wo die Band bei rumpeligem Sound energiegeladen los thrashte. Bis auf der berflssigen Covernummer "Ace Of Spades" ballerten Sodom jede Menge Hits in die Meute. Bei mir hatten sie schon nach dem Opener "Remember The Fallen" gewonnen und wussten auch mit "Stalinorgel" und dem frenetisch geforderten "Bombenhagel" zu punkten, einer der Hhepunkte war wie immer "Die Stumme Ursel" wo Tom sich um die Gummipuppe kmmerte, whrend ein Roadie den Bass spielte. Ein weiterer Hhepunkt war sicherlich der Auftritt von Ex-Sodomist Andy Brings (Traceelords), der in der "punkigen" 90er Phase bei Sodom die Axt bearbeitete. So war er auch bei der "Ursel" und "Sodomized" mit von der Partie. Nette Geste!

DESTRUCTION
Kamen ja grob gesagt aus der selben Ecke und Schmier verbreitete in den Ansagen auch etwas wie Frankenlokalpatriotismus, was durchaus legitim ist. Das Trio, ballerte ebenso wie Sodom eine Mischung aus alten und neuen Hits, hatte sogar ein paar Pyros zu bieten und machte einen agilen Eindruck. Auch wenn ich mich an Ex-Blondine Schmier in dunkel, aber immer noch schmierig mit Nieten und Leder gewhnen muss.

U.D.O.
Da waren sie! Endlich! Nachdem ich U.D.O. auf Tour wegen meines Urlaubes verpasst habe, war ich natrlich besonders hei die Reibeisenstimme aus Solingen live zu erleben! In den gut 70 Minuten Spielzeit machte Frontmann Udo Dirkschneider das einzig richtige: Er brachte fast keine Ansagen und spielte dafr jede Menge neuer und alter Hits. Da die Band U.D.O. und auch Udos und Stefans Ex Band Accept eine Menge Songs fabriziert haben, knnen 70 Minuten schon mal eng werden! Fr mich htten sie zwei Stunden spielen knnen! Ich weis gar nicht wo ich anfangen soll zu berichten. Toller Sound, eine gut eingespielte, motivierte Band, die mit metallischem Outfit und vielen Positionswechseln eine echte Einheit bildete, sowie ein souverner, die Massen dirigierender Frontmann sorgten fr mein persnliches Festivalhighlight! Die Show, welche auch Ehefrau Dirkschneider und Klein Udo ansahen, begann mit dem Titelsong von "Thunderball" und "The Bullet And The Bomb" vom selbigen ALbum, ehe mich "Metal Heart" und "Living For Tonite" in den siebten Himmel hoben, was aber auch U.D.O.-Hits wie "Independence Day" oder "Man And Machine" schafften. Das zahlenmig stark angeschwollene Publikum sang neben mir alles mit und die Stimmung war der Hammer. Nach einigen Hits kamen dann die drei Zugaben "Princess Of The Dawn" "I'm A Rebel" und "Fast As A Shark", die den genialen Set wrdig beendeten.
Reibeisenrhre Udo D. ist immer noch da und zeigt jungen Kerlchen wer der Platzhirsch ist!

HELLOWEEN
Ich war nie der groe Helloween-Fan, aber als Quasiheadliner, wollte ich mir die Norddeutschen doch antun. Die Band profitierte von der Dunkelheit, so dass sie eine nette Lightshow mit beleuchtetem Backdrop auffahren konnte. Sympathisch und locker waren die Ansagen von Frontmann Andy Deris, der auch mal lssig mit Neuzugang Sascha Gerster (Gitarre) scherzte, welcher sich anscheinend gut eingelebt hat. Von der Songauswahl prsentierte man ein Greatest Hits-Programm, wo bei der erst gespielten Uraltnummern "Starlight" und "Keeper Of The Seven Keys" natrlich wohlwollend aufgenommen wurden. Das Problem an der Sache war, dass Andy Deris wirklich Probleme hatte, die Sachen anstndig zu singen. Er qulte sich richtig durch die fremden Songs und wirkte bei "eigenen" Hits wie "If I Could Fly" oder "Power" um einiges souverner, aber vielleicht war auch seine Stimme nur allgemein angeschlagen?
Nach ca. einer halben Stunde forderte der Tag Tribut und ich verpasste den Rest von Helloween und In Flames, welche ich schon in Klle im Frhjahr sah. Sollen aber geil gewesen sein, die Schweden.

In der Nacht machten wir uns ohne Staus, ohne die verdammte Hitze wieder in Richtung Heimat.

Das Earthshaker hatte eine tolle Atmosphre, gute Bands und einen fairen Eintritt, weshalb wir im nchsten Jahr wieder kommen werden! Ich hoffe aber, dass es bei den Stilen etwas mehr Abwechslung geben wird und nicht zu viele Thrash-Bands spielen wie 2004! Das Earthshaker und andere Open Airs haben bewiesen, dass kleine Festivals 2004 die Nase vorne hatten.

Fotos: Thorsten

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