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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BANG YOUR HEAD!!! 2004
Ort Balingen, Messegelnde
Datum 25.06.-26.06.2004
Autor John Schmitz & Roland Wohde
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Das letzte Wochenende im Juni ist meistens das beste im ganzen Jahr, denn die "Heavy oder was?"- Macher laden nach Balingen, um die Kpfe knallen zu lassen. Auch dieses Jahr stand erneut unter einem guten Stern, denn die Organisatoren, das Wetter, die Bands und die Fans bildeten mal wieder eine verschworene Gemeinschaft.

Freitag, 25. Juni

Pnktlich um 10 Uhr morgens enterten CAGE die Bhne, um die Kater geplagten Metalheads aufzuwecken. Der Weckruf gelang nur mig, denn die Amis erwischten nicht ihren besten Tag. Die Performance kam mir arg statisch vor. Auerdem hatte Frontsirene Sean Peck Stimmprobleme, was an einer Erkltung gelegen haben mag. Den Schwerpunkt der Setlist legte man auf das aktuelle (und beste CAGE-Album) "Darker than black". Trotz dessen verzichteten die Jungs auf meinen Lieblingssong "Eyes of Obsidian". Einfach unerklrlich! Wenigstens bekamen wir noch "Secrets of Fatima" zu hren. Dennoch - mich enttuschte die Band! (JS)

Um zehn vor elf wurde in Balingen die Zeitmaschine angeschmissen und befrderte die Anwesenden zurck in die Achtziger. Die aus der Bay Area stammenden RUFFIANS betraten meines Wissens nach das erste Mal berhaupt eine Bhne in Europa. Und dies 19 Jahre nach ihrer einzigen, in Eigenregie verffentlichten EP! Warum sie denn nicht gerade wenigen Bangern, die sich vor der Bhne einfanden, trotzdem ein Begriff waren, zeigten sie in den folgenden vierzig Minuten. Die Schurken spielten ihren urtmlichen melodischen Power Metal mit solch einer Freude, dass es einfach nur ansteckend wirkte. Allen voran konnte ihr Fronter Rich Wilde, der das schwere Erbe des ehemaligen Sngers Carl Albert (R.I.P.!) bernommen hat, berzeugen. In gottverbotenem, kitschig peinlichem Achtziger-Outfit poste und sang er wie ein junger Gott und strahlte noch mehr als die begeisterten Fans vor der Bhne! Der klasse Sound und der strahlend blaue Himmel waren nur noch das I-Tpfelchen dieses genialen Gigs! (RW)

Mastermind Lenny Wolf hatte es schwer erwischt. Sichtlich angeschlagen und mit einer fetten Grippe im Gepck kam er mit seiner Truppe KINGDOM COME auf die Bhne. Dass seine Stimme aufgrund der Erkltung mehrmals fast vllig den Dienst versagte, war ihm selbst wohl am peinlichsten. Mit der Aussage "Sorry, ich wei dass ich klinge wie ein Mlleimer, aber ich stand vor der Wahl den Auftritt abzusagen und mich ins Bett zu legen oder euch Hallo sagen zu knnen. Ich dachte mir, ich sag mal Hallo!" entschuldigte er sich bei den Fans und sammelte damit eine Menge Sympathiepunkte. Und es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, denn selbst mit den genannten Einschrnkungen haben die Songs von Kingdom Come eine Magie, die schwer in Worte zu fassen ist. Man schliet einfach die Augen, lsst sich von der Sonne wrmen und sinkt ein in eine Welt aus leicht melancholischem Midtempo Bombast-Rock und verliert sich in den genialen Melodien. Wer bei einem Hammersong wie "Should I" nicht eine fette Gnsehaut bekommen hat, ist eh schon klinisch tot. Nicht auszudenken, wie es mit einem Lenny Wolf in Bestform geworden wre! (RW)

BLAZE konnten wir leider nicht sehen, da uns entweder Hunger, Schlafmangel oder sonstige Triebe zum Zeltplatz trieben! (WEICHEIER UND FEIERABENDMETALLER ! -Anm.v.Thor)

Nachdem ich schon BLAZE verpasst hatte, kam ich obendrein noch zum PRIMAL FEAR-Gig zu spt und verpasste die ersten drei Nummern. Gehetzt angekommen, musste ich feststellen, dass der Sound etwas fragwrdig war. Das schien den Fans allerdings wenig auszumachen, denn eine stattliche Anzahl Matten flogen. Die Sddeutschen um Ralf Scheepers spielten souvern auf und lieferten einen energiegeladenen Gig ab. Besonders "Running in the dust" groovte wie doof. Fr mich war es unverstndlich, dass PRIMAL FEAR, als auch die anschlieend spielenden ANTHRAX vor CHILDREN OF BODOM auf die Bretter mussten. (JS)

Wie bereits erwhnt enterten nun ANTHRAX die Bhne und rockten wie Sau! John Bush schrie sich die Lunge aus dem Hals und war 100%ig bei der Sache. Scott Ian fhrte seinen Sprungtanz auf und sogar der fr Frank Bello eingesprungene und sonst ruhige Zeitgenosse Joey Vera war sehr agil. Das steckte die Meute an und so wurde die ANTHRAX-Show schwer abgefeiert. Dabei variierten die Amis ihre Setlist gekonnt und mixten Klassiker (z.B. "Antisocial" und "Madhouse") mit neueren Nummern der Marke "Safe home". Besonders fett kam der Opener des aktuellen Albums ("We've come for you all") "What doesn't die" - ist aber auch ein Hammerstck! ANTHRAX haben mal wieder bewiesen, dass sie live eine Bank sind. Daumen hoch! (JS)

BYH 2005

CHILDREN OF BODOM - siehe BLAZE!

Die Schweizer Hardrocker GOTTHARD luteten pnktlich zur besten Feierabendzeit nach der vorangegangenen Metal-Vollbedienung des Nachmittags den etwas sachteren Schlussteil des heutigen Billings ein. Und auch wenn sie auf ihren letzten Outputs im Vergleich zu den Anfangstagen ordentlich Weichspler benutzt haben, bewiesen Gotthard hier doch eindeutig, dass sie live einfach eine Bank sind. Ohne groen Firlefanz traten Gotthard auf sympathisch-lockere Art einfach Arsch. Und so passte an diesem Tag einmal mehr einfach alles perfekt zusammen. Geiles Wetter, gehobene Bierlaune, ein paar kernig eingngige Rocksongs (z.B. "Firedance", "Hush", "Make my day" etc.), die von einer gut gelaunten Band super umgesetzt und mit einem Hammersound versehen ins Blaue drhnten! Braucht man nicht mehr zu sagen. Geiler Auftritt! (RW)

Oh mein Gott! Was knnen wir von QUEENSRYCHE erwarten? Diese Frage stellte ich mir im Vorfeld des Gigs mehr als einmal. Die letzten Releases der Seattle-Fraktion waren alles andere als Perlen. Besonders die Live-Scheibe "The art of live" empfand ich richtig enttuschend. Um 19.30 Uhr war es dann soweit: QUEENSRYCHE betraten zum "Operation: Mindcrime"- Intro die Bhne und zockten - wie man es zuvor schon hatte munkeln hren - die komplette "Mindcrime" (abgesehen von den Instrumentalen, welche die Stcke verbinden). Das war schon der Hammer. Ja, es htte ein Fest werden knnen, zumal mit Pamela Moore "Sister Mary" mit dabei war. Warum es kein Fest wurde? Die Band machte einen total lustlosen Eindruck. Man merkte den Herren deutlich an, dass sie gebeten worden waren altes Material zu spielen und auf neues zu verzichten. Nicht, dass die Musiker schlecht gespielt htten, aber der Funke sprang einfach nicht ber. Besonders Geoff Tate, der zudem bei den hohen Tnen Probleme hatte, als auch Michael Wilton erledigten ihre "Arbeit", weil sie erledigt werden musste. Der zweite Gitarrist (der mir namentlich nicht bekannt ist) sah so dermaen scheie aus (spacige Silberklamotten und Haare zu Antennen gegelt), dass einem schlecht werden konnte. Fazit: Wenn man wie ich dem Set nur mit den Ohren folgte und die Augen von der Bhne abwendete (es gab ja wieder eine Menge hbscher Mdels zu sehen), konnte man den Gig genieen. Als dann abschlieend noch "Take hold of the flame" gespielt wurde, kam akustisch dick Freude auf. Visuell war die Show allerdings, na ja, nicht so pralle. (JS)

Den Abschluss des heutigen Tages bildete kein Geringerer als ALICE COOPER. Der legendre Schockrocker ist zwar mittlerweile sichtlich in die Jahre gekommen, konnte aber trotzdem mit einer soliden Show durchaus berzeugen. Neben der zu erwartenden Zwangsjackennummer, der obligatorischen Schlangenvorfhrung und ein bisschen Kunstblut hatte ich jedoch eine etwas heftigere und voluminsere Show erwartet. Auch was die Setlist anging beschritt der Meister einen fr ein Festival etwas ungewhnlichen Weg. So wurde vorwiegend lteres Material geboten, das viele der Anwesenden nicht gut und teils gar nicht kannten (den Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen). Einzig "School's out" und "Poison" wurde aus der nicht grade kleinen Truhe der allseits bekannten Klassiker gekramt. So fehlten mir z.B. Songs wie "House of fire", "Hey stoopid" oder "Prince of darkness". Dies nahm der Show zwar nichts an Klasse, jedoch war so der Partyfaktor um einiges geringer als man erwartet htte. Nichts desto trotz aber ein wrdiger Headliner, den man mal gesehen haben sollte! (RW)

Samstag, 26. Juni

Leider forderte der Freitag seinen Tribut, so dass MAJESTY, BALLISTIC, OMEN und LILLIAN AXE ohne unsere Anwesenheit Balingen rockten. Sorry for that...

Gott sei Dank war ich um 14.40 Uhr wieder fit, um dem fantastischen Gig von DEATH ANGEL beizuwohnen. Die Todesengel stiegen fett mit "Thrown to the wolves" vom neuen Album "The art of dying" ein und stellten von Beginn an klar, dass sie live ungemein tight und spielfreudig sind. Die Meute vor der Bhne lie sich schnell anstecken und feierte die Jungs auf der Bhne nach allen Regeln der Kunst. Die Betonung lag auf der neuen Scheibe, aber zu meiner Freude zockten DEATH ANGEL "Bored" vom genialen "Frolic through the park" Album, nur um "Seemingly endless time" ("Act III") nachzuschieben. Natrlich durfte auch der Klassiker vom Debt "Kill as one" nicht fehlen. Das Publikum danke es den Jungs mit frenetischem Applaus. Leider durften Marc Osegueda & Co. keine Zugabe spielen ("Road mutants" oder "3rd floor" htten es schon noch sein drfen). Hammer-Gig! (JS)

Nun durften wir Zeugen einer der groen berraschung vom BYH 2004 werden. Nachdem MAGNUM schon frs BYH 2002 gebucht waren und den Gig aufgrund eines Herzleidens von Gitarrist Tony Clarkin canceln mussten, lieferten die Briten eine berirdisch-fantastische Show ab. Die Band strahlte eine ehrwrdige und erfahrene Magie aus, die zu den Klngen ihrer Songs passte wie die Faust aufs Auge. Bei "How far Jerusalem" standen meine gesamten Krperhaare kerzengrade in die Luft. So etwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt. MAGNUM spielten neben ihren Klassikern auch zwei Songs ("Brand new morning" und "We all run") vom kommenden Album, welche mich beide berzeugen konnten. Die Melodien der Nummern habe ich noch jetzt im Ohr. Bob Catley ist einfach ein klasse Frontmann - er war agil und konnte die Leute auf seine Seite ziehen. Ich freue mich schon auf die regulre Tour nach Erscheinen der neuen Platte! (JS)

Es gibt ja immer notorische Nrgler, die einen anderen Gitarristen als Michael Schenker nicht bei U.F.O akzeptieren. Das dies absoluter Bullshit ist, hat Vinnie Moore in den letzten Wochen bewiesen. Auch in Balingen spielte der Ami auf hchstem Niveau und vor allem mit Feeling, sodass er einen riesengroen Anteil an der Klasse U.F.O's hat. Die alten Recken Phil Mogg, Pete Way und Paul Raymond zockten Klassiker nach Klassiker und heizten das eh schon heie Gelnde noch weiter an. Jason Bonham trommelte tight wie immer und so hie es einfach nur: abfeiern zu "Too hot to handle", "Rock bottom", "Only you can rock me", "Love to love", usw. Mein Kollege Olaf hielt - voll wie er war - die ganze Zeit zwei Glser Whiskey in der Hand, die er mit mir bei "Doctor doctor" trinken wollte. Natrlich spielten U.F.O des Song zum Schluss. Na ja, geschmeckt hat der Stoff trotzdem noch. Danke, Olaf! (JS)

Zum Leidwesen manch eines White Lion-Fans und zu meiner Freude wurde vom Veranstalter des BYH SEBASTIAN BACH kurzfristig als Ersatz verpflichtet. Und da der Gute nun mal ein absolut genialer Fronter ist und zudem mit einer tight spielenden Band im Gepck einen Skid Row-Klassiker nach dem anderen zum Besten gab ("18 and life", "I remember you", "Monkey business", "Riot act" etc.), hatte er das Publikum auch sofort auf seiner Seite. Uns Sebastian poste, bangte, lief und feuerte an was das Zeug hielt und hatte dabei sichtlich Spa. Nebenbei gnnte man sich sogar den Gag, den "Timewarp" der Rocky Horror Picture Show einzustreuen, und die Fans machten den Spa locker mit. Jedoch kamen die Verantwortlichen vermutlich noch durch eine andere Sache als die schweitreibende Show ins schwitzen. Denn ein enttuschter Banger in vorderster Front musste scheinbar die ganze Zeit ber lauthals und mit reichlich vielen Gesten kundtun, dass er den Auftritt Scheie fand. Irgendwann wurde es Herrn Bach dann zuviel und mit reichlichen "fucks" untermalt machte er dem Unruhestifter klar, dass er sich doch zum Teufel scheren solle. Und so manch einer hatte wohl schon wieder eine Szene vor dem geistigen Auge, in der der Fronter mit den Fen voran in die Menge springt um seiner Wut Luft zu machen. Soweit kam es hier jedoch nicht. Kurzerhand zog die Security den Kerl aus dem Verkehr und so konnte man sich wieder wichtigeren Dingen widmen. Und als gegen Ende des Sets dann auch noch die Hymne "Youth gone wild" angestimmt wurde, gab es im Publikum im positiven Sinne kein Halten mehr. Einzig der schlechte Sound zu Beginn des Auftritts schmlerte den klasse Gesamteindruck ein wenig. Trotzdem Hammer! (RW)

TESTAMENT: siehe BLAZE

Um halb zehn war es dann soweit. Der zweite Headliner des Festivals spielte zum Tanz auf. Wie sehr viele andere auch stand ich mit gemischten Gefhlen und Erwartungen vor der Bhne. Mit einem riesigen, dem aktuellen Cover entsprechendem Backdrop und einer Batterie an Kanonen zu beiden Seiten war die Stage vorbereitet. Als Intro whlten ICED EARTH die Tne von "The star sprangled banner" um dann wie auf ihrem neusten Werk mit "Declaration day" in den Set zu gehen. Somit konnte Tim Owens, der hammermig bei Stimme war, zunchst mit "seinem" Material durchstarten. Mich persnlich konnte er aber nicht nur bei neuen Songs berzeugen sondern brachte auch lteres Material wie "Burning times" oder "Vengeance is mine" klasse rber. Klar ist seine Stimme in Verbindung mit solchen Stcken ungewohnt, aber schlielich hatten Iced Earth auch schon vor Matthew Barlow andere Snger und ich wage einfach zu behaupten, dass sich die meisten mit der Zeit daran gewhnen werden. Jedoch muss man festhalten, dass man bei Songs wie "Melancholy" oder "Prophecy" (und vor allem bei "I died for you" -Anm.v.John) Tims sympathischen Vorgnger auf jeden Fall vermisste. Denn Herr Owens schaffte es trotz aller stimmlichen Klasse einfach nicht, die emotionale Tiefe und damit die Intensitt eines Matt Barlow zu erreichen. Auch sein Stageacting wirkte auf mich (auch wenn es im Vergleich zu Priest-Tagen schon besser geworden ist) immer noch irgendwie verkrampft. Dies sahen/hrten wohl viele Anwesenden hnlich und zogen sich in Richtung Partyzelt oder Campinggelnde zurck, denn die Zahl der Zuschauer schrumpfte whrend des Gigs doch recht deutlich. Die Rythmusfraktion glnzte wie bei Iced Earth gewohnt whrend des gesamten Auftritts und auch die Riffmaschine Santolla und Mastermind Schaffer spielte wieder ein fettes Brett, wobei beide Herren aber recht statisch wirkten. Nach ca. einer Stunde verabschiedete man sich dann, um mit dem Mammutepos "Gettysburg (1863)" die Show zu beschlieen. Die beiden sich bekriegenden Seiten (Konfrderierte und Yankees) wurden hierbei optisch durch die jeweiligen Fahnen auf den Bhnenseiten hervorgehoben. Zustzlich trat das Gitarrendoppel stilecht in Blau- bzw. Graurock an und auch die Kanonen kamen mit Pyroeffekten bestckt zum Einsatz. Somit nicht nur von musikalischer Seite her ein beeindruckender Abschied. (RW)

Sonntags mussten wir leider wieder zum Aufbruch blasen. Wehmtig packten wir unsere sieben Sachen, denn auch dieses Jahr war das BYH totgeil. Die familire Stimmung des Festivals, die gute Organisation, die "meist" sauberen sanitren Anlagen, sowie die geniale Lokation machten auch anno 2004 das BYH zum Festivalhightlight des Jahres. Zudem wird nchstes Jahr das 10-jhrige Jubilum gefeiert. Dafr sind mit TWISTED SISTER, DIO und MOTRHEAD bereits drei absolute Hammerbands besttigt. Natrlich werden wir wieder alle da sein und den Kopf "knallen" bis der Arzt kommt. Be there!!! (JS)

Fotos: Roland

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