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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing LOUD ENOUGH - MIT RA’S DAWN, PARRYZIDE, SYRE, HATEDRIVE, WOLFEN
Ort Rodder
Datum 13.08.2004
Autor Rafael Hofmann
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Wir schreiben den 13.August im Jahre 2004, es ist eine milde Sommernacht. Über den Wipfeln der idyllischen Einöde liegen leichte Nebelschwaden, die vom fahlen Mondlicht durchsetzt den Wald in eine unscheinbare Traumwelt versetzen. Ein Reh huscht unbehelligt durch den Wald, Hase und Igel sagen sich gute Nacht und auch das alte Mütterchen bläst ihre Kerze aus, um sich vom anstrengenden Tag zu erholen. Doch was ist das? Am Horizont erscheinen plötzlich Lichter, viele Lichter. Es sind die langhaarigen Fieslinge in ihren Kraftfahrzeugen, die donnernd durch den Wald krachen und nur ein Ziel verfolgen: Den Weg nach Rodder! Dort, am Arsch der Welt, sollte nämlich an diesem doch so schönen Tage das diesjährige "Loug-enough-Festival" stattfinden.
Den Anfang machten unsere ehrenwerten Progmetaller von RA’s dawn den Anfang…….(ich selbst war zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht zu gegen).
Die Entertainmentablösung rissen nach dem gelungenen Opener Parryzide an sich und wühlten mit krachendem Getöse das Zelt erst einmal richtig durch. Die Thrasher aus Andernach, die genau so zum Urgestein der Rheinischen Metallerfront gehören, wie Stonehenge zum Weltkulturerbe, ließen keinen Nacken unbewegt und warteten mit Songs wie Top dogs und Cowardly agreement auf. Eine wirklich gelungene und saubere Überleitung vom technisch-progressiven zum später folgenden Double-Base-Martyrium. Das besagte Gewitter läuteten im Anschluss Syre aus Bonn ein. Los ging es mit Loath Gland, Virus und R.I.P. Letztere Songs sind auch auf dem Silberling Vertile ground zu belauschen und standen in der Live-Aufführung der Studioversion in nichts nach. Die Stimmung im Publikum war super, die erste Reihe zollte den vier Bonnern mit ihrem Gastbassisten durch permanentes Bangen deutlichen Tribut. Nach einem wirklich gelungenem Programm und forderndem Applaus ließen sich die Jungs es nicht nehemen den alten Sepultura-Klassiker Propaganda noch über die brachial gemischte PA zu jagen. In bester Manier kam auch dieser Evergreen der Metal-Hymnen gut beim Publikum an und rundete das Programm sehr geschmackvoll ab.
Im anschließenden Programm hörten sie die Synphonie der Vernichtung in c-Moll vorgetragen von der lokalen Musikkapelle Hatedrive aus Sinzig/Remagen. Meine Herren, noch selten machten zwei Rough-Mix-MP3’s auf einer Homepage so hungrig auf mehr wie die beiden Songs „For those about to rot… und Population:0 auf Hatedrive.de! Um so geiler war’s dass scheinbar jeder Konzertbesucher diese beiden Songs bis zur Vergasung gehört hatte und im Heimstudium den Text zumindest teilweise mitsingen konnte. Neben den beiden erwähnten Songs wurden Nummern wie Hooked, White walls und Not my business aufgespielt, die vom Publikum mit einem kleinen aber feinen (ooooh ja) Moshpit gedankt wurden. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist sich mit geringen Schubsen Aufmerksamkeit zu verschaffen…am nächsten Tag durfte ich erst mal nach meiner Beinah-Prügelei mit einem etwas überengagierten Vollidioten (oder sollte ich sagen vollen Idioten) meine Brille richten lassen. Aber solche Pannen hake ich dann unter dem Gesichtspunkt "Victims of war" – um in den Worten von Unleashed zu sprechen – ab. Rodder brachte auch eine ganz neue Nummer mit sich, die sich in meine Ohren doch ganz schön moshbar anhörte: Slaughter Geiler Stoff, der die Meute nicht nur alleine durch den "Wall of death"-Dirigenten Dave, noch mal zu Höchstleistungen anstachelte.
Noch zwei generelle Kommentare in eigener Sache zu dem Gig von Hatedrive: Zum einen fand ich die Zugabe Amen nicht als solche geeignet. Verglichen mit Syre verfehlte dieser Song seine Wirkung durch sein Arrangement etwas. Zum anderen will ich an dieser Stelle zum wiederholten Male, jedoch erstmalig in Schriftform, den Musikern mein Lob aussprechen. Es ist mir immer wieder unbegreiflich, wie ein Mensch auf diesem Planeten ein solches Tempo beim Drumming hinlegen kann, dass selbst die gute alte Iron Cobra auf Rotglut getreten wird. RESPECT baby! Des Weiteren gilt der Dank den Gitarreros Bernd, Sven und Steff, die ihren Job wirklich vortrefflich auf der Bühne mit vollster Konzentration erledigt haben. Nicht zuletzt senke ich Ehrfurchtsvoll mein Haupt vor dem zynischsten Frontmann den die Welt je gesehen hat. Ich Habe noch wenige Sänger im Metal-genre gesehen, die so moderat und gewitzt durch’s Gemetzel führen, wie du mein lieber Dave. Nachdem alle beteiligten ihre Gliedmaßen wieder sortiert hatten, spielten Wolfen zur letzten Attacke des Abends auf. Leider gab das Publikum zu Beginn der Kölner zahlenmäßig etwas nach, was die Band zu deutliche aufgeworfenen Fragen verleitete. Nicht desto trotz spielten die Headliner ein dickes Set runter, was mit gutem Sound gesegnet war. Etwas schade (für meinen Geschmack) waren die Stimmlagensprünge des Sängers. Die doch teils sehr heroisch anmutende Stimme war gar nicht nach meinem Geschmack, gab es doch auch Teile in tieferen Tonlagen, die in meinen Ohren deutlich besser mit dem musikalischen Fundament der Band harmonierten.
Zum Verlauf des Festivals muss ich auch in diesem Jahr mein Lob aussprechen. Die Organisation und Durchführung war erneut wunderbar und hoffentlich zur vollen Zufriedenheit der Rodderer Kirmesgesellschaft. Zwar frage ich mich auch in diesem Jahr erneut, wie man ein solches Event zum Anlass einer Dorfkirmes aufziehen kann, aber ich werde mich hüten dies zu bemängeln, denn auch wenn Rodder eine Ausnahme von den üblichen Cover- und Schunkelbands bildet, finde ich ein solches Programm wesentlich besser als das, was im Rest des Landkreises Usus ist.

Mehr zum Festival, Band und Bildern unter www.loud-enough.de

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