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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DESTRUCTION, KREATOR, SODOM, DISBELIEF
Ort Andernach, JuZ
Datum 16.01.2002
Autor Thorsten Dietrich
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Eine denkwürdige Angelegenheit: die deutschen INSTITUTIONEN des Thrash Metal gehen gemeinsam auf Tour. JAAAAAAAAAAAAAAAAA! Jugendtäume werden wahr!!! Bands, die alle beeinflusst haben. Im Andernacher JuZ, was vor einem Jahr neu eröffnet wurde, war ich dann voller Vorfreude. Toller Laden!! Bis auf die kleine Theke... Für 17,- € ein geiles Package, nix zu meckern, oder???

Der Opener war zum Schreien!! Statt Holy Moses kamen Wykked Wytch (oder so), eine drittklassige italienische Cradle-Kopie! Die Sängerin (üble Klamotten, Haarverlängerung...angeklebt) kreischgrunzte Pseudo-Holy-Moses-like einerseits und versuchte andererseits opernhaftes Gesinge (??), was beides total in die Hose ging. Der Sound war matschig, die Lieder unausgereift. Beim derzeitigen Veröffentlichungs-Overkill bekommt wohl jede Demoband `nen Plattenvertrag! Zwei Leute (vielleicht) von über 600 Zuschauern fanden das Genöle dann toll, zwischen den Liedern herrschte eisige Stille. Die Sängerin versuchte mit Phrasen wie "Come on motherfuckers" Stimmung zu machen... Nie wieder sehe ich mir die an!!! Schlauer Schachzug der Headliner, nach so einer Schrottband ist Mille beim Zeitunglesen auf der Bühne der Brüller, oder Tom beim Trinken.
Bei jedem Konzert der Tour ändert sich die Reihenfolge: zuerst kamen Sodom. Jede Band hatte ihr eigenes Backdrop und eine Spielzeit von ca. 1 Stunde. Im geschmackvollen Fuck Osama T-Shirt kam Tom mit seiner Band und spielte fast eine Stunde eine Auswahl der größten Hits. Von "Blashpemer" und "Outbreak Of Evil" über "Remember The Fallen" zu der neuen Platte "M16" spielten Sodom wie immer schön rotzig mit Seitenhieben auf Popbands, Krieg und dummes Geschwätz zwischendurch. Der Sound war nicht toll, aber das kennt man ja. Klampfer Bernemann und Tom sind alte Hasen, die durch Positionswechsel die etwas leere Bühne füllten (Bands mit 3 Leuten haben es halt schwerer). Gelegentliche Pyros lockerten alles auf. Meiner Meinung hätten sie sich aber "Die stumme Ursel" (wisu dat denn? - Anm. v. Brewmaster) schenken können und was von "Agent Orange" oder "Better Off Dead" spielen sollen. Geschmacksache! Das Publikum tobte und für mich hatten Sodom die beste Stimmung, da man toll mitgröhlen konnte ("Wachturm" usw). Sie sind für mich eh die Motörhead des Thrash und am Ende kam inklusive hohem Mikroständer "Ace Of Spades". Das Publikum wollte immer noch Zugaben. Fazit: GEIL!



Nach kurzer Umbaupause kamen Kreator, die in letzter Zeit etwas angeschlagen waren, seit ihrer "Endorama" LP (von der kam kein Lied). Viele sagten Schrott-LP, ich sage nett, aber kein Kreator. So war die neue LP eine Rückbesinnung auf alte Tage (und das beste, was Mille & Co. seit "Coma Of Souls" fabriziert haben! Punkt! - Anm. v. Brewmaster), jedoch modern genug, um nicht als altbacken zu gelten. Mit dem Milchgesicht Sami (ex Waltari) ist Tommy Vetterli (Ex-Axeman) nicht zu vergleichen. Spielen kann er, wirkt aber sehr verloren, als würde er zu einer anderen Band gehören, steht verlegen auf der Bühne als hätte er Angst. Er wirkte wie ein Mietmusiker, nicht wie ein Bandmitglied. Ventor machte seine Drumarbeit gut (galt früher als net so doll, war 2x aus der Band). Das Greatest-Hits Programm war, denke ich, gelungen. Besonders mochte ich "Extreme Agressions", "People Of The Lie" und "Flag of Hate". Vergessen ist der "Gothic Touch", THRASH RULES!! Überall Haare, Diver, Moshpits!!! Und "Pleasure To Kill" haben Kreator schon lange nicht mit solcher Intensität gespielt. Vor zwei Jahren fiel mir auf, dass die alten Songs langsamer gespielt wurden. Nicht hier, Kreator haben das Lied "Reconquering The Throne" war gemacht!!


Als Destruction auf die Bühne stiegen, war das Publikum schon etwas erschöpft. Doch Schmier, Mike und der neue Drummer gaben von Anfang an Gas und spielten (wie erwähnt) Ihre Greatest Hits. The Butcher is defintively back! Schmier zeigte sich als lässiger Frontmann, der schon mal versuchte, Leute, die nach hinten gingen, zum Bleiben zu animieren ("Wat ihr geht schon? Abkacker!"). Ebenso bekamen sie den lautesten Klampfensound und alte Songs schimmerten live in einem anderen Licht. Auf deutsch: Sie tönten geil und nicht rumpelig! Bei Threepieces gibt es das Problem der Soundlöcher (z.B. Gitarren-Soli), die wurden jedoch gut von Drums und Bass zugeknallt. Wie der gespielte Song: "Thrash Til Death"! Pyros kamen wie bei allen Bands zum Einsatz. Es gibt bestimmt einige Ewignörgler, die sagen, früher war alles besser! Das stimmt manchmal, doch hier ist es unangebracht!!!
Mit so einem Killerpackage ist volles Haus garantiert. Das sollten sich Plattenfirmen, Bands & Co. merken.
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