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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Detlef Kowalewski - Zur Hölle
Titel Zur Hölle
Autor Detlef Kowalewski
Verlag Edition Steffan
Website www.facebook.com/buchzurhoelle/
Seiten 192
Verfasser Peter Hollecker
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Wir bei myrevelations schreiben ja auch ab und zu über Bücher. Voraussetzung ist, dass Inhalt, Geschichte oder Autor einen Bezug zur Musikwelt haben sollten. Bei der Abenteuer-Reportage "Zur Hölle" von Detlef Kowalewski ist das natürlich auch der Fall, und zwar mehr als es zunächst den Anschein hat. Blickt der Leser auf den Untertitel "Kohle, Knast & Rock`n Roll", wird er sich allerdings denken können, dass es irgendwie auch um Musik geht. Die steht allerdings nicht ganz im Vordergrund dieser hanebüchenen und irgendwie unglaublichen Geschichte, die jedoch tatsächlich wahr ist!
Detlef Kowalewski war in den Achtzigern Gitarrist bei der Kölner Band High `n Dry, die tatsächlich mit Iron Maiden auf Tour waren und ihren Proberaum in dieser Zeit Steve Harris, Bruce Dickinson + Co. Zwecks Vorbereitungen in Deutschland zur Verfügung stellten. Ich kenne ehrlich gesagt keinen einzigen Song von ihrem einzigen Album "Hands Off My Toy!", allerdings ist mir das Cover sehr wohl bekannt. Es zeigt ein kleines, etwa 3-jähriges Kind in Heavy Metal Outfit, das neben einer zerschlagenen Gitarre herläuft. Tatsächlich handelt es sich bei dem "Modell" um den erstgeborenen Sohn des Autors und damaligen Musikers. Wahrscheinlich werde ich mir die Platte aus purem Interesse bald mal zulegen, obwohl sie nicht gerade günstig zu haben ist.
Jedenfalls beschreibt Kowalewski in mehreren Kapiteln seine Geschichte, die ihn vom Musiker, Tätowierer über Konzertveranstalter bis hin zum Kokser schnurstracks ins Gefängnis führt. Da der auf dem Buchcover bärbeißig dreinblickende Kerl ein freiheitsliebender Mensch ist, brach er einfach wieder aus, flüchtete über einen erneuten Knastaufenthalt mit Ausbruch in Amsterdam mit einem Segelboot über Spanien bis Brasilien, wo er nach kurzem Aufenthalt erneut in Drogengeschäfte verwickelt wurde und schon wieder eingesperrt wurde. Und diese Zeit im brasilianischen Knast widmet D.K. viel Raum, was mir beim Lesen zeitweise die Sprache verschlug. Da mutet die Gefängnisinsel Alcatraz oder der Film "Pappilon" wie ein Kindergarten an, wenn ich an die beschriebenen, unglaublichen erlittenen Qualen sowie Foltermethoden der korrupten Polizisten bzw. die Zustände im brasilianischen Knast denke. Da kann man sich lebhaft vorstellen, dass es zurück im Gefängnis von Rheinbach nach dem Erfolg des Zielfahnders Dieter Beutel richtig kuschelig war.
Diese Geschichte beschreibt der sympathische Autor zwar mit einfacher Sprache, aber genau deshalb liest sie sich auch wie aus einem Guss. Ich konnte das broschierte Taschenbuch nach Lesebeginn gar nicht mehr aus der Hand legen, so sehr packte mich das Thema. Mittlerweile hat Kowalewski seine Strafe abgesessen und ist nach eigener Aussage wieder im echten Leben angekommen, hat sogar wieder Zukunftspläne. Ob es zu einer Reunion von High `n Dry steht jedoch in den Sternen. Zahlreiche Fotos, Zeitungsausschnitte über den als Ausbrecherkönig bekannt gewordenen K. und düstere Bleistiftzeichnungen der Künstlerin Desiree Genee bieten den Rahmen als Beweise und lockern das Lesevergnügen auf. Was ich besonders erwähnenswert finde ist das Vorwort des Kriminalbeamten Beutel, mit dem der Autor mittlerweile sogar befreundet ist! Ein kurzweiliger, spannender und äußerst lesenswerter Mix aus Abenteuer, deutscher Musikgeschichte und Lebensbeichte. Klasse!
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