Navigation
                
19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

diverse - BEST OF ROCK & METAL - Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten
Titel BEST OF ROCK & METAL - Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten
Autor diverse
Verlag Heel Verlag GmbH
Website www.rockhard.de
Seiten 240
Verfasser Daniel Ableev
>>Als E-Mail versenden
Es gab mal Zeiten, da dachte ich, GUNS N'ROSES sei ein Song von den SEX PISTOLS. Oder war es Janis Joplin? Als ich vor rund fünf Jahren zum Metal kam, hatte ich wirklich nicht sehr viel Ahnung. Sodass an erster Stelle meiner Einkaufsliste damals (neben einigen essenziellen Alben, die ich zu der Zeit bereits herausrecherchieren konnte) die im Folgenden zu rezensierende Rock Hard-Veröffentlichung "BEST OF ROCK & METAL - Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten" gestanden hätte, hätte es sie damals schon gegeben. Nun gibt es den toll aufgemachten Folianten endlich tatsächlich und ich kann den Kauf nicht nur Neueinsteigern, sondern auch fachwissensmäßig gereifteren Fans des Schweren Sch(t)alls empfehlen. 500 nicht gerade kurze, mit herzblutgetränkter Leidenschaft für das Genre verfasste (und mit Cover-Foto versehene) Rezensionen von Fachleuten, auf deren Meinung fast immer Verlass ist, dazu über 20 (selbstverständlich gut recherchierte) Zusatzartikel zu den wichtigsten Stilrichtungen und Vertretern des Hard Rocks wie zum Beispiel "Die Roots des Heavy Metal", "Deep Purple", "Judas Priest", "Metallica", "Progressive Rock & Metal" u. a. machen das Buch zu einer gelungenen, da spannenden und (Speichel-/Geldfluss) anregenden Lektüre, die ihr Geld wert ist. Dabei finden natürlich nicht nur absolute Pflicht-Acts wie BLACK SABBATH, IRON MAIDEN, METALLICA, SLAYER und Co. einen Ehrenplatz, sondern auch solche kleineren, aber feineren Bands wie ATHEIST, CYNIC, INTO ETERNITY, REALM, THOUGHT INDUSTRY, TOXIK, VAUXDVIHL oder die absolut unvergesslichen WATCHTOWER, was Kennern ein zufriedenes Kopfnicken (wahlweise mit Grinsen) bescheren dürfte. Dass bei der Auswahl der Referenzwerke der einzelnen Künstler überraschend oft auf Veröffentlichungen jüngeren bzw. jüngsten Datums zurückgegriffen wurde erscheint etwa im Falle von SYSTEM OF A DOWN oder THRESHOLD etwas merkwürdig; andererseits ist man als zutiefst unignoranter Hörer überfroh, dass die ach so gekünstelten/gehypten und musikalisch/künstlerisch total unfähigen SYSTEM OF A DOWN oder auch SLIPKNOT (hier mit ihrem erfrischenden "Vol. 3" vertreten) es tatsächlich auch in die Top 500 geschafft haben. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der gnadenlos originelle Geniestreich "Toxicity" seinerzeit als "fünfundvierzigminütiger Blender" (!) (O-Ton Wolf-Rüdiger Mühlmann, der dem Album unprofessionellerweise (!!) 5 von 10 Punkten vergibt (!!!), s. ROCK HARD-Ausgabe 172) bezeichnet und SLIPKNOT aufgrund ihrer aufrichtigen Liebe zum Grotesken als amerikanischer Konsum-Schwachsinn abgetan wurden. Und nun sind wir auch schon bei der passenden Laune angelangt, um vom Loben wegzukommen, hin zur dunkleren Seite der (journalistischen) Macht: Es lässt sich keine Entschuldigung dafür finden, dass die Jungs von Rock HARD es tatsächlich geschafft haben, solche Innovations- und Kompositionsgiganten wie MESHUGGAH, OPETH, PAIN OF SALVATION, SHADOW GALLERY (und sicher noch ein paar mehr) auf Kosten diverser "Langweiler"-Bands/Alben (gemeint sind AC/DC, BÖHSE ONKELZ, CHILDREN OF BODOM, COMMUNIC, DOWN, IN EXTREMO u. a., die allesamt mit mindestens einem Album zu viel in dieser Diskographie vertreten sind) außen vorzulassen. Nein, da kann man auch nicht mit "Natürlich wird diese Liste niemanden endgültig zufrieden stellen können, denn sie kann und will nicht objektiv sein"-Scheiß kommen. Dass Bands wie MARTYR, SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM, SPIRAL ARCHITECT, TOURNIQUET oder etwa BEHOLD... THE ARCTOPUS (die denkbar avantgardistischste Spielart von Metal) keine Erwähnung finden würden ist keine Überraschung und wohl verzeihlich, obgleich erstere beispielsweise aufgrund ihrer sowohl quantitativ als auch qualitätiv absolut überragenden Riffs und Licks problemlos als die technischere (und kanadischere) Alternative zu DEATH durchgehen könnten. Aber Daniel Gildenlöw und Michael Åckerfeldt zu ignorieren ist eigentlich schon Wahnwitz.

Wie dem auch sei: Im Großen und Ganzen ist dieses Buch eine gute Investition und ROCK HARD nach wie vor die beste deutschsprachige Institution in Sachen "Rock hart!". Und OPETH zu seinen Favoriten zählen kann man auch ohne dieses Buch.
<< vorheriges Review
STIFF CHAINEY - Die größte Rock n'Roll Band aller Zeiten
nächstes Review >>
ULI ESSER UND ANDERE - METAL AGE - Volume 17 (Jan. -März 2006)




Zufällige Reviews