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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Ian Christe - HÖLLEN-LÄRM<br>Die komplette, schonungslose und einzigartige Geschichte des Heavy Metal
Titel HÖLLEN-LÄRM
Die komplette, schonungslose und einzigartige Geschichte des Heavy Metal
Autor Ian Christe
Verlag Hannibal Verlag
Website www.hannibal-verlag.de
Seiten 408
Verfasser Andre Kreuz
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"Höllen-Lärm" begeistert schon bevor man mit dem eigentlichen Lesen begonnen hat durch sein düster-groteskes Artwork, dass einen echten Blickfang im heimischen Bücherregal garantiert.
Eröffnet wird das über 400 Seiten starke Werk von einer vier Seiten im Querformat umfassenden Heavy-Metal-Geschichte, die in Form eines Zeit-Diagramms die wichtigsten Eckpfeiler in der Entwicklung dieses einzigartigen Musik-Stils illustriert. Die folgenden 20 Kapitel hangeln sich dann grob an den dort skizzierten Ereignissen entlang, beginnend selbstverständlich mit einer ausführlichen Betrachtung einer gewissen Band namens BLACK SABBATH. Über JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN und die NWOBHM hangelt sich der Autor aus dem Land der Tee-Trinker Richtung USA weiter, wo sich ausgiebig mit dem unaufhaltsamen Aufstieg der Thrash-Ikonen METALLICA, SLAYER etc. beschäftigt wird. Im Zuge des bahnbrechenden Erfolgs des Metals in den 80ern wird auch auf die teils skurrilen, teils unfassbar dämlichen Versuche eingegangen, die eigene Jugend im Land mittels Zensur und an den Haaren herbeigezogenen Gerichtsverfahren in den Griff zu bekommen. Ohne Erfolg, sieht man von den lächerlichen Aufklebern auf Platten-Hüllen ab, die das PMRC durchgesetzt hatte. Die Verschmelzung bis dato sich eher skeptisch beäugendender Fraktionen aus dem Metal, dem Hardcore und dem Rap wird ebenfalls ausführlich, für meinen Geschmack schon fast zu ausführlich beleuchtet.
Langsam aber sicher tastet sich Ian Christe danach an die 90er heran, wo der Aufstieg des Death Metals aus dem Underground eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Allerdings gehört dieses Kapitel zu den schwächeren in "Höllen-Lärm", da es ein wenig die Tiefe und Ausführlichkeit anderer vermissen lässt und statt dessen bisher unbehandelte, eher nebensächliche Themen mit einbringt, wie um Seiten zu schinden. Als logische Konsequenz und weiter Steigerung ins Extreme darf in dem Buch natürlich auch der von brennenden norwegischen Kirchen begleitete Aufstieg des Black Metals nicht fehlen, der gut recherchiert auf den Punkt gebracht wird.
Die zunehmende Globalisierung des Heavy Metals, die triumphale Wiederkehr des klassischen Metals mit seinen Helden vor wenigen Jahren und ein unvoreingenommener Blick auf den sog. "Nu Metal" runden "Höllen-Lärm" ab, bevor es zum Schluss noch einige interessante Tabellen mit lustigen und interessanten Information zu verköstigen gibt.
Aufgelockert wird der bisweilen recht schwülstige, größtenteils aber angemessen objektive Stil des Autors durch viele Interview-Schnipsel im Text, eine Menge teils unveröffentlichter Schwarz-Weiß-Bilder und einen prächtigen Farbfoto-Teil in der Mitte.
"Höllen-Lärm" ist ein Metal-Buch vor dem Herrn, das sowohl dem eingesessenen Szene-Kenner, als auch dem neugierigen Einsteiger eine riesige Fülle an Wissen vermittelt. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich mit dem etwas überschwänglichen Stil von Ian Christe anfreunden kann.
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