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Ehrlich währt am Längsten. Das alte Sprichwort wird mit der neuen Doppel-DVD der Urgesteine des schwedischen Todesbleis mal wieder brutalst unter Beweis gestellt. Das Debüt-Album "Like An Ever Flowing Stream" ist ein wahrer Kracher, totaler Kult, eine Legende, ein Wegweiser für eine ganze Generation, Fundament einer eigenen, räudigen Musikrichtung. Als in den Neunzigern die Tage des Death Metals gezählt zu sein schienen und unzählige Bands die Flinte ins Korn warfen oder sich musikalisch umorientierten (mit eher bescheidenem, manchmal aber auch mit beschämend kommerziellen Erfolg gekrönt), da gab es von DISMEMBER weiterhin schwedischen Death Metal. Es folgte ein Death Metal-Boom, durchsiebt mit anderen Einflüssen, hochglanzpoliert, mit Orchester, teilweise sogar Frauengesang, ohne Haare, mit Haare, langsam, corelig, schnell, in einfach jeglicher Variation erhältlich; was machen DISMEMBER? Genau. Wie immer halt. Rau, unpoliert, selber Sound, selber Weg, mit dem Kopf durch die Wand und Spaß dabei! Authentische Death Metal-Maniacs, auf der Bühne, hinter der Bühne, Die Hard-Fans bis aufs Blut, selbst im Schlaf noch mit der Rübe wackelnd. Genau das ist es auch, was ihre erste DVD "Live Blasphemies" ausgemacht hat: nicht wilde Kamerafahrten, fünfzig Möglichkeiten, den Sound einzustellen, Bühneneffekte oder opulente, langatmige Intros oder großspurige Ansagen waren es, die das unbeschreibliche Live-Gefühl ins heimische Wohnzimmer gebracht haben und den Bereich zwischen Sofa und Fernseher zum Moshpit verwandelte, sondern es waren die Jungs selbst. So auch hier: 2008 auf dem Party San lieferte die Band ein ganz besonderes Konzert ab, das wir nun auf Silberling konserviert bewundern dürfen. Mit einer unglaublichen Live-Präsenz, die - ich bin mir nicht so ganz sicher, wie rum jetzt - die Band zu uns ins Wohnzimmer oder uns direkt vor die Bühne holt, knüppeln DISMEMBER nebst wenigen alten Klassikern verhältnismäßig neues Liedgut. Der Sound ist eine typische Elchtod-Wand. Was erwartet man, wenn man DISMEMBER kennt? Das, was man erhält: Dreckiges, brachiales Gebolze, ursprünglich und trotzdem differenziert. Ungefähr ab der Hälfte ändert sich die Setlist jedoch radikal: DISMEMBER spielen von nun an ihr komplettes Debütalbum. "Like An Ever Flowing Stream" an einem Stück, ich geh kaputt. Kann mich nicht mehr halten, muss vom Sofa aufspringen und mitbangen, grölen, solo-pogen, einfach alles, das volle Programm! Scheiße, das ist geil wie Hölle! Die Mucke, der Sound, die Songs, die Melodien, der Metal, die Pyros, Alles! Ich scheiße einen riesen Haufen auf die ganzen Trittbrettfahrer, auf die Hochglanzpolierten und auf die Schönen. Frauengesang, Keyboard, Triggern, Haarspray, alles für'n Arsch! Wer seine Ohren gestreichelt bekommen will, soll Tokio Hotel oder Manowar hören. Radio tut's auch. Ich schraube mir die Rübe ab, während mir mein metallisches Blut in den Ohren rauscht. Lauter! Schneller! Jaaaa! Bevor ich überhaupt begreife, was passiert ist, schaue ich ähnlich enttäuscht wie die Fans vor der Bühne drein (welche übrigens fester Bestandteil vieler Kamerafahrten sind), die sich fragen: Oh schade, schon vorbei? Auf der zweite Scheibe folgt die Dokumentation "Death Metal & More Mental Illness". Hier kann man eindrucksvoll sehen, dass Death Metal-Mucker keineswegs Leichen fressende, Satan verehrende, Tiere schändende Bösewichte sind, denen jeglicher Bezug zur Realität abhanden gekommen ist, als vielmehr... Kinder. Männer altern, bis sie zwölf sind, danach wachsen sie nur noch? Stimmt schon. Irgendwie. So kann man hier die Band dabei bewundern, wie sie an schwedischen Zungenbrechern verzweifeln, was sie im vollen Kopf für einen Müll von sich geben, wie improvisierte Setlisten wirklich aussehen (zum Beispiel auf den Rücken eines Muckers der Vorband geschrieben) und wie lustig eine Session im Studio sein kann, wenn man partout keine Ahnung davon hat, was man da eigentlich gerade macht. Natürlich äußert sich die Band auch in halbwegs ernstem Ton zu ihrer Beziehung zu ihren Fans, zu der Masters Of Death-Tour oder zu ihrer Meinung bezüglich überproduziertem Liedgut. Zudem lüften DISMEMBER das große Geheimnis ihres besonderen Gitarrensounds. Ich will es nicht verraten, aber sagen wir einfach mal: das hätte ich jetzt nicht gedacht. Obendrauf gibt es noch ein Bonus-Video. Ein halbe Stunde lang DISMEMBER hautnah. Auf der Bühne, in verschiedenen Städten dieser Welt (die Jungs beteuern jedoch immer, sie seien in Gothenburg), im Hotel, im Tourbus, beim Kegeln, auf einem Billardtisch liegend, um sich von den Bandmitgliedern den im Gehörgang verloren gegangenen Gehörschutz wieder heraus fischen zu lassen. Natürlich ununterbrochen Blödsinn labernd und zum Wegwerfen komisch. Oder um es in DISMEMBERs Worten zu sagen: Sie sind einfach nur Idioten! Nun gut, das Artwork ist nicht der Brüller, englische Untertitel gibt's nur, wenn schwedisch gesprochen wird, ansonsten ist nichts mit Translationen. Klangeinstellungen? Wer braucht denn sowas? Aber völlig egal. Ich finde diese beiden DVDs deutlich interessanter, unterhaltsamer, lustiger und authentischer als die -zigste Metallica-Dokumentation. Sie ist einfach randvoll gestopft mit Videos, Live-Mitschnitten, Interviews oder einfach nur lustigen Dingen auf und hinter der Bühne. Ihr liebt Death Metal? Kauft diese DVD! |
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