Navigation
                
15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

FILM - Revolver
Band FILM
Titel Revolver
Label/Vertrieb Ascot Elite Home Entertainment GmbH
Homepage www.sonypictures.com/homevideo/revolver/
Veröffentlichung 20.11.2008
Laufzeit 110:00 Minuten
Autor Akos Farkas
Bewertung 13 von 15 Punkten
>>Als E-Mail versenden
Der Glcksspieler und Kleinbetrger Jake Green (Jason Statham) verbrachte gerade 7 Jahre in Einzelhaft. Whrend dieser Zeit lernte er durch seine mysterisen Zellnachbarn (ein Schachmeister und ein Trickbetrger), die sich ber Notizen in Bchern der Gefngnisbcherei unterhielten, die Formel fr den ultimativen Betrug, das ultimative Spiel kennen.
Und die wichtigsten Regeln des Spiels sind folgende:
Regel Nr.1: "Man wird nur schlauer, wenn man gegen schlauere Gegner spielt."
Regel Nr.2: "Umso anspruchsvoller das Spiel, desto anspruchsvoller der Gegner."

Und so planten sie einen Ausbruch und versprachen Jake ihn mitzunehmen. Am nchsten Tag waren sie spurlos verschwunden, Jake blieb jedoch im Gefngnis. Nach zwei Jahren wurde er dann entlassen, nur um zu merken, dass er von seinen beiden Mitinsassen selber ber den Tisch gezogen wurde, die alles Geld, das er zur Seite gelegt hatte, mitnahmen und ihm lediglich einen Zettel mit dem Hinweis auf Regel Nr.1 hinterlieen. Doch dank dem bisschen Wissen um die Formel wurde Jake ein extrem erfolgreicher Spieler und letztendlich wollte er sich an dem Mann rchen, der den Tod der Frau seines Bruders zu verantworten hatte, Mr. Macha (Ray Liotta), ein Casinobesitzer und gefrchteter Gangsterboss. Jake wei, dass nichts auf der Welt einen Mann so sehr weh tut, als eine Demtigung in der ffentlichkeit sowie der Verlust von sehr viel Geld. Durch sein Wissen um die Formel ist es ihm natrlich ein Leichtes Macha eben um diese zu erleichtern. Macha lsst sich das natrlich nicht gefallen und ordnet an "das Problem" Jake Green aus der Welt zu schaffen. Noch whrend Jake das Casino verlassen will, erleidet er einen Schwcheanfall. Und an der Stelle kommen zwei mysterise Geldhaie Zach und Avi (Vincent Pastore und Andr Benjamin) ins Spiel, die ihm unterbreiten, dass er durch eine seltenen Krankheit nur noch drei Tage zu leben hat, ihm jedoch gleichzeitig anbieten vor seinem Leben noch alles "richtig zu stellen". Die einzige Gegenleistung die sie verlangen ist alles Geld, das er bis dahin gewonnen hat und dass er alles tut, was die beiden ihm Sagen. Mit Mechas Killern im Nacken und den Wunsch vor seinem Ableben Licht in die Angelegenheit zu bringen, willigt er ein. Und damit beginnt ein Strudel den Abfluss seines Verstandes runter.

Was im ersten Augenblick so klingt wie die typische Gangster/Heist-Komdie, fr die Guy Ritchie mit "Bube, Dame Knig, Grass" und "Snatch" bekannt wurde entpuppt sich sptestens ab der Hlfte des Films als ein richtiger Mind-Job, der fr Interpretationen sehr viel Luft lsst. Umso nher wir mit Jake auf den Grund der Sache kommen, desto surrealer und wirrer scheint alles zu werden. Kaum hat man einen Knoten des Handlungsstranges gelst, haben sich zwei neue gebildet. Ich will gar nicht um den heien Brei herumreden: Revolver ist ein kopflastiger, wirrer und fr den in diesem Bereich ungebten Zuschauer, etwas anstrengender Film, der eben auf einem Schleichweg neben dem Mainstream daherkommt. Die Optik und die Inszenierung sind Ritchie typisch an Coolness nicht zu berbieten. Was dieser Mensch mit Einstellungen, Licht und Bildern anstellt, kann man nur als Magie bezeichnen. Und so wecken vermutlich diese Bilder und die Grundstory bei manch einem "Snatch"- oder "Bube, Dame, Knig, Grass"-Fan vllig falsche Erwartungen, was wohl Hauptursache war, dass der Streifen 2005 auf den Britischen Inseln an den Kassen episch floppte und wir dadurch auf eine lokale Verffentlichung ganze drei Jahre warten mussten, die dann auch noch nur als Direct-to-DVD kam. Nach diesem Film ist leider auch Ritchie (zumindest filmtechnisch) fr eine Weile unterhalb das Radars der ffentlichkeit geblieben, auf dem er vermutlich erst wieder mit "RocknRolla" und "Sherlock Holmes" wieder auftauchen wird. Einen sehr groen Raum in der Erzhlart in Revolver nimmt vor allem die Off-Stimme ein. Einem recht konstanten Monolog, die Greens immer wirreren Gedanken wiedergibt. Dieser bringt wiederholend Zitate bekannter und/oder wichtiger Persnlichkeiten und die Regeln des Spiels in Verbindung mit der Handlung. Wenn man die (eine der vielleicht vielen mglichen) Auflsung dann aber retrospektiv betrachtet, ergibt dies jedoch durchaus Sinn, jedoch ist auch das ein Aspekt des Gesamtwerkes, das die Geduld des Zuschauers strapazieren kann, wenn ihm diese Form des Erzhlens nicht liegt. Auch allgemein ist der Film mehr dialoglastig, was Ritchie eben sehr liegt (und mir auch), jedoch werden diese durch einige sehr ansehnliche und spaige Shootouts und Actionsequenzen wieder aufgelockert.
Die Darsteller sind zwischen "grundsolide" und "sehr beeindruckende Leistung" anzusiedeln. So spielt Statham, im Gegensatz zu den vorherigen beiden Ritchie-Filmen, in dem Ritchie und Statham zusammengearbeitet haben, keinen hoffnungslosen jedoch sympathischen Verlierer, sondern einen (leicht verlebten) Mann mit einem strickten Plan, der wei was er will und sich davon nicht abbringt (so glaubt er zumindest). Auf diese Art von Rollen ist er ja nun in den letzten Jahren etwas festgefahren. Die Rolle des Jake Green ist natrlich durch die Gediegen- und Gelassenheit, fr die Statham so bekannt ist, untrennbar mit ihm verbunden. berhaupt sind kaum austauschbare Rollen zu finden und die Wahl eben dieser Schauspieler fr diese ganz bestimmte Rolle trug nicht wenig zur Gesamtatmosphre bei. Besonders zu nennen wre vermutlich auch Ray Liotta in der Rolle des Unterweltbosses Macha, der die ntigen Emotionen wie Wut, Angst und Selbstzweifel in den Film einbringt. Auch sonst tauchen hier merkwrdige Charaktere auf. Allen voran der Profikiller Sorter (Mark Strong), der es pltzlich mit seinem eigenen Gewissen zu tun bekommt. Und das ist nun, wie wir wissen, ganz schlecht fr das Geschft in seinem Metier.

Ich fr meinen Teil bin der Meinung, dass dieser Film alle Qualitten frherer Ritchie-Filme aufweist und noch etwas mehr. Es hat die typischen stylischen Bilder, coole Situationen, gediegene Charaktere, markante, witzige Sprche und einem genialen Soundtrack untermalt. Jedoch wird im Gegensatz zu den Vorwerken die Handlung bzw. die Auflsung nicht auf dem Silbertablett prsentiert, was wohl in der falschen Erwartungshaltung resultierte. Konsumieren ist hier nicht. Man muss mitarbeiten, mitdenken, das Auge fr die wichtigen Details haben (12$-Noten, Zahlenkombinationen auf Taschen,...) und ein gewisses Vorwissen, was Schachregeln und die eine oder andere Symbolik angeht, mitbringen.

Fazit: Ein typischer und dann wieder atypischer Ritchie-Film, mit gewohnt coolen Charakteren, Situationen und Optik, jedoch mit einer ungewohnt tiefen Handlung. Wer hierfr bereit ist und sich auf das Gesamtkonzept einlsst, dem erffnet sich etwas ganz Besonderes, das man bereit ist sich fters anzusehen, um mglichst alle Aspekte aufzudecken.
<< vorheriges Review
MANOWAR - Magic Circle Festival, Vol. 2
nchstes Review >>
HADES - Bootlegged In Boston 1988


Zufällige Reviews