Navigation
                
18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

ZZ TOP - Live From Texas
Band ZZ TOP
Titel Live From Texas
Label/Vertrieb Eagle Vision
Homepage www.eagle-rock.com
Veröffentlichung 06.06.2008
Laufzeit 122:00 Minuten
Autor Christian Schfer
Bewertung 13 von 15 Punkten
>>Als E-Mail versenden
Ziemlich genau fnf Jahre ist es nun her, dass ZZ TOP ein regulres Studioalbum aufgenommen haben. Ob die drei sich allmhlich auf die heimische Ranch in der texanischen Wste zurckziehen, um Abstand vom Rock'n'Roll-Geschft zu nehmen, Kakteen zu zchten und Staub aus den Brten zu schtteln? Mglich, so ganz grundstzlich.
Glcklicherweise sind die drei Herren zwischenzeitlich immer wieder dabei, groe und ganz groe Hallen auszuverkaufen und ihr altersmig sehr gemischtes Publikum zum vlligen Ausrasten zu bringen. Genau das haben sie vor nicht allzu langer Zeit wieder getan, und zwar in ihrer Heimatstadt Dallas in Texas.
Als Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard sich 1969 zusammentaten, um die Welt knftig mit einer knackigen Melange aus staubigem, blueslastigem Wstenrock und feinem Texasboogie zu erfreuen, wehte eigentlich ein ganz anderer musikalischer Wind. Friede, Freude und Eierkuchen waren das Leitmotiv unzhliger Hippiebands, die barfu in Schlaghosen auftraten, fusselige Brte trugen und sich in endlosen Jamsessions bertrafen, bis auch der letzte Zuschauer nix mehr zu rauchen hatte. Kein Wunder, dass in solchen Zeiten ein kleines Trio mit kompakten Songs, trocken vorgetragen wie ein Kojotenfurz unter sengender Mittagssonne, mit seiner Andersartigkeit positiv auffllt.
Und das Auffallen ist bis heute Programm bei ZZ TOP. Kaum eine andere Band besticht durch hnlich spartanisch-extravagante Bhnendeko (Zwei Bildschirmpyramiden, buntes, mit LKW-Stodmpfern verziertes Schlagzeug, ein Hauch Wohnzimmeratmosphre durch ein Leopardenfell mit undefinierbarem Plunder auf der rechten Seite). Hinzu kommen jederzeit perfektes Licht, perfekter Ton und eine sehr ausgefeilte Choreographie der beiden Hauptakteure und Almhis Billy und Dusty. Schlagzeuger Frank sieht -ich muss es in aller Hrte sagen- fast aus wie Rudi Schenker der Skorpion. Zum Glck beherrscht er seine Wummerkiste besser als Herr Schenker die Klampfe. All dies ist in psychedelisch wabernde Beat Club-Lichtteppiche getaucht, die vielleicht nicht so richtig zur Musik passen mgen, den schrgen Geschmack der Band jedoch unterstreichen und deren gesamtes Konzept optisch abrunden.
Auch abgesehen hiervon gibt's einiges zu sehen. Zwischen den Tnzchen der Frontmnner und dem bengstigend stoischen, super tighten Spiel von Herrn Beard (Ob der wenigstens so heien darf, weil er nur einen kmmerlichen Schnauzer trgt?) werden immer wieder hbsche Frauen und deren blanke Theken herangezoomt. Man wei: das Auge hrt mit. Ferner stellt Mr. Gibbons seinen Gitarrenroadie und Showpraktikanten Elwood vor, der hierauf wenig Lust hat und sich auch ber die Elwood-Sprechchre nur dezent erfreut zeigt.
Ach ja, zu hren gibt's ja auch was. 17 Titel aus einem reichhaltigen Liederfundus, der in den letzten knapp 40 Jahren bestndig gewachsen ist. Rocker wie "Got Me Under Pressure" und die Ode an den DJ Wolfman Jack, "Heard It On The X", Bluesnummern wie "Jesus Just Left Chicago", kommerziell erfolgreiche Radiosingles ("Cheap Sunglasses", "Gimme All Your Lovin'") und verschiedenes mehr werden hier souvern dargeboten. Und "Rough Boy", eine schlicht abscheulich seichte Nummer, als "beautiful love song" angekndigt und den musikalischen Rahmen leider sprengend. Was soll der Schei, guys?? Zum Glck ist das Ding der einzige Tiefpunkt dieser ansonsten einwandfreien Produktion. Obwohl, "Pin Cushion" wre auch nicht unbedingt ntig gewesen. Aber sonst bestechen ZZ TOP rund zwei Stunden lang durch coole Songs, gewohnt minimalistisches Spiel, wahnsinnig cooles Auftreten und (Eisbr-?) plschbezogene Gitarren bei "Legs".
Als Bonus sehen wir ZZ TOP beim Pokern und bei der Vorbereitung zur Videoaufzeichnung. Personal und Fans werden vorgestellt und beim Saufen auf dem Parkplatz vor der Halle gezeigt. Hier herrscht Festivalstimmung mit BBQ sowie Motor- und Quarktaschenshow. Auerdem kommt ZZ TOPs Haus- und Hofgitarrenklempner John Boylan zu Wort, der seine Produkte anpreisen und deren Vorzge detailliert schildern darf. Preise nennt er nicht. Immerhin. Htte man sich aber auch schenken knnen, sowas. Die Zugabe "Foxy Lady" bildet den Schlusspunkt der ersten offiziellen ZZ TOP-DVD. Diese kommt brigens im schicken Digipak mit toll bebildertem Booklet.
Alles in allem eine klasse Sache, trotz nicht zu 100% berzeugender Songauswahl und mehrheitlich berflssigem Bonusmaterial. Daumen hoch fr "that lil' ol' band from Texas"!
<< vorheriges Review
SUIDAKRA - 13 Years Of Celtic Wartunes
nchstes Review >>
GALLHAMMER - Ruin Of A Church


 Weitere Artikel mit/ber ZZ TOP:

Zufällige Reviews