Navigation
                
20. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

MASTIC SCUM - Rage
Band MASTIC SCUM
Titel Rage
Label/Vertrieb Grindwork Production / Rebeat
Homepage www.masticscum.com
Alternative URL www.facebook.com/masticscum
Veröffentlichung 13.05.2016
Laufzeit 160:00 Minuten
Autor David Lang
Bewertung 12 von 15 Punkten
>>Als E-Mail versenden
Nach sage und schreibe 20 Jahren im Business noch dermaen viel Herzblut in ein Mammutprojekt von DVD zu stecken; als extreme Metalband ein 3-Stundenmonster auf die Beine zu stellen, zeugt von immens viel Selbstverstndnis und noch mal soviel Idealismus.
Die sterreicher von Mastic Scum knppeln sich seit zwei Dekaden durch das hartmetallische Unterholz, und jeder der sich ein wenig mit der heimischen Szene und der unserer Nachbarn beschftigt, wird frher oder spter ber den Namen gestolpert sein. Das Quartett spielt eine ziemlich druckvolle Melange aus Death, Neothrash a la Machine Head und ein wenig Grindcore, angereichert mit einem Touch Fear Factory, insbesondere deren Faible fr Samples. Was auf dem Papier nach einer potentiell arschcoolen Mischung klingt, lsst am Ende meines Erachtens ein wenig Charakter missen. Den Vorwurf der mangelnden Weiterentwicklung, den ich der Band in einem Review vor 9 Jahren noch machte, zieht nicht mehr, doch die Musik, so cool sie live auch kommt, verlsst mein Hirn teilweise so schnell wie sie Einzug gehalten hat. Der Songaufbau ist oft sehr hnlich und die hufig deplaziert wirkenden Soli, so anspruchsvoll sie auch sein mgen, nerven irgendwann.
Man gibt sich gerne international und spricht in den Zwischensequenzen des Konzertfilms (diese Unsitte...) englisch, was manches Mal unfreiwillig komisch klingt; als Kontrast dazu gibt es die Live ansagen auf Deutsch inklusive Wiener Akzent. Spitze!
Seltsam: Der Snger lobt das zahlreiche Erscheinen der Fans, der Drummer sagt, wie wichtig die Fans fr das Gelingen einer Show seien, doch sieht man nicht einen einzigen gescheiten Schwenk ins Publikum, von dem man auch verdchtig wenig hrt. Ich sage nicht, dass bei der Show nichts los war (dafr kann die Band im Zweifelsfall ja nicht mal was), aber wenn man seine Fans schon derart lobt (< sympathisch), sollte man sie auch Teil einer solchen Verffentlichung werden lassen.
Das Bild beim Hauptkonzert ist fantastisch und gengt internationalen Standards. Viele Kameraperspektiven, mehrere Filter und schnelle Schnitte machen die Show zu einem optischen Genuss. Ich habe schon Musikvideoclips gesehen, die schlechter produziert waren. Der Sound soll nach Angaben der Band das Livefeeling bestmglich wiedergeben, klingt letztlich aber viel zu gut, wenn ihr versteht. Ich glaube gerne, dass die Jungs tatschlich einen bombigen Livesound haben und auch auf den Punkt zocken knnen, aber das hier klingt letztlich alles zu glatt, um als authentische Liveshow durchzugehen.
Dazu dann die bereits erwhnten, kaum hrbaren Publikumsreaktionen, riecht halt schon nach massiver Nachbearbeitung.
Nochmal: Die Musik ist prinzipiell echt in Ordnung, ja sogar gut, man kauft den Musikern in den kurzen Clips die Leidenschaft fr ihre Musik auch wirklich ab, aber ich ahne auch, warum Mastic Scum nie grer geworden sind.
Der Gesang drckt mchtig was weg und hat kiloschwere Eier. Die Riffs fetzen auf den Punkt und machen gerade live gut Alarm. Der Bass groovt die dicke Scheie und der Drummer trmmert alles weg, ABER: Mir fehlt der letzte Funken. Ob es an der teils mangelnden Eigenstndigkeit, fehlenden Hits (tatschlich haben Mastic Scum 2-3 arschcoole Stcke an Bord) oder generell an zu wenig Wiedererkennungswert in den Songs liegt, ich vermag es selbst kaum genau zu bestimmen. 2-3 Songs lang geht mir das Material der Band echt gut ab, danach verliert sich leider alles ein wenig im Dj-vu.
Im Bonusmaterial finden sich einige Goodies fr Fans, aber auch fr solche die es werden wollen. "Controlled Collapse" hat einen coolen Videoclip, doch das dazugehrige Making Of zeugt vom angesprochenen Selbstverstndnis. Wer braucht das? Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die Jungs sich schon ziemlich geil finden. Man darf, nein soll ja auch von seiner Kunst berzeugt sein, aber ab einem bestimmten Punkt wirkt es halt dezent berheblich / nicht mehr ganz so sympathisch. Nehmt eure Musik ernst, aber euch selbst vielleicht ein bisschen weniger.
Bei der Liveshow vom Kaltenbach Open Air (ebenfalls im Bonusmaterial) hat man witzigerweise aus der Not eine Tugend gemacht und die neben der Drummerperspektive einzige Einstellung kurzerhand heran gezoomt, bzw. verschiedene Ausschnitte aus dieser zusammen geschnitten.
Dass die Band aber auer sich selbst tatschlich einige Hardcorefans hat (*zwinker*), davon zeugen eben diese Aufnahmen, bei denen einige Zuschauer selbst strmendem Regen trotzen und teilweise gar einen Moshpit in der Sauerei lostreten.
Ein Videoclip wurde aus dem Livematerial des Hauptkonzerts zusammengeschnitten. Das Making Of "CTRL" ist in Ordnung, aber dank einer Unmenge solcher Videos (auch generell von anderen Bands) auch alles andere als essentiell, zumal vllig steril, humorbefreit und etwas lieblos.
Fans der Band, die keinen Wert auf authentisches Livefeeling legen, kriegen definitiv ein "state of the art"-Produkt vorgelegt, das sich in seiner gesamten Aufmachung locker mit weitaus greren Bands messen lassen kann. Freunde harter, eingngiger Musik sollten ebenfalls mal anchecken was selbst im Underground mglich ist. Grundstzlich ist das halt schon ziemlich cool. Selten habe ich mir einer Rezension so oft selbst widersprochen, deswegen macht ihr euch am besten selbst ein Bild. Die Wertung hat sich die Band ein Stck weit unabhngig von ihrer Musik / meinem Geschmack verdient.
<< vorheriges Review
MONSTERS OF METAL - The Ultimate Metal Compilation Vol. 10
nchstes Review >>
DORO - Strong And Proud (2 Blu-ray)


 Weitere Artikel mit/ber MASTIC SCUM:

Zufällige Reviews