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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

FILM - True Love Ways (Blu-ray)
Band FILM
Titel True Love Ways (Blu-ray)
Label/Vertrieb Dobau Film (Alive AG)
Homepage www.trueloveways-film.de/
Veröffentlichung 20.11.2015
Laufzeit 105:00 Minuten
Autor Marco Fertig
Bewertung 10 von 15 Punkten
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"True Love Ways" ist nicht nur ein alter Song von Buddy Holly, es ist auch der Titel zum deutschen Independent-Streifen des Schweizer Regisseurs Mathieu Seiler, der vornehmlich eher arthousig unterwegs ist. Worte wie Hitchcock, Polanski, gar Lynch fallen wenn man sich mit dem Titel beschftigt. In schwarz-wei ist der 105-mintige Film gedreht, und erinnert dadurch schon optisch an etwaige Vorbilder. Kann Seiler sich aber aus dem fast nicht vorhandenen Genrefilm-Untiefen dieses Landes hervorheben mit seinem, ja was denn nun? Horrorfilm? Thriller? Vielleicht keines davon? Das habe ich versucht herauszufinden, denn nach dem Sichten des Trailers war ich ungemein gespannt auf den fertigen "True Love Ways"!
Die Geschichte ist denkbar einfach gestrickt. Severin nimmt sich eine Auszeit von Tom, der sie etwas langweilt, und auerdem trumt sie vom Ritter im weien Mercedes Cabrio. Daraufhin ersuft Tom seinen Frust stilecht im Alkohol, trifft dabei aber auf einen Mann, der ihm helfen will seine Liebe zurckzugewinnen. Der Plan sieht vor Severin auf ihrem Weg in den Urlaub zu entfhren, woraufhin Tom den rettenden Held spielen soll. Das Unglck nimmt seinen Lauf, denn besagter Mann hat den Plan Severin in einem Snuff-Porno zu verwursten, wie schon viele junge Frauen vor ihr. Sie versteckt sich nichtsahnend in dessen Haus, was natrlich nicht unbemerkt bleibt...

Ein Geheimnis ist das Alles nicht, verrt es doch schon der Covertext. So einfach das aber auch klingt, muss man bis dahin erst einmal kommen. Schon die ersten zehn Minuten des Films machen klar, dass hier nicht mit Tempo ans Werk gegangen wurde. Lange Einstellungen von Szenen und Gesichtern, wenig Dialoge. Dann karge und alt wirkende Einrichtung, zweckdienlich, fast schon zur Schau gestellt wie eine Theaterbhne. Das schwarz-wei passte mir hervorragend, da es die Menschen schlicht anders zeichnet. Irgendwie echter, ohne farbliche Ablenkungen roter Lippen oder knalliger Kleidung, es wirkt fokussierter. Aber hat eine solche Story diesen Fokus ntig? Durchaus, da trotz der Horrorfilmthematik ja anders ans Thema gegangen wird.
Der Zuschauer welcher bei beim Wrtchen Snuff bereits hoffnungsvoll aufhorcht, sei zurckgepfiffen. Dies ist kein zweiter "8mm" und auch sonst wird sich mit grafischen Details, zumindest vorerst, zurckgehalten. Die einzige Szene die derartiges behandelt wirkt eher durch das nicht zeigen, die Gerusche. Spter darf Seiler zwar noch drei hrtere Szenen zeigen, allerdings wirkt eine von diesen absolut unntig aufgesetzt, und der Rest ist nicht der Rede wert. Gorehounds sind nicht das Publikum fr "True Love Ways". Um zum Grand Finale zu gelangen muss man sich durch die langsam und behbig erzhlte Handlung oben schauen, was aber fr mich gerade wegen der faktisch nicht mglichen zeitlichen Zuordnung des Geschehens durchaus nicht langweilig war! Alte Autos und Mbel, auch die gezeigten Huser wirken aus einer anderen Zeit, trotzdem existieren Blicke in die Moderne durch vorhandene Handys oder ein Laptop, nur um im nchsten Bild ein altes Radio mit Kassette oder einen alten Fernseher in den Fokus zu rcken.

Sinn oder Kalkl verbirgt sich dahinter sicherlich, darber knnte aber nur Seiler selbst Aufschlu geben. Ebenso ber das Ende der Geschichte um Severin, welches dann ins Surreale abdriftet, und vielleicht etwas zuviel des Guten war, gar manchen mit einem Fragezeichen zurcklassen drfte. Ich wrde nicht so weit gehen die Groen wie Hitch oder Lynch zu zitieren, vielleicht ist von allem eine Prise dabei. Auch an den Giallo fhlt man sich erinnert, ohne dass dies einer wre. Die passende Untermalung fr seine Schwarzweimalerei bietet definitiv der uerst gelungene Soundtrack von Seilers Film! Klnge die einen an Edgar Wallace, Agatha Christie, italienische Vorbilder der 60er und 70er erinnern sind allgegenwrtig, und ben nochmal eine eigene Faszination aus, da sie stets eine unterschwellige Spannung zu erzeugen wissen.
Darstellerisch fand ich keine groen Makel, das gesamte Ensemble verfgt immerhin ber einiges an Vorkenntnis aus deutschen TV-Filmen und -Serien. Anna Hausburg gefiel mir als Severin aber wirklich sehr gut, ebenso wie David C. Bunners, der seine Charisma allerdings mit seinem arroganten Interview aus den Extras wieder etwas runterschraubte. Der deutsche Genrefilm ist wieder um ein Werk reicher, das aber in der Form sicher einfach zu speziell und knstlerisch anmutet, um ein greres Publikum zu finden. Dass Seiler handwerklich etwas drauf hat, beweist er hier absolut, aber er bertreibt es eben mit allem auch etwas. Horrorfilm wrde ich dies obendrein nicht wirklich nennen, wohl eher noch einen Psycho-Thriller. Vielleicht habe ich den ein oder anderen neugierig gemacht, sich auf dieses filmische Experiment einzulassen, trotz allen zu vernehmenden Unkenrufen und den lediglich knapp ber 20 Kinozuschauern ist "True Love Ways" ein amsanter kleiner Output geworden, der in Deutschland ohnehin sehr selten ist. Ich denke allein das sollte zumindest etwas hofiert werden.

Die Blu-ray bietet ein gutes Bild und einen mittelprchtigen Ton, in den Extras gibt es kurze Interviews, Trailer und die virale Internetkampagne, der der Film leider nicht gerecht wurde.
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