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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

FILM - Everyman's Journey
Band FILM
Titel Everyman's Journey
Label/Vertrieb Universal Film GmbH
Homepage www.everymansjourney.com
Veröffentlichung 31.05.2013
Laufzeit 105:00 Minuten
Autor Martin Stark
Bewertung 12 von 15 Punkten
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"Don't Stop Believin': Everyman's Journey" ist eine Mischung aus (authentischer) Bandhistorie und moderner Aschenputtel-Geschichte, wobei der Schwerpunkt klar auf Letzterem liegt. Die amerikanische Rockband Journey, seit fnfunddreiig Jahren die Blaupause fr radiotaugliche Rockhymnen wie "Don't Stop Believin'", "Wheels In The Sky" oder" Anyway You Want It", steht vor gut fnf Jahren pltzlich ohne Snger da. Eine neue Platte steht in den Startlchern und die Motoren der Tourbusse laufen praktisch schon. Was tun, nicht zuletzt um die eigene Karriere zu retten? Gitarrist und Grndungsmitglied Neal Schon surft nchtelang im Internet und stolpert kurz vor Toresschluss ber ein Video einer philippinischen Cover-Kapelle Namens The Zoo, deren Snger Arnel Pineda Journey-Originalstimme und Ikone Steve Perry unfassbar nahe kommt. Der Kontakt wird ber Umwege hergestellt und der Snger, der zeitweise obdachlos, Alkohol- und Drogenschtig war und praktisch nur aufgrund seiner Stimme nicht vllig abstrzte, muss verstndlicherweise berzeugt werden, dass es sich bei der Einladung zum Vorsingen in Amerika nicht um einen blen Scherz handelt. Pineda berzeugt in den Auditions nach anfnglichen Anlaufschwierigkeiten vllig und bekommt den Job. Man geht auf eine ausgedehnte Tour und nimmt schlielich bis dato zwei neue Platten auf. Der Film endet mit Auszgen aus einem gigantischen Konzert in Pinedas Heimat Manila. Kein Hollywood-Drehbuch knnte pathetischer sein, aber Fakt ist, dass Pineda unfassbar gut singen kann und es sich nicht zuletzt um eine wahre Geschichte handelt. Die Geschichte einer Reise eines gewhnlichen Mannes aus einem Dritte Welt-Land, die in dem gutdotierten und angesehenen Sngerposten in einer der grten Melodic Rockbands endet. Wie im Mrchen...

Die Bandgeschichte wird knapp, aber mit einigen sehr interessanten und seltenen Bild- und Tondokumenten unterfttert, wobei die wahren Grnde fr Perrys Ausstieg 1998 ebenso im Dunkeln bleiben wie das Intermezzo von Snger Jeff Scott Soto 2007, welches vllig verschwiegen wird. Der Schwerpunkt liegt klar auf der Geschichte von Arnel Pineda, der im gesamten Film unglaublich sympathisch und authentisch gezeichnet wird und mit seinen teils sehr persnlichen Aussagen mindestens so beeindruckt wie mit seinen unbestreitbaren stimmlichen Qualitten. Regisseurin Ramona S. Diaz schafft es gleichermaen das Publikum zu faszinieren und zu informieren. So zeigt der Film schonungslos das oft brutale Geschft, denn der Rubel muss rollen beziehungsweise die Shows mssen gespielt werden, auch wenn der Snger schwer gezeichnet von Erkltungs- und wahrscheinlich auch Ermdungserscheinungen der Stimme sprichwrtlich auf dem Zahnfleisch kriecht. Auch mehr oder weniger offenen rassistischen Anfeindungen sieht sich die Band gegenber ebenso wie intoleranten "Fans", fr die eine Journey-Inkarnation ohne Perry einer Gotteslsterung nahe kommt. Aber allen Hindernissen zu Trotz schaffen es die Amerikaner mit ihrem neuen Snger die Band wieder nach vorne zu bringen, wie der Film eindrucksvoll zeigt. Pineda besucht im Film auch zahlreiche Stationen seines Lebens und auch seine Familie kommt zu Wort, was einen angenehmen Kontrast zu den Journey-Musikern und deren Managern darstellt. Besonders die teils jahrzehntealten Originalaufnahmen von Pinedas Bands knnen faszinieren.

Die DVD bietet im Wesentlichen den Film im Original - auf Wunsch mit deutschen Untertiteln - und als einziges Extra einen kurzen Trailer. Hier wre sicherlich mehr mglich gewesen, wie zum Beispiel der eine oder andere vollstndige Song der im Film verwendeten Konzerte. An den amerikanischen Kinokassen ziemlich gefloppt, wird "Everyman's Journey" vermutlich dennoch durch die immer noch groe Journey-Fangemeinde ber die DVD/BluRay-Verkufe zu einem relativen Erfolg werden. Verdient htte er es trotz kleiner Schwachstellen sicherlich.

Der Film ist fr Rock-affine Zuschauer interessant, fr Fans schon alleine wegen des teilweise intimen Einblicks in die Band Journey heute unverzichtbar und fr die breite Masse zumindest gut gemachte Unterhaltung, jedoch ohne allzu viel Tiefgang. Geschichten ber Charaktere, die sich trotz widriger Rahmenbedingungen von ganz unten nach ganz oben arbeiten, gehen immer. Und wenn das auch durch die meist positiven Songs der beschriebenen Band noch unterstrichen wird, erst recht. In diesem Sinne: Don't Stop Believin'!
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