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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE - Abschiedskonzert
Band JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE
Titel Abschiedskonzert
Label/Vertrieb unundeux
Homepage www.japanischekampfhoerspiele.de
Veröffentlichung 02.09.2011
Laufzeit 53:00 Minuten
Autor David Lang
Bewertung 5 von 15 Punkten
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Japanische Kampfhörspiele sind tot. Japanische Kampfhörspiele waren eine sehr spezielle Band, die stets konsequent ihr ganz eigenes Ding durchgezogen hat. Japan... Jaka hatten intelligente Texte, witzige Texte, Texte jenseits der Norm.
Von all dem kann man sich nun ein Bild machen, doch leider werden sich über die mir vorliegende DVD ausschließlich (und wenn überhaupt) Hardcore-Fans freuen. Zwar darf man die Band auf diesem Abschiedsgeschenk (welches man trotzdem bezahlen muss!) genau so bewundern, wie ich sie beschrieben habe, doch der Punkt "eigenes Ding" manifestiert sich hier in einem visuellen Understatement. Der Sound, und das müssen selbst Gegner der Band zugeben, ist vorbildlich, wenn nicht sogar massiv nachbearbeitet. Sollte dem nicht so sein, dürfen die Krefelder das gerne als Kompliment verstehen.
Was mich hingegen stört, ist zum einen das Bild. Zwar wurde das "Abschiedskonzert" von einigen Kameras festgehalten, doch richtig überzeugen kann keine davon. Während das "Fischauge" direkt vor der Bühne noch halbwegs coole Bilder zeigt, langweilt die Totale (wahrscheinlich am Mischpult abgestellt) zu Tode und die restlichen Wackelbilder bringen auch keine Action ins Münchner Feierwerk. Die wäre mein zweiter Kritikpunkt. Für die überschaubare Action im Publikum kann der Künstler nur bedingt etwas, doch auch wenn die Band selbst sich nicht unbedingt aus Rampensäuen zusammensetzt, kann man doch nach 13 Jahren geschichtsträchtigem Grind zum Abschluss ein bisschen auf die Kacke hauen.

Die Musik von Jaka ist doch komplett adrenalingetränkt, wieso transportiert man das nicht auch nach außen?? Stattdessen bleibt die Saitenfront stur in ihren Eckchen und die beiden Fronter lassen sich allenfalls zu ein wenig herumtigern und im besten Fall Haare schütteln bewegen. Lediglich am Schluss merkt man Kreischer Bony an, dass ein bisserl Wehmut in der Luft lag. Mag ja sein, dass dieses minimalistische Konzept (selbst das Cover ist ein bescheidener Schnappschuss von der Bühne ins Publikum) exakt so von der Band geplant war, wahrscheinlich sogar, das ist jetzt aber nur eine Theorie, um irgendwelchen, von der Band verhassten Rockstarattitüden entgegen zu wirken. Ein kleines Zugeständnis in Richtung Rockzirkus hätte meiner Meinung nach aber auch niemanden enttäuscht.

Die Songauswahl, und das muss ich auch erwähnen, geht völlig in Ordnung. Zwar mag der ein oder andere Hardliner seinen Favorit vermissen, doch bei dem prallen Fundus der Jakas muss wohl oder übel etwas auf der Strecke bleiben. Vielleicht hätte man aber auch einfach länger als gut 50 Minuten spielen können; noch so ein Punkt. Das Bonusmaterial mit seinen gut 5 Minuten streckt die Veröffentlichung jedenfalls auch nicht mehr auf Champions League Niveau.

Das klingt nach einem genussvollen Verriss, doch Irrtum. Ich habe das Anschauen der DVD gemeinsam mit einem befreundeten Hardcore-Fan (!) wahrhaftig zelebriert, nur um im Endeffekt doch relativ enttäuscht zurück gelassen zu werden. Womöglich haben die Jungs aber auch nur konsequent (wie immer) zu Ende gedacht und wollten so abtreten, wie man sie kannte und mit dem Gedanken:
Warum nach neuen Fans schielen? Unsere Band ist ohnehin Geschichte.
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