Navigation
                
20. Mai 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

THE BUSTERS - Das Konzert für die Ewigkeit
Band THE BUSTERS
Titel Das Konzert für die Ewigkeit
Label/Vertrieb Ska Revoultion Records/Indigo
Homepage www.busterland.de
Veröffentlichung 21.01.2011
Laufzeit 148:00 & 61:00 Minuten
Autor Christian Schäfer
Bewertung 15 von 15 Punkten
>>Als E-Mail versenden
Die Ewigkeit ist eine verdammt lange Zeit. Wer von Ewigkeit spricht muss wissen wovon er redet. In unserer schnelllebigen Musiklandschaft ist eine zehnköpfige Band, die es seit 23 Jahren gibt, die in dieser Zeit über 1000 Konzerte gespielt und 18 Alben veröffentlicht hat, definitiv seit einer Ewigkeit im Geschäft. Nur die ROLLING STONES gibt's noch länger. Glaube ich. Aber machen die Spaß? Sehen die gut aus? Muss irgendeiner bei z.B. "Angie" hüpfen? Außer aus dem Fenster, meine ich? Also bitte!

Auch wenn 23 Jahre kein so ganz rundes Jubiläum sind- Grund zum Feiern gibt's bei den BUSTERS immer. Und dass diese Ausnahmeband aus Wiesloch bei Heidelberg dies'nur' mit einer Doppel-DVD tut, erscheint angesichts der bewegten Vergangenheit der Badener noch wie eine höfliche Untertreibung. Schließlich blicken die Jungs auf eine verdammt beachtliche Karriere zurück, die sie ohne jegliche Unterstützung der Medien und ausschließlich durch eigenen Fleiß zustande gebracht haben. Hat es jemals eine von MTVIVA und Co. (Penner!) geflissentlich ignorierte Band mit prominenten Fans wie Farin Urlaub oder Anke Engelke z.B. zum berühmten Jazzfestival von Montreux geschafft, bei dem sich sonst Stars wie Prince, Quincy Jones, Sting, SOULFLY und SLAYER als Non-Jazz-Acts Klinke und Klampfe in die Hand drücken? Nein!

Zu den Fakten: Auf der ersten DVD von "Das Konzert für die Ewigkeit" befindet sich das Konzert für die Ewigkeit. Dieses wurde am 15. Mai 2010 in der Fabrik zu Hamburg aufgezeichnet. In 147 Minuten spielten die BUSTERS an diesem Abend fette 31 Songs. Der ausrastende Mob dankt es der Band nach Kräften und gibt - ebenso wie die Band- rund zweieinhalb Stunden Vollgas.
Anstelle einer Vorband tanzen zwei in jeder Beziehung begabte Burlesquetänzerinnen die Menge in Stimmung, und so wird ab dem ersten Ton, nämlich der als Intro gespielten Melodie der Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille Orion", konsequent gehüpft!
Keine zehn Minuten vergehen, bevor der erste Stagediver seine Reise über die Köpfe antritt. Intensive Interaktion der Band mit dem Publikum -Sänger Ron wird verständnisvoll auf seinen offenstehenden Hosenlatz hingewiesen- und die ständige Anwesenheit von Leuten, die die Bühne als Sprungbrett in die Menge nutzen, verwischen die Grenzen zwischen Band und Publikum und erzeugen ein angenehmes Gefühl der Einheit, der Zusammengehörigkeit, cool. Trompeter Hardy und Posaunist Rob -mit modischer Kurz- bzw. Keinhaarfrisur- tanzen wilder und ausdauernder als der härteste Skanker vor der Bühne. Respekt, meine Herren! Der Schwerpunkt liegt erfreulicherweise auf der Musik, Ron betont: "Ihr bezahlt nicht, damit hier geschwätzt wird", und so hauen die BUSTERS dermaßen auf die Kacke, dass so manche jüngere Band sich ein ganz großes Beispiel an diesen mehrheitlich nicht mehr sooo jungen Herren nehmen kann. Programmatisch wird hier ein Abriss aus 23 Jahren Bandgeschichte geboten, der neben vielen alten und neuen BUSTERS-Songs auch Ska-Coverversionen von PINK FLOYDs "Wish You Were Here", "Rivers Of Babylon" von den MELODIANS und dem Jazzklassiker "Summertime", die mit großer Begeisterung aufgenommen und vom Hamburger Publikum mitskandiert (höhö!) werden. Nach fünf Zugaben, eingeleitet vom obligatorischen "Mickey Mouse in Moscow" (Genial: Keyboardmann Schramme am Akkordeon) und gut zweieinhalb Stunden extatischen Zappelns ist dann endgültig Schluss-

Einmal mehr gelingt es den BUSTERS, Musik auf höchstem Niveau (Man beachte die brillante Arbeit der Rhythmusgruppe, der Bläserfraktion sowie von Gitarrist Alex und Pianist Stephan) einerseits mit Humor und bester Laune andererseits zu kombinieren sowie grandiose optische Akzente zu setzen. Der erwähnte enge Kontakt zum Publikum, eine ebenfalls stagedivende Burlesquetänzerin ("Behandelt sie gut!"), ein Tanzakrobat, der radschlagend die Bühne überquert, ein klasse Perkussionsolo, Schauspielerin Katharina Wackernagel als gesangliche Unterstützung bei "Résiste" (mein Lieblingssong vom letzten Album "Waking The Dead"), tja- das "Konzert für die
Ewigkeit" ist in jeder Hinsicht eine gelungene Sache und wird hiermit auch erklärten Gegnern von Offbeats, Melodien, Tanzen oder grundsätzlich guter Laune ganz heiß ans Herz gelegt!

Auf der zweiten DVD gibt's eine Bildergalerie vom Konzert, einen Videoclip mit tanzenden (skankenden) Fans, eine einstündige Band-Dokumentation, die die Anfänge der Band wie auch des Ska im Allgemeinen erklärt. Sehr interessant, sehr witzig, sehr zu empfehlen! Anekdoten, langjährige Freundschaft, Liebe zur Musik- all das und manches mehr kommt hier zur Sprache. Wahnsinn, dass diese Band auch nach rund einem Vierteljahrhundert und diversen Umbesetzungen konsequent die Musik spielt, mit der sie seinerzeit anfing und noch immer jedes Publikum zum Tanzen bringt. Als Extraschmankerl gibt's alle auf dem Konzert gespielten Songs im praktischen mp3-Format. Kurz und gut: Wer die BUSTERS schon mal erlebt hat, kauft die Doppel-DVD. Garantiert. Ansonsten ist sie das perfekte Geschenk für alle, die nicht warten wollen, bis den BUSTERS endlich eine ZDF-Folge von "History" oder "Was ist was" gewidmet wird!
<< vorheriges Review
V.A. - Nuclear Blast Clips Vol. 1
nächstes Review >>
HEART - Night At Sky Church


 Weitere Artikel mit/über THE BUSTERS:

Zufällige Reviews