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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

MY OWN PRIVATE ALASKA - Amen
Band MY OWN PRIVATE ALASKA
Albumtitel Amen
Label/Vertrieb G-Records / Intergroove
Homepage www.myspace.com/myownprivatealaska
Alternative URL www.myownprivatealaska.com
Verffentlichung 23.04.2010
Laufzeit 59:54 Minuten
Autor Max Dnges
Bewertung 10 von 15 Punkten
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Es gibt Alben, die zu hren Arbeit ist. Meist sind solche Platten so vertrackt, dass man zu jedem Zeitpunkt aufmerksam sein muss, um der Sache zu folgen.
Aber aus welchem Grund hren wir denn Musik? Wir wollen unterhalten werden, dem Alltag entkommen ein Ventil fr unsere Gefhle finden, oder etwas Neues entdecken. Daher stellt sich eigentlich nur eine Frage. Hat es sich gelohnt das Album zu hren? Wird man belohnt fr seine Mhen?
My Own Private Alaska (MOPA) aus Toulouse, Frankreich haben mit "Amen" ein solch vertracktes, anstrengendes Album verffentlicht. Gitarren und Bass finden auf "Amen" nicht statt. MOPA arbeiten nur mit Gesang, Piano und Schlagzeug, was ja schon mal ziemlich ungewhnlich fr "unsere" Musik ist. Sie verbinden die Intimitt von Kammermusik, mit der Kreativitt eines Jazztrios und der Intensitt der spten Alben von JOHNNY CASH, zu etwas wirklich Einzigartigem. "Amen" ist mal hsslich, mal wunderschn, entspannend, nervenzerreiend. Das Spiel mit den Extremen zeichnet das franzsische Trio aus.
Der Snger ist eigentlich mehr ein Erzhler. Er singt nicht, er spricht oder er schreit und wrgt. Ein Patient, der sich all seinen Hass, sein Elend von der Seele redet. Er kotzt etwas in verzweifelter Rage aus, um dann im nchsten Moment erschpft weiter zu sprechen. Stimmlich bewegt er sich zwischen Oli Sykes (BMTH) und einem vortragenden Dichter mit leichtem franzsischem Akzent.
Das Piano pendelt zwischen der Bedrohlichkeit eines Eismeeres und der Schnheit einer Sptsommerlandschaft (Alaska eben). Es ist Herz und Seele von "Amen". Man knnte sagen: Hier spielt die Musik. Es verhindert, dass die Platte zur Aufnahme eines Happenings oder zur Aktionskunst "verkommt". Das Schlagzeugspiel hat mit Metal oder Rock wenig zu tun, es gleicht mehr dem Stil eines Jazztrommlers. Dennoch, oder gerade deswegen ausgezeichnet.
Wie nennt man solche Musik? Die Leute von Gordeon Promotion, die Schubladen schneller beschriften als man sie fllen kann, nennen es Post Rock und schlagen vor sich eine Melange aus DANN ELFMAN, HELMET, CHOPIN und WILL HAVEN vorzustellen. Lassen wir das mal so stehen und kommen lieber zurck zur anfnglichen Frage. Hat es sich gelohnt?
Die Antwort ist ja. Und nein.
"Amen" ist eine interessante Erfahrung und hat auch einige sehr gute Momente. Man wird immer wieder belohnt. Aber es gibt einfach zu wenige richtig starke Lieder. "Amen" schafft genau deswegen nicht den Sprung zum Geniestreich. Das Konzept ist sicherlich auergewhnlich und auch hervorragend. Das Gros der Lieder ist leider nur auergewhnlich. Hervorragend sind lediglich "After You", "Where Did You Sleep Last Night?" und vielleicht noch "Kill Me Twice". Man hat den Eindruck, dass das Album ein einziges groes Stck ist und diesem Ansatz fast alle einzelnen Lieder untergeordnet sind. Nennt mich Kleingeist, aber so kann kein Zugang zur Musik entstehen.
"Amen" ist kein Album zum nebenbei hren, im Auto oder auf dem Weg zur Uni. Dieses Album braucht einen festen Ort, am Besten einen Plattenspieler. Und es braucht Zeit und den Willen sich damit zu beschftigen. Wer sich das zutraut, der sollte sich ein Bootsticket fr dieses Alaska besorgen.
   
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