Navigation
                
11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

GRIFTEGÅRD - Psalmbok
Band GRIFTEGÅRD
Albumtitel Psalmbok
Label/Vertrieb Ván Records/Soulfood
Homepage k.a.
Veröffentlichung 08.05.2009
Laufzeit 18:35 Minuten
Autor Christian Schäfer
Bewertung 12 von 15 Punkten
>> Als E-Mail versenden
Der Psalter im Alten Testament ist eine Sammlung von Liedern, so genannter Psalmen. Diese Lieder, von denen die überwiegende Mehrheit auf den israelischen König David zurückgeht, handeln meist vom Menschen und seiner Beziehung zu Gott. Lobpreis und Anklage wechseln sich ab und zeigen, dass bereits vor über 2000 Jahren nicht einfach alles blind geglaubt wurde, sondern dass es auch zu dieser Zeit bereits ernstzunehmende Kritik an Glaubensinhalten gab.

GRIFTEGARD (Schwedisch für "Fiedhof ohne Kapelle"), die ihre Debüt-EP "Psalmbook" (Schwedisch für "Buch der Psalmen") nennen, beschäftigen sich ebenfalls mit christlichen Inhalten. Die beiden Songs der CD tragen die Namen zweier Männer, die für die christliche Religion prägend waren: Charles Taze Russell, ein Zeuge Jehovas und Gründer der Zeitschrift "Der Wachturm" - die Zeitung, die von SODOM besungen wurde und an nahezu jedem Bahnhof, an dem täglich mindestens ein Zug verkehrt, mehrheitlich von alten Damen angeboten wird. Der andere, Paul Gustave Dore war Maler und produzierte sehr viele Kupferstiche biblischer Motive. Sein künstlerisches Genie wird auch von Galubens- und Kirchengegnern gewürdigt; sein Hauptaugenmerk galt der Illustration von Dantes "Göttlicher Komödie".

Los geht's mit einem Kirchenchor, der nach einigen Takten von langsam sägenden Gitarren, schiebendem Bass und druckvoll getrommelten Kesseln abgelöst wird. Deutlich unter Midtempo angesiedelt, wird hier sehr traditioneller Doom geboten. Freunde von REVEREND BIZARRE oder THE WANDERING MIDGET dürften hieran ihre Freude haben. Nach gerade mal acht Minuten endet der Spuk- eine für Doomverhältnisse nicht gerade übermäßige Songlänge, aber ein toller Einstieg in "Psalmbok".
Obwohl "Charles Taze Russell" nicht gerade ein Soundtrack zu Sonnenschein und guter Laune war, geht's mit "Paul Gustave Dore" stimmungsmäßig ein paar Schritte weiter in den Keller. Langsamer, bedrohlicher, bedrückender. Frühe CANDLEMASS lassen hier grüßen und stochern uns zehn Minuten lang mit quälendem Finsterdoom im Ohrgang herum.
Musikalisch über jede Kritik erhoben finde ich den Gesang von Thomas Eriksson stellenweise unpassend. Einerseits, weil er etwas zu weit nach vorn gemischt ist, andererseits, weil Herr Eriksson zu sehr den Rocker raushängen lässt. Dabei erinnert er an den -rein fiktiven- gemeinsamen Sohn von Dee Snider (TWISTED SISTER) und David Coverdale (WHITESNAKE). Gut zwar, aber eben unpassend.

Eigentlich ist "Psalmbok" bereits zwei Jahre alt. Damals erschien das gute Stück in Auflage von 500 Stück in Vinyl. Eine streng auf 80 Exemplare limitierte Neuauflage gab's exklusiv für das diesjährige DOOM SHALL RISE V, wo GRIFTEGARD zu meinen persönlichen Favoriten gehörten. Ván-Records veröffentlicht die EP nun als CD im schwarzen DigiPak mit silbernen Aufdruck- sieht geil aus!
Tja, da bleibt nur zu hoffen, dass das Album, das derzeit in der Mache sein soll, demnächst erscheint! Ganz, ganz großes Düsterkino.
   
<< vorheriges Review
SILENT OVERDRIVE - Wake Up Call
nächstes Review >>
V.A. - Opera Metal Vol.2


 Weitere Artikel mit/über GRIFTEGÅRD:

Zufällige Reviews