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22. Jul 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

ALEV - Alev
Band ALEV
Albumtitel Alev
Label/Vertrieb Fastball Music/SonyBMG
Homepage www.alevmusic.com/
Verffentlichung 23.05.2008
Laufzeit 38:42 Minuten
Autor Christian Schfer
Bewertung 12 von 15 Punkten
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ALEV! Mannomann, da wird 'ne ganz alte Erinnerung wach. Vor einigen Jahren war ich auf dem "Nonstock", einem kleinen Festival im Odenwald. Eigentlich bin ich nur hingefahren, um eine Skaband namens PLOWKING anzuhren; der Headliner ALEV die eigens aus Mnchen angereist waren, sagten mir gar nix.Obwohl ich kein Freund moderner NuMetal-Klnge bin und es auch damals nicht war, haben ALEV mich an den h, an der Seele gepackt. Das lag einerseits an ihrer Musik, die sich durch erfrischend eigenes Songwriting wohltuend von sonstigem 7-saitige-Gitarren-Geschrammel abhob, andererseits an Alev selbst. Alev Lenz, die deutsch-trkische Sngerin der Band. Eine Frau, bei der ich erstmals kapiert habe, was man mit dem oft gebrauchten Begriff "Ausstrahlung" meint. Eine Stimme, so klar, so stark, und doch so sensibel und verletzlich- so was hatte ich noch nie gehrt. Wirklich nie. Als ich sie beim Signieren meiner unverzglich gekauften CD fragte, wo sie so zu singen gelernt habe, sagte sie nur bescheiden: im Gesangsunterricht. Vermutlich habe ich etwas dmlich gewirkt, als ich noch fragte, was der seltsame Bandname ALEV bedeutet. Das sei ihr Vorname, sagte sie, und dass das auf deutsch "Flamme" bedeute. Ich war vllig begeistert und habe mich an diesem Abend bis ber beide Ohren in Alev verliebt. Zum Glck habe ich mir die Frage verkniffen, ob sie mich heiraten und mit mir ans Ende der Welt gehen mchte. Mglicherweise wre es dort eines Tages sogar mit ihr langweilig geworden.
Flamme. Einen besser passenden Namen htten ALEV sich jedenfalls nicht geben knnen.
Die Band ist nun auf dem Cover der selbstbetitelten CD eindeutig wieder zu erkennen, Alev selbst erschien mir irgendwie... blond. Gefrbt? Komisch... Dann, bei Lektre des Booklets: Sngerin Alex, hat Alev Frisur und Namen gendert? Oder ist die Frau auf dem Cover gar nicht Alev? Die CD selbst gibt Aufschluss. Ja. Das heit, nein. Es ist tatschlich Alex, nicht Alev, die hier singt.
Oh Mann, wie ich sowas hasse. Nicht speziell, weil meine geliebte Alev nicht auf "Alev" singt. Sondern weil ich es generell sehr schwierig finde, neue Snger/Sngerinnen objektiv zu bewerten.
Ich mag nicht wissen, wie viele Stunden Casting die vier gebliebenen Bandmitglieder ber sich ergehen lassen mussten, wie lange sie diskutierten, abwogen und stritten bis sie endlich gefunden war- die Frau, die Alev ersetzt. Die hnlich singen kann, eine hnliche Liveprsenz besitzt und sogar so hnlich heit.
Und ich muss feststellen, die Mhen haben sich gelohnt. Alex ist klasse. Auch wenn ich sie bisher nur aus der Konserve kenne. Ihr Gesang erinnert zwar durchaus an ihre Amtsvorgngerin, hat allerdings eine eigene Note. berzeugt bei harten, tief drhnenden Moshparts ebenso wie bei melodisen, ruhigen Stellen. Begeisterung meinerseits. Glcklicherweise waren ALEV clever genug, keine weiteren gravierenden Umbesetzungen oder Stilwechsel vorzunehmen. So besitzt die Band Wiedererkennungswert, hat durch die neue Sngerin allerdings auch eine ordentliche Brise frischen Windes im Segel. So gibt's qualitativ ansprechenden NuMetalsound, komplex geschrieben und durch berraschende Tempiwechsel erfreulich abwechlsungsreich. Der leicht melancholische Unterton, der dem Album anhaftet, drfte neben allen Neumetallern auch Freunde eher traditionellen harten Liedgutes, Alternativefans, Fans von singenden Frauen und vielleicht sogar schwarze Gothic-Vogelscheuchen begeistern. Ich behaupte sogar, dass ALEV es mit diesem Album in Hitparaden schaffen knnten, so radiotauglich erscheint mir ihr neues Album. Das ist hier keineswegs polemisch sondern als ehrliches Kompliment zu verstehen!
"Alev" ist eine sagenhafte Platte. Dennoch verkneife ich mir die Hchstpunktzahl. Denn, und das ist leider das, was den gemeinen Musikkonsumenten interessiert, es geschieht zu wenig erkennbar Neues auf diesem Album. ALEV machen im Groen und Ganzen das, was sie auf ihrem Debt "We Live In Paradise" auch getan haben. Das ist zwar einwandfrei gemacht und sehr gut hrbar, allerdings nicht mehr so frisch und neu wie auf dem ersten Album.
Ich freue mich darauf, ALEV im Sommer mal wieder live zu erleben- spuit's amoi in Fronkfuat, Buam! Und Madl auch! I' frei' mi' 'etz' scho' wia narrisch!
   
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