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03. September 2010 - Uhr
 
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7673 Reviews in der Datenbank
ALEV - Alev
Band: ALEV
Albumtitel: Alev
Label/Vertrieb: Fastball Music/SonyBMG
Website: www.alevmusic.com/
Veröffentlichung: 23.05.2008
Laufzeit: 38:42 Minuten
Autor: Christian Schäfer
Bewertung: 12 von 15 Punkten
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ALEV! Mannomann, da wird 'ne ganz alte Erinnerung wach. Vor einigen Jahren war ich auf dem "Nonstock", einem kleinen Festival im Odenwald. Eigentlich bin ich nur hingefahren, um eine Skaband namens PLOWKING anzuhören; der Headliner ALEV die eigens aus München angereist waren, sagten mir gar nix.Obwohl ich kein Freund moderner NuMetal-Klänge bin und es auch damals nicht war, haben ALEV mich an den äh, an der Seele gepackt. Das lag einerseits an ihrer Musik, die sich durch erfrischend eigenes Songwriting wohltuend von sonstigem 7-saitige-Gitarren-Geschrammel abhob, andererseits an Alev selbst. Alev Lenz, die deutsch-türkische Sängerin der Band. Eine Frau, bei der ich erstmals kapiert habe, was man mit dem oft gebrauchten Begriff "Ausstrahlung" meint. Eine Stimme, so klar, so stark, und doch so sensibel und verletzlich- so was hatte ich noch nie gehört. Wirklich nie. Als ich sie beim Signieren meiner unverzüglich gekauften CD fragte, wo sie so zu singen gelernt habe, sagte sie nur bescheiden: im Gesangsunterricht. Vermutlich habe ich etwas dämlich gewirkt, als ich noch fragte, was der seltsame Bandname ALEV bedeutet. Das sei ihr Vorname, sagte sie, und dass das auf deutsch "Flamme" bedeute. Ich war völlig begeistert und habe mich an diesem Abend bis über beide Ohren in Alev verliebt. Zum Glück habe ich mir die Frage verkniffen, ob sie mich heiraten und mit mir ans Ende der Welt gehen möchte. Möglicherweise wäre es dort eines Tages sogar mit ihr langweilig geworden.
Flamme. Einen besser passenden Namen hätten ALEV sich jedenfalls nicht geben können.
Die Band ist nun auf dem Cover der selbstbetitelten CD eindeutig wieder zu erkennen, Alev selbst erschien mir irgendwie... blond. Gefärbt? Komisch... Dann, bei Lektüre des Booklets: Sängerin Alex, hat Alev Frisur und Namen geändert? Oder ist die Frau auf dem Cover gar nicht Alev? Die CD selbst gibt Aufschluss. Ja. Das heißt, nein. Es ist tatsächlich Alex, nicht Alev, die hier singt.
Oh Mann, wie ich sowas hasse. Nicht speziell, weil meine geliebte Alev nicht auf "Alev" singt. Sondern weil ich es generell sehr schwierig finde, neue Sänger/Sängerinnen objektiv zu bewerten.
Ich mag nicht wissen, wie viele Stunden Casting die vier gebliebenen Bandmitglieder über sich ergehen lassen mussten, wie lange sie diskutierten, abwogen und stritten bis sie endlich gefunden war- die Frau, die Alev ersetzt. Die ähnlich singen kann, eine ähnliche Livepräsenz besitzt und sogar so ähnlich heißt.
Und ich muss feststellen, die Mühen haben sich gelohnt. Alex ist klasse. Auch wenn ich sie bisher nur aus der Konserve kenne. Ihr Gesang erinnert zwar durchaus an ihre Amtsvorgängerin, hat allerdings eine eigene Note. Überzeugt bei harten, tief dröhnenden Moshparts ebenso wie bei melodiösen, ruhigen Stellen. Begeisterung meinerseits. Glücklicherweise waren ALEV clever genug, keine weiteren gravierenden Umbesetzungen oder Stilwechsel vorzunehmen. So besitzt die Band Wiedererkennungswert, hat durch die neue Sängerin allerdings auch eine ordentliche Brise frischen Windes im Segel. So gibt's qualitativ ansprechenden NuMetalsound, komplex geschrieben und durch überraschende Tempiwechsel erfreulich abwechlsungsreich. Der leicht melancholische Unterton, der dem Album anhaftet, dürfte neben allen Neumetallern auch Freunde eher traditionellen harten Liedgutes, Alternativefans, Fans von singenden Frauen und vielleicht sogar schwarze Gothic-Vogelscheuchen begeistern. Ich behaupte sogar, dass ALEV es mit diesem Album in Hitparaden schaffen könnten, so radiotauglich erscheint mir ihr neues Album. Das ist hier keineswegs polemisch sondern als ehrliches Kompliment zu verstehen!
"Alev" ist eine sagenhafte Platte. Dennoch verkneife ich mir die Höchstpunktzahl. Denn, und das ist leider das, was den gemeinen Musikkonsumenten interessiert, es geschieht zu wenig erkennbar Neues auf diesem Album. ALEV machen im Großen und Ganzen das, was sie auf ihrem Debüt "We Live In Paradise" auch getan haben. Das ist zwar einwandfrei gemacht und sehr gut hörbar, allerdings nicht mehr so frisch und neu wie auf dem ersten Album.
Ich freue mich darauf, ALEV im Sommer mal wieder live zu erleben- spuit's amoi in Fronkfuat, Buam! Und Madl auch! I' frei' mi' 'etz' scho' wia narrisch!
   
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