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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

P.O. BOX - ...And The Lipstick Traces
Band P.O. BOX
Albumtitel ...And The Lipstick Traces
Label/Vertrieb Long Beach Records
Homepage www.pobox-band.com
Verffentlichung 02.11.2007
Laufzeit 48:44 Minuten
Autor Christian Schfer
Bewertung 15 von 15 Punkten
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P.O. BOX kommen aus Nancy, spielen lupenreinen Ska-Punk und lassen hierbei fter mal ihre Vorliebe fr derben Hardcore und wilde Screamo-Attacken durchschimmern. Soweit fallen die sechs Jungs hchstens durch ihr unglaubliches Zusammenspiel auf, wobei mich Bassist Olive trotz stinkefingerbrecherischer Geschwindigkeit mit unglaublich songdienlichem Spiel beeindruckt.
Das Besondere an den Franzosen ist jedoch, dass sie eine Botschaft haben - eine ernsthafte Botschaft, abseits von irgendwann schon gehrten "Legalize it"-Parolen und stumpfem "Nazis-auf-die-Glatze-kotzen"-Gebrll. P.O. BOX setzen sich kritisch und sehr przise mit Themen wie Globalisierung, staatlicher berwachung und Restriktion, Religion und religisem Fundamentalismus, Konsumsucht etc. auseinander. Auerdem gibt's eine wenig verblmte Kritik am Musikgeschft ("Music has Taken A Backseat To Haircuts") von bzw. und Empty V (allein das Wortspiel - geil, oder??) und der Geldgeilheit von Konzernbossen, die sich mittels Musik den Arsch vergolden. Und dafr hoffentlich mal in der Hlle braten - die Jungs sprechen nicht nur mir aus tiefstem Herzen. Im Booklet zum Album gibt's alle Texte samt dazugehriger Erklrung. So bezieht sich der Albumtitel z.B. auf ein Buch von Greil Marcus, einem amerikanischen Autoren, Musikjournalisten und Universittsdozenten, der sich als Kulturkritker besonders mit dem Einfluss der Populrkultur auf die Gesellschaft befasst. Als Klassiker in dieser Hinsicht gilt sein Buch "Lipstick Traces: A Secret History of the 20th Century", welches sich mit Dadaismus, Lettrismus und der Situationistischen Internationale und ihrem Einfluss auf moderne Gegen- und Undergroundkultur beschftigt (Kurze Zusammenfassung von wikipedia.de).
Diese immense Themenvielfalt wird - trotz ihrer Unerfreulichkeit - nicht in monumental-orchestrierten Kummerepen, sondern in 13 knackigen, pogbaren Titeln prsentiert. Eine ultratighte Rhythmusgruppe (bestehend aus besagtem Olive und Schlagzeuger Hugo) zimmert uns bombenfeste Fundamente ins Ohr, ber denen sich die Blser Yul (Trompete) und Jaws (Posaune) stets kurz vor der Hyperventilation bewegen, whrend Gitarrero Jay und Snger Seb loslegen als ob es kein morgen gbe. Eine derart gelungene Verbindung von fundierter Gesellschaftsanalyse und -Kritik gab es bisher nur bei RAGE AGAINST THE MACHINE. Ein unglaubliches Debt.
   
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