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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

SATYRICON - Volcano
Band SATYRICON
Albumtitel Volcano
Label/Vertrieb Virgin
Homepage www.satyricon.no
Verffentlichung 28.10.2002
Laufzeit N/A
Autor Andre Kreuz
Bewertung 11 von 15 Punkten
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Die dunklen mittelalterlichen Zeiten des Schattenthrons sind ja leider schon lange Vergangenheit. Richtig abgeschrieben hatte ich SATYRICON allerdings erst nach dem wegweisenden Werk „Nemesis Divina“, denn mit den beiden Maxis und der darauf folgenden extravaganten Rebellion konnte ich nicht viel anfangen, ums mal euphemistisch auszudrücken.
Somit ging ich auch mit einem äußerst flauen Gefühl in der Magengegend an das neueste Output des Duo Infernales Satyr/Frost. Und eins kann ich jetzt getrost vorwegnehmen: Mit dem, was mir da entgegen krachte, hatte ich mal eben überhaupt nicht gerechnet! Erst recht nicht, nachdem man von Nuclear Blast zu Virgin Records, also auf ein noch größeres Label gewechselt ist, die Moonfog-Zeiten sind ja längst vorbei...
Aber umso positiver wurde ich überrascht! SATYRICON orientieren sich auf „Volcano“ erstaunlich stark an ihren rauen Wurzeln, das Werk ist um EINIGES straighter als das für meinen Geschmack zu wirre „Rebel Extravaganza“ geworden. Und das ist auch verdammt gut so! Die Norweger, die für den amtlichen Sound u.a. extra in die dänischen Puk Studios geschippert sind, ziehen den Hörer die komplette CD durch tief hinab in einen bodenlosen Abgrund, in einen konturlosen Alptraum aus Kälte und Hass... Die Grundstimmung des Scheibchens ist durch und durch negativ und voll von Aggression und kann grob als eine Schnittmenge aus „Nemesis Divina“ („With ravenous hunger“, „Repined bastard nation“), rohen Thrash-Riffs („Fuel for hatred“, „Possessed“) und einigen Überbleibseln des vertrackten Vorgänger-Albums („Angstridden“) umschrieben werden. Besonders bei Songs vom letzteren Kaliber merkt man, dass hier auf weitere Experimente verzichtet wird und statt dessen auf vergangene Erfahrungen zurückgegriffen wird, so dass trotz des ständig wechselnden Songmaterials eine schlüssige Homogenität erreicht wird, die „Volcano“ zu einem wahren Hochgenuss werden lässt! Hätte ich den beiden wirklich nicht mehr gegeben, so kann man irren! Von wegen Major-Label = Verweichlichung!
Endlich hört sich SATYRICON wieder nach nordischem Schwarzmetall an, da tun auch die drei eingestreuten Frauen-Gesang-Parts keinen Abbruch, im Gegenteil! Anstatt engelsgleich den Metal kleinzuzwitschern greift man auf eine Art Sprechgesang zurück, der die psychotische und kranke Atmosphäre nur noch mehr verdichtet, noch düsterer, noch verzweifelter und wahnwitziger werden lässt...
Die Band hat mit „Volcano“ ein Kaleidoskop voll böser Energie geschaffen, dass einen ein ums andere mal eine knappe Stunde lang mit kalten Fingern in eine absurde Welt des Wahnsinns zieht und aus der man danach nur ungern wieder in die banale Realität zurückkehrt. Für mich DIE Überraschung des Jahres im Black Metal Sektor, wer hier nicht zuschlägt, ist selber schuld.
   
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