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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

NEVER FACE DEFEAT - Human Weapons
Band NEVER FACE DEFEAT
Albumtitel Human Weapons
Label/Vertrieb Demons Run Amok
Homepage www.mkhc.de
Verffentlichung 22.01.2006
Laufzeit 33:38 Minuten
Autor Thomas Roos
Bewertung 7 von 15 Punkten
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Ich hab mir noch keine Promo so oft rein gezogen, weil ich mir bei der Bewertung so schwer getan hab. Das liegt wohl daran, dass ich der Band selbst sehr nahe stehe. Nach der Grndung im Mai 2001 ging man mit groen Ambitionen ans Werk und ging trotz unverschuldeter Rckschlge einen konsequenten Weg, dessen Ergebnis der DRA-Deal mit der Verffentlichung des Debts "Remember Your Heartbeat" war. Damit war eine Basis gelegt, aus der man einiges htte machen knnen. Nachdem nun drei Jahre spter das Nachfolgewerk vorliegt und ich mir die Entwicklung der vergangenen Jahre betrachte, muss ich aber leider feststellen, dass man es nicht geschafft hat. Ein Grund dafr ist sicher, dass man den unntigen Ballast aus der Pr-NFD-ra, von dem man sich eigentlich lsen wollte, um voran schreiten zu knnen, sowohl aus Sentimentalitts- als auch aus Selbstprofilierungsgrnden doch nie ganz abgelegt und den eingeschlagenen Weg letztlich doch nicht so konsequent verfolgt hat, sondern sich damit selbst eher hinderlich war. Man hat es aber auch nicht geschafft einen zumindest gleichwertigen, geschweige denn einen hochwertigeren Nachfolger zu RYH abzuliefern. RYH war eine runde Sache, "Human Weapons" hingegen hakt zu sehr. Bei gengend Bands ist das absichtlich der Fall, hier sind als Grnde aber Einfallslosigkeit und fehlende Kreativitt anzugeben. Es gibt zu wenig Aha-Erlebnisse, whrend die sechs Songs so dahin pltschern. Das fngt schon beim Intro an, welches gekonnt einen Spannungsbogen aufbaut, der auf einen Hhepunkt warten lsst, schlielich aber einfach verpufft. Dadurch wirkt das Intro mit knapp drei Minuten am Ende viel zu lang. "Empty Hearted" ist ein echter Old School Song mit jeder Menge Background-Shouts. Der frhlichste Song der Scheibe passt aber so gar nicht zu dem extrem depressiven Text. Mglicherweise bin ich da etwas voreingenommen, weil der Text von mir stammt, aber der Song ist wohl ein Paradebeispiel dafr, dass die Komposition der Musik gnzlich unabhngig von der Verfassung des Textes abgelaufen, beides nicht aufeinander abgestimmt worden ist und sich bei der Zusammenfhrung auch keine Gedanken darber gemacht wurden, ob das berhaupt passt. Alter, das geht mal echt gar nicht! Wenn ich den Song hre, hab ich ein Bild von einem Haufen potentieller Suizidkandidaten vor Augen, die auf einer bierseligen Party auf ihren eigenen Tod anstoen und dieses Lied lustig mitgrlen, um sich direkt im Anschluss gemeinsam aus dem Fenster zu strzen. Da bekommt die Phrase "True Till Death" eine ganz neue Bedeutung. Ansonsten spiegeln die Lyrics viel Nachdenklichkeit und Menschlichkeit wieder, wobei der Verfasser einige Schwierigkeiten hat, dies auch lyrisch adquat und mit einer gewissen Eloquenz auszudrcken. Dabei bleibt leider viel von der potentiellen Wirkung auf der Strecke. "Important" unterscheidet sich vom Inhalt her jedoch und drckt zwischen den Zeilen Verbitterung darber aus, dass man es selbst nie so weit gebracht hat wie man gerne mchte. Allerdings sollte man bei der Suche nach den Grnden nicht nur nach anderen schauen. Am produktivsten ist es stets, wenn man erst mal bei sich selbst anfngt. Gerade Authentizitt und Glaubwrdigkeit, Verbundenheit und Hingabe sind nun einmal Dinge, die in der Szene zhlen und Hardcore letztlich ausmachen (Nix fr ungut, Casi! Du weit selbst zu gut, was ich meine). Am besten auf dieser CD gefllt mir noch das coole Zwischensample beim Titeltrack. Wirklich cool ist auch das Artwork, fr das erneut Boris Pracht verantwortlich ist. Von der Laufzeit sind noch fnf Minuten Leerlauf abzuziehen, die vor dem Hidden Track liegen, der eine Coverversion des Ryker's-Songs "Past The Point" ist. Aber mit der verbleibenden knappen halben Stunde ist man mehr als gut bedient, wenn man bedenkt, dass die Scheibe als MCD angeboten wird. Wo Bands heute ein paar Minuten Musik auch schon fr teuer Geld als Album verkaufen, ist das auf jeden Fall sehr angenehm. Das Ding ist an sich ja auch ganz nett, kann bei mir aber leider nichts bewegen. Ohne ihn merklich zu erreichen, haben NFD ihren Zenith anscheinend schon berschritten und alles was noch folgt ist wohl mehr ein Dahinschleppen ohne weiter schreiten zu knnen. Die Frage ist natrlich auch, ob das in diesem Genre eigentlich ntig ist oder berhaupt ntig sein sollte und weiterhin was man sich selbst erhofft aus seiner Band raus holen zu knnen. Bassist Carsten sollte jedoch die Energie, die er jetzt noch fr NFD "verschwendet" besser in sein Label "Lucifer's Legions" investieren, denn da steckt bedeutend mehr Potential drin und das hat sicher mehr Zukunft.
   
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