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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

AGNOSTIC FRONT - Another Voice
Band AGNOSTIC FRONT
Albumtitel Another Voice
Label/Vertrieb Nuclear Blast Records
Homepage www.agnosticfront.com
Verffentlichung 22.11.2004
Laufzeit 27:46 Minuten
Autor Thomas Roos
Bewertung 12 von 15 Punkten
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Als sie sich nach dem Release der "One Voice" und der darauffolgenden Tour in 1993 vorlufig aufgelst hatten, traten AF, Initiatoren und Hauptverantwortliche fr die Entstehung und Prgung des Wortes Hardcore zu Beginn der 80er Jahre, noch als die Band berhaupt in der Szene ab. Nach der Reunion 1997 hat man sich dann Schrittweise vom "One Voice"-Material entfernt und es schlielich ganz zurck gelassen. Vor knapp zweieinhalb Jahren erzhlte mir Roger, dass sie diesen Style eher vermeiden wollen und er die Sachen wenn berhaupt nur noch einmal mit den Bandmitgliedern aus der "One Voice"-Phase spielen wrde. Gerade fr den Bassisten Mike Gallo sei es kein gutes Material, da er es nicht so spielen knne, dass es sich auch gut anhrt. So haben sich die Outputs seit dieser Zeit, wohl auch dem Label entsprechend, immer mehr in Richtung Punk entwickelt, wurden gleichzeitig aber auch immer schlechter. Das konnte dem Status der Band zwar nichts anhaben, da deren Verdienste unbestritten sind. Die Prsenz in der heutigen Zeit wurde aber zunehmend irrelevanter und sie lieen die Reunion zunehmend berflssig erscheinen. Was hab ich mich gewundert, als die Tour in diesem Sommer unter dem Namen Another Voice lief. Der Verwunderung folgte eine ungewisse Erwartungshaltung und letztendlich eine faustdicke, aber erfreuliche berraschung, denn whrend der Tour konzentrierte man sich neben wenigen guten Songs der letzten Jahre (doch, auch da gab es noch welche) fast ausschlielich auf alte Klassiker und jede Menge "One Voice"-Material. Da fhlte man sich 11 Jahre zurck versetzt. Zudem folgte die Ankndigung, dass ein neues Album unter dem Titel "Another Voice" in den Startlchern stehe und der dargebotene Song lie auf den langerwarteten Nachfolger zu "One Voice" hoffen. Nun liegt das Album vor und eine grere berraschung als die Songs ist sicherlich das Label. Nuclear Blast haben noch nie ein HC-Album verffentlicht. Aber eine Band mit diesem Status verkauft sich ja sicherlich auf jedem Label gut. Nach den Epitaph-Releases erzeugt das aber auch ein wenig den Eindruck, als wrde die Band ihre Musik dem Label anpassen. Oder ist es einfach nur die Erkenntnis, dass man sich in den letzten Jahren einige Sympathien verscherzt hat, die wiederum zu dem Versuch gefhrt hat, trotz der erwhnten Aussprache gegen diesen Style, doch wieder den vor ber einer Dekade eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Wie dem auch immer sei, fernab jeglicher Spekulation kann man sicher sagen, dass Jamey von Hatebreed als Produzent und Ex-Mitglied Matt Henderson, der viele Songs des "One Voice"- Albums geschrieben hat und auch an der Arbeit fr dieses Album wieder beteiligt war, einen ordentlichen Anteil am Sound haben. Seltsamerweise ist aber Mike Gallo, der ja solches Material angabegem nicht adquat umsetzen kann, immer noch in der Band. Aber da er mittlerweile von seinem Bruder Steve an den Drums und Lenny DiSclafani an der zweiten Gitarre, die fr diesen Style sicher unerlsslich ist und bis vor kurzem noch gefehlt hat, untersttzt wird, scheint das fr ihn nun auch kein Problem mehr zu sein. Das Besetzungskarussell um die Stigma/Miret-Achse dreht sich also weiterhin unaufhrlich. Auerdem hrt sich das Album auch nicht direkt nach "One Voice" an, sondern eher nach einer Mischung mit "Victim in Pain", der ein Hauch "Somethings's Gotta Give" hinzu gefgt wurde.
Mit einem kritischen Blick auf die Welt greift man durch die Lyrics auch wieder die traditionellen Werte des HC auf. Ein Songtitel wie "Pride, Faith, Respect" spricht fr sich und bedarf keiner weiteren Worte. Mit "Hardcore! (The Definition)", "Dedication" oder "I Live It" zeigen AF, was HC fr sie bedeutet und eigentlich auch fr jeden, der sich zu dieser Szene zhlt, bedeuten sollte. Ich kann zwar schon wieder die Aufschreie derjenigen hren, denen das zu aufgesetzt und zu bertrieben ist. Aber das sind meistens auch diejenigen, die den aktuellen Szene-Trends und Hypes hinterherlaufen, welche ohnehin bald wieder verschwunden sind. Und in einer Zeit, in der jeder Spacko, der harte Musik macht und ein Tattoo hat, gleich denkt sich Hardcore schimpfen zu knnen, sind solche Texte wichtiger als je zuvor. Mit dem Opener "Still Here" und "It's For Life" machen AF klar, was sie von solchen Leuten unterscheidet, denn aufgesetzt ist das ganz und gar nicht.
ber die Grnde, die zu diesem Output gefhrt haben, kann man erst mal nur spekulieren. Als Resultat liegt nach mehreren Jahren und vor allem dem Vorgnger "Dead Yuppies" aber wieder ein respektables Album vor, welches den Status der Band in der Szene wieder ein wenig ins rechte Licht rckt. Agnostic Front knnen zwar schon auf weitaus wichtigere Releases zurckblicken. Aber wer wei...Wenn man diesen Weg weiter geht und noch an sich arbeitet, dann liegt vielleicht eines Tages noch mal ein Klassiker vor.
   
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