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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

ES WAR MORD - Unter Kannibalen
Band ES WAR MORD
Albumtitel Unter Kannibalen
Label/Vertrieb Sounds of Subterrania / Cargo, Finetunes
Homepage www.facebook.com/eswarmord.official/
Verffentlichung 23.06.2017
Laufzeit 42:55 Minuten
Autor Marc Fischer
Bewertung 12 von 15 Punkten
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Die Berliner Punkband ES WAR MORD bringt mit "Unter Kannibalen" ihre erste Langspielplatte raus, mit Newcomern hat man es hier aber keineswegs zu tun. Vielmehr setzt sich die Band aus etlichen alten Punkbands zusammen, von denen ich mit den Skeptikern und Vorkriegsjugend immerhin zwei Gruppen entfernt kenne. Allein das Beispiel der 80er Punkcombo Vorkriegsjugend zeigt aber, dass hier alte Hasen unterwegs sind, die schon alles gesehen haben drften.
So rau wie in den Achtzigern geht es hier aber keineswegs zu. Bruchte man ein Beispiel, um zu zeigen, wie sich Punk von rebellisch und jugendlich zu erwachsen und nachdenklich entwickeln kann, knnte man ES WAR MORD mit ihrer neuen Platte in jedem Fall heranziehen. Die aggressive Note ist einem gewissen Zynismus im Gesang gewichen und die Lieder haben weit mehr Melancholie als bloe Wucht. Um einen Vergleich soll es hier aber gar nicht gehen, auch wenn man ihn von einer ganz anderen Seite aufziehen knnte. Denn entgegen all den anderen Punkbands, die mir in der letzten Zeit untergekommen sind, hebt sich das Hauptstadtquintett unglaublich positiv ab. Das liegt einerseits an den Texten und der Art und Weise des Gesangs, der mit "phonetischer Willkr" in der Biografie schon goldig ausgedrckt ist. Der Gesang wird hier kaum taktuntersttzend eingesetzt, die Geschichten mit ihrem subtilen Hintergrund wirken dadurch aber nur umso mehr. Das dann auch noch gute Riffs wie beim Opener "Gespenster" oder im traurigen "Rosige Gesichter" herauskommen, macht die Scheibe nur umso ansprechender. Damit zeigen ES WAR MORD aus meiner Sicht, wie moderner und sich nicht stndig kopierender Punk aus Deutschland heute klingen kann und wieviel mehr knstlerischer Anspruch mglich ist. Selbst in einem solch "begrenzten" Raum, in dem man sich genretechnisch befindet. Ein weiteres Kunststck ist in dem Zusammenhang, dass sich alles wie aus einem Gu anhrt, obwohl hier immer wieder andere Schubladen mit angetastet werden. Mal geht es klassischer zu wie in "Substanbul", dann ist es pltzlich rock'n'rollig am "Freitag der 13te". Dadurch wirkt es nie eintnig und bleibt auf einem spannenden Level.
So ist "Unter Kannibalen" schon beinahe das Album, worauf ich mich jedes Mal gefreut habe, wenn es hie: "Mach mal hier die Punkband, hast du ja mal gehrt." Vielleicht bin ich ja nebenbei auch erwachsen geworden...
   
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