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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

UDO LINDENBERG - Stärker Als Die Zeit
Band UDO LINDENBERG
Albumtitel Stärker Als Die Zeit
Label/Vertrieb Warner Music Group
Homepage www-udo-lindenberg.de
Veröffentlichung 29.04.2016
Laufzeit 62:17 Minuten
Autor Peter Hollecker
Bewertung 10 von 15 Punkten
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In gut zwei Wochen am 17. Mai wird die Deutsch Rock Legende Udo Lindenberg 70 Jahre alt. Seit den frühen Siebzigern begleitet mich der Panik Panther mit seinem Orchester und vielen schönen Liedern durch mein Leben. Sicher, sein überraschendes Comeback vor sechs Jahren mit dem Nr. 1 Album "Stark Wie Zwei", seinem eigenen Musical "Hinter`m Horizont" in Berlin und ausverkauften Tourneen hievten den in einem Hamburger Hotel lebenden Lindenberg zusammen mit Grönemeyer und Maffay ganz nach oben in der Liste der erfolgreichsten deutschen Künstler. Dabei ist seine näselnde Stimme eher für Parodien geeignet, ist jedoch zu seinem Markenzeichen geworden. Neben der Musik malt er noch Bilder mit Eierlikör, die ebenfalls mittlerweile hohe Preise erzielen. Naja, Udo ist schon so etwas wie eine Kunstfigur, die sich verdammt gut inszinieren und vermarkten kann. Nun also sein neues Studio Album, noch eine Mammut-Tour und sogar eine ARD-Doku, die am 01. Mai um 21:45 Uhr nach dem Tatort ausgestrahlt wird bzw. wurde. Doch das Thema hier ist die Platte, die mit Sicherheit die Spitze der Verkaufscharts entern wird. Udo Lindenberg schreibt seine Musik ja nicht mehr selbst, dafür hat er das Team engagiert, das schon sein erwähntes letztes Album komponiert hat. Allerdings textet er noch fleißig. Wer also Neues erwartet hat, wird enttäuscht werden, vielmehr wird die jüngere Erfolgsformel auf die Spitze getrieben. Politische Texte gibt es nur noch einen, und zwar das orchestrale "Kosmosliebe", was ich persönlich etwas schade finde. Aber so einen Song wie "Wozu Sind Kriege Da" schreibt man wohl nur einmal im Leben, aber wenigstens ist sein damaliger Duettpartner Pascal Kravetz (Sohn des Panik Orchester Keyboarders Jean Jaques Kravetz) noch mit an Bord, denn er schreibt auch Musik für Udo, genau wie sein Vater übrigens. Jedenfalls stehen Leben und Ansichten des Künstlers textlich im Vordergrund, was mich nach den fünfzehn Liedern ehrlich gesagt etwas ermüdet. Ein sehr extrovertiertes Album also, das jedoch durchaus auch seine starken Momente hat. Wenn er z.B. von seiner überwundenen Alkoholsucht erzählt ("Mein Body Und Ich"), der Arbeit auf der Bühne ("Der Einsamste Moment"), natürlich die Liebe ("Wenn Du Gehst") oder sich an seine Eltern erinnert ("Eldorado") nimmt man ihm diese Ehrlichkeit ab. Doch das Meiste kennt man alles ja schon von seiner letzten Scheibe und der Song "Plan B" könnte Teil 2 von "Ich Mach Mein Ding" sein. Udo feiert sich halt am liebsten selber ("Dr. Feel Good") und ich denke, dass er sich tatsächlich für eine "Coole Socke" hält, wenn er seinen Fans in diesem Stück Verhaltenstips gibt. Augenzwinkernd und witzig auch "Wenn Die Nachtigall Verstummt", als ihn der Sensemann an der Hotelbar abholen will, weil die Engel im Himmel schon sehsüchtig warten würden. Alle Songs sind mega eingängig und Singles für`s Radio findet man reichlich, im Grunde genommen ist jeder 2. dazu geeignet. Mein persönlicher Favorit ist der abschließende Titelsong, der ebenfalls mit Orchester eingespielt wurde, sehr bombastisch klingt und etwas an den Soundtrack von "Der Pate" erinnert. Insgesamt ein durchdachtes, auf den Mainstream gebürstetes, etwas zu glattes und braves Album, das seine Fans gnadenlos abfeiern werden.
   
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