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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

VON BRÜCKEN - Weit Weg Von Fertig
Band VON BRÜCKEN
Albumtitel Weit Weg Von Fertig
Label/Vertrieb Four Music/Sony
Homepage www.vonbruecken.de
Veröffentlichung 30.10.2015
Laufzeit 69:10 Minuten
Autor Peter Hollecker
Bewertung 12 von 15 Punkten
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Kurz vor Weihnachten wurde ein Konzert in der Rockpalast Reihe ausgestrahlt, das mich auf eine neue Band brachte, die eine Erwähnung auf unserer Seite finden sollte. Von Brücken nennt sich das Ganze und Initiator ist der ehemalige Jupiter Jones Sänger Nicholas Müller. Nanu, kenn ich doch irgendwo her werden sich jetzt viele sagen. Richtig, vor ein paar Jahren lief deren Superhit "Still" im Radio rauf und runter. Seitdem hörte man immer weniger von dieser Kapelle und mittlerweile ist es richtig "Still" geworden, welch Ironie, obwohl ein neuer Sänger integriert wurde. Doch der Erfolg vergangener Tage ist futsch. Ein Grund dafür dürfte der Weggang eben jenes Nicholas Müller sein, der sowohl Stimme als auch Haupt Songwriter von Jupiter Jones war. Der litt an einer schweren Angststörung und zog sich zunächst völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Im letzten Jahr war das Schlimmste überstanden und er fand die Kraft, ein neues Projekt ins Leben zu rufen. Unterstützung fand der dabei im hohen Maße von Tobias Schmitz, mit dem zusammen er Von Brücken gründete.

Musikalisch bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen Alternative Rock ("Blendgranaten" oder "Das Türen-Paradoxum"), Pop (z.B. "Gold Gegen Blei") und Singer/Songwriter ("Dann Sammle ich Steine") mit sehr eingängigen Melodien und hohem Wiedererkennungswert. Das liegt sicher auch an der starken Stimme Müllers, aber vor allem an den persönlichen, meist emotionalen wie auch kritischen Texten. Wenn der Künstler etwa in "Lady Angst" von seiner Krankheit erzählt oder bei "Die Sache mit Dem Toten Clown" eine Bestandsaufnahmen seines Lebens aufnimmt, ist das meines Erachtens ganz großes Kino für Hirn, Herz und Ohren. Dabei bleibt der Tattoo-Fan immer glaubwürdig, nachvollziehbar und baut ganz nebenher Brücken zum Hörer, die in den Texten eigene Erlebnisse oder Erfahrungen sehen bzw. sich ihre eigene Interpretationen dazu denken können . Das erklärt den passenden Bandnamen denke ich. Dabei erstaunt die lyrische Wucht in den meisten der 14 Songs ("Die Sache Mit Dem Toten Clown" , "Elephanten" oder das geniale "Die Parade"), die es tatsächlich mit der eines Daniel Wirtz aufnehmen kann. Auch politisch gibt man mit "Der Tanz" ein schönes Statement ab. Die Umsetzung erfolgt dabei sehr opulent, ein Cello und Violine sind desöfteren eingebunden, was natürlich sehr gut zu den oftmals balladesken Klängen passt. Zwei Gäste haben sich Von Brücken eingeladen, so sind die Stimmen von Rocky Votolato und Thomas D auf jeweils einem Stück zu hören.

Insgesamt dürfte diese beeindruckende Deutsch Rock Platte all jene interessieren, die Wert auf kluge, anspruchsvolle Texte legen, die mit guter Musik unterlegt sind und mit starker Stimme vorgetragen werden.
   
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