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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

DEVIN TOWNSEND PROJECT - Z²
Band DEVIN TOWNSEND PROJECT
Albumtitel
Label/Vertrieb Insideoutmusic / Universal Music
Homepage www.hevydevy.com
Alternative URL www.facebook.com/dvntownsend
Veröffentlichung 24.10.2014
Laufzeit 56:33 & 60:22 Minuten
Autor David Lang
Bewertung 14 von 15 Punkten
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Ich mach's kurz: "Ziltoid The Omniscient" genießt bei mir, trotz hohen Fanboytums gen Devin Townsend, keinen allzu hohen Stellenwert. Zu zerfahren und sperrig wirkte das 2007 erschienene Konzeptalbum über ein Alien auf der Suche nach dem ultimativen Kaffee auf mich. Meine Erwartungen an den groß angekündigten zweiten Teil waren entsprechend gering, was aber den Vorteil mit sich brachte, dass ich halbwegs entspannt, als Fan eben aber auch ein wenig GEspannt an dieses Review gehen konnte.
Bei "Z²" handelt es sich nicht um einen einfachen zweiten Teil, geschweige denn einen lauen Aufguss des ersten Teils. Wer sich mit Mr. Townsend ein wenig beschäftigt wird derlei Simples aber auch nicht erwartet haben. Das Konzept umfasst gleich 2 CDs, wovon die erste, "Sky Blue" getauft, eine Devin Townsend Project Scheibe in der Tradition solcher Meistwerke wie "Ocean Machine", "Addicted" oder "Epicloud" darstellt. Im Klartext heißt das grandiose, ohrenschmeichelnde Melodien, teils episch ausufernd und soundtechnisch erneut bombastisch in Szene gesetzt. Das Element des Ausufernden möchte ich jedoch auch direkt als Kritikpunkt anbringen. Manche Songs wollen scheinbar nie zum Ende kommen. Wären es einfach die großen Riffs, die etwas länger durch exerziert würden, hätte ich damit wenig Probleme, doch hier ist es gerne mal, den Song nicht gerade vorwärts bringendes, waberndes Soundgeblubber. Das grundsätzlich göttliche "Before We Die" schießt da den Vogel mit über 3 Minuten "Leerlauf" am Ende ab. Das ist aber Meckern auf ganz hohem Niveau und soll sich in der Gesamtwertung nicht wirklich niederschlagen. Ungeduldige sollten nur vorgewarnt sein.
Ansonsten kickt das eröffnende "Rejoice" mit seinem Hauptthema sofort massivst Arsch. Groove und Melodie; niemand verbindet diese Elemente so stimmig und geschmackvoll wie mein Lieblingskanadier. "Midnight Sun" beispielsweise, hätte rein von der Idee her in den falschen Händen sehr schnell kitschig klingen können, hier ist es einfach nur wunderschön. "Universal Flame", "Warrior", der Titelsong (Radio, ick hör dir trapsen), das lange "Rain City" oder das bereits erwähnte "Before We Die" sind jetzt schon unsterbliche Ohrwürmer, die sich nahtlos in die klassikergespickte Diskographie des Tausendsassas einreihen.
Dabei darf man nicht vergessen, dass auch seine erfahrene Band des Meisters Ideen großartig in Szene zu versetzen mag und auch Dauergast Anneke van Giersbergen wieder wundervoll abliefert. Die Stimmen der beiden sind im Paket schlichtweg begeisternd.
CD2, namentlich "Dark Matters" ist dann die eigentliche Fortsetzung des Ziltoid-Albums und hat noch mehr Hörspielcharakter als sein Vorgänger. Für meinen Geschmack hat Devin es jedoch geschafft das Ganze viel stimmiger, flüssiger und hitbetonter zu arrangieren, wenn, ja wenn auch hier wieder einige Längen zu verzeichnen sind. Möchte man es positiv ausdrücken hebt es natürlich den Musicalcharakter lediglich hervor, und nach mehrmaligem Hören möchte man letztlich auch kaum Stellen missen.
Neben van Giersbergen, die auch die "Dark Matters"-Songs veredelt finden sich noch weitere Gastmusiker. Neben Fozzy-Sänger Chris Jericho, der als leicht dümmlicher Captain Spectacular zu unterhalten weiß, hatte Townsend im Vorfeld der Produktion der Scheibe die grandiose Idee, seine Fans Gesangsspuren für den sogenannten "Universal Choir" einsingen zu lassen. 3 Songs werden auf dem Album durch diesen riesigen Chor noch mal so bombastisch. Eine ganz wunderbare und sehr fannahe Idee.
Weitaus durchgeknallter als "Sky Blue" präsentiert sich sein "dunkler Bruder" und erinnert so, wie in meinem im Sommer geführten Interview bereits angekündigt, eher an eine Mischung aus "Punky Brüster" und "Deconstruction". Definitiv nichts zum Nebenbeihören.
Obwohl Townsend mittlerweile schon selbst lange zu denen gehört, die andere inspirieren, so hat er sich zu den Aufnahmen für dieses Monstrum ebenfalls und sehr deutlich Ideen anderer genommen und ein wenig umgemodelt in sein Material eingebaut. Dead Or Alives "You Spin Me Round" und Prokoviefs "Peter und der Wolf" sind nur zwei Beispiele. Achtet mal drauf!
Ganz ohrenscheinlich nahm er sich Kritiken zu Herzen, die sagten, dass die Hörspieleinlagen der Musik teilweise den Flow nähmen, und so gibt es das Album auch als 3-CD Edition, in der der "Dark Matters" Scheibe eben diese Einlagen fehlen.
Was bleibt mir zu sagen... Dieses Album sollte man als Fan origineller Musik zumindest einmal gehört haben... Devin-Fans habe es ohnehin schon.
   
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