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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

IHSAHN - Das Seelenbrechen
Band IHSAHN
Albumtitel Das Seelenbrechen
Label/Vertrieb Plastic Head / Soulfood
Homepage www.ihsahn.com/
Alternative URL https://www.facebook.com/ihsahnmusic
Verffentlichung 25.10.2013
Laufzeit 47:55 Minuten
Autor Marc Fischer
Bewertung 13 von 15 Punkten
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Diverse Zuflle fhrten im Sommer dazu, dass ich IHSAHN auf dem Wacken nicht nur live sehen durfte, sondern mit der Band sogar vereinzelt Smalltalk machen konnte. Dass die Musiker so freundlich und dermaen tiefenentspannt waren, dabei noch so kommunikativ und kontaktfreudig, ist nach meinen Erlebnissen berhaupt keine Selbstverstndlichkeit. Mit umso mehr Sympathie war meine Freude recht gro, in die neue Scheibe "Das Seelenbrechen" fr die nun folgende Rezension reinschnuppern zu drfen. Live war ich von IHSAHN nicht so richtig berzeugt, was aber mehr an der frhen Tageszeit lag und auch daran, dass diese avantgardistische Musik vielleicht nicht unbedingt fr eine Mainstage auf dem Wacken bei brennender Mittagshitze und 35 Auentemperatur + strahlendem Sonnenschein gemacht ist. Daher hielt sich der Zuspruch des Publikums seinerzeit schon arg in Grenzen. Aber den Status zum Kult hin erwarb sich IHSAHN ja ohnehin schon weit frher.
Nun haben wir November, der das Ambiente fr "Das Seelenbrechen" weitaus angenehmer gestaltet, und da klingt solch progressiver und experimenteller Rock doch direkt anders. Zumal die Konserve tatschlich die ganzen Differenzierungen besser zur Geltung kommen lsst, als es live vor drei Monaten der Fall war. So wartet die Platte dann auch mit wahrlich emanzipatorischer Klangkunst und einer groen Portion Kreativitt und Einfallsreichtum auf. Die ersten vier Tracks "Hiber", "Regen", "NaCl" und "Pulse" knnten unterschiedlicher nicht sein und bringen trotzdem eine tolle Stimmung rber. Ich htte IHSAHN nie im Leben eine solche Gesangsstimme zugetraut! Man mag dazu auch "Spielereien" sagen, was da mit Keyboard und Saiteninstrumenten teilweise veranstaltet wird, dafr ist aber noch zu viel System dahinter. Doch auch mit dieser Konvention wird in "Tacit 2" gebrochen und es kommt ein dsterer, schwerer Brocken, der erst mit einem chaotischen Geschrammel und Gekeife richtig hoch geht, am Ende mit einer schrgen Schlagzeugfigur in sich zusammenfllt und dich mit seinem Ambient-Sound tief in den Abgrund zieht. Nachgefolgt von "Tacit" scheint wieder so etwas wie Ordnung in die Kompositionen zu ziehen. Der Gedanke hlt aber nur so lange, bis pltzlich sogar Blechblasinstrumente im schier unglaublichsten Moment des gesamten Songs auftauchen. Dass das Ganze dabei nicht zu einer Persiflage seiner selbst verkommt, zeigt eigentlich in diesem einen Moment die wahre Strke von "Das Seelenbrechen". Irgendwie passt alles noch zusammen und spielt der gesamten Befindlichkeit absolut in die Karten.
Auch bei den nachfolgenden Stcken "Rec", "M", "Sub Ater" und "See" ndert sich am Stil und der Ausrichtung nicht sehr viel. "Rec" steigert sich innerhalb von nur zweieinhalb Minuten vom absolut ruhigen Zeitgenossen mit cleanem Gitarrengezupfe und schner Gesangstimme in ein entstelltes, hektischer werdendes, schreiendes Gebilde. "M" und "Sub Ater" zeichnen sich durch eine dicke Portion psychedelischem 70s Rock aus, wie ihn auch Opeth gerne mal zelebrieren. Abschlieend liefert "See" einen fast todesartigen finalen Aussto, gleich einem letzten Atemzug, bevor man schlussendlich in die Trostlosigkeit abwandert.
Auf diesem Album funktioniert sehr viel, was man in den Kombinationen vielleicht gar nicht geglaubt htte. Die Fantasie und der Ideenreichtum auf "Das Seelenbrechen" sind aller Ehren wert und beweisen, was fr ein musikalischer Genius hinter IHSAHN steckt. Absolut tolle Nummer!
   
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