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24. April 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

MEMENTO WALTZ - Division By Zero
Band MEMENTO WALTZ
Albumtitel Division By Zero
Label/Vertrieb Eigenproduktion
Homepage www.mementowaltz.com/
Alternative URL https://www.facebook.com/memento.waltz
Verffentlichung 30.09.2013
Laufzeit 41:06 Minuten
Autor Alexander Meyer
Bewertung 15 von 15 Punkten
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Man knnte meinen, dass in einem Monat, in dem die neuen Alben von Fates Warning, Dream Theater und Subsignal erscheinen, diese etablierten Bands den Sieger unter sich ausmachen. Weit gefehlt! The winner is MEMENTO WALTZ!!! Nach zwei EPs legen die Italiener mit "Division By Zero" ihren ersten Longplayer auf`s Parkett, den man in einem Atemzug mit Watchtowers "Energetic Disassembly" oder Spiral Architects "A Sceptic`s Universe" nennen muss. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Letztgenannten verschollen zu sein scheinen und der Wachturm schon seit einer halben Ewigkeit an "Mathematics" rumbastelt, kann diese Granate von Album nur als Geschenk des Himmels fr alle Frickelfreaks da drauen gewertet werden.

Jeder, der im Matheunterricht aufgepasst hat, wei, dass man durch Null nicht teilen kann. Der Albumtitel suggeriert also, dass MW hier das Unmgliche mglich machen und so ist es auch. Wer die Jungs beim "Prog Power Europe"-Festival 2010 live erleben durfte, wei wovon ich spreche. Die vier Musiker sind absolute Meister ihres Fachs und vollziehen auf ihren Instrumenten Kunststcke, die man nicht alle Tage geboten bekommt. Gleichwohl verlieren die Azzurri niemals den Song aus den Augen und die hochkomplexen Arrangements klingen zu keinem Zeitpunkt zerfahren oder konstruiert. Auf "Division By Zero" haben sie im Vergleich zum Vorgnger "Antithesis Of Time" kompositorisch nochmal eine Schippe drauf gelegt. Im Einzelnen bedeutet das:

"Omicron" leitet das Album titelkonform mit dem ungeliebten PC-Ton ein, der ertnt, wenn man etwas falsch gemacht hat (so wie die Division mit Null). Dann tritt Gabriele hinter seinen Drums ein instrumentales Gewitter los, in das Bass und Gitarre einstimmen. Snger Marco hat seine Gesangstechnik offensichtlich noch weiter entwickelt und hat von traditionellem Metalgesang a la Halford/Dickenson bis zum schrgen Dane/Tecchio-Geschrei alles drauf, was ein Snger fr diese Art von Musik bentigt. Das Gastsolo von Matt Johnsen (Pharaoh) ist allererste Sahne.

"Opus Alchemicum" beginnt mit herrlich schrgen Gitarren, die von irrwitzigen Basslufen und unkonventioneller Beckenarbeit unterlegt werden. Oder unterlegen die Gitarren die Drums? Oder die Drums die Bsse?! Bei MW gibt es eigentlich nur Soloinstrumente! Das Jarzombek-Gedchtnis-Solo ist einfach nur geil und rundet diesen fast schon straighten Techno-Thrasher perfekt ab.

"Europa (Jupiter II)" fngt eher sphrisch an. MW brauchen dazu allerdings keine Keyboards, sondern leisten dies mit ihren Saiteninstrumenten, die im Mittelteil fast schon jazzy daherkommen. Ob der Titel bewusst nicht "Europe" lautet? Keine Ahnung! Im persnlichen Gesprch und nach Lektre der Texte lsst sich jedoch konstatieren, dass die Jungs noch Entwicklungspotenzial hinsichtlich ihrer englischsprachigen Kompetenz haben. Umso erstaunlicher, dass die Lyrics trotzdem so ausdrucksstark sind.

In "Achilles' Paradox" berrascht Livio uns mit einem schnen Harmonysolo inmitten eines Thrashhurricans. Marcos Vocals gereichen einem jungen Bruce Dickenson zu Ehren.

"Mechdreamer" ist das Opus Magnum dieses Albums und thront ber dem ohnehin schon gipfelhohen Restniveau. Neben den orientalischen Gitarren zu Beginn und dem atmosphrischen Mittelteil mit "Enterprise"-artigen Soundeffekten unterscheidet die Spielzeit von ber acht Minuten diesen Track von den restlichen. Nach dem ruhigen Mittelteil wird ein musikalischer Spannungsbogen gezogen, der in einem aberwitzigen Basssolo von Giuseppe gipfelt, das von einem Gitarrenduell zwischen Livio und Matt Johnsen abgelst wird.

"A New Beginning" wre nicht nur wegen des Songtitels ein astreiner Opener gewesen. Der Track bndelt in viereinhalb Minuten Spielzeit alle Strken dieser Wahnsinnstruppe. Marcos Schreie am Anfang gehen durch Mark und Bein. Tempomig ist "ANB" im Vergleich zu den obenstehenden Stcken eher langsam, was den Italienern sehr gut zu Gesicht steht.

Bei "Emphasize" geht es dann nochmal so richtig zur Sache. Schlagzeug und Gitarren klingen nach einer der wenigen Bands, die MW NOCH nicht toppen knnen: Psychotic Waltz! Der Refrain (Ja, den gibt es hier wirklich.) ist fast schon eingngig. Die erste Radiosingle also, ha, ha!!!

Um die lngste Rezension, die ich jemals geschrieben habe, abzurunden, soll nicht unerwhnt bleiben, dass das Cover wunderbar geworden ist und der Sound (nicht nur fr eine Eigenproduktion) total geil klingt und zwar gleichzeitig roh und transparent, aber keinesfalls berproduziert. Kaum vorstellbar, was MW zu leisten fhig wren, wenn sie unter professionellen Bedingungen aufnehmen knnten...oder wrde ihnen dies ihre Unbekmmertheit und Originalitt rauben? Vielleicht ist es auch gut so, dass manche Combos niemals fr (grere) Labels oder die (breitere) Masse zugnglich sein werden. Alles ist gut, so wie es ist. Ergo, bestellt ihr euch dieses Hammerteil am besten direkt bei der Band (mementowaltz@gmail.com) und zwar S.O.F.O.R.T.!!!
   
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