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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

ODDLAND - The Treatchery Of Senses
Band ODDLAND
Albumtitel The Treatchery Of Senses
Label/Vertrieb Century Media / EMI
Homepage www.oddlandband.com
Verffentlichung 30.04.2012
Laufzeit 50:44 Minuten
Autor Jens Gellner
Bewertung 14 von 15 Punkten
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Einen uerst schwer verdaulichen musikalischen Brocken werfen uns die Finnen von ODDLAND auf ihrem Debutalbum vor die Fe. Zwar besteht die Band bereits seit 2002 und hat seitdem einige stilistische Wandlungen auf den bisher verffentlichten Demos durchgemacht, aber unterm Stich ist es kaum zu glauben, dass es sich bei "The Treachery Of Senses" tatschlich um das erste Album dieser Band handelt; denn das Songwriting mit Attributen wie "gereift" oder "professionell" zu beschreiben, wre eine malose Untertreibung. Es ist nahezu unmglich, den Stil der Band mit Worten zu beschreiben - zwar klingt die (ich bin versucht zu sagen) typische finnische Melancholie durch alle Kompositionen, aber zu vielfltig sind die hier verarbeiteten Einflsse, die von 70er Progrock (GENTLE GIANT, GENESIS) ber so gegenstzliche Bands wie DREAM THEATER, ALICE IN CHAINS, WATCHTOWER, ANATHEMA, OPETH und TOOL bis hin zu thrashigem, vertrackten Math Metal der Marke MESHUGGAH reichen. Ja, sicher knnte man das ganze einfach als Progressive Metal bezeichnen, aber ich denke, durch diese Schuladisierung werden Erwartungen geweckt, denen die Band nicht gerecht wird. Und das meine ich im positiven Sinne! Am ehesten wrde ich ODDLAND in eine Line mit Formationen wie LEPROUS stellen: eine genrebergreifende Melange aus eigentlich unvereinbaren Stilrichtungen, experimentell, interessant und kompositorisch sowie handwerklich auf hchstem Niveau; und das Kunststck vollbringend, ein augenscheinliches Stilchaos so zu ordnen, dass nachvollziehbare Songs dabei entstehen. Und wer beim Lesen dieses Satzes nun denkt "Klingt interessant, aber was zur Hlle will er mir damit sagen?" ist schon nah an dem Eindruck, den "The Treachery Of Senses" beim Anhren hinterlsst. Neugierig geworden? Sehr gut, dann wrde ich als ersten Anspieltipp "Still The Spirit Stays" nennen. Nicht, dass der Song besonders reprsentativ wre (diese Bezeichnung trifft brigens auf keinen der 10 Tracks zu), nein, die Nummer bietet einfach ein schnes Beispiel, wie ein eigentlich recht simples, aber geniales Metal Riff in eine vllig ungewhnliche Melodiefhrung bergeht, um dann nach einem verqueren Break mit einer eingngigen, getragenen Gesangsfhrung ber einen um sich selbst windenden, nicht mehr nachvollziehbaren Rhythmus aufzuwarten, bevor im Mittelteil vllig der Wahnsinn um sich greift. Was hier in nicht ganz fnf Minuten verarbeitet wird, fllt bei anderen Bands ein ganzes Album. Wer nun noch nicht genervt abgeschaltet hat, kann sich noch "Flooding Light", "Sewers", das frappierend an die ruhigen Songs von OPETH erinnernde "In Endless Endeavour" und den berflieger "Ire" anhren, und dann bitteschn das Album kaufen. Hchstwertung? Nein. Denn bei allem angebrachten Enthusiasmus: viele der Songs sind recht hnlich aufgebaut - beispielsweise folgt nach einem brachialen Anfang stets eine ruhige, melodise Strophe, und bei allem Respekt: das Cover weckt falsche Erwartungen und wird der Musik nicht mal ansatzweise gerecht. Zugegeben ist das jammern auf hohem Niveau, aber da es sich hier um ein Debutalbum handelt (ich kann das gar nicht oft genug sagen), muss fr das nchste Album ja auch noch Luft nach oben bleiben - obwohl ich schon etwas Angst davor habe, was denn nach solch einem Hammeralbum noch kommen soll. Wenn in letzter Zeit ein Album die Bezeichnung "Geheimtipp" verdient hat, dann dieses!
   
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